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(Heft 3/2021)
Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

„Basisarbeit“ – ob sich der Begriff durchsetzen wird? Gemeint sind mit ihm Tätigkeiten, für deren Ausübung keine höheren Qualifikationen oder Berufsabschlüsse erforderlich sind – in Politik und Forschung bislang meist Einfacharbeit genannt. Doch das klingt abwertend und ignoriert andere Dimensionen von Arbeit jenseits der Qualifikation wie etwa die physische oder psychische Beanspruchung.

Als Ersatz dafür hat das Bundesminis­terium für Arbeit und Soziales (BMAS) deshalb den Begriff Basisarbeit eingeführt und hierzu gleich eine „Dialogreihe“ ins Leben gerufen, die wir im vorliegenden Heft vorstellen. Wie auch immer man zu dem Begriff steht: Das Anliegen, das ihm zugrunde liegt, nämlich eine höhere Wertschätzung für Menschen, die täglich diese Arbeiten verrichten, ist sicher berechtigt.

Interessante Aufschlüsse darüber, wie Basisarbeitende selbst ihre Arbeit bewerten, liefert im G.I.B.-Interview Dr. Thomas Wind, Geschäftsführer des Instituts für Zielgruppenkommunikation (IfZ). Er hat in zwei qualitativen Studien herausgefunden, welch hohe Bedeutung „Arbeit überhaupt“ und damit auch Arbeitsplatzsicherheit für sie hat.

Ob die Digitalisierung dazu beitragen wird, die für viele Basisarbeiterinnen und -arbeiter typischen Helfer- und Routinetätigkeiten zu substituieren, darüber geben aktuelle Publikationen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sowie des Landesinstituts für Arbeitsgestaltung (LIA NRW) Auskunft – wir stellen die zentralen Ergebnisse vor.
Ein eigenes „Programm für Basisarbeit“ indes wird es nicht geben, räumt Björn Böhning, Staatssekretär im BMAS im Gespräch mit der G.I.B. ein, „denn die verschiedenen Bereiche und Tätigkeiten dieser Beschäftigtengruppe sind allzu unterschiedlich, als dass eine One-size-fits-all-Lösung realistisch wäre.“

Allein gelassen werden sie dennoch nicht, stellt Stefan Kulozik, Leiter der Abteilung Arbeit und Qualifizierung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nord­rhein-Westfalen, in seinem Statement klar. Er verweist auf die vielfältigen Aktivitäten der Landesregierung etwa im Kampf gegen „die unwürdigen Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie“, wo viele „Basisarbeitende“ beschäftigt sind. Darüber hinaus benennt er ganz konkrete Förderinstrumente des Landes, von denen viele Basisarbeiterinnen und -arbeiter für ihre berufliche Weiterentwicklung profitieren.

Aus der Vielfalt an Texten zu arbeits- und sozialpolitischen Themen in diesem Heft seien hier exemplarisch nur einige wenige genannt: Darunter im Handlungsfeld „Arbeitsgestaltung Fachkräftesicherung“ der Bericht über die Kompetenzplattform Künstliche Intelligenz NRW, ein Interview zu „KI-basierten Kompetenzsystemen“ sowie ein Artikel über passgenaue Weiterbildungskonzepte in Ostwestfalen-Lippe im Kontext der Digitalisierung von KMU.

Im Handlungsfeld „Wege in Arbeit“ steht die Landesinitiative „Durchstarten in Ausbildung“ im Mittelpunkt und im Handlungsfeld „Jugend und Beruf“ geht es um die Initiative Bildungsketten und das Schulprojekt „Lebenswelten aktiv gestalten“ sowie um das Programm „Kurs auf Ausbildung“, mit dem das Land Nordrhein-Westfalen benachteiligte Jugendliche in der Corona-Pandemie bei der Ausbildungsplatzsuche unterstützt.

Nicht minder breit ist das Themen-Spektrum im Handlungsfeld „Armutsbekämpfung und Sozialplanung“, wobei wir diesmal das integrierte Innenstadtkonzept der Stadt Dorsten vorstellen, sowie – im Interview unter anderem mit Oberbürgermeister Bernd Tischler – die Aktivitäten der Stadt Bottrop im Kampf gegen Armut und für gleichwertige Lebensverhältnisse in den kommunalen Bezirken.

Bei all diesen spezifischen arbeits- und sozialpolitischen Ansätzen wird leicht übersehen, dass mit dem ESF auch Querschnittsziele verbunden sind. Eigens dazu wurde 2015 eine Agentur geschaffen. Auskunft über deren bisherige Arbeit sowie darüber, wie es in der nächsten Förderphase mit der Umsetzung der Querschnittsziele weitergeht, gibt die frühere Agenturleiterin und Genderexpertin Henriette Meseke.

Dabei sind die Herausforderungen in allen Handlungsfeldern hoch komplex. Was das für die Zusammenarbeit bedeutet, hat Prof. Mascha C. Will-Zocholl von der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung in Wiesbaden im G.I.B.-Gespräch präzise zusammengefasst.

 

Karl-Heinz Hagedorn

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