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(Heft 1/2021)
Digitale Weiterbildung beim Paritätischen Gesamtverband

Arbeitshilfe zur professionellen Übertragung von Präsenzveranstaltungen

„Digitale Räume für analoge Veranstaltungen“, so lautet der Titel einer Arbeitshilfe des Paritätischen Gesamtverbands zur professionellen Übertragung von Präsenzveranstaltungen ins Netz. Die Arbeitshilfe liefert „Tipps und Werkzeuge“, um auch größere Fachveranstaltungen, Klausurtagungen und Ähnliches online organisieren zu können.

Wer unter den arbeits- und sozialpolitischen Akteuren in Nordrhein-Westfalen hat sie im Verlauf der Pandemie noch nicht erlebt: die zeitaufwändige Vorbereitung für die Moderation einer Videokonferenz oder die enervierenden Augenblicke, wenn beim Online-Meeting die Technik versagt? Ein Redaktionsteam des Paritätischen Gesamtverbands hat das nicht entmutigt – im Gegenteil. Es hat eine Arbeitshilfe „zur professionellen Übertragung von Präsenzveranstaltungen ins Netz“ erstellt. Anerkennung verdient nicht nur ihr praktischer Nutzen, sondern auch die Tatsache, dass der Paritätische Gesamtverband die Arbeitshilfe allen Akteuren kostenlos im Internet zur Verfügung stellt.

Die Vorteile digital organisierter Veranstaltungen liegen – ganz unabhängig von den Sonderbedingungen einer Pandemie – auf der Hand. Gleich zehn von ihnen lis­tet die Arbeitshilfe auf, darunter der nahezu kostenfreie Veranstaltungsort, der Wegfall langer Anfahrten und hoher Reisekosten, die zeitliche Flexibilität sowie die unkomplizierte Möglichkeit zur späteren Dokumentation.

Im ersten mit „Grundlagen“ betitelten Teil wenden sich Autor und Autorinnen Fragen zu, die sich bei der Vorbereitung einer Online-Veranstaltung stellen: „Wie übertrage ich eine gute Atmosphäre? Welche Haltung nehme ich vor dem Laptop ein? Wie teile ich mir eine Online-Moderation mit Kolleginnen und Kollegen auf und wie kann ich online meine Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei Laune halten, sie die Inhalte mitbestimmen lassen, ihre Wünsche, Meinungen, Stimmungen involvieren?“

Mit Antworten lässt die Arbeitshilfe nicht auf sich warten. Den Nachteil, dass Online-Treffen anders als Analog-Veranstaltungen „in einem eindimensionalen Raum“ stattfinden, sollten die für die Moderation Verantwortlichen kompensieren, indem sie Teilnehmende dazu auffordern: „Ruft euch an, wenn ihr jemanden gesehen habt, über den ihr euch freut” oder „Verabredet euch für die Mittagspause in einem eigenen Zoom-Raum”, wobei, wie mittlerweile alle wissen, ZOOM eine Software für Videokonferenzen ist.

Rasch wendet sich die Arbeitshilfe dem Thema „Technik-Ausstattung“ zu. Dazu gehört auch die Beantwortung von Fragen wie „Von wo und wie möchte ich gesehen werden?“, also die Frage nach der Positionierung des Laptops, des Tablets mit Webcam, oder „Hat meine eingebaute Webcam eine passende Auflösung oder benötige ich eine neuere, separate Kamera?“, „Wie ist das Licht und die Ausleuchtung? Kann ich meinen Raum so umgestalten, dass ich Gegenlicht vermeide und Lichtquellen nutzen kann, wenn das Tageslicht nicht ausreicht?“

Intensiv befasst sich das Produkt zudem mit den Vorbereitungen eines Online-Meetings hinsichtlich seiner Moderation. Für die Verfasserinnen und Verfasser der Arbeitshilfe steht fest, dass – anders als bei analogen – digitale Veranstaltungen ein Team von mindestens zwei Personen umfassen muss. Bewährt habe sich zudem „der Einsatz eines Moderations- und Regieplans mit entsprechenden Notizen für alle Gastgeberinnen und Gastgeber oder eine erweiterte Tagesordnung, in der auch für Teilnehmende Hinweise zu eingesetzten Tools vermerkt sind.“ Das schafft „konzeptionelle Transparenz“.

Darüber hinaus empfiehlt die Arbeitshilfe, ein „kollaboratives Online-Dokument“ anzulegen, „in dem alle Inputs und Moderationstexte eingetragen sind, sodass das Team immer nachvollziehen kann, wo man gerade steht“ und im Notfall sogar eine dritte, nicht mit der Moderation beauftragte Person einspringen könnte.

Hinsichtlich der digitalen Didaktik hebt die Arbeitshilfe die große Bedeutung von Abwechslungsreichtum hervor, „um die Aufmerksamkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht zu verlieren.“ Dazu dient der Einsatz unterschiedlicher Tools wie zum Beispiel Whiteboards als Flipchart-Ersatz, Padlet als Pinnwand-Ersatz, Etherpads zum Live-Protokollieren. Konkreter Tipp am Rande: „Statt analoge Moderationskarten zu beschreiben, kann man in der Online-Veranstaltung einfach mal fünf Minuten schriftliches Brainstorming einschieben. Das bringt oft enorm viel und ist auch ein willkommener Icebreaker, wenn Ideenfindung oder Diskussion mündlich nur zäh in Gang kommen.“

Ebenfalls von hoher Relevanz ist die Einbindung der Teilnehmenden in die Online-Tagung – eine anspruchsvolle Aufgabe im digitalen Raum., doch auch hier liefert die Arbeitshilfe ein breites Spektrum an „Tool-Tipps für Beteiligung“.

Nach Hinweisen zur Moderation von Großveranstaltungen folgen in dem Dokument Anregungen für die von Webinaren, in denen „das Fachwissen von einem klar eingrenzbaren Thema in Form eines Input-Vortrags mit Präsentation, Fallbeispielen und Praxistipps weitergegeben wird“, sowie für mehrstündige Online-Workshops, in denen es darum geht, „Wissen zu erwerben, zu vertiefen und anzuwenden.“ Auch hier gilt: Wichtig sind „eine abwechslungsreiche Didaktik und der clevere Einsatz von begleitenden Tools“, die in einem der Arbeitshilfe beigefügten „Webzeugkoffer” detailliert aufgelistet und erläutert sind.

Ganz konkret wird die Arbeitshilfe im zweiten Teil unter der Überschrift „Veranstaltungsformate, Tipps & Checklisten“. Hier haben Autor und Autorinnen aus einer Vielzahl unterschiedlicher Veranstaltungsformate Cluster gebildet und fünf Kategorien benannt. Erstens: Interne kleine Veranstaltungen wie zum Beispiel Teammeetings, Arbeitsgruppentreffen, Vorbereitungsteams und Klausuren. Zweitens: Gremiensitzung. Drittens: Große Fachveranstaltungen, Tagungen und Kongresse. Viertens: Online-Workshops. Fünftens: Vorträge, Inputs (Webinare).

Die zentralen Merkmale der fünf Kategorien sind am Anfang eines jeden folgenden Kapitels in einer kurzen Kompakt-Beschreibung zusammengefasst. Ihr folgt eine übersichtliche Online-Didaktik-Empfehlung mit Tipps zu den Bereichen digitaler Raum, Funktionen, Moderation, Technik sowie hilfreichen ergänzenden Tools, „mit denen eine Online-Veranstaltung möglichst ähnlich zur Präsenzveranstaltung durchgeführt werden kann.“ Abschließend findet sich jeweils eine ausführliche Checklis­te, „die an die wichtigsten To-dos erinnert und hilft, den Überblick zu bewahren“, sowie „eine Matrix mit einer Übersicht aller Online-Veranstaltungsformate und der dazugehörigen Tool-Empfehlungen.“

Im dritten und letzten Teil bietet die Arbeitshilfe kompakte „Tool-Steckbriefe“ zu Cryptpad, Etherpad, Google Docs, Padlet, Miro, Mentimeter, Slack „für alle, die schnell vergleichen möchten, welches Tool für welches Anliegen das Richtige ist“ sowie klare Auskünfte zu Nutzer- und Nutzerinnenfreundlichkeit, Funktionalität, Barrierefreiheit, Datenschutz und Nutzungsbedingungen.

Nicht zu vergessen der bereits erwähnte „prall gefüllte Webzeugkoffer mit Anleitungen, Empfehlungen und Tipps zu Social-Media-Kanälen und diversen Werkzeugen zur digitalen Kommunikation und Zusammenarbeit“. Er gibt Antworten auf Fragen wie: Welcher Videoanbieter passt zu uns? Womit kann ich Videos für Youtube schneiden? Worin unterscheiden sich die Messenger-Dienste? Wie verhalte ich mich, wenn mich ein Shit Storm ereilt?“

So hilfreich die Arbeitshilfe, so positiv eine Aussage des Redaktionsteams, zu dem neben Kathrin Adel, Gwendolyn Stilling, Kay Schulze, Lilly Oesterreich und Lena Plaut vom Paritätische Gesamtverband auch Kers­tin Müller (tausend³ – büro für positive kommunikation) gehören, zum Schluss der Arbeitshilfe: „Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, uns mit Kolleginnen und Kollegen zu verabreden und unbekannte, neue Formate und Programme gemeinsam zu üben. Um sich gegenseitig in einem geschützten Raum ausprobieren zu können, gemeinsam Lösungen zu finden, Unsicherheiten zu nehmen und auch in dieser digitalen Zeit einfach mal wieder herzhaft mit den Kolleginnen und Kollegen zu lachen.“

Ansprechperson in der G.I.B.

Elisabeth Tadzidilinoff
Tel.: 02041 767244
e.tadzidilinoff@gib.nrw.de

Kontakt

Projektreferentin Digitale Kommunikation
Der Paritätische Gesamtverband, Berlin
Lena Plaut
Tel.: 030 24636432
digikom@paritaet.org

Autor

Paul Pantel
Tel.: 02324 239466
paul.pantel@vodafonemail.de
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