Sie sind hier: Startseite Heftarchiv 2022 Zukunft Green Economy Auszubildende als Energie-Scouts
Navigation
 
(Heft 2/2022)
Im Einsatz für Energieeffizienz und Klimaschutz

Auszubildende als Energie-Scouts

Energieeffizienz und Klimaschutz gehören zu den zentralen politischen Themen der Gegenwart und Zukunft. Die Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz, ein gemeinsames Projekt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages e. V. (DIHK), des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz, qualifiziert Auszubildende zu Energie-Scouts – mit Vorteilen für die Unternehmen, die Auszubildenden und die Umwelt.
Schneller gehts nicht. Mit der kurzen Ja-oder-Nein-Antwort auf nur neun Fragen wissen kleine und mittlere Unternehmen sofort, wie es um ihre Energieeffizienz bestellt ist. Möglich macht das der Blitz-Check. Er fragt etwa: „Wissen Sie, wie viel Strom, Gas und Wasser Ihr Unternehmen in einem Jahr verbraucht?“, „Kennen Sie den CO2-Fußabdruck Ihres Unternehmens?“ oder „Sagt Ihnen die Bezeichnung Modal Split etwas?“ 
 
Bereits ein einziges Nein bedeutet, dass Handlungspotenzial besteht, sagt Stefanie Tornow, Projektreferentin beim „Unternehmensnetzwerk Klimaschutz“, ein im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative durch das Bundeswirtschaftsministerium gefördertes Projekt. Seitens des DIHK ist es Teil der Dachmarke „Mittelstands­initiative Energiewende und Klimaschutz“, die auch den Blitz-Check entwickelt hat.
 
Schon seit 2013 unterstützt die Mittelstands­initiative kleine und mittlere Unternehmen (KMU) dabei, Energieeinsparpotenziale zu identifizieren und ihre Energieeffizienz zu verbessern: „Energieeffizienz und Klimaschutz in Unternehmen spielen für den Erfolg der Energiewende eine entscheidende Rolle“, ist Stefanie Tornow überzeugt, „zugleich sind sie, aber auch ein Schlüsselfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittelständischer Unternehmen.“ 
 
Nach ihrer Ansicht steht der Mittelstand hier zunehmend unter Druck: „Waren etwa von der Dokumentationspflicht hinsichtlich der betrieblichen Klimaschutzmaßnahmen ursprünglich hauptsächlich große Firmen betroffen, müssen aufgrund neuer Regelungen auf EU-Ebene zukünftig auch KMU bei der CO2-Bilanzierung die Treibhausgasemissionen ihrer Zulieferer berücksichtigen.“ Zudem werde die Klimaneutralität von Produktherstellungen auch vonseiten der Kund*innen und Verbraucher*innen immer kritischer hinterfragt. 
 
Doch kleinen und mittleren Unternehmen fehlt es nach ihrer Kenntnis oft an zeitlichen und personellen Ressourcen, um Energieeinsparpotenziale zu erkennen und frühzeitig Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen. Sie verfügen eher selten über firmeneigene Energieeffizienzmanager*innen oder Nachhaltigkeitsmanager*innen.
 
Ihnen bietet die Mittelstandsinitiative seit Jahren ein breites Unterstützungsangebot, das vom Klimaschutz-Coaching über Hilfestellungen für die Optimierung von Betriebsmobilität bis hin zu Qualifizierungen, Beratungen und Webinaren reicht. 

Betriebliche Praxisprojekte
 

Ein ganz besonderes Angebot der Mittelstandsinitiative ist die Qualifizierung von kaufmännischen wie auch gewerblich-technischen Auszubildenden zu Energie-Scouts, die sich bei ihren regionalen Industrie- und Handelskammern zu den Themen Energie- und Ressourceneffizienz sowie betriebliche Mobilität weiterbilden können. Stefanie Tornow: „Das befähigt sie, anschließend in ihren Ausbildungsbetrieben ,Stromfresser‘ oder ineffiziente Prozesse zu identifizieren.“
 
Obligatorischer Bestandteil der Qualifizierung sind eigenverantwortlich von den Auszubildenden zu entwickelnde Praxisprojekte zur Einsparung von Energie und weiteren Ressourcen in ihrem Betrieb. Darauf werden sie unter fachkundiger Anleitung inhaltlich gezielt vorbereitet. Zugleich lernen sie, ihr Projekt innerbetrieblich zu kommunizieren, um so ihre Ausbildungsleitungen oder die Geschäftsführung für ihr Projekt zu gewinnen. Zuvor wird das Praxisprojekt mit dem gesamten Kreis der an der Qualifizierung teilnehmenden Auszubildenden diskutiert und dokumentiert und anschließend in Zusammenarbeit mit Ausbilder*innen und Fachkräften im Betrieb umgesetzt. 
 
Für Arne Potthoff, Referatsleiter Industrie und Volkswirtschaft bei der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld, ist die Qualifizierung gleich in mehrerer Hinsicht vorteilhaft: „Energie-Scouts decken Schwachstellen in ihrem Betrieb auf, entwickeln Lösungen und leisten so einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. Zugleich sensibilisieren sie ihre Kolleginnen und Kollegen für das Thema Energie- und Ressourceneffizienz im Betrieb. Unternehmen, die ihre Auszubildenden an der Qualifizierung teilnehmen lassen, erhöhen zudem ihre Attraktivität als Ausbildungsbetriebe – ein nicht zu vernachlässigendes Argument angesichts sinkender Zahlen an Bewerberinnen und Bewerbern um einen Ausbildungsplatz.“
 
Arne Potthoff und Stefanie Tornow kennen viele, ganz unterschiedliche Beispiele für die Inhalte von Praxisprojekten. So haben Auszubildende dafür gesorgt, dass ihre Ausbildungsbetriebe Lackieranlagen energieeffizienter betreiben, auf LED-Beleuchtung umgestiegen sind oder Druckluftbedarfe reduziert wurden. Um ihre Projekte zum Erfolg zu bringen, recherchieren und berechnen die Auszubildenden und konstruieren auch in einigen Fällen ganz neue Prototypen und Anlagen: Neue Heizgeräte, zur Erwärmung von Kunststoffbauteilen, die Etablierung eines Gründachs oder intelligente Steuerungen von Druckluftanlagen.
 
„Die Kreativität der Auszubildenden für Energie- und Ressourceneinsparungen beeindruckt jedes Jahr aufs Neue“, sagt Arne Potthoff. Doch nicht nur im technischen, auch im kaufmännischen Bereich lässt sich Energie einsparen, so Stefanie Tornow: „Im Zuge der Digitalisierung wird Klimaschutz auch im kaufmännischen Bereich immer wichtiger, etwa bei der Frage, wie sich ein Server energieeffizienter betreiben lässt. Herumgesprochen haben dürfte sich zudem, dass eine Google-Anfrage genauso viel Energie verbraucht wie die Zubereitung einer heißen Tasse Kaffee oder Tee.“ 

Umweltschutz und Nachhaltigkeit als Mindestinhalte für alle Ausbildungsberufe
 

Mittlerweile haben sich bereits mehr als 10.000 Auszubildende zu Energie-Scouts qualifiziert. Die meisten von ihnen kamen aus technischen Branchen wie dem Maschinenbau, der Automobilzulieferer- oder der Metall verarbeitenden Industrie. 
 
Zwar gibt es für Fachkräfte nach ihrer Ausbildung bei den Industrie- und Handelskammern noch viele Qualifizierungsmöglichkeiten im Bereich der Energieeffizienz wie etwa Weiterbildungen als Druckluft-Spezialist*innen, Energiebeauftragte, Spezialist*innen für energieeffiziente Beleuchtungssysteme oder fürs Umweltmanagement, doch weil das Thema Nachhaltigkeit gesamtgesellschaftlich zunehmend an Bedeutung gewonnen hat, erklärt eine Sprecherin des Bundesinstituts für Berufsbildung, „zählt die Verbesserung nachhaltigen Handelns unter Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Aspekte im eigenen Arbeitsumfeld seit vergangenem Jahr zu den Mindestinhalten für alle Ausbildungsberufe.“
 
Übrigens: Mit dem eingangs genannten „Modal Split“ ist die Verteilung des Transportaufkommens auf verschiedene Verkehrsträger oder Verkehrsmittel (Modi) gemeint.
 

Kontakte

Stefanie Tornow, Projektreferentin
Unternehmensnetzwerk Klimaschutz.
Eine IHK-Plattform, DIHK Service GmbH, Berlin
Tel.: 030 203086593
tornow.stefanie@dihk.de
https://unternehmensnetzwerk-klimaschutz.de
Arne Potthoff, Referatsleiter Industrie
und Volkswirtschaft, Industrie- und
Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld
Tel.: 0521 554222
a.potthoff@ostwestfalen.ihk.de
www.ostwestfalen.ihk.de

Autor

Paul Pantel
Tel.: 02324 239466
paul.pantel@vodafonemail.de

Ansprechperson in der G.I.B.

Gaby Holz
Tel.: 02041 767253
g.holz@gib.nrw.de
Artikelaktionen