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(Heft 1/2021)
Strategische Sozialplanung in der „Sozialen Kupferstadt Stolberg“

Armutsbekämpfung im Gemeinwohlinteresse

Vor fünf Jahren hat sich die 57.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählende Stadt Stolberg, gelegen in der Städteregion Aachen, für die Etablierung einer strategischen Sozialplanung entschieden. Neben der Erstellung eines Sozialberichts und des Leitbilds „Soziale Kupferstadt 2030“ entwickelten die Verantwortlichen ein integriertes Handlungskonzept mit dem Ziel, Armut zu bekämpfen und die Lebensverhältnisse in besonders belasteten Quartieren deutlich zu verbessern. Fachlich begleitet wurde die Einführung einer strategischen Sozialplanung von der damaligen Fachstelle für sozialraumorientierte Armutsbekämpfung des Landes Nordrhein-Westfalen, von der einige Beraterinnen und Berater heute in der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung arbeiten. Jetzt, nur wenige Jahre später, zeigt sich: Das Konzept funktioniert.

Die Zäsur lässt sich exakt datieren: auf den Tag, als der Stadtrat der Kupferstadt Stolberg vor fünf Jahren den Beschluss zum Aufbau einer strategischen Sozialplanung fasste. Bis dahin hatte die einst wohlhabende Industriestadt mit ihren prächtigen Bürgerhäusern aus der Gründerzeit noch kein umfassend wirksames Rezept gefunden, um angemessen auf den ökonomischen Niedergang ihrer Metall verarbeitenden Produktionsstätten, hier Kupferhöfe genannt, zu reagieren, in dessen Folge die Zahl an Bedarfsgemeinschaften und Langzeitarbeitslosen in besonders belasteten Quartieren ebenso stark anstieg wie die Quote an Kinderarmut.

Mit der Entscheidung, eine strategische Sozialplanung zu implementieren, war endlich eine Lösung gefunden, um die im Strukturwandel entstandene soziale Schieflage ganzheitlich anzugehen, denn eine so ausgerichtete Planung analysiert die soziale Lage vor Ort, stellt Bedarfe fest, plant soziale Angebote und Dienstleistungen. Sie ist Steuerungsunterstützung für das Management der Sozialverwaltung, beteiligt Bürgerinnen und Bürger, berücksichtigt die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zu anderen politischen Handlungsfeldern wie zum Beispiel Bildung, Gesundheit, Stadtplanung, Wirtschaft und Arbeitsmarkt und ist damit letztlich am Gemeinwohl orientiert.

Aufschlussreicher Sozialbericht
 

„Sicher“, räumt Paul Schäfermeier, Leiter des Amts für Soziales der Stadt Stolberg, unumwunden ein, „können wir mit unseren Maßnahmen im Kontext einer strategischen Sozialplanung nicht die Arbeitslosigkeit signifikant senken, aber wir können das soziale Auseinanderdriften der Gesellschaft stoppen, können Armut bekämpfen, das Image der Stadtteile wie auch das Wohlgefühl der hier lebenden Menschen verbessern – und das ist schon mal eine ganze Menge. Wir haben immer Wert darauf gelegt zu verdeutlichen, dass hier etwas gemacht werden soll, was der gesamten Stadt und allen Menschen zugutekommt.“

Dazu stand am Anfang des Prozesses der Sozialbericht, eine auf differenzierten und sozialraumbezogenen Daten basierende Bestandsaufnahme und Bedarfsermittlung. Schonungslos und akribisch genau diagnostizierte der Bericht den Handlungsbedarf. Vor allem in den drei Sozialräumen Unterstolberg, Oberstolberg und Münsterbusch, lautete eins der Ergebnisse, leben überdurchschnittlich viele Menschen nicht deutscher Nationalität in einfacheren Verhältnissen, ein erster Hinweis auf ethnische und soziale Segregation.

Mehr als die Hälfte der hier lebenden Haushalte, exakt 51 Prozent, verfügt lediglich über ein Niedrigeinkommen, die Langzeitarbeitslosenquote ist überdurchschnittlich hoch. Entsprechend groß ist der Anteil der Bevölkerung, der auf existenzsichernde Hilfen über SGB II (Grundsicherung für Arbeitsuchende) und SGB XII (Sozialhilfe) angewiesen ist – mit Konsequenzen für die Kaufkraft vor Ort und damit für die lokale Ökonomie.

Der differenzierte Bericht brachte eine Fülle weiterer sozialplanrelevanter Daten ans Licht. So etwa im Bildungssektor die Tatsache, dass in den genannten Sozialräumen der Anteil der Kinder, die nach der Grundschule zum Gymnasium wechseln, am niedrigsten ist, genauso wie die Wahlbeteiligung der Bürgerinnen und Bürger als Indikator für politische Partizipation: Lag deren Quote in den ländlichen Regionen bei immerhin 51 Prozent, betrug sie in der Innenstadt lediglich 36 Prozent.

Mit dem Bericht lagen nunmehr detaillierte Sozialraumprofile vor. Sie verzeichneten Haltestellen des öffentlichen Personennahverkehrs genauso wie Zahl und Lage von Kindertageseinrichtungen und Schulen sowie Details zu den Indikatoren Bevölkerungs- und Altersstruktur, Staatszugehörigkeit, Kinder und Jugendliche, des Weiteren Angaben zu Raumnutzung und Infrastruktur. Insgesamt eine wertvolle Datengrundlage für eine strategisch ausgerichtete Sozialplanung.

Da eine so konzipierte Planung immer auch beteiligungsorientiert ist und um die bloßen Zahlen mit qualitativen Informationen zu kombinieren, fand parallel zum Sozialbericht eine repräsentative Bürgerumfrage zur Lebensqualität in den Ortsteilen statt, ergänzt um eine Konferenz mit 140 Expertinnen und Experten aus den Bereichen Freie Wohlfahrtspflege, Kita, Schule, Senioren, Wirtschaft, Kirche, Sport, Kultur, Verwaltung und Politik.

Integriertes Handlungskonzept
 

Gleich im Folgejahr wurden in drei Beteiligungsschritten (Kick-off-Workshop, Arbeitsgruppen-Phase, Abschluss-Workshop) gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern Ziele und Prioritäten entwickelt, die zusammen mit dem ersten Sozialbericht die Grundlage bildeten für die sozialpolitischen Weichenstellungen der nächsten Jahre, festgehalten im Leitbild „Soziale Kupferstadt 2030“. Ein, wie Paul Schäfermeier, Leiter des Amts für Soziales, es formuliert, „gemeinsamer Kompass von Zivilgesellschaft, Politik und Stadtverwaltung, um Stolberger Stadtteile nachhaltig weiterzuentwickeln, indem wir die bisherige städtebauliche Entwicklungsstrategie um sozialräumliche Maßnahmen ergänzen. Und so die Lebenslagen und die soziale Teilhabe von Haushalten in Armut und hier insbesondere Familien mit Kindern konkret zu verbessern.“

Sechs Handlungsfelder umfasst das Leitbild: Arbeit und Wirtschaft, Wohnen und öffentlicher Raum, Vielfalt und Zusammenhalt, Bildung und lebenslanges Lernen, Familien und Generationen sowie Inklusion und Teilhabe.

Dem naturgemäß eher allgemein formulierten Leitbild folgte unmittelbar die Erstellung eines Integrierten Handlungskonzepts (IHKo) mit dem Titel „Berg- und Talachse“. Mit ihm hat die Stadt eine komplexe, integrierte Erneuerungsstrategie für die drei besonders belasteten Stolberger Sozialräume Münsterbusch, Ober- und Unterstolberg mit fünf Vierteln (Müns­terbusch, Liester, Oberstolberg, Mühle und Velau) erarbeitet, in denen knapp 20.000 Menschen leben.

Gemeinsam koordiniert vom Amt für Soziales sowie vom Amt für Stadtentwicklung und Umwelt bündelt das Konzept Maßnahmen aus mehreren Handlungsfeldern – ein exakt aufeinander abgestimmtes Gefüge aus städtebaulichen, infrastrukturellen und sozialen Projekten. Das Konzept soll „die Lebensqualität erhöhen, sozialer Ungleichheit entgegenwirken und den Zusammenhalt stärken“ so Leo Jansen und Lukas Franzen von der beim Amt für Soziales angesiedelten Fachstelle Inklusion und Sozialplanung. Dabei werden Stadtentwicklung und Sozialplanung ämter­übergreifend miteinander verzahnt und aus einem Guss gestaltet – immer kombiniert mit einem umfassenden Beteiligungsprozess und der Aktivierung von bürgerschaftlichem Engagement aus den Quartieren und für die Quartiere.

Aus dem breiten Spektrum an Maßnahmen nachfolgend nur eine Auswahl im Handlungsfeld „Bildung, Qualifizierung und Arbeit“, bei denen es laut Leo Jansen „vor allem um Beschäftigungsmaßnahmen geht, die gleichzeitig in den Stadtteilen sichtbar und wirksam werden. Dabei wird die Integration in Arbeit gefördert, indem Langzeitarbeitslose Dienstleistungen für die Quartiere im Rahmen von Qualifizierungsmaßnahmen erbringen.“

Eins von insgesamt acht Projekten in diesem Handlungsfeld trägt den Titel „Gemeinsam stark im Viertel“, das vier Bausteine miteinander verknüpft: aufsuchende Sozialarbeit, eine sinnvolle Beschäftigung gezielt ausgewählter Personen im öffentlichen Raum als Quartiershausmeister, Aktionen zu gemeinschaftlicher Gestaltung und Pflege der Quartiere sowie die begleitende Qualifizierung und die Schaffung von sinnvoller Beschäftigung im Sinn eines sozialen Arbeitsmarkts.

Dazu ist vorgesehen über aufsuchende Sozialarbeit im Viertel Bewohnerinnen und Bewohner auf Bedarfe im öffentlichen Raum und im privaten Umfeld anzusprechen. Zugleich sollen gemeinsam mit dem Jobcenter und der Stadtverwaltung potenzielle Mitarbeitende im SGB II-Bezug über niedrigschwellige, praktische Qualifizierungen zu einer Tätigkeit als „Quartiershausmeister“ befähigt werden.

„Quartiershausmeister“, erläutert Inklusionsberater Lukas Franzen vom Amt für Soziales, „sind ihrerseits Dienstleister aus, im und für die Quartiere, und zwar in Feldern wie Sauberkeit, Ordnung, Mitgestaltung von Anliegen der Bürgerinnen und Bürger zur Verbesserung des öffentlichen Raums oder bei Bürgeraktivitäten. Die Kombination aus praktischer Arbeit und Qualifizierung soll ihnen die Möglichkeit bieten, ihre Talente und Kompetenzen zu entwickeln. Dabei sind berufliche und soziale Integration grundsätzlich gleichwertige Ziele.“ Zurzeit werden noch geeignete Förderinstrumente für die Umsetzung sondiert, da diese in einem ersten Anlauf nicht gefunden werden konnten.

Im Rahmen des bereits seit 2019 im BIWAQ-Programm des Bundes laufenden Projekts „Viertel-LAB“ – der Begriff steht für „Laboratorium im Quartier“ –, erhalten 300 (Langzeit-)Arbeitslose, davon 60 Prozent mit Migrationshintergrund und 40 Prozent Frauen, durch Jobcoaching und Schulungen theoretische und praktische Qualifizierungen im handwerklichen und digitalen Bereich, wobei Schulungen und Beratungen des „Viertel-LAB“ allen Ortsansässigen offenstehen.

Damit das gelingt, baut das „Viertel-LAB“ ein Netzwerk lokaler Unternehmen, Vereine, Bildungs- und Kultureinrichtungen auf. Leo Jansen: „Mit seiner technisch-kreativen Ausstattung ist das LAB eine Art Think-and-work-Tank der lokalen Ökonomie wie der Quartiere insgesamt. Die Schulungen werden mit Quartiers-Facility-Services und quartiersbezogenen Aktionen verknüpft, sodass für Teilnehmende und Unternehmen sinnvolle Tätigkeiten entstehen, die einen direkten Mehrwert für die Quartiere haben.“

Weitere Projekte im Handlungsfeld Bildung umfassen die Sozialbegleitung in VHS-Integrationskursen, den Aktionstag der Wirtschaft zur Einbindung der Unternehmen in soziale Projekte, eine Schulwerkstatt für Schulverweigerer sowie die Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderung in der Stolberger Stadtverwaltung.

Verknüpft mit dem Integrierten Handlungskonzept sind zudem Projekte aus anderen Förderprogrammen wie dem vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderten Programm „Zusammen im Quartier – Kinder stärken – Zukunft sichern“ sowie mit Einzelaktionen wie etwa zum Jahreswechsel 20/21, als 400 Kinder aus armen Haushalten einen Rucksack mit Präsenten und Büchergutscheinen im Corona-Lockdown geschenkt bekamen.

Finanzmanagement und Community Organizing
 

„Das von uns aufgebrachte Thema Armutsbekämpfung“, sagt Sozialamtsleiter Paul Schäfermeier im Rückblick, „fand von Beginn an in der Politik, bei Bürgermeister und Beigeordneten ebenso wie in der Verwaltungsspitze großen Widerhall und Rückhalt.“ Sein Mitarbeiter Leo Jansen bescheinigt dem Stadtrat für seinen von der Stadtspitze mitgetragenen Beschluss, eine strategische Sozialplanung mit dem Schwerpunkt Armutsbekämpfung zu implementieren, „politischen Mut“: „Nicht selten versuchen Bürgermeis­ter eher mit Wirtschaftsförderungsmaßnahmen oder der Förderung gehobener Kulturprojekte, die sicher ihre Bedeutung haben, zu glänzen. Armutsbekämpfung zum Thema zu machen, erscheint vielen nicht als attraktiv, umso lobenswerter die Entscheidung in Stolberg.“

Von Beginn an gewährleistete eine interfraktionelle „Lenkungsgruppe Sozialplanung“ eine regelmäßige Information und Beteiligung der Politik, sorgte für Transparenz und reduzierte so etwaige Widerstände und Vorbehalte.

Umfassend auch die Beteiligung aller relevanten Akteure: Speziell für die Erstellung des Integrierten Handlungskonzepts war ein aus 18 Personen bestehender Arbeitskreis gebildet worden, zusammengesetzt aus professionellen und ehrenamtlichen Stadtteilakteuren und Multiplikatoren, darunter Sozialträger, Polizei und Jobcenter, Stadtteil- und Schützenvereine, die katholische und die evangelische Kirchengemeinde, der Integrationsrat, das Jugendparlament sowie weitere engagierte Bürgerinnen und Bürger.

Parallel dazu garantiert eine ämterübergreifende Planungsgruppe zum Integrierten Handlungskonzept die inhaltliche Rückkopplung und Beteiligung der einzelnen Zuständigkeitsbereiche mit ihren unterschiedlichen Verwaltungsaufgaben. Sie modifizierten beispielsweise die gesetzten Ziele und stimmten die prioritären Maßnahmen ab. Besetzt ist die Planungsgruppe in der Regel mit den Leitungen der für den Prozess relevanten Ämter für Stadtentwicklung und Umwelt, für Soziales, für Schule, Kultur, Sport und Tourismus, das Jugendamt, die Ämter für Immobilienmanagement und technische Infrastruktur sowie für Wirtschaftsförderung und – je nach Tagesordnung – mit weiteren Fachabteilungen.

Eine komplexe Herausforderung war das Thema Finanzen. Mit dem Mix an vielfältigen Maßnahmen korrespondiert ein Mix an öffentlichen Finanzierungsquellen – ergänzt um erhebliche Eigenmittel der Kommune. So trägt die Stadt Stolberg mit mehreren Millionen Euro rund 20 Prozent der Kosten im Rahmen des Integrierten Handlungskonzepts. Zudem hat die Stadt – in der kommunalen Landschaft eine Rarität – eigens zur Unterstützung für das Thema Armutsbekämpfung zwei Personalstellen im Amt für Soziales geschaffen, in dem seit Beginn Sozialplanung und Inklusionsberatung direkt miteinander verbunden sind. Noch hat sich übrigens, vor allem in kleinen Kommunen nicht überall herumgesprochen, dass die NRW Bank Kommunen kostenfrei beim Aufbau eines kommunalen Fördermittelmanagements berät.

Nicht minder wichtig als das Thema Finanzen war die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. „In Stadtrat und Verwaltungsspitze“, so Leo Jansen, „sitzen nicht immer Vertreter der armen oder benachteiligten Bevölkerungsgruppen“. Umso wichtiger die durchgängige Partizipation der Einwohnerinnen und Einwohner von Stolberg, orientiert an dem aus den USA stammenden „Community Organizing“, einer Methode zum Aufbau von Bürgerorganisationen in benachteiligten Stadtteilen mit dem Ziel, dass Bürgerinnen und Bürger konstruktiv ihre eigene Stadt mitgestalten, für ihre eigenen Interessen eintreten und so eine nachhaltige Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen erwirken.

Eins der konkreten Beteiligungsformate in diesem Kontext sind in Stolberg die Sozialraumkonferenzen. Hier geht es neben der allgemeinen Information zum Planungsprozess vor allem darum, mit den Bewohnerinnen und Bewohnern zum Beispiel an moderierten Plakatwänden über Handlungsbedarfe in den Quartieren ins Gespräch zu kommen und Maßnahmen­ideen zu sammeln.

Nicht zu unterschätzen die Öffentlichkeitsarbeit: So gibt es eine „Stadtteilzeitung“ in hoher Auflage, die Bürgerinnen und Bürger der besonders belasteten Stadtteile über alle Aktivitäten informiert und zur Beteiligung animiert. Parallel zum analogen wird jetzt ein digitales Medium genutzt: die „Dorffunk-App“, entwickelt vom Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering, um Stadtteile digital zu vernetzen. Mit ihr können Bürgerinnen und Bürger – besonders nützlich in Zeiten der Pandemie – ihre Hilfe anbieten, Gesuche einstellen oder zwanglos miteinander kommunizieren. Eingebettet ist die App in eine Gesamtstrategie der Stadt, mit der sie das bürgerschaftliche Engagement fördern will.

Return on social invest
 

Wie geht es weiter im Prozess der strategischen Sozialplanung? Auf die Frage haben die Verantwortlichen viele Antworten. Zunächst gilt es jetzt, das Monitoring zu optimieren und zu verstetigen. Leo Jansen: „Wir bekommen laufend neue Rohdaten etwa zur Zahl der Arbeitslosen auf sozialräumlicher Ebene. Sie zu analysieren ist wichtig für die Weiterentwicklung der Sozialplanung und für zukünftige Projektanträge. Doch mit unseren begrenzten zeitlichen und personellen Ressourcen ist das kaum zu schaffen. Anders als große Kommunen verfügen wir nicht über eine eigene Statistikstelle, wo man auf Knopfdruck passgenaue Analysen bekommt, sondern müssen uns mit unseren traditionellen Excel-Tabellen und Formeln behelfen.“

Bewähren könnte sich hier die enge Zusammenarbeit mit den umliegenden Kommunen und Kreisen der Städteregion
Aachen, die mittlerweile ihrerseits einen städteregionalen Sozialbericht auf den Weg gebracht hat. Leo Jansen: „Was Datenmanagement und Monitoring angeht, kann der Kreis als Dienstleister agieren, wobei wir die Daten auf kommunaler Ebene mit qualitativer Empirie ergänzen.“

Zukünftig wollen die für die strategische Sozialplanung verantwortlichen Akteure gerne die Finanzabteilung oder die Kämmerei stärker in die ressortübergreifende Planungsgruppe einbeziehen. Amtsleiter Paul Schäfermeier: „Die meisten unserer Maßnahmen sind auf mehrere Jahre angelegt, also brauchen wir eine mittelfris­tige Finanzplanung. Dabei können wir mithilfe der von uns erhobenen Sozialdaten jetzt genauer prognostizieren, wie sich die Kosten in den Bereichen SGB II-Bezug und der Kinderversorgung entwickeln. Das bietet Transparenz hinsichtlich der zukünftigen finanziellen Herausforderungen.“

Geplant ist zudem, über das Gebiet des Integrierten Handlungskonzepts hinaus überall im Stadtgebiet Stadtteilkonferenzen einzurichten, so Inklusionsberater Lukas Franzen, „als eine ergänzende Partizipationsstruktur neben dem parlamentarischen System, die informeller und sozialräumlich kleiner ist und vielleicht auch näher an den Menschen als es der Stadtrat mit seinen Ausschüssen sein kann.“

Verknüpft werden soll das mit einem Bürgerfonds. Mit ihm sollen bürgerschaftliche Projekte im Quartier finanziell gefördert, sollen nachhaltige und selbsttragende Strukturen geschaffen werden und damit die Fähigkeit zu Selbstorganisation und Selbstbestimmung. Über ihn können Vereine, Initiativen und ehrenamtlich engagierte Einzelpersonen für die mit Projekten wie etwa Stadtteilfesten, kulturellen Veranstaltungen oder Sprachkursen für Migranten verbundenen Kos­ten finanzielle Unterstützung erhalten.

Hinsichtlich der Wirkmessung, der Frage nach dem return on social invest, plant das Amt für Soziales ein Evaluationskonzept für das gesamte Gebiet des Integrierten Handlungskonzepts, für das bereits Mittel im Städtebauförderprogramm vorgesehen sind. Vorgesehen ist zudem, die für den Sozialbericht durchgeführte Umfrage zum Lebensgefühl der Bewohnerinnen und Bewohner zu wiederholen.

Schon jetzt zeigen sich vielerorts positive Wirkungen der strategischen Sozialplanung. Nicht zuletzt die „neue Kultur der Kooperation“, die in die Verwaltung eingezogen ist, sagt Sozialamtsleiter Paul Schäfermeister: „Anfangs gab es in den Ressorts unterschiedliche Denkweisen, Befindlichkeiten und Vorstellungen von strikt voneinander abgegrenzten Zuständigkeiten. Da gab es anfangs durchaus Reibungspunkte, die zu Hemmungen geführt haben. Doch die Phase haben wir längst überwunden.“ Dennoch bleibt noch viel zu tun: „Für das Planen im sozialen Bereich brauchen wir einen langen Atem. Veränderungen sind nicht so rasch zu spüren. Aber trotzdem haben wir für unsere inhaltlichen Ziele auch ein klares zeitliches Ziel: Bis spätestens 2030 wollen wir das soziale Leben Stolbergs deutlich zum Positiven verändert haben.“

Ansprechpersonen in der G.I.B.

Dr. Frank Nitzsche
Tel.: 02041 767157
f.nitzsche@gib.nrw.de

Tim Stegmann
Tel.: 02041 767264
t.stegmann@gib.nrw.de

Kontakt

Leo Jansen
Kupferstadt Stolberg (Rhld.)
Dezernat II, A 50 – Amt für Soziales
Sozialplanung
Rathausstraße 11 – 13
52222 Stolberg (Rhld.)
Tel.: 02402 13317
leo.jansen@stolberg.de
www.stolberg.de

Autor

Paul Pantel
Tel.: 02324 239466
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