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(Heft 3/2021)
IAB-Kurzbericht

Zukunft von Helfertätigkeiten in Zeiten der Digitalisierung

Klingt plausibel, ist aber in der Pauschalität nicht wahr: Die Digitalisierung bedeutet das Aus für Helfertätigkeiten. Ein differenziertes Bild von der Zukunft von Helfertätigkeiten zeichnet ein aktueller Kurzbericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit dem Titel „Beschäftigungsentwicklung von Helfertätigkeiten. Corona-Krise hat langfristigen Wachstumstrend unterbrochen“. Nur unterbrochen also der Trend und nicht gebrochen – mit starken Unterschieden zwischen den einzelnen Regionen und Branchen.

Rund 15 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland, heißt es im Bericht, üben Helfertätigkeiten aus, also „einfache, wenig komplexe Tätigkeiten, für die mit wenigen Ausnahmen keine formale Ausbildung erforderlich ist.“ Dennoch sind viele Helfertätigkeiten „nicht voraussetzungsfrei“, vielmehr sind für ihre Ausübung „einschlägige Qualifikationsnachweise unterhalb der vollqualifizierenden Berufsausbildung erforderlich.“

Als Beispiele dafür nennt die Studie „etwa in der Kranken- und Altenpflege ein- bis unter zweijährige nach Landesrecht geregelte Ausbildungsgänge, die zu einem entsprechenden Abschluss in diesem Helferberuf führen. In vielen anderen Helferberufen sind bestimmte Zertifikate zur Ausübung erforderlich, etwa ein Schweißerschein oder die Berechtigung zum Führen eines Gabelstaplers.“

Eine weitere Differenzierung der Beschäftigten auf Helferniveau nach soziodemografischen Merkmalen zeigt, „dass Frauen etwas häufiger als Männer in Helferberufen tätig sind.“ Auffällig, so der Bericht, „ist der hohe Anteil an Jüngeren unter den Beschäftigten, die Helfertätigkeiten ausüben. Jüngere Personen haben häufiger (noch) keine Berufsabschlüsse, fehlende Arbeitsmarkterfahrung und daher eine höhere Wahrscheinlichkeit, Helferberufe auszuüben. Deutlich geringer ist der Anteil in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen, während der Anteil mit steigendem Alter wieder zunimmt.“

Den hohen Helferanteil geflüchteter Menschen führt der Kurzbericht „auf das jüngere Alter und deren häufig (noch) fehlende oder nicht anerkannte berufliche Abschlüsse zurück“ und verweist in diesem Kontext auf eine andere aktuelle IAB-Studie, wonach „die insgesamt noch niedrigen Antragszahlen auf Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Berufsabschlüsse – gemessen an dem Wachstum der ausländischen Beschäftigung – ein erhebliches Potenzial darstellen, um den wachsenden Fachkräfteengpässen entgegenzuwirken.“ Weiteres Potenzial ergibt sich aus der Tatsache, dass selbst unter den Beschäftigten mit einer abgeschlossenen Ausbildung im vergangenen Jahr exakt 13,3 Prozent als Helfer tätig waren.

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Nach pandemiebedingten Rückgängen sind insbesondere in den Erziehungs- sowie Hochbauberufen, aber auch bei den Altenpflegeberufe überdurchschnittliche Wachstumsraten auf dem Helferniveau zu verzeichnen, wobei die Studie im Zuge des technologischen Wandels eine „Polarisierung am Arbeitsmarkt“ prognostiziert mit einer zunehmenden Nachfrage nach hochqualifizierten wie auch nach einfachen (manuellen) Tätigkeiten.

Hinsichtlich der weiteren Entwicklung geht die Studie davon aus, dass nach aktuellem Forschungsstand „Routinetätigkeiten – also potenziell programmierbare Tätigkeiten, sowohl manuelle als auch kognitive – zunehmend effektiver durch Maschinen und Computer erledigt werden“, ein Substituierbarkeitspotenzial infolge der Digitalisierung, das im Schnitt fast 60 Prozent der Helferberufe betrifft.

Doch auch hier ist zwischen den Branchen zu unterscheiden: „So weist jeder fünfte Helferberuf – zum Beispiel in der Pflege und auf dem Bau – ein niedriges Substituierbarkeitspotenzial von weniger als 30 Prozent auf.“ Bis 2040 jedenfalls rechnet die Studie mit einer sinkenden Nachfrage in den Bereichen Logistik oder des produzierenden Gewerbes, während etwa in der der Alten- und Krankenpflege Helfertätigkeiten auch langfristig nachgefragt sein dürften.

Literatur

IAB-Kurzbericht 16/2021
„Beschäftigungsentwicklung von Helfer­tätigkeiten. Starker Einbruch in der Corona-Krise“ von Holger Seibert, Doris Wiethölter und Barbara Schwengler

Autor

Paul Pantel
Tel.: 02324 239466
paul.pantel@vodafonemail.de
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