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(Heft 1/2021)
Pflegeausstellung

„Meine Zukunft ist da! Mach Karriere in der Gesundheits- und Pflegebranche“

Dass Gesundheits- und Pflegekräfte in Deutschland ein rares Gut sind, ist nicht erst seit der Corona-Pandemie bekannt. Die Kommunale Koordinierungsstelle des Kreises Warendorf möchte dies gemeinsam mit der Regionalagentur Müns­terland ändern. Mit der Pflegeausstellung „Meine Zukunft ist da! Mach Karriere in der Gesundheits- und Pflegebranche“ sollen Schülerinnen und Schüler für einen Berufserkundungstag oder ein Praktikum in der Pflege begeistert werden.

Gesundheit ist eine wichtige Voraussetzung für ein gutes Leben und von zentraler Bedeutung für unsere Gesellschaft. Wenn Personen erkranken, so sollen sie angemessen gepflegt und versorgt werden – so der Anspruch. Doch spätestens seit der Corona-Pandemie ist noch einmal verstärkt ins gesellschaftliche Bewusstsein gerückt, dass es von den Menschen, die uns pflegen sollen, wenn wir darauf angewiesen sind, hierzulande nicht genug gibt. Die Corona-Krise hat offenbart, dass der akute Mangel an Fachkräften im Pflegebereich dringend angegangen werden muss. Dieser Missstand wird bei der Kommunalen Koordinierungsstelle (KoKo) des Kreises Warendorf schon seit Längerem thematisiert. Noch vor Ausbruch der Pandemie hat die KoKo in Kooperation mit der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter, weiteren Verantwortlichen der Landesinitiative „KAoA – Kein Abschluss ohne Anschluss“ sowie diversen Pflegeschulen im Kreisgebiet, wie der Zentralen Krankenpflegeschule am St.-Franziskus-Hospital Ahlen, dem St. Vincenz Berufskolleg, dem Edith Stein Kolleg – Fachseminar für Altenpflege und dem Haus der Pflege GmbH die Pflegeausstellung „Meine Zukunft ist da! Mach Karriere in der Gesundheits- und Pflegebranche“ ins Leben gerufen.

Ausstellung als „Teaser“ für Pflegeberufe
 

„Der Ausgangspunkt für die Idee zur Pflegeausstellung“, erinnert sich die Projektberaterin der Regionalagentur Münsterland, Alexandra Poppenborg, „war die Frage: Wie können wir Schülerinnen und Schüler der achten bis zehnten Klasse für einen Beruf im Pflege- und Gesundheitsbereich begeistern?“ Um dies zu klären, organisierte die KoKo Warendorf mit Unterstützung der G.I.B. zwischen Oktober 2019 und Februar 2020 insgesamt drei extern moderierte Workshops mit allen regional relevanten Akteuren. Entstanden ist daraus die Idee einer interaktiven Ausstellung, die an Schulen stattfinden soll, um junge Menschen über das Berufsbild Pflege zu informieren. Über QR-Codes werden die interessierten Jugendlichen bei der Ausstellung zukünftig die Möglichkeit haben, sich kurze Filme auf dem Smartphone oder einer Leinwand vorspielen zu lassen, in denen die Inhalte einer Pflegeausbildung authentisch und zielgruppengerecht durch Auszubildende vermittelt werden, die bei ihrer Arbeit filmisch begleitet wurden. Am Ausstellungsort werden den Schülerinnen und Schülern aber auch Ansprechpersonen von Pflegeeinrichtungen Rede und Antwort stehen. „Wir wollen mit der Ausstellung einen Beruf in der Pflege zum Pausengespräch unter den Schülerinnen und Schülern machen. Wenn sie sich dann Gedanken über ein Praktikum oder einen Berufserkundungstag machen, haben sie den Berufsbereich Pflege mit auf dem Schirm“, so Alexandra Poppenborg. Zusätzlich werden Elternabende angeboten. Diejenigen, bei denen die Ausstellung erstes Interesse entfacht hat, können sich dann im Beisein ihrer Eltern genauer über den Berufszweig informieren. Schulische Voraussetzungen für die neue generalistische Pflegeausbildung, Inhalt, Dauer und Vergütung der Ausbildung sowie anschließende berufliche Perspektiven – all das und mehr sollen die Eltern im Rahmen der Elternabende erfahren. Zur Pflegeausstellung gibt es außerdem eine Begleitbroschüre, die alle oben genannten Punkte ausführlich erläutert, Berufsfelderkundungs (BfE)- und Praktikumsplätze im Kreis Warendorf inklusive Kontaktdaten der Anbieter auflistet und darüber hinaus junge Auszubildende über ihre Ausbildungserfahrung berichten lässt. Einer von ihnen ist der 22-jährige Marvin. Er ist ein gutes Beispiel dafür, welchen Reiz eine Ausbildung in der Pflege bietet.

„Die Ausbildung war genau das Richtige für mich.“
 

Für Marvin, der 2015 als unbegleiteter Minderjähriger aus Nigeria nach Deutschland flüchtete, kam die Berührung mit dem Beruf Krankenpfleger eher unfreiwillig. Denn er war selbst in der Situation, dass er auf Pflege angewiesen war. Wegen einer Erkrankung war er zu einem längeren Krankenhausaufenthalt gezwungen. Doch auf diese Weise konnte er die Pflegekräfte und deren Arbeit hautnah erleben, was bei dem jungen Mann einen prägenden Eindruck hinterlassen hat. „Die Kombination aus Fürsorge und Wissen fand ich an dem Job total spannend.“ So sehr, dass er sich nach seiner Genesung für ein Schülerpraktikum als Pfleger entschied. Das positive Bild, das er aus dem Krankenhaus mitgenommen hatte, wurde ihm durch das Praktikum bestätigt. Von da an war für Marvin die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger beschlossene Sache. Die Mutter eines Freundes, die selbst Ärztin ist, konnte ihm einen Ausbildungsplatz vermitteln. Vorausgesetzt, er würde die Realschule mit guten Noten abschließen. Was ihm zuvor noch große Mühen bereitet hatte, fiel ihm dank der neu gewonnenen Perspektive nun ganz leicht: „Ich hatte endlich ein Ziel vor Augen – also fing ich an zu büffeln.“ Mit Erfolg: Realschulabschluss mit Bestnoten und Empfehlung fürs Gymnasium waren der Lohn für seinen Fleiß. Mittlerweile hat Marvin seine Ausbildung fast abgeschlossen. Zweifel an seiner Entscheidung kamen ihm bislang nicht. Im Gegenteil: „Die Ausbildung war genau das Richtige für mich“, freut sich Marvin über die vergangenen zwei Jahre und hat dabei schon sein nächstes Ziel fest im Visier. „Ich möchte eine Weiterbildung zur Fachpflegekraft für Intensivpflege und Anästhesie machen und anschließend erst einmal Berufserfahrung sammeln, bevor ich vielleicht ein Medizinstudium beginne.“

Pflegeausstellung bis Sommer 2021 ausgebucht – innerhalb einer Woche!
 

Aufgrund des andauernden Lockdowns und der damit verbundenen Schließung der Schulen konnte die Pflegeausstellung bis heute noch nicht an den Start gehen. Doch das Interesse der Schulen ist immens. „Wir haben im Dezember 2020 bei den Schulen angefragt, ob sie Interesse an unserer Ausstellung hätten und waren selbst etwas verblüfft darüber, auf ein so großes Echo zu stoßen. Innerhalb nur einer Woche hatten wir volle Buchungen bis Sommer 2021“, zeigt sich Projektberaterin Poppenborg sichtlich erfreut und erkennt darin ein klares Signal: „Wir sind auf dem richtigen Weg und können es kaum erwarten, junge Menschen für diesen abwechslungsreichen, dankbaren und würdevollen Beruf zu begeistern. Wenn man der Coronakrise etwas Positives abgewinnen will, dann vielleicht, dass sie verdeutlicht, wie wichtig die Menschen, die den Beruf der Krankenpflegerin oder des Krankenpflegers ausüben, für unsere Gesellschaft sind. Wir möchten mit der Pflegeausstellung zeigen, dass es sich lohnt, eine Ausbildung zur Pflegerin oder zum Pfleger zu machen.“

Ansprechpersonen in der G.I.B.

Anne Sabine Meise
Tel.: 02041 767172
a.meise@gib.nrw.de

Ulrich Schipp
Tel.: 02041 767258
u.schipp@gib.nrw.de

Kontakt

Alexandra Poppenborg (Projektberaterin)
Regionalagentur Münsterland
c/o MÜNSTERLAND e. V. am
FMO Flughafen Münster/Osnabrück
Airportallee 1
48268 Greven
Tel.: 02571 949317

Autor

Nils Strodtkötter
nils.strodtkoetter@web.de
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