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(Heft 4/2021)
Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Vor rund hundert Jahren schuf Ernest Hemingway während seines Paris-Aufenthalts Weltliteratur. Er schrieb in Cafés und zu Hause in seiner Mansarde – direkt über dem kreischenden Lärm eines Sägewerks. Kaum mehr vorstellbar heute, aber damals war das unmittelbare Neben- und Übereinander von Wohnen und Produktionsarbeit eine Selbstverständlichkeit.

Nach einer langen Zwischenphase, in der Betriebe des verarbeitenden Gewerbes auf die grüne Wiese oder ins Ausland abwanderten, geht ein Trend wieder in die entgegengesetzte Richtung. Die Heimkehr urbaner Produktion zeichnet sich ab. Zudem wird immer klarer, dass sogenannte funktionsgemischte Städte diverse Vorteile bieten.

Politische Konsequenzen gezogen hat aus dieser Erkenntnis die Landesregierung Nordrhein-Westfalen mit ihrer Innenstadtoffensive. Ihr Ziel ist, attraktive multifunktionale Räume zu schaffen mit verschiedenen Nutzungen: „Produzierendes Gewerbe, Einzelhandel und Dienstleistungen finden sich dort gleichermaßen wie Wohnungen, Gastgewerbe und Freizeitangebote“, heißt es in der „Gemeinsamen Erklärung für die Zukunft der Innenstädte in Nordrhein-Westfalen“.

Dr. Jan Heinisch, Staatssekretär im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW, wünscht sich, dass aus diesem Trend bunte, trubelige und lebendige Städte erwachsen, die zu jeder Zeit von den Bürgerinnen und Bürgern frequentiert werden. Gegenüber der G.I.B. machte er deutlich, dass dies aber nur durch einen neuen Mix gelingen kann. Deswegen sollen mit der „Gemeinsamen Innenstadtoffensive Nordrhein-Westfalen“ funktionsgemischte Innenstädte erhalten oder erst wieder erzeugt werden.

Trotz solcher sowohl für den Arbeitsmarkt wie auch für die Stadtentwicklung vielversprechenden Aussichten muss aber auch zur Kenntnis genommen werden, dass das zu erwartende Arbeitsplatzvolumen derzeit noch kaum zu quantifizieren ist. Darin sind sich Politik und Wissenschaft einig. Insofern ist es wichtig, den Trend zu urbaner Produktion arbeitspolitisch im Blick zu behalten.

Ganz praktische Hinweise darauf, wie die Re-Integration von urbaner Produktion in die Stadt gelingen kann, liefern das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt „UrbaneProduktion.Ruhr“, an dem auch die Stadt Bochum beteiligt war, sowie die österreichische Hauptstadt Wien mit dem Quartier Seestadt, einem der größten Stadtentwicklungsgebiete Europas. Wir stellen beide Beispiele in diesem G.I.B.-Info vor.

 

Karl-Heinz Hagedorn

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