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(Heft 2/2021)
Aktualisierte Fassung des G.I.B.-Readers „Integration und Teilhabe beeinträchtigter Menschen“ liegt vor

„Nehmt mich, wie ich bin“

Ende 2019 veröffentlichte die G.I.B. die erste Version des Readers „Integration und Teilhabe beeinträchtigter Menschen – Exemplarische Handlungsansätze von Jobcentern in Nordrhein-Westfalen“ (kurz: Reader Inklusion), in dem 14 Beispiele für inklusionsorientierte Projekte von Jobcentern aus ganz Nordrhein-Westfalen vorgestellt werden. Jetzt sind neue Beispiele hinzugekommen.

Das Land Nordrhein-Westfalen hat seine Verantwortung für die Verbesserung der beruflichen Integration von arbeitsuchenden Menschen mit Beeinträchtigungen erkannt und als wichtiges Thema seiner Arbeitsmarktpolitik definiert. Als das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS NRW), die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit, der Städtetag NRW und der Landkreistag NRW im Januar 2018 die „Rahmenvereinbarung Inklusion“1 abschlossen, dauerte es nicht lange, bis die meisten Jobcenter in NRW der Vereinbarung beitraten. Das erste war das Jobcenter Düsseldorf, das im G.I.B.-Reader dann auch mit seinem Projekt eines Inklusionstages mit dem Titel: „Hinschauen, statt wegschauen!“ vertreten ist.

„Die Vereinbarungspartner, insbesondere das MAGS NRW, unternehmen zusammen mit den Jobcentern gemeinsame Anstrengungen, um die Rahmenbedingungen in den Jobcentern für die berufliche Integration von Menschen mit Beeinträchtigungen in NRW weiter zu verbessern“, heißt es in der Rahmenvereinbarung. Die Jobcenter waren bereits zuvor in vielfältiger Weise für die berufliche Integration von Menschen mit Beeinträchtigungen aktiv, zur weiteren Verbesserung der beruflichen Integrationschancen der Zielgruppe und zur Weiterentwicklung der Dienstleis­tungsangebote der Jobcenter wurden in der Rahmenvereinbarung aber konkret sechs Handlungsfelder identifiziert, auf die sich das Engagement fokussieren soll:

  • Inklusion als Aufgabe für die gesamte Organisation und als Führungsaufgabe
  • Weiterentwicklung der Zugänglichkeit
  • Weitere Stärkung der Beratungskompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jobcenter
  • Gewinnung der Arbeitgeber
  • Chancen verbessern für junge Menschen mit Beeinträchtigungen“ sowie
  • Weiterentwicklung der Netzwerkarbeit


Genau in diesen Handlungsfeldern sind die vielen Projekte und Maßnahmen, die zahlreiche Jobcenter in NRW seitdem aufgelegt haben, auch angesiedelt.

Der Reader Inklusion der G.I.B. stellt eine Auswahl dieser Projekte und Aktivitäten in kompakter Form vor. Sein Ziel ist es, vielversprechende Handlungsansätze und Ideen zu präsentieren, den Austausch weiter zu verbessern und neue Impulse zu streuen. Eine Ansprechperson des jeweiligen Jobcenters ist zu jedem vorgestellten Beispiel genannt, sodass einer Kontaktaufnahme und weiterem fachlichen Austausch nichts im Wege steht.

Die neuen Projektbeispiele stammen aus Dortmund und Steinfurt. Das Jobcenter Dortmund, das schon im Jahr 2018 eine interne Inklusionsvereinbarung in Kraft gesetzt und einen Inklusionsbeauftragten (sowie eine Stellvertreterin) benannt hatte, ist gleich mit zwei neuen Ideen vertreten.

Zum einen hat es alle seine fünf Liegenschaften in Dortmund von der Agentur Barrierefrei NRW untersuchen lassen, um zu ermitteln, wie barrierearm beziehungsweise barrierefrei die Gebäude tatsächlich sind. Der abschließende Bericht enthält gegebenenfalls auch Vorschläge zu einer Verbesserung der baulichen Substanz oder der technischen Ausstattung im Sinne der Barrierefreiheit, die das Jobcenter dann im Nachgang so weit wie möglich umsetzen will. Das Ergebnis der Untersuchung wird in das Portal „NRW informierBar“ (https://informierbar.de) aufgenommen, das Informationen zur Barrierefreiheit öffentlich zugänglicher Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen bereitstellt.

Die zweite Idee aus Dortmund ist eine Fotokampagne mit dem Titel „Inklusion trägt mein Gesicht“, für die sich fünf schwerbehinderte/gleichgestellte Mitarbeitende des Jobcenters Dortmund zur Verfügung gestellt haben. Auf den professionellen Fotos sind die fünf Personen, die verschiedene Einschränkungen haben, jeweils auf Einzelporträts und auf einem Gruppenfoto gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen abgelichtet. Dazu ist jedes Foto mit einer Botschaft versehen, die von den Porträtierten selbst stammt, zum Beispiel: „Nehmt mich, wie ich bin” oder „Karriere statt Barriere“. Die Bilder sollen in den Eingangsbereichen der fünf Standorte des Jobcenters Dortmund aufgehängt werden, wo sie sowohl die Mitarbeitenden als auch die Kundinnen und Kunden sehen können. So will das Jobcenter sie für das Thema Inklusion sensibilisieren und gleichzeitig nach innen und außen als inklusives Jobcenter wahrgenommen werden.

Das Jobcenter Kreis Steinfurt hat auf den ersten Blick eine eher konventionelle Maßnahme mit dem Titel „Individuelle Stabilisierung von Gesundheit & Arbeit“ für die Zielgruppe der Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen aufgesetzt. Im Rahmen dieses Angebots sollen diese aktiviert, an das Beschäftigungssystem herangeführt und schließlich in Beschäftigung integriert werden, insoweit nichts Neues. Bei genauerem Hinsehen enthält die Maßnahme aber sehr innovative Ansätze: Nicht nur, dass das Angebot freiwillig ist, es kommt auch ein multiprofessionelles Team aus sozialpädagogischen Fachkräften, Psychologen und Arbeitsmedizinern zum Einsatz und Einzelcoaching ist regelmäßiger Bestandteil der Maßnahme. Außerdem werden die Teilnehmenden – erfolgreich – motiviert, an den frei zugänglichen Angeboten der gesetzlichen Krankenkassen teilzunehmen und dadurch ihre gesundheitliche Situation zu stabilisieren. Die modular aufgebaute Maßnahme wird seit dem 1. Februar 2020 an den drei Jobcenter-Standorten Rheine, Ibbenbüren und Steinfurt durch den Träger „Lernen fördern e. V.“ durchgeführt und verzeichnet bereits gute Erfolge.

Im G.I.B.-Reader Inklusion, der unter www.gib.nrw.de/themen/sgb-2-steuerung/g-i-b-reader-inklusion-ganz-praktisch zum Download bereitsteht, sind die neuen Best-Practice-Beispiele genauer beschrieben. Natürlich enthält der Reader auch weiterhin die übrigen 14 Beispiele für inklusive Projekte von Jobcentern aus Nordrhein-Westfalen. Neue Ideen und Ansätze zur Verbesserung der beruflichen Integration von arbeitsuchenden Menschen mit Beeinträchtigungen sind im Reader Inklusion immer herzlich willkommen. Jobcenter, die ihre Projekte oder Maßnahmen in diesem Arbeitsfeld vorstellen möchten, können sich gerne an die im Info-Kasten genannte Ansprechperson bei der G.I.B. wenden.


1 Offizieller Titel: „Rahmenvereinbarung zur Verbesserung der beruflichen Integration von Arbeitsuchenden mit Behinderungen bzw. gesundheitlichen Einschränkungen (Menschen mit Beeinträchtigungen) in der Grundsicherung für Arbeitsuchende in Nordrhein-Westfalen“

Ansprechperson in der G.I.B.

Rieke Dodot
Tel.: 02041 767164
r.dodot@gib.nrw.de

Autor

Frank Stefan Krupop
Tel.: 02306 741093
frank_krupop@web.de
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