(Heft 1/2021)
Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Oft haben wir in den letzten Jahren das arbeitspolitische Mantra gehört: „Die Digitalisierung verändert unsere Arbeitswelt fundamental“, meist verbunden mit dem Rat zu Weiterbildung und lebenslangem Lernen.

Untergegangen ist dabei manchmal, dass auch die Weiterbildungs- und Beratungsbranche selbst sich digitalisieren muss. Dabei wirft die Digitalisierung nicht nur technische Fragen auf wie die nach einer einwandfreien Video­schaltung, nach Datenschutz und Datensicherheit, sondern auch inhaltliche und methodische. Wir haben deshalb im vorliegenden G.I.B.-Info die expandierenden Online-Veranstaltungen und Online-Angebote zum Anlass genommen, die Digitalisierung der Beratungs- und Weiterbildungsbranche insgesamt in den Blick zu nehmen.

So zeigen wir, welche Trends etwa der Bundesverband betriebliche Weiterbildung, Wuppertaler Kreis e. V., für die von ihm vertretene Branche prognostiziert. Zugleich berichten wir über Fortbildungsveranstaltungen, die wir als G.I.B. selbst im Kontext der Digitalisierung für Verantwortliche in den Bereichen Potentialberatung und Beratung zur beruflichen Entwicklung in Kooperation mit digital versierten Expertinnen und Experten durchgeführt haben. Der scheinbar paradoxe Titel des Textes – „Online präsent sein“ – spiegelt trefflich die Tatsache, dass zwischen „Online“ und „Präsenz“ zwar Unterschiede, aber kein Widerspruch besteht, sondern beides zusammengehört.

Teilnehmende der Veranstaltungen bringen klar zum Ausdruck: die richtige Mischung macht`s. Fachsprachlich formuliert: „Blended Counseling“ ist die Zukunft. Von der „Synchronizität beim Interagieren“ ist da die Rede, von „Nähe durch Distanz“ und von „digitaler Empathie“ –, eine spannende, noch längst nicht abgeschlossene Entwicklung, wie gleich mehrere Beispiele in diesem Heft dokumentieren.

Außerdem kommen in dieser Ausgabe gleich zwei Bildungsministerinnen, Bundesministerin Anja Karliczek und Landesministerin Yvonne Gebauer, sowie Landesarbeitsminister Karl-Josef Laumann zu Wort. Anlass: die Entwicklung des Berufswahlpasses zur „berufswahlapp“ in einem bundesweiten und von zwei Ministerien der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen gesteuerten Pilotprojekt. Ziel des Projekts ist es, den Berufswahlpass vom Ringbuchordner zum digitalen Werkzeug zu machen und dadurch die Berufliche Orientierung von jungen Menschen weiter zu modernisieren.

Möglichkeiten, wie auch unter Corona-Bedingungen wichtige berufliche Orientierungshilfen für Schülerinnen und Schüler erhalten werden können, verdeutlicht zudem ein Beitrag über die Arbeit der Kommunalen Koordinierungsstellen. Sie unterstützen dabei, dass ausbildungsvorbereitende Praktika auch in Pandemie-Zeiten ermöglicht oder digital angeboten werden.
 
Ebenfalls hochaktuell: eine Ausstellung der Kommunalen Koordinierungsstelle des Kreises Warendorf zum Thema „Pflege“ für Schülerinnen und Schüler, die Gesundheitsförderung im Jobcenter Holzminden als entscheidender Faktor bei der Integration Langzeitarbeitsloser in Arbeit sowie die gute Arbeit einer Inklusionsabteilung der Universitätsklinikum Köln Reinigungs GmbH.

Umfassend beschäftigen wir uns in dieser Ausgabe zudem mit dem Themenfeld „Armutsbekämpfung und Sozialplanung“. Hier stellen wir unter anderem die strategische Sozialplanung in der „Sozialen Kupferstadt Stolberg“ vor sowie die „Neue Leipzig-Charta“, ein „Manifest für gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung“, zu deren Bedeutung Sabine Nakelski vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen Stellung bezieht.

Eine Zwischenbilanz zum NRW-Programm „Zusammen im Quartier – Kinder stärken – Zukunft sichern“ zeigt abschließend, wie aktiv und erfolgreich Nordrhein-Westfalen in einem Handlungsfeld agiert, in dem der Staat eine besondere Verantwortung trägt. Im G.I.B.-Gespräch bringt es Wolfgang Kopal vom Referat Grundsatzfragen Soziales, Sozialplanung und -berichterstattung, Armutsbekämpfung im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen so auf den Punkt: „Bei aller Wertschätzung für ehrenamtliche Tätigkeit, die weiterhin unverzichtbar ist: Aufgabe und Verpflichtung des Sozialstaats ist es, die Ärmsten der Armen in den Mittelpunkt seines Wirkens zu stellen.“

Eine informative und unterhaltsame Lektüre wünscht

Karl-Heinz Hagedorn

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