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(Heft 3/2021)
Ein Projekt aus Ostwestfalen-Lippe

DIPA|Q: Passgenaue Weiterbildungskonzepte erhöhen die Weiterbildungsbeteiligung

Dass KMU bei der Umsetzung digitaler Prozesse Nachholbedarf haben, ist keine Neuigkeit. Auch nicht, dass sie dabei vor enormen Herausforderungen stehen. Neu ist nun ein Lösungsansatz aus der Region Ostwestfalen-Lippe: Mit dem Netzwerk-Projekt DIPA|Q entwickeln die Deutsche Angestellten-Akademie GmbH (DAA) und das Technologienetzwerk OWL Maschinenbau e. V. nicht nur spezifische Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für gewerblich-technische KMU, sondern binden die Unternehmen auch aktiv in den Prozess ein. Dieses Vorhaben wurde aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Auch wenn die Corona-Pandemie zuletzt für einen Digitalisierungsschub im deutschen Mittelstand sorgte, bleiben die Herausforderungen für KMU bei der Etablierung solcher Strukturen bestehen. Mit der Digitalisierung verändern sich die Anforderungen an Unternehmen und ihre Mitarbeitenden. Dies wiederum erfordert neues Wissen, und das erlangt man vor allem durch Weiterbildung. Nur verfügen KMU im Gegensatz zu großen Unternehmen meist nicht über die dafür notwendigen Ressourcen. Eine eigene Personalentwicklungsabteilung finde man bei ihnen in der Regel nicht, berichtet die Mitarbeiterin der Abteilung für Forschung & Entwicklung der DAA Westfalen und Leiterin des Projektes DIPA|Q, Dr. Carolin Kirchhof. „Schickt dann ein Kleinbetrieb drei bis vier seiner Mitarbeitenden zur Weiterbildung, stehen im schlimmsten Fall die Maschinen still.“ Bereits qualifizierte Fachkräfte ins Unternehmen zu holen, ist jedoch entweder zu teuer oder sie sind wegen des Fachkräftemangels erst gar nicht vorhanden. Hinzu komme aber auch, dass sich viele Weiterbildungsmaßnahmen eher nicht an gewerblich-technische Betriebe richten, so die Beobachtung von Dr. Carolin Kirchhof. Auszugleichen wären fehlendes Wissen oder unzureichende Kompetenzen zum Beispiel durch gegenseitigen Wissensaustausch zwischen mehreren KMU. Doch die regionale Vernetzung unter Kleinbetrieben ist hinsichtlich der Potenziale für gemeinsames Lernen bei Weitem nicht so ausgeprägt wie bei Großunternehmen.

Genau an diesem Punkt setzt DIPA|Q an: „Wir möchten den Austausch zwischen KMU fördern, damit Synergien entstehen und sie voneinander lernen.“ Ziel ist es, sie über eine Austausch- und Informationsplattform miteinander zu vernetzen (Lernendes Netzwerk) und sie durch bedarfsorientierte Personal- und Qualifizierungsangebote für den Wettbewerb zu stärken. Die DAA ist im Rahmen des Projektes mit ihrer Bildungsexpertise dafür zuständig, Lerninhalte zu entwickeln und diese in medialen Konzepten zu vermitteln. Der OWL Maschinenbau e. V. ist als Netzwerk in Ostwestfalen-Lippe dafür der ideale Partner. Seit fast 15 Jahren verbindet er Unternehmen aller Größen aus Maschinenbau und Automatisierungstechnik, um Erfahrungen auszutauschen, Kompetenzen aufzubauen und Kooperationsvorteile zu schaffen. Malte Mayer von OWL Maschinenbau e. V. organisiert neben der Koordinierung des Projektes den Transfer in die teilnehmenden Unternehmen. Die DAA setzt mithilfe erfahrener Fachleute aus Bildung und Wirtschaft die Erhebungs- und Praxisphase der Weiterbildungsangebote DIPA|Qs um.

Qualifikation 4.0: digital, flexibel, kooperativ
 

Im Februar 2020 startete das Projekt mit dem Kick-off „Lernendes Netzwerk“ – dem ersten von insgesamt fünf Netzwerktreffen in der Projektlaufzeit. Jedes Einzelne hatte ein bestimmtes Thema zum Schwerpunkt und wurde durch Fachvorträge eröffnet. Durch den anschließenden Austausch der Teilnehmenden entstanden erste Kontakte, und aus 10 teilnehmenden Unternehmen zu Projektbeginn wurden im weiteren Verlauf 35. In Form von Interviews und Online-Befragungen wurden zusammen die Bedarfe und spezifischen Anforderungen der KMU herausgearbeitet. Auf dieser Basis entwickelte das Projekt passgenaue Weiterbildungsangebote zu sechs Themenbereichen: Digitales Selbstmanagement, Agiles Prozessmanagement, Industrie 4.0, Wissensmanagement, Digitale Führung und Automation. Sie alle fanden bisher ausschließlich in digitaler Form statt und verstehen sich als Mix aus kollaborativem Lernen in Live-Veranstaltungen mit einem Coach und einem nachgehenden selbstgesteuerten Lernen. „Dadurch ist das Weiterbildungsangebot hochflexibel und lässt sich bestmöglich in die Betriebsabläufe der Unternehmen integrieren“, sagt Dr. Carolin Kirchhof. Und: Sie sind jederzeit durchführbar – trotz Pandemie. Perspektivisch ist auch ein Practice-Modul mit individueller Begleitung im Betrieb geplant. Und damit die Motivation während einer Maßnahme nicht abflacht, gibt es neben einem Halbzeit-Recall immer wieder kleine Tests oder Fallstudien, bei denen sie Lerninhalte mit ihrem Arbeitsalltag verknüpfen.

Raum für Ideen
 

Wie wertvoll der Dialog in den Weiterbildungen ist, zeigt sich beispielsweise, wenn sich IT- und Handwerksbetriebe über Erfahrungen in digitalem Selbstmanagement oder digitaler Führung austauschen. „Toll ist, dass tatsächlich beide Seiten davon profitieren, obwohl oder gerade weil sie so unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Der IT-Betrieb erkennt, dass Treffen in Präsenz das Miteinander unter den Mitarbeitenden fördern, während der Handwerksbetrieb feststellt, dass digitale Tools Arbeitsprozesse vereinfachen und beschleunigen“, sagt Dr. Carolin Kirchhof. So kann beispielsweise ein Malerbetrieb durch den Tipp in einer Lerneinheit, eine App auf den Tablets der Mitarbeitenden installieren, mit der diese der Kundschaft vor Ort per Foto zeigen können, wie die Räumlichkeiten in der gewünschten Farbe aussähen. Nach der Farbentscheidung ein Klick und der Auftrag ist generiert. Ohne Papier und auf kurzem Weg.

Solche und andere Lösungen bringt der Wissenstransfer in den kleinen Lerngruppen immer wieder hervor. Nicht aus Zufall, findet Dr. Carolin Kirchhof: „Die geschützte Umgebung einer Weiterbildung ermöglicht einen viel intensiveren Austausch als bei großen Treffen in einem Unternehmen.“ Inzwischen findet daher dieser Austausch auch außerhalb der Weiterbildung in eigens gegründeten Foren auf der Lernplattform der DAA statt. Eine Weiterführung des Austauschs nach Ende der Projektlaufzeit ist geplant.

„Lernen und Arbeiten dürfen nicht getrennt voneinander betrachtet werden.“
 

Im Oktober endet die Förderphase und damit auch das Projekt. Ein abschließendes Fazit stehe zwar noch aus, doch eine ganz wesentliche Erkenntnis ist bereits, dass flexible Weiterbildungsangebote die Weiterbildungsbeteiligung in KMU erhöhen. „Lernen und Arbeiten darf nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Gerade weil sie begrenztere Ressourcen haben, profitieren KMU umso mehr davon, ihre Mitarbeitenden on-the-job zu qualifizieren.“ Dabei sei es jedoch wichtig, die Weiterbildung mit einem Transfertag abzuschließen. „Aus den im Projekt durchgeführten Umfragen geht hervor, dass die Weiterbildungen vor allem dann einen Mehrwert haben, wenn transparent ist, was die Teilnehmenden daraus in ihren Arbeitsalltag integrieren können“, so Dr. Carolin Kirchhof. Ebenso betont die große Mehrheit, dass Lernen ohne Feedback und einen gewissen Druck nicht zielführend sei. Kleine Tests helfen aber nicht nur den Teilnehmenden, sondern sie spiegeln Personalverantwortlichen auch, dass die Weiterbildung einen Nutzen hat.

Und noch etwas Entscheidendes bewies das Projekt: Digitalisierung bietet auch bei kleineren Veränderungen große Chancen. „Durch die Pandemie war der Druck zu digitalisieren auf die Unternehmen besonders groß. Glücklicherweise haben es die meisten als Chance begriffen, neue digitale Tools auszuprobieren. Wegfallende Fahrtwege durch das Homeoffice geben Mitarbeitenden innerhalb der Arbeitszeit Raum, Neues zu lernen. Viele Teilnehmende haben sich gegenseitig Podcasts oder Lern-Apps empfohlen und gemeinsam überlegt, wie man die Zeit im Lockdown effizient nutzen kann. So konnten viele ihre Ängste vor der Digitalisierung abbauen.“

Ansprechperson in der G.I.B.

Peter Schäffer
Tel.: 02041 767200
p.schaeffer@gib.nrw.de

Kontakt

DAA Deutsche Angestellten-Akademie GmbH
Dr. Carolin Kirchhof
Tel.: 0521 92361834
carolin.kirchhof@daa.de

Autor

Nils Strodtkötter
nils.strodtkoetter@web.de
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