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(Heft 3/2022)
Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Jugend bedeutet Zukunft. Das gilt natürlich vor allem für die jungen Menschen selbst, aber auch für die Gesellschaft, in der sie leben, und für die Betriebe und Institutionen, in denen sie einen Beruf erlernen und später vielleicht einmal arbeiten werden. Dies in Zusammenhang zu sehen, kennzeichnet die vor zehn Jahren vom nordrhein-westfälischen Arbeitsministerium gestartete Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA). Ihr Anspruch ist, allen jungen Menschen nach der Schule möglichst rasch eine Anschlussperspektive für Berufsausbildung oder Studium zu eröffnen und durch eine effektive kommunale Koordinierung unnötige Warteschleifen zu vermeiden. Gleichzeitig hilft sie, den stetig steigenden Fach- und Arbeitskräftebedarf der Betriebe zu sichern.
Ist das in den vergangenen zehn Jahren gelungen? Und: Gibt es Nachsteuerungsbedarf? Das sind nur zwei von vielen Fragen, die wir bei unseren Veranstaltungen im „Sommer der Lohnhallengespräche“ sowie im vorliegenden G.I.B.INFO mit Mitgliedern des KAoA-Steuerungsgremiumd diskutiert haben: mit Anja Esser vom Ministerium für Schule und Bildung, Dr. Jens Stuhldreier und Stefan Kulozik vom Arbeitsministerium, Norbert Wichmann vom DGB und mit Andreas Oehme, dem Geschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertags. Einig sind sie sich darin, dass auch die Betriebe gefordert sind. Gerade mit Blick auf den aktuellen Fach- und Arbeitskräftemangel bieten ihnen die betrieblichen Praxisphasen von KAoA eine gute Möglichkeit, für sich und die duale Ausbildung zu werben. 
 
Wie viel in diesem Handlungsfeld nicht zuletzt aufgrund der voranschreitenden Digitalisierung schon jetzt in Bewegung ist, zeigt der Wandel vom papierbasierten Berufswahlpass zur berufswahlapp, über den wir in diesem G.I.B.INFO genauso berichten wie über den Bildungswegenavigator, den ursprünglich die Kommunale Koordinierung der Landeshauptstadt Düsseldorf entwickelt hat. Er steht beispielhaft für den gelungenen Transfer kreativer und innovativer Formate in die insgesamt 53 Kommunalen Koordinierungsstellen Nordrhein-Westfalens.
 
Wie zuvor schon Barbara Molitor, Gruppenleiterin „Berufliche Bildung, Fachkräftesicherung, Digitalisierung der Arbeitswelt“ im Landesarbeitsministerium, beim G.I.B.-Lohnhallengespräch, so fordert auch Prof. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung, im Interview, den Beruf als Ganzes in seinem zeitlichen Verlauf zu sehen, die Berufsbildung als inte­griertes Aus- und Weiterbildungskonzept auszugestalten und die Abschlussprüfung lediglich als wichtigen Meilenstein zu verstehen. Seine Schlussfolgerung: „Den Begriff Abschlussprüfung darf es insofern gar nicht mehr geben, da müssen wir uns einen passenderen ausdenken.“
 
Karl-Heinz Hagedorn
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