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(Heft 2/2022)
Die ersten „Kölner Berufswochen“ finden gute Resonanz

Alle unter einen Hut gebracht

Unter dem Motto „Nimm deine Zukunft in die Hand!“ hat die Stadt Köln im Rahmen der Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) vom 7. März bis 1. April 2022 die ersten Kölner Berufswochen veranstaltet. An der Aktion, die die Kommunale Koordinierungsstelle (KoKo) organisierte, beteiligten sich neben den ständigen Partner*innen der städtischen Einrichtung auch zahlreiche Unternehmen und viele weitere Institutionen. Selbst das Organisationsteam war über das riesige Interesse der Kölner Akteure im Übergang Schule – Beruf überrascht.
Gegen Ende der Schulzeit steht für alle Schüler*innen die Entscheidung an, in welche Richtung sie sich beruflich auf den Weg machen wollen. Diese Entscheidung ist schon in normalen Zeiten nicht einfach, unter Pandemiebedingungen, wie sie in den letzten zwei Jahren herrschten, aber noch einmal besonders erschwert. Denn viele Angebote, wie persönliche Beratungsgespräche oder auch Berufsmessen waren in dieser Zeit schlicht nicht möglich. Und auch aus Sicht der Anbieter von Ausbildungsplätzen waren die letzten zwei Jahre herausfordernd, fehlten doch die Möglichkeiten, sich den potenziellen Nachwuchskräften angemessen zu präsentieren. Das hat auch die KoKo in Köln erkannt. Initiiert von ihrer „Arbeitsgruppe (AG) Schulabgänger*innen“ nahm sie Mitte September des vergangenen Jahres die konkrete Planung eines Aktionszeitraumes zur Berufsorientierung in Angriff. „Die Idee bestand in der Bündelung des großen Angebots in Köln und darin, den Schüler*innen zu verdeutlichen, was es an Informationsmöglichkeiten alles gibt“, sagt Christina Lenke, Mitglied der KoKo und der AG. „Das Problem in Köln ist, dass es durch die Vielfalt der Anbieter, die alle getrennt auf die Schulen und die Jugendlichen zugehen, für den Einzelnen schnell unübersichtlich wird“, ergänzt Claudia Kleefisch, ebenfalls Mitglied des Organisationsteams. Zum Teil würden sich die Angebote zeitlich überschneiden, womit sich die Anbieter selbst „auf die Füße träten“. „Unser Eindruck in der Arbeitsgruppe war schon lange, dass es dringend einer Koordination in diesem Feld bedarf.“ Eine Aufgabe also für die KoKo, denn „es ist ja ihre ureigenste Aufgabe, die vorhandenen Angebote sichtbar zu machen und das Ganze zu strukturieren, zu bündeln und zu koordinieren“, sagt Bärbel Wensing, seit März 2022 Leiterin der KoKo.
 
Ziel der Berufswochen war es also zum einen, den Eltern und Schüler*innen einen Überblick über die vielfältigen Unterstützungsangebote zu bieten. Zum anderen aber war es auch die Absicht, eventuelle Hemmschwellen zur Kontaktaufnahme abzusenken, das Thema in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken und erstmalig unter einem gemeinsamen Motto alle Kölner Akteure im Übergang Schule – Beruf zu vereinen. Dass dieser Schulterschluss am Ende auch tatsächlich gelang, bezeichnet Claudia Kleefisch als einen großen Erfolg. Der Komplett-Überblick über alle Angebote sei das Besondere, das die Kölner Berufswochen von anderen Formaten, die es zur Berufsorientierung gibt, unterscheide.

Zielgruppe ausgeweitet
 

Die Steuerungsgruppe der KoKo beschloss, die Zielgruppe nicht auf die der Schulabgänger*innen und Interessierten der Sekundarstufe I zu beschränken, sondern auf alle interessierten Jugendlichen auszuweiten. Das bedeutete, dass auch der Kreis der einzubindenden Partner*innen entsprechend weit gefasst werden musste. Also waren bei den Kölner Berufswochen letztendlich alle relevanten Partner im Boot, die über duale und schulische Ausbildung, aber auch über Möglichkeiten zu studieren und über alternative Wege nach der Schule informieren konnten (zum Beispiel einen Freiwilligendienst).
 
Die KoKo Köln sammelte und koordinierte die Veranstaltungsangebote der Akteure und übernahm außerdem federführend die Öffentlichkeitsarbeit, hielt also bei der Planung alle Fäden in der Hand. In der Planungsphase von Ende September 2021 bis Anfang März 2022 war das dreiköpfige Team (Bärbel Wensing, Chris­tina Lenke, Claudia Kleefisch) damit „gut ausgelastet“, zumal die anderen Aufgaben der KoKo in dem Zeitraum nicht ruhten. Während des Aktionszeitraums fand die Interaktion dann vor allem direkt zwischen den Anbietenden und den Interessierten statt.
 
Für die Werbemaßnahmen konnte das Planungsteam Dienstleistungen der Stadt Köln in Anspruch nehmen, wie zum Beispiel den Layout-Service bei der Gestaltung des Flyers. Die Programmierung der Webseite übernahm der Verein Lernende Region Köln e. V., der auch bereits zum Netzwerk der Kommunalen Koordinierung gehörte. Einige Partner*innen, namentlich die Agentur für Arbeit, das Jobcenter, die IHK und die Handwerkskammer, beteiligten sich finanziell an den Kosten. „Dadurch, dass wir vieles selbst gemacht haben und die Werbemaßnahmen nicht komplett an eine Agentur übergeben mussten, waren die Kosten in Relation zum Umfang der Werbung sehr gering“, stellt Christina Lenke fest.
 
Und die Werbemaßnahmen waren tatsächlich umfangreich. Sie fanden über die Landingpage „www.koelnerberufswochen.de“ und Social Media statt, über die Internetseite der Stadt Köln und das Portal www.bildung.koeln.de. Dazu kam eine Außenwerbung-Kampagne (City Light-Werbung) mit 290 Citypostern sowie 1.100 Plakaten in Fahrzeugen der Kölner Verkehrsbetriebe. 35.000 Postkarten und 450 Plakate wurden an Schulen und Partner*innen im Stadtgebiet verschickt. Eine gemeinsame Pressemitteilung, eine Anzeige in der Kölner Illustrierten und ein Mailing an alle weiterführende Schulen und Netzwerkpartner*innen komplettierten die Werbemaßnahmen. Auf die Schüler*innen ging die KoKo über die Postkarten zu, die diese mit dem Halbjahreszeugnis erhielten. Außerdem bewarben alle Partner*innen die Berufswochen zusätzlich über ihre eigenen Kanäle. 
 
„Unser Claim ‚Nimm deine Zukunft in die Hand!‘ hatte einen gewissen Aufforde­rungs­charakter, weil wir der Meinung waren, dass wir der etwas perspektivlosen Stimmung, die nach der langen Pandemiezeit herrschte, etwas entgegensetzen sollten“, sagt Bärbel Wensing. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie hätte bei vielen Akteuren im Übergang Schule – Beruf das Gefühl erzeugt, dass man ein, zwei Generationen von Schulabgänger*innen „verliert“. „Unser Signal an die Schüler*innen war also: Wir sind alle noch da! Wir alle wollen euch unterstützen, ihr seid nicht allein!“ 

Über 150 Angebote
 

Das komplette Angebot der Berufswochen wurde in Form eines Veranstaltungskalenders auf der Landingpage veröffent­licht. Insgesamt kamen über 150 Termine von mehr als 40 verschiedenen Anbietern zusammen. Natürlich beteiligten sich alle langjährigen Partner der KoKo, es waren aber auch Unternehmen und Partner*innen dabei, die bisher noch nicht in so enger Abstimmung in den Netzwerken der KoKo beteiligt waren, wie zum Beispiel das Handwerkerinnenhaus, das ZDI-Zentrum, die Kompetenzagenturen oder die Jugendwerkstätten. Auch große Kölner Arbeitgeber­innen wie die Polizei, der Autobauer Ford, der WDR und die Stadt Köln nahmen teil. 
Die Planung und Durchführung der einzelnen Angebote oblag den Akteuren. „Wir haben den Partnern da alle Freiheiten gelassen“, sagt Christina Lenke. Und so stellten viele Anbieter über die bereits vorher bestehenden Angebote hinaus speziell für die Berufswochen ein neues Programm auf die Beine. Dabei zeigten sie sich sehr innovativ. Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter boten zum Beispiel zielgruppengerecht einen Escape Room an. Es gab digitale und Veranstaltungen in Präsenz, Beratung per Telefon oder Zoom, Kreativ-Parcours, Praxisangebote in Werkstätten und auch direkten Kontakt zu Unternehmen mit freien Ausbildungsplätzen. Veranstaltungen zum Thema duale Ausbildung, zum Beispiel von Ford, der Stadt Köln oder den Kammern, gehörten ebenso zum Programm wie Angebote von Bildungsträgern und Hochschulen. Zwar gab es einige Präsenz-Veranstaltungen, den größten Part nahmen – nach wie vor der Corona-Pandemie geschuldet – aber digitale Angebote ein. Viele Veranstaltungen waren frei zugänglich, es gab aber auch solche, für die eine Anmeldung erforderlich war. „Es konnten Lehrkräfte zum Beispiel im Vormittagsbereich mit einer ganzen Klasse ein Angebot wahrnehmen“, so Bärbel Wensing. Außerdem gab es Abendveranstaltungen, womit man berufstätigen Eltern entgegenkam. Neben den Schüler*innen hatte man auch an Fachkräfte und die Studien- und Berufswahlkoordinator*innen an den Schulen (StuBos) gedacht, für die es einige spezielle Info-Möglichkeiten gab.
 
Es fällt der KoKo schwer, einzelne Angebote hervorzuheben, auf jeden Fall waren aber die Veranstaltungen zum Thema Studium sehr gut besucht und auch die Angebote der Agentur für Arbeit und des Jobcenters Köln stießen auf viel Interesse. Sie machten zum Beispiel für eine Woche gemeinsam eine „Pop-up-Store-Ausbildungsstelle“ in der Jugendberufsagentur Köln auf. Dort wurden noch offene Ausbildungsstellen angeboten und konnten auch „direkt mitgenommen“ werden, wie es in der Beschreibung der Veranstalter hieß. Die Themen Inklusion und Integration waren im Angebotsportfolio ebenfalls zu finden und wurden gut nachgefragt. Und auch die KoKo zeigte sich sehr zufrieden mit dem Zuspruch zu ihrer eigenen Veranstaltung, einem Online-Infoabend unter dem Motto „Was willst du denn mal werden?“, an dem überwiegend die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern teilnahmen.
 
„Wir haben ja jahrelange Erfahrung in der Zusammenarbeit mit den verschiedenen Akteuren. Dennoch waren wir überrascht über die Vielzahl der Angebote und das große Interesse auf Anbieterseite“, sagt Claudia Kleefisch. „Wir haben eigentlich mit 30, 40 Angeboten gerechnet. Dass wir dann so viele Angebote bekommen haben, zeigt natürlich auch den Bedarf auf dieser Seite.“
 
Insgesamt zählte die KoKo im Aktionszeitraum rund 40.000 Zugriffe auf die Internetseite der Berufswochen. Das Feedback der StuBos, aber auch der sonstigen Partner sowie der Wirtschaft sei durchweg gut. So sagte etwa Garrelt Duin, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln: „Köln zeigt, wie berufliche Orientierung, im Zusammenschluss aller Akteure im Übergang Schule in den Beruf, gelingen kann und setzt damit bundesweit Maßstäbe.“ Die Schulaufsicht unterstützte als wichtiger Partner die Berufswochen durch ihre Kommunikation in die Schulen hinein und empfahl, die Angebote auch während der Unterrichtszeit wahrzunehmen. Schulamtsdirektorin Petra Vianden  ist von der Idee überzeugt und möchte die Berufswochen in Köln so etablieren, dass sie einen selbstverständlichen Platz in den Planungen der Schulen erhalten, ähnlich dem Girl´s und Boy´s Day. 
 
Als wichtige Erfolgsfaktoren nennt die KoKo die umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit und ihr gut funktionierendes Netzwerk. Sie empfiehlt, anderen kommunalen Koordinierungen, die eine ähnliche Aktion starten möchten, den Zeitpunkt des Aktionszeitraums mit allen abzustimmen. In Köln hat man sich nach eingehender Diskussion unter den Partner*innen auf den Zeitraum nach Karneval und vor Ostern geeinigt. Ein wichtiger Grund ist die zeitliche Nähe zur Ausgabe der Halbjahreszeugnisse, die von den Schüler*innen der Abschlussklassen für Bewerbungen genutzt werden. „Das ist ein Zeitpunkt, an dem Bewegung im System ist und auch auf Anbieterseite Möglichkeiten bestehen, neue Angebote zu schaffen sowie bestehende zu integrieren“, sagt Bärbel Wensing. Verbesserungsbedarf sehen sie und ihr Team unter anderem bei der Kommunikation in die Schulen hinein. „Die Information findet hier beim nächsten Mal frühzeitiger und nicht nur über E-Mail statt. Alle StuBos als wichtige Multiplikator*innen, die das Angebot an die Lehrkräfte herantragen, werden dann über eine kurze Online-Infoveranstaltung vorab persönlich angesprochen.“ Um die Schüler*innen noch besser zu erreichen, ist eine Auftaktveranstaltung eine Option für die Zukunft. Denn: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das An-die-Hand-Nehmen und die direkte Ansprache der Schüler*innen (durch die Lehrkräfte) ganz wichtig sind, weil viele nicht von sich aus aktiv werden, wenn es um den eigenen beruflichen Weg geht“, sagt Christina Lenke. Auch soll eine Filter- und Suchmöglichkeit in die Webseite eingebaut werden, um das umfangreiche Angebot übersichtlicher zu präsentieren. Dazu will man versuchen, das Angebot noch besser untereinander abzustimmen, vielleicht auch in der Form, dass Partner gemeinsame Angebote machen und sich dadurch ergänzen. 
 
Insgesamt fällt das Fazit der Verantwortlichen zu den ersten Kölner Berufswochen sehr positiv aus. Zwar gebe es ein paar „Kinderkrankheiten“, der Ansatz, den Schüler*innen zu ermöglichen, „auch mal mit Freude und Spaß an das Thema heranzugehen“, sei aber genau der richtige. „So zeigen wir den Jugendlichen, dass ihnen viele Wege offenstehen und es möglich ist, für die Zeit nach der Schule eine konkrete und realistische Zukunftsperspektive für sich zu finden“, sagt Bärbel Wensing. „Wir sind sehr stolz auf die Aktion, weil wir so eine riesige Resonanz und Öffentlichkeit für unser Thema erzeugt und alle unter einen Hut gebracht haben.“ 
 

Kontakte

Bärbel Wensing, Leitung Kommunale Koordinierungsstelle
Übergang Schule – Beruf der Stadt Köln
Tel.: 0221 22130562
baerbel.wensing@stadt-koeln.de
Christina Lenke, Mitarbeiterin Kommunale Koordinierungsstelle
Übergang Schule – Beruf der Stadt Köln, verantwortlich für Schüler Online
Tel.: 0221 22128634
christina.lenke@stadt-koeln.de
Claudia Kleefisch, Mitarbeiterin Kommunale Koordinierungsstelle
Übergang Schule – Beruf der Stadt Köln, verantwortlich für Berufsfelderkundung, Kooperation Schule – Wirtschaft
Tel.: 0221 22130567
claudia.kleefisch@stadt-koeln.de

Autor

Frank Stefan Krupop
Tel.: 02306 741093
frank_krupop@web.de

Ansprechperson in der G.I.B.

Ulrich Schipp
Tel.: 02041 767258
u.schipp@gib.nrw.de 

 

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