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(Heft 2/2022)
Modellprojekt stärkt Geschäftsleitungen, Beschäftigte und Beratende in der „grünen“ Transformation

Kompetente Hilfe für ökologisches Wirtschaften

Das Förderinstrument der Transformationsberatung steht kurz vor der Einführung. Das Modellprojekt „Ökologisches Wirtschaften“ entwickelt flankierend Inhalte und Werkzeuge, um nachhaltige Entwicklungen in Unternehmen anzustoßen.
Handlungsdruck und Herausforderung könnten kaum größer sein: Die Wirtschaft muss sich von gewohnten Verhaltensmustern lösen, um ihren Beitrag zum Abwenden der Klimakrise zu leisten. Zielvorgaben der Europäischen Union bis hinunter auf die Ebene der Bundesländer – mit dem „Green Deal NRW“ – verlangen von Betrieben aktive Maßnahmen, ihren ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Wie aber lassen sich Produktionsprozesse und Arbeitsabläufe nachhaltig verändern? Antworten darauf erarbeitet das Modellprojekt „Ökologisches Wirtschaften“, das vom Arbeitsministerium NRW mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds unterstützt wird. Es verfolgt einen umfassenden Ansatz und will Geschäftsleitungen, Beschäftigte und Berater*innen gleichermaßen für die Anforderungen der grünen Transformation fit machen.
 
Als Projektträger kooperieren die Deutsche Angestellten-Akademie GmbH (DAA) und das Consultingunternehmen mpool. Mit der Auswahl eines Bildungsanbieters und einer Unternehmensberatung sind wesentliche Wirkungsbereiche des Projekts markiert. Zum einen sollen Weiterbildungs- und Qualifikationsangebote entstehen und Beschäftigten helfen, Prinzipien des ökologischen Wirtschaftens zu verinnerlichen. Parallel dazu sollen Unternehmensleitungen befähigt werden, eine umweltorientierte Personalentwicklung voranzutreiben und als nachhaltiges Unternehmen anziehender auf Fachkräfte und Auszubildende zu wirken. Zum anderen müssen Betriebe Instrumente zur Verfügung gestellt bekommen, mit denen sie Ansatzpunkte für nachhaltige Maßnahmen überhaupt erkennen und daraus Strategien für verantwortungsvolles Handeln im eigenen Haus und ihren Lieferketten entwickeln können.
 
Eine Schlüsselrolle kommt neben Bildungsinhalten den Beratungsangeboten zu. Die Landesregierung hat erkannt, dass bewährte Beratungskonzepte angesichts der umfassenden ökonomischen, ökologischen und sozialen Herausforderungen der Green Economy einer Ergänzung bedürfen. Daher erhält das Förderinstrument der Potentialberatung NRW, die Unternehmen zur Sicherung ihre Zukunftsfähigkeit eine externe Beratung ermöglicht, ab dem 1. Juli 2022 eine Art „grüne digitale Schwester“, die Transformationsberatung. Sie zielt im „Green Economy“-Zusammenhang darauf ab, Betriebe bei ihrer unternehmensstrategischen Entwicklung speziell im Themenkomplex Nachhaltigkeit in Verbindung mit einer Personalentwicklungsplanung zu unterstützen. Im Vorbereitungsprozess der Transformationsberatung hat das Projekt „Ökologisches Wirtschaften“ wertvolle Zuarbeit leisten können, weil es Konzepte für eine „Green Deal NRW Beratung“ entwirft. Ab Juli sieht Andreas Franke, Projektverantwortlicher bei mpool, die Beteiligten dann als aktive „Wegbegleiter des neuen Förderprogramms“. Bis ins Frühjahr 2023 sollen ein webbasiertes Beratungskonzept für Unternehmen erprobt, Bildungsangebote für Beschäftigte sowie Schulungskonzepte für die Beraterszene entstanden sein.

Mit Radar und App in fünf Test-Betriebe
 

Im Mai 2022 ist das Modellprojekt mit einer „First-Steps-Beratung“ in die nächs­te Stufe eingetreten. Dabei gehen die Projektverantwortlichen in einer ersten Erprobungsstaffel für drei Tage in fünf ausgewählte Unternehmen aus den Bereichen Metall und Elektro, Pflege oder Informationstechnologie. Zu klären ist dabei, welchen nachhaltigen Pflichten die Firmen bereits nachkommen und aus welcher Motivation heraus sie welche nachhaltigen Wege einzuschlagen gedenken. „Wir erproben so unsere Instrumente, um herauszufinden, ob sie den erhofften Mehrwert für die Unternehmen darstellen“, sagt Kurt-Georg Ciesinger, Projektleiter bei der DAA. Zur Anwendung kommt zunächst ein „Green-Deal-Radar“. Ausgehend von den Grundlagen ökologischen Wirtschaftens zeigt das Radar auf, welche Handlungsfelder sich für ein Unternehmen anbieten. Die Auswahl der Schwerpunkte obliegt anschließend der Firma selbst. Das Radar unterstütze auf unkomplizierte Weise, so Andreas Franke, weil sich ohne großen Aufwand ein „CO2-Fußabdruck light“ des bisherigen Geschäftsmodells erstellen lasse. Die Relevanz dieser Bestandsaufnahme betont Kurt-Georg Ciesinger. Ab 2026 gilt für die betrieblichen Klimaanstrengungen eine verschärfte Berichtspflicht, daher müssen „wir frühzeitig in die Köpfe von Geschäftsleitungen und Beschäftigten hineinkommen und das Bewusstsein schärfen“, sagt er.
 
Im nächsten Schritt der dreitägigen Beratung kommt die „Grünkomp-App“ zum Einsatz, ein digitales Messgerät für die „grünen Kompetenzen“ von Unternehmensleitungen und Beschäftigten. Die Anwendung identifiziert mögliche Wissensdefizite im Bereich des ökologischen Wirtschaftens. Wo nötig, helfen in die App eingebaute Bildungshäppchen („Nuggets“), Brücken in die nachhaltige Wirtschaftsweise zu bauen. An dieser Stelle sei das Projekt in besonderem Maße beteiligungsorientiert angelegt, sagt Kurt-Georg Ciesinger. Denn für das spätere Vorgehen in den Unternehmen sei es wichtig, Menschen aus unterschiedlichen Abteilungen zu finden, die über eine Expertise für das Einsparen von Treibhausgasen verfügen könnten. „Da kann zum Beispiel auch der Einkauf einer Firma eine Rolle spielen, weil in der Materialbeschaffung viele Einsparpotenziale stecken“, sagt Andreas Franke.

Mit dem Wissen wächst die Überzeugungskraft
 

Wie ein Unternehmen kompetente Teams aus „Öko-Scouts“ für das Planen nachhaltiger Maßnahmen zusammenstellt, sei laut Andreas Franke eine Aufgabe für spätere Schritte. Die „First-Steps-Beratung“, die das Modellprojekt jetzt teste, sei jedenfalls der geeignete Anknüpfungspunkt für externe Beraterinnen und Berater, die auch integraler Bestandteil der Potentialberatung NRW sind. Zur Erinnerung: Hintergrund der Transformationsberatung ist, dass es aktuell keine ausreichenden Beratungsstrukturen für Green-Deal-Anforderungen in Nordrhein-Westfalen gibt. Hier setzen Arbeitsministerium und G.I.B. an, um die Potentialberater*innen für die konkrete Umsetzung klimapolitischer und digitaler Transformationsansätze zu schulen. Ihnen, sagt Andreas Franke, stünden sukzessive Werkzeuge zur Verfügung, um ihre Expertise zu vertiefen. 
 
Parallel zu den Berater*innen rücken auch die Regionalagenturen ins Blickfeld, die die Landesregierung als Servicestellen in den 16 Arbeitsmarktregionen Nord­rhein-Westfalens unterhält. Auch sie, sagt André Deutschmann, stünden vor einem Lernprozess in ökologischer Wirtschaft. Der Leiter der Regionalagentur Westfälisches Ruhrgebiet denkt dabei besonders an die Aufgabe, interessierten Unternehmen die Vorteile der Transformationsberatung nahezubringen. Zudem müssten sie fachliche Stellungnahmen für die eingehenden Anträge erstellen, mit der sie die grundsätzliche Förderwürdigkeit einer Transformationsberatung beurteilen. Das Modellprojekt „Ökologisches Wirtschaften“ werde bei den Regionalagenturen die Entscheidungskompetenz stärken, so André Deutschmann. Für Kurt-Georg Ciesinger ergibt sich aus dieser Ausrichtung des Modellprojekts ein umfassender Service für Unternehmen, Beschäftigte und Beratungsinfrastruktur. Die Stärke des Projekts sei es, nach der Radar-Analyse des Status quo direkt mit App-gestützten Bildungsformaten zu Green-Economy-Themen einsetzen zu können. Und mit dem Wissen, sagt André Deutschmann, wachse auch die Überzeugungskraft der Beratenden im Gespräch mit den Geschäftsleitungen. Denn die gelte es zu überzeugen, mithilfe der Transformationsberatung das Geschäftsmodell klimaverträglicher zu gestalten und die Belegschaft bei diesem Wandel einzubinden.
 

Kontakte

Deutsche Angestellten-Akademie GmbH (DAA) Westfalen, Dortmund
Kurt-Georg Ciesinger, Projektkoordinator
Tel.: 0171 1796720
kurt-georg.ciesinger@daa.de
mpool consulting Dortmund GmbH
Andreas Franke, Projektleiter
Tel.: 0231 54664921
a.franke@mpool-consulting.de
Regionalagentur Westfälisches
Ruhrgebiet, Dortmund
André Deutschmann, Leitung
Tel.: 0231 5023050
andre.deutschmann@stadtdo.de

Autor

Volker Stephan
Tel.: 0173 3679157
post@volker-stephan.net

Ansprechperson in der G.I.B.

Andreas Bendig
Tel.: 02041 767206
a.bendig@gib.nrw.de
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