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(Heft 3/2021)
Gegen Armut und soziale Ausgrenzung und für gleichwertige Lebensverhältnisse in den Bottroper Bezirken

Sozialplanung in der Stadt Bottrop

Die Stadt Bottrop hat Ende Juni 2021 einen detaillierten Sozialbericht veröffentlicht. Welche Rolle er im Rahmen einer integrierten Sozialplanung spielt, darüber sprechen Oberbürgermeister Bernd Tischler, Sozialamtsleiterin Karen Alexius-Eifert und Sozialplaner Moritz Brunecker.

G.I.B.: Herr Tischler, eine eher persönliche Frage zu Beginn: Ihrer Biografie ist zu entnehmen, dass Sie in Ihrer früheren beruflichen Laufbahn als Raumplaner bei der Stadt Dormagen beschäftigt waren – ein Vorteil bei der Ausübung Ihres jetzigen Amts?

Bernd Tischler: Vorteilhaft insofern, als man als Planer gezwungen ist, in die Zukunft zu schauen und in Szenarien zu denken. Aber es kommt noch eine andere nützliche Erfahrung hinzu. Als ich als junger Baurat im Planungsamt arbeitete, haben wir uns immer gewundert, wenn mitunter einer der von uns gezeichneten Pläne mit schönen Entwürfen für Projekte in verschiedenen Stadtteilen bei ihrer Vorstellung in Bürgerversammlungen durchgefallen sind, weil die Anwohnerinnen und Anwohner anderer Ansicht waren. Längst aber ist klar, dass es viel effektiver ist, schon zu einem recht frühen Zeitpunkt eines Planungsprozesses in die Quartiere zu gehen und die Arbeit Schritt für Schritt mit den dort lebenden Menschen zu besprechen, statt ihnen im Rathaus erstellte Pläne als fertige Produkte zu präsentieren.

Im Zuge der Teilnahme am InnovationCity Ruhr-Projekt, aber auch von landesgeförderten Projekten wie „Starke Quartiere – starke Menschen“ oder „Zusammen im Quartier“ haben wir unsere Arbeit in zweierlei Hinsicht umorganisiert. Verwaltungsintern arbeiten wir heute viel interdisziplinärer gemeinsam mit vielen Fachbereichen und in flacheren Hierarchien. Verwaltungsextern wiederum gehen wir viel früher raus zu den Bürgerinnen und Bürgern in den Quartieren und zu den hier engagierten Akteuren wie etwa Trägern oder Kirchengemeinden, die ihren Sozialraum oft viel besser kennen als wir.

Um ihnen eine leicht zugängliche Andockstelle an die Kommunalverwaltung zu bieten, haben wir zum einen verwaltungsintern eine strategische Sozialplanung und zum anderen vor Ort in den Quartieren Stadtteilbüros und Kontaktstellen geschaffen, sodass verwaltungsübergreifend gut funktionierende Netzwerke engagierter Akteure entstanden sind unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.

Deutlich erkennbar wird unsere verwaltungsinterne und -externe Neuausrichtung am Beispiel des Stadtteils Bottrop-Batenbrock, für den wir im Rahmen des Programms „Starke Quartiere – starke Menschen“ ein Integriertes Handlungskonzept mit mehr als zwanzig Einzelmaßnahmen erstellt haben, an dem alle relevanten Fachdienststellen beteiligt waren und bei dem wir auch Milieus in unser gemeinschaftliches Engagement einbeziehen konnten, die bislang von der Teilhabe ausgeschlossen waren. Wenn jetzt, um die Wirkung von all dem zu veranschaulichen, in diesem Stadtteil in einem von der Evangelischen Kirchengemeinde mit­organisierten Stadtgarten geflüchtete Menschen gemeinsam mit „Batenbrocker Urgestein“ in bestem Einvernehmen Gemüse anbauen, dann berührt mich das zugegebenermaßen auch emotional.

G.I.B.: Frau Alexius-Eifert, Sie sind Leiterin des Sozialamts und damit zuständig für die Sozialplanung der Stadt Bottrop. Wie erfahren Sie die angesprochenen verwaltungsinternen und -externen Veränderungen?

Karen Alexius-Eifert: Verwaltungsintern hat sich in den letzten zehn Jahren in der Tat die Verwaltung von einer stark hierarchisch strukturierten Ordnung in Richtung einer integriert zusammenarbeitenden Organisation gewandelt und zugleich die Erkenntnis durchgesetzt, dass ein kooperatives Miteinander der verschiedenen Ämter aus unterschiedlichen Dezernaten und das jeweilige Wissen über die Kompetenzen der anderen allen zugutekommen.

In früheren Zeiten haben andere Ämter mit dem Sozialamt oft lediglich das Auszahlen von Leistungsbezügen an bedürftige Bürgerinnen und Bürger assoziiert, hatten kaum eine Ahnung davon, dass wir zum Beispiel auch ein Angebot für Pflegeberatung vorhalten. Seitdem wir viel öfter gemeinsam an einem Tisch sitzen, sind alle anderen dafür sensibilisiert, wie umfassend unser Leistungsspektrum ist. Die mittlerweile wechselseitige Kenntnis voneinander führt ganz praktisch zu Vorteilen wie etwa kürzlich, als wir in einer Zeitung über die sozialen Aspekte unserer Pläne in einer Obdachlosensiedlung berichteten und gleich anschließend Mitarbeiter des Tiefbauamts auf uns zukamen und von ihren Plänen in diesem Quartier berichteten, woraus sich Synergieeffekte ergaben.

Eine neue Kultur ist auch in der heute sehr guten Zusammenarbeit mit verwaltungsexternen Partnern im Quartier entstanden, darunter die Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände, Schulen oder Kitas. Über besagte Kontaktstellen und den engen Austausch mit unseren Kooperationspartnern sind wir als Stadtverwaltung also immer direkt oder indirekt vor Ort. Wie wichtig das ist, hat sich nicht zuletzt in der Coronapandemie erwiesen, als es darum ging, benachteiligte Schülerinnen und Schüler mit digitalen Endgeräten auszustatten oder Menschen mit Fluchthintergrund über alles Wissenswerte zum Thema Impfen zu informieren.

G.I.B.: Herr Brunecker, Sie sind im Sozialamt als Sozialplaner tätig. Ist die beschriebene verwaltungsinterne Kultur ein Vorteil in Ihrem Arbeitsalltag der Sozialplanung?

Moritz Brunecker: Die Frage kann ich nur eindeutig bejahen. Von Kolleginnen und Kollegen aus anderen Kommunen weiß ich, dass Sozialplaner in der Verwaltung nicht selten Einzelkämpfer sind. Gerade in einer kleinen Großstadt wie Bottrop ist es sehr hilfreich, dass die Wege zu meiner Amts- und Dezernatsleitung wie auch zum Oberbürgermeister bei Bedarf kurz sind.

Hier in Bottrop besteht ein nahezu familiäres Verwaltungsumfeld. Hier weiß ich von den genannten Personen immer persönlich, dass sie hinter dem stehen, was ich in meinem Tätigkeitsfeld mache. Das ist für meine Arbeit sehr wichtig und von großem Vorteil. Diese verwaltungsinterne Durchlässigkeit spiegelt sich auch extern im Zusammenspiel von Verwaltung, Ausschüssen, Akteuren vor Ort sowie Bürgerinnen und Bürgern wider. Diese Flexibilität in der Kooperation ermöglicht, alle Prozesse und Angebote bedarfs- und zielgerichtet anzugehen. Das ist der Mehrwert dieser Kooperationskultur.

G.I.B.: Im Juni 2021 hat die Stadt Bottrop einen Sozialbericht veröffentlicht. Welche Funktion, welche Bedeutung messen Sie dem Bericht bei?

Bernd Tischler: Der Sozialbericht, der die demografische und soziale Lage der Bevölkerung in unserer Stadt analysiert, führt uns die unterschiedlichen Lebenssituationen unserer Stadtgesellschaft vor Augen und ist damit eine wichtige und gute strategische Grundlage für das zentrale Ziel der Sozialplanung, sich gegen Armut und soziale Ausgrenzung und für gleichwertige Lebensverhältnisse in unserer Stadt einzusetzen.

Der Sozialbericht, als Produkt und Instrument der Sozialplanung, ist in dieser Hinsicht ein erster Meilenstein. Er verknüpft eine Vielzahl an statistischen Rahmenbedingungen miteinander und bezieht die Ergebnisse auf das wohnortnahe Umfeld der Menschen. Das schärft das Bewusstsein über die herausfordernden Lebensumstände, die sich in bestimmten Teilen der Stadt konzentrieren. Selbstverständlich schafft ein Sozialbericht nicht von heute auf morgen die Armut ab, aber er befähigt uns, gemeinsam mit unseren externen Partnern gut begründete und fundierte Strategien zu entwickeln sowie konkrete Maßnahmen zu organisieren und umzusetzen. Gleichzeitig ermöglicht er, unsere begrenzten Ressourcen da einzusetzen, wo es am notwendigsten ist und wo sich Problemlagen räumlich konzentrieren, ohne andere Themenfelder oder Sozialräume aus dem Blick zu verlieren. Für diese Grundlage und die strategische Planung setze ich sehr gerne die Ressourcen für die Sozialplanung ein.

Karen Alexius-Eifert: Faktisch bedeutet der Sozialbericht eine Umstellung von der gefühlten Wahrnehmung der Wirklichkeit auf eine empirische, datenbasierte und raumbezogene Erkenntnis, eine Wissensgrundlage für alle, die in ausgewählten Bezirken sozial wirksame Prozesse anstoßen werden. Was wir jetzt fokussiert auf diese Bezirke entwickeln, kann später als gutes Beispiel, vielleicht sogar als Masterplan für andere Räume fungieren.

Erwähnenswert ist übrigens, dass wir – anders als im Jahr 2009 – den aktuellen Sozialbericht nicht von einem externen Dienstleister, sondern selbst erstellt haben, maßgeblich von Herrn Brunecker, also mit eigener Kompetenz und eigenem Ressourceneinsatz. Bei allem Respekt für externe Dienstleister, aber sie haben zwangsläufig einen weitaus weniger intensiven Kontakt zu den verschiedenen Dienststellen der Stadtverwaltung. Zudem ist ihnen, anders einem kommunalen Sozialplaner, der Zugang zu allen Sozialräumen oft verschlossen.

Moritz Brunecker: Vorteilhaft bei der Erstellung des Sozialberichts war sicher die Tatsache, dass ihm seitens der Amts- und Dezernatsleitung wie auch des Oberbürgermeisters eine besondere Bedeutung beigemessen worden ist, erkennbar an den Zeitressourcen, die mir für seine Erstellung zur Verfügung gestellt worden sind.

Förderlich war sicher auch die gewohnt gute Zusammenarbeit mit unserer hauseigenen Statistikstelle, aber auch mit den unterschiedlichen Fachdiensten sowie dem Jobcenter. So ist es zum Beispiel gelungen, über die allgemeinen SGB II-Quoten hinaus auch exakte Informationen darüber zu bekommen, wie viele Kinder und Jugendliche dadurch tangiert sind. Damit ließen sich Erkenntnisse gewinnen, die für die kommunale Kinder- und Jugendpolitik von großem Interesse sind.

Insgesamt zeigt der Sozialbericht, wie die Stadtgesellschaft quantitativ strukturiert ist und wie sie sich verändert. War der erste Sozialbericht kaum mehr als eine akribische Aufzählung von Daten, hat der aktuelle Bericht eine neue Qualität, weil er nicht nur wissenschaftlich abgesicherte Daten enthält, sondern auch den nächsten Schritt impliziert, nämlich Stellschrauben und Handlungsmöglichkeiten für das weitere Vorgehen aufzeigt.

G.I.B.: Herr Tischler und Frau Alexius-Eifert, welche Erkenntnisse haben Sie aus dem Sozialbericht gewonnen?

Bernd Tischler: Zunächst muss ich zugeben, dass mich betroffen gemacht hat, diese Fülle an Zahlen zu sehen, die genau dokumentieren, wie viele Menschen, darunter auch viele Kinder und Jugendliche, es gibt, die von Armut und somit weniger Teilhabechancen bedroht oder betroffen sind und jeden Tag um Dinge kämpfen müssen, die für die meisten selbstverständlich sind –, und wo sich diese Problemlagen konzentrieren. Zwar ist mir die Grundtatsache aufgrund meiner Aufenthalte in den unterschiedlichsten Bezirken und Quartieren der Stadt durchaus bekannt, aber die differenzierten Daten ergeben ein exaktes Gesamtbild, aus dem sich ganz konkrete Schlussfolgerungen ziehen lassen.

Zugleich hat mich der Bericht motiviert, nicht – wie sonst oft – als Erstes die Frage nach den finanziellen Ressourcen zu stellen, sondern zu sagen: Ich sehe es als meine Aufgabe an, den Menschen in den Quartieren mit besonders ausgeprägter Armut und von sozialer Ausgrenzung bedroht oder betroffen zu helfen und gleichzeitig einen Zusammenhalt zu entwickeln sowie Menschen und Organisationen zu gewinnen, die in den entsprechenden Bezirken Gutes tun wollen, wie etwa die Kids Foundation von Nationaltorhüter Manuel Neuer, die in Bottrop-Welheim für Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebensverhältnissen ein tolles Jugendzentrum baut, oder jene wohlhabende Stiftung, die sich angeboten hat, benachteiligten Kindern und Jugendlichen iPads zu schenken, die wir aufgrund unseres Wissens aus dem Sozialbericht genau in die Bezirke lenken können, wo sie besonders nötig sind.

Karen Alexius-Eifert: Uns allen war auch vor dem Sozialbericht schon klar, dass es etwa im Innenstadtbereich besondere Herausforderungen gibt, aber erst der Bericht hat ihre Dimensionen aufgezeigt. Zugleich hat er Denkprozesse ausgelöst, die nicht mehr im Spekulativen oder Vagen bleiben, sondern, wie Herr Bru­necker zu Recht formuliert, „Stellschrauben und mögliche Handlungsschritte“ aufzeigen. Insofern ist der Sozialbericht ein hervorragendes Instrument der strategischen Sozialplanung. Jetzt, wo wir die Problemlagen und ihre jeweilige Verortung in den Bezirken kennen, müssen wir genauer hinschauen, ob in den einzelnen Bezirken alle erforderlichen Angebote exis­tieren und welche optimiert werden müssen. Dabei orientiert sich die Weiterentwicklung der Angebote an den individuellen Bedürfnissen der Bottroperinnen und Bottroper. Deshalb sind hier auch niederschwellige Beteiligungsformate zu entwickeln.

G.I.B.: Was sind die nächsten Schritte im Anschluss an die Veröffentlichung des Sozialberichts?

Karen Alexius-Eifert: Zunächst haben wir den Bericht bewusst nicht nur im Sozialausschuss, sondern in dezernatsübergreifenden politischen Gremien, wie zum Beispiel im Jugendhilfeausschuss und im Planungsausschuss, sowie in allen Bezirksvertretungen vorgestellt – nicht zuletzt auch deshalb, weil hier über finanzielle Ressourcen entschieden wird. Dort ist er überall auf großes Interesse gestoßen. Wir werden den Sozialbericht gemeinsam mit einem digitalen Demografie- und Sozialatlas für die Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Parallel dazu werden wir gemeinsam überlegen, welche Maßnahmen und Angebote sich aus den identifizierten räumlichen und thematischen Schwerpunkten ableiten lassen.

Zwei Beispiele gibt es schon jetzt: Ein Ergebnis des Sozialberichts war, dass wir uns auf bestimmte Themen, Personengruppen und Sozialräume konzentrieren wollen. Ein Schwerpunktthema ist „Obdachlosigkeit“, denn wohnungslose Menschen befinden sich in einer besonders prekären Lebenssituation, da die Versorgung mit gesichertem Wohnraum ein elementares Grundbedürfnis und Wohnungslosigkeit zweifellos eine extreme Form von Armut ist. Hier signalisiert der Bericht Handlungsbedarf, denn die Zahl wohnungsloser Menschen hat sich seit 2014 verdoppelt.

Besonderer Handlungsbedarf besteht in der Siedlung am Borsigweg. In den Gebäuden der Siedlung kommen u. a. wohnungslose Personen unter. Hier erheben wir zurzeit im Rahmen einer Machbarkeitsstudie die Bedarfe und überprüfen die soziale Infrastruktur der Siedlung in einer Stärken- und Schwächenanalyse, in die auch der Zustand der Wohngebäude mit einfließt. Dabei spielen die Einschätzungen relevanter Akteure sowie der Bewohnerinnen und Bewohner eine wichtige Rolle. Zudem wird die Machbarkeitsstudie Handlungsempfehlungen beinhalten, wie die Siedlung städtebaulich und sozial-integrativ weiterentwickelt und damit die Lebenssituation für die Bewohnerinnen und Bewohner verbessert werden kann.

Moritz Brunecker: Ein zweiter Schwerpunkt ist das Thema „Seniorinnen und Senioren“. Die Ergebnisse des Berichts haben verdeutlicht, dass deren Anteil an der Bevölkerung immer größer wird – stadtweit und besonders stark in einzelnen Bezirken. Hier gilt es, entsprechende Angebote zum Erhalt der Selbstbestimmtheit im Alter zu schaffen. Dabei denken wir auch an die noch vergleichsweise kleine, aber stetig wachsende Gruppe von Seniorinnen und Senioren mit Migrationshintergrund. Wir wollen eruieren, ob und welchen Zugang sie zu bestehenden Beratungsstrukturen haben oder ob es dort anders geartete Bedarfe gibt. Darum haben wir uns erfolgreich um das Modellprojekt für Kommunen „Guter Lebensabend NRW – Kultursensible Altenhilfe und Altenpflege für Seniorinnen und Senioren mit Einwanderungsgeschichte“ beworben. Dieses Modellprojekt ermöglicht uns zusätzlich zu unseren Anstrengungen, Seniorinnen und Senioren mit Einwanderungsgeschichte den Zugang zu Regelangeboten noch stärker zu ebnen.

Karen Alexius-Eifert: Anzumerken wäre indes schon jetzt, dass es zu kurz gedacht wäre zu meinen, die Erfolge unserer aus dem Sozialbericht resultierenden Maßnahmen ließen sich schon bald in Grafiken an einem Knick in der SGB II-Kurve nachweisen. Prüfen wollen wir deren Wirkung aber auf jeden Fall. In enger Zusammenarbeit und Rückkopplung wollen wir gemeinsam mit den Akteurinnen und Trägern vor Ort im Nachgang überlegen, wie der Effekt der Angebote war und welche ggf. angepasst werden müssen oder was es noch zusätzlich braucht für unser Ziel, gute und gleichwertige Lebensverhältnisse in den verschiedenen Bezirken zu schaffen. Darüber hinaus werden wir in einigen Jahren einen neuen Sozialbericht auflegen. Er und in der Zwischenzeit der Demografie- und Sozialatlas werden uns dauerhaft ermöglichen, die Entwicklungen in den Bezirken zu beobachten.

Übrigens haben sofort nach der internen Bekanntgabe der Ergebnisse zahlreiche Fachbereiche und Ämter Interesse geäußert mit ihren Daten und Einschätzung zu ihren Zielgruppen an einer Neuauflage mitzuarbeiten. Das heißt, wir werden zukünftig noch umfangreichere Daten und vor allem aber die Expertise anderer Fachämter bündeln und einen integrierten Blick auf die zukünftige Entwicklung, aber vor allem auch auf Angebote und Maßnahmen werfen können.

G.I.B.: Herr Tischler, gibt es Ihrerseits Wünsche an die Landesregierung mit Blick auf die angesprochenen Themen?

Bernd Tischler: Zunächst zeigen die genannten, aber auch weitere Förderprogramme, was im Zusammenspiel von Land und Kommune möglich ist. Erfreulich ist sicher auch, dass es mit dem Team Armutsbekämpfung und Sozialplanung in der G.I.B. eine vom Land mitfinanzierte Beratungsstelle für Kommunen in diesem Themenfeld gibt.

Was die Förderung von Programmen betrifft, stellt sich indes mit Blick auf die Finanzierung die Frage der Nachhaltigkeit, also wie geht es weiter, wenn die Förderung ausläuft und eine Kommune aufgrund ihrer Finanzschwäche nicht in der Lage ist, ein nachweislich sinnvolles Projekt fortzuführen, sondern ad acta legen muss, also in die „Förderlaufzeitfalle“ tappt?

Um das zu vermeiden, haben wir in Bottrop insbesondere bei den wichtigsten Projekten zur Quartiersentwicklung einen Verstetigungsfonds aufgelegt, um bei auslaufender Förderung für einen gewissen Zeitraum eine Interimsfinanzierung hinzubekommen. Grundsätzlich ist meine Bitte und Erwartung an die Landesregierung, die Städte bei ihren Stadtentwicklungsprozessen nicht allein zu lassen und etwa über Transfer von Best-Practice-Beispielen ein Bewusstsein zu schaffen, dass eine integrierte Sozialplanung bei der sozialen Stadtentwicklung zum Kern der kommunalen Aufgaben gehört, damit alles in eine gute Richtung geht.

Das Interview führten

Josef Muth
Tel.: 02041 767156
j.muth@gib.nrw.de

Ann-Kristin Reher
Tel.: 02041 767261
a.reher@gib.nrw.de

Kontakt

Stadt Bottrop
Ernst-Wilczok-Platz 1
46236 Bottrop
Bernd Tischler, Oberbürgermeister
Bernd.Tischler@bottrop.de

Moritz Brunecker, Sozialplaner
Moritz.Brunecker@bottrop.de

Karen Alexius-Eifert, Sozialamtsleiterin
Karen.Alexius-Eifert@bottrop.de

Link

Sozialplanung der Stadt Bottrop
Hinweis zum Demografie- und Sozialatlas
https://www.bottrop.de/soziales/sozialplanung/sozialplanverteiler.php

Autor

Paul Pantel
Tel.: 02324 239466
paul.pantel@vodafonemail.de
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