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(Heft 3/2021)
Statement

„Basisarbeit“: Landesregierung Nordrhein-Westfalen für gute und faire Arbeit

Stefan Kulozik, Leiter der Abteilung Arbeit und Qualifizierung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen

Die Diskussionsreihe zum Thema „Basisarbeit“ hat Menschen, die Tätigkeiten verrichten, die keine formale Qualifikation erfordern, in den Fokus gerückt. Ihre Arbeit ist für das Gemeinwohl essentiell und wir als Gesellschaft müssen sie wertschätzen, das ist eine der Kernbotschaften. Es gilt, diese Wertschätzung nicht nur in Worten auszudrücken, sondern die Arbeitssituation derjenigen, die „Basisarbeit“ verrichten, nachhaltig zu verbessern und ihnen Perspektiven aufzuzeigen.

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen tritt schon lange für gute und faire Arbeit ein. Gute Arbeit muss das Auskommen sichern, die Gesundheit sowie die Beschäftigungsfähigkeit erhalten und identitätsstiftend sein. Zugleich sollten Beschäftigte Einfluss auf ihre Arbeits- und Entlohnungsbedingungen nehmen können.

In Nordrhein-Westfalen haben wir uns in den vergangenen Monaten für die Interessen derjenigen stark gemacht, die in prekärer Beschäftigung tätig und von Arbeitsausbeutung bedroht oder betroffen sind. Oft sind dies Menschen, die als Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten aus osteuropäischen Staaten nach Deutschland kommen. Insbesondere für diese Personengruppe haben wir durch die Einrichtung der Beratungsstellen Arbeit und die Vernetzung mit bestehenden Beratungs­angeboten ein Netzwerk gegen Arbeitsausbeutung geschaffen. Die Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen im vergangenen Jahr haben ein Schlaglicht auf die oftmals unwürdigen Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie geworfen. Nun ist es endlich gelungen, den schlimms­ten Auswüchsen einen Riegel vorzuschieben: Die Einführung des Arbeitsschutzkontrollgesetzes, das z. B. ein Verbot von Werkverträgen in der Fleischindustrie vorsieht, ist maßgeblich auf den Einsatz von Herrn Minis­ter Laumann zurückzuführen.

Beim Einsatz gegen prekäre Beschäftigung werden wir auch andere Branchen wie beispielsweise die Logistik in den Blick nehmen. Neben der Information sowie Beratung von Beschäftigten im Sinne eines Empowerments, der Änderung von gesetzlichen Rahmenbedingungen und regelmäßigen Kontrollaktionen ist es uns wichtig, den Menschen eine Entwicklungsperspektive zu geben. Hier gilt es, passgenaue Qualifizierungsmöglichkeiten zu schaffen, um auf die sich wandelnde Arbeitswelt zu reagieren. Mit dem Bildungsscheck NRW unterstützen wir die Teilnahme an beruflicher Weiterbildung. Die „Beratung zur beruflichen Entwicklung (BBE)“ bietet darüber hinaus Hilfestellung bei der Berufswegeplanung.

Wir müssen uns darüber im Klaren sein: von der „Basisarbeit“ profitiert die gesamte Gesellschaft. Daher sind die Wertschätzung und der Kampf gegen Missstände bei der „Basisarbeit“ nicht nur eine Aufgabe der Politik, sondern auch jedes und jeder Einzelnen. Unser Konsumverhalten entscheidet mit über die Arbeitsbedingungen bei Lieferdiensten, in Schlachthöfen und auf Erdbeerfeldern. Diese Verantwortung sollten wir gemeinsam wahrnehmen.

Autor

Stefan Kulozik, Leiter Abteilung Arbeit und Qualifizierung
Ministerium für Arbeit, Gesundheit und
Soziales des Landes NRW
Fürstenwall 25
40219 Düsseldorf
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