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(Heft 2/2022)
Digitaler Elternabend informiert über berufliche Orientierung

Schule – und dann?

Die Kommunale Koordinierungsstelle im Kreis Warendorf hatte Ende November 2021 bereits zum zweiten Mal zu einem virtuellen Infoabend für Eltern und Erziehungsberechtigte eingeladen und damit eine breite Zielgruppe erreicht. Das Online-Format erwies sich als erfolgreich und soll nun fortgesetzt werden.
Eltern zählen zu den wichtigsten Bera­ter*innen ihrer Kinder, wenn es um deren berufliche Orientierung geht. Besonders während des Lockdowns war es aber kompliziert, die öffentlichen Beratungsstellen zu nutzen. Damit die beruflichen Wege dennoch gut geplant werden können, gibt es virtuelle Angebote. Dahinter steckt in Nordrhein-Westfalen die seit 2012 bestehende Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA), die den Übergang von der Schule in den Beruf landesweit gestaltet hat. KAoA nimmt alle Jugendlichen in den Blick und will mit einer systematischen Studien- und Berufsorientierung ab Klasse 8 zu konkreten Anschlussperspektiven verhelfen. Die Kommunale Koordinierungsstelle im Kreis Warendorf, die dort für die entsprechenden Aufgaben zuständig ist, macht das inzwischen auch im virtuellen Raum. 
 
Die Initiative für ein solches Online-Format ging von der „Arbeitsgemeinschaft Elterneinbindung“ aus. Veranstaltet wurden die beiden ersten digitalen Elternabende dann im Juni und November 2021 von der Kommunalen Koordinierungsstelle in Kooperation mit der Agentur für Arbeit, der Handwerkskammer, der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen und der Fachhochschule Münster. Weitere Partner waren die Berufskollegs Beckum und Ahlen, das Hochschul-Kompetenz-Zentrum, die Universität in Münster, die Krankenpflegeschule Ahlen, das St. Elisabeth-Stift Sendenhorst und die schulpsychologische Beratungsstelle. 

Eine Broschüre allein reicht nicht aus
 

„Bereits im Jahr 2017 haben wir mit mehreren Akteuren die Arbeitsgemeinschaft Elterneinbindung gegründet“, erklärt Jutta Rohoff-Schaden, die Leiterin der Kommunalen Koordinierungsstelle Kreis Warendorf. „Unser Ziel ist, die Eltern bei der Berufsorientierung aktiv miteinzubinden und die Schülerinnen und Schüler zu stärken.“ Seit 2019 erstellt die Arbeitsgemeinschaft eine Broschüre „Schule – und dann? Wege der beruflichen Orientierung“, die zusammen mit den Halbjahreszeugnissen der 8. Schulklasse flächendeckend im Kreis Warendorf ausgeteilt wird. Die Broschüre wird auf Deutsch und auf Arabisch, Bulgarisch, Rumänisch, Russisch und Türkisch angeboten. 
 
Um das Angebot zu erweitern, wurde der Elternabend ins Leben gerufen. Die ersten Veranstaltungen fanden noch in Präsenzform in Ahlen und Warendorf statt. Bedingt durch die Corona-Pandemie, virtualisierten die Initiatoren den Elternabend. Die Vorteile eines Online-Angebots liegen auf der Hand: Die Teilnehmenden können sich ortsunabhängig zuschalten. Die Anreise zum Veranstaltungsort entfällt und das schont neben finanziellen auch zeitliche Ressourcen. Die Veranstaltung wurde bewusst in den Abend gelegt. Damit sollte berufstätigen Eltern die Teilnahme erleichtert werden. „Aus Erfahrung wissen wir, dass Eltern aufgrund ihrer eigenen Berufstätigkeit oft verhindert sind, um bei Veranstaltungen am Nachmittag teilzunehmen“, sagt Antje Kesslau, ebenfalls Mitarbeiterin der Kommunalen Koordinierungsstelle. Eine große Gruppe nutzte das neue virtuelle Angebot – auch im Vergleich zu den Präsenzabenden. Insgesamt hatten sich 170 Teilnehmende in das Meeting eingeloggt. Für Eltern mit Übersetzungsbedarf stand während des Elternabends bei Bedarf die Unterstützung des Kommunalen Integrationszentrums durch telefonisch zugeschaltete Sprachmittler*innen zur Verfügung.

Eine Berufsorientierungskonferenz für Eltern
 

Und so muss man sich das vorstellen: Das Konferenztool ist einsatzbereit und technische Hürden sind schnell gelöst – der Elternabend im virtuellen Raum kann beginnen. Das Ziel an diesem Abend ist, die Eltern von schulpflichtigen Kindern über Wege der beruflichen Orientierung zu informieren. „Anfangs wussten wir nicht, ob die Eltern den Weg in unsere Onlinekonferenz finden würden“, sagt Jutta Rohoff-Schaden. „Letztlich haben aber viele Eltern mitgemacht und wir alle sind sehr zufrieden.“ 
 
Im Plenum erhalten die Eltern zunächst allgemeine Informationen, die für alle Teilnehmenden interessant und relevant sind. Später findet in Kleingruppen ein offener Austausch zu diversen Themenbereichen statt. Während des Abends stellen Ansprechpersonen aus den Bereichen Berufsberatung, duale Ausbildung, Studium und duales Studium sowie Berufskolleg ihre Beratungsangebote vor. Das virtuelle Format lebt dann von den innovativen Ideen der Kooperationspartner. Sie sorgen für spannende Beiträge aus dem Arbeitsalltag junger Menschen und gestalten das Programm ansprechend. Kurzweilige Vorträge, wie etwa zu Karrieremöglichkeiten sowie persönliche Erfahrungsberichte fokussieren auf unterschiedliche Berufe. „Die Akteure bringen sich engagiert ein“, sagt Antje Kesslau. „Sowohl diejenigen in der Arbeitsgemeinschaft als auch die Partner auf dem Elternabend legen sich ins Zeug und entwickeln vielseitige Ideen.“
 
Während des Infoabends werden neben den Beratungsangeboten je nach Bedarfslage weitere Schwerpunkte beleuchtet. Bisher wurde der Fokus auf das Thema „Mit Jugendlichen über Berufswahl sprechen“ und auf die duale Ausbildung gelegt. Die Eltern erfahren, welche Ausbildungswege existieren, damit sie im Nachgang an den Abend gemeinsam mit ihren Kindern erforschen können, ob eine duale Ausbildung für sie in Betracht kommt. Die persönlichen Erfahrungsberichte von Auszubildenden lassen die Eltern in die beruflichen Welten von Berufsanfängerinnen und -anfängern blicken. „Das macht es anschaulich und verdeutlicht, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, zu einer guten Berufswahl zu kommen“, so Antje Kesslau. „Die Azubis berichten authentisch und geben ein realistisches Bild über ihr Erleben in der Ausbildungswelt und den Weg dorthin.“ 

Beratungsangebote, die das Wissen vertiefen 
 

Im zweiten Teil des Abends gehen die Eltern und Teilnehmenden in den direkten Austausch mit den Akteuren im Bereich Übergang Schule – Beruf. Diese Angebote finden nicht im virtuellen Plenum, sondern in digitalen Unterräumen statt. Neben einem Impulsvortrag werden einige persönliche Fragen von den Expert*innen beantwortet. Das Ziel der Untergruppen ist, dass Eltern das umfangreiche Beratungsangebot im Kreis Warendorf und auch die jeweiligen Ansprechpersonen näher kennenlernen. Mit dem so gewonnenen Überblick können sie im Anschluss an den Elternabend zur jeweils passenden Beratungsstelle gehen und ihre Recherche etwa zu bestimmten Berufsbildern oder Karrieremöglichkeiten vertiefen. 

Eltern müssen sich ihrer besonderen Rolle bewusst sein 
 

Der Wechsel von der Schule in die Berufswelt ist ein entscheidender Schritt im Leben eines jungen Menschen. Nicht alle Schüler*innen schaffen den Eintritt in eine Berufsausbildung auf direktem Weg. Damit der Übergang gelingt, versuchen die Kommunen die Eltern mit ins Boot zu holen und bieten regelmäßige Informationsveranstaltungen an. Die Eltern sind dazu angehalten, zwar Verantwortung für ihre Schützlinge zu übernehmen, aber sie ebenso frei über ihre eigenen beruflichen Wege entscheiden zu lassen. „Eltern sind für uns wichtige Ansprechpartner und spielen eine ganz besondere Rolle für ihre Kinder. Eltern müssen erkennen, dass ihre Kinder ihren eigenen Weg gehen müssen, sollen und dürfen. Entscheidend ist, dass die Eltern über die vielfältigen beruflichen Wege gut informiert sind“, sagt Jutta Rohoff-Schaden. „Und sie müssen sich ihrer eigenen besonderen Rolle bewusst sein.“ Viele Eltern wissen gar nicht, dass sie Einfluss auf ihre Kinder ausüben. Das Ziel sei, dass die Eltern und Erziehungsberechtigten Bewusstsein darüber erlangen und realisieren, wie sie ihre Kinder bei der Wahl des passenden Weges unterstützen können. 
 
Eine besondere Herausforderung dabei ist, die verschiedenen Elterngruppen anzusprechen. Auch im Falle des digitalen Angebots ist das weiterhin schwierig. „Wir versuchen, möglichst viele Menschen zu erreichen, wir lassen Einladungsschreiben über alle Schulen verteilen und schalten Zeitungsannoncen“, berichtet Antje Kesslau. Generell sei zu beobachten, dass der Unterstützungsbedarf sehr unterschiedlich ist und das Angebot letztlich von einer sehr heterogenen Gruppe von Eltern genutzt wird. Entsprechend individuell und unterschiedlich müssen die Ansätze der Beratung sein, um den Kindern die größtmöglichen Chancen für ihren beruflichen Weg anzubieten. 

Ohne aufmerksame Planung geht es nicht
 

Das Zusammenspiel der Kooperationspartner stellte dabei eine organisatorische und logistische Herausforderung dar. Eine Veranstaltung dieser Größe im virtuellen Raum bedarf einer besonders aufmerksamen Planung: Die Kenntnisse über die Technik müssen sichergestellt sein und die Beiträge sollen sich inhaltlich ergänzen und ein breites Spektrum abdecken. „Im Vorfeld haben wir viel Zeit investiert, um uns mit allen Kooperationspartnern gut abzustimmen“, sagt Antje Kesslau. „Die Rollen, Aufgabenbereiche und technischen Möglichkeiten mussten geklärt werden. Zu beachten sind organisatorische Fragen. Welche Plattform ist nutzbar, welcher Partner kann die IT unterstützen, wie läuft die Anmeldung.“ Wenn diese Fragen geklärt sind, und die Technik steht, sei die Wiederholung einer virtuellen Veranstaltung dann aber weniger aufwendig als die einer Präsenzveranstaltung, so die Erfahrung der Mitarbeitenden der Kommunalen Koordinierungsstelle. 

Fortsetzung folgt
 

Aufgrund der gelungenen Zusammenarbeit aller Akteure und der positiven Rückmeldungen der Eltern soll das Format auch zukünftig im virtuellen Raum angeboten werden. Die Kommunale Koordinierungsstelle im Kreis Warendorf steht in den Startlöchern für die erneute Durchführung des Elternabends. „Eltern sind die wichtigsten Beratungspersonen. Wir möchten ihnen bewusst machen, dass das, was sie sagen, eine Auswirkung auf ihr Kind hat“, sagt Antje Kesslau. Um die Eltern auch zukünftig bei der beruflichen Orientierung ihrer Kinder mit einzubeziehen, wird die Fortsetzung der digitalen Veranstaltungen seitens der Kooperationspartner begrüßt und aktiv unterstützt. „Es wäre wünschenswert, wenn der Beruf zur Berufung wird“, sagt Jutta Rohoff-Schaden. „Und das gelingt nur, wenn Menschen gut informiert sind.“
 

Kontakt

Kommunale Koordinierungsstelle
Kreis Warendorf
Jutta Rohoff-Schaden
Tel.: 02581 534044

Antje Kesslau
Tel.: 02581 534042
KoKo@kreiswarendorf.de

Autorin

Hanna Göhler
Tel.: 01577 6332164
hanna.goehler@digitalhabitat.de

Ansprechperson in der G.I.B.

Anne Sabine Meise
Tel.: 02041 767172
a.meise@gib.nrw.de

 

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