Sie sind hier: Startseite Heftarchiv 2021 Digitale Transformation: Herausforderungen für die Beratungs- und Weiterbildungsbranche „Ausbildungsverhältnisse entstehen nicht im luftleeren Raum“
(Heft 1/2021)
Kommunale Koordinierungsstellen arbeiten im Netzwerk unter Hochdruck daran, Praktika auch unter Corona-Bedingungen zu ermöglichen oder digital anzubieten

„Ausbildungsverhältnisse entstehen nicht im luftleeren Raum“

Praktika entscheiden häufig über die Wahl eines Ausbildungsberufs. Die Netzwerkorganisationen des Arbeitsmarkts arbeiten unter der Moderation der Kommunalen Koordinierungsstellen händeringend an Möglichkeiten, die wichtige berufliche Orientierungshilfe für Schülerinnen und Schüler auch in Pandemie-Zeiten zu erhalten. Im virtuellen Raum entstehen dabei ganz neue Formate.

Krisenzeiten wie die Corona-Pandemie stellen weite Teile des öffentlichen Lebens vor große Herausforderungen, die Akteurinnen und Akteure auf dem Arbeitsmarkt sind davon nicht ausgenommen. Im Fokus stehen vor allem grundlegende Dinge. Firmen und Unternehmer halten den Betrieb aufrecht, nutzen Kurzarbeit und Homeoffice; Kammern sichern Prüfungen, Aus- und Fortbildungen ab; Schulen unterrichten auf Distanz und versuchen, geregelte Abschlüsse zu ermöglichen. Für die berufliche Orientierung von Schülerinnen und Schülern hat es allerdings gravierende Auswirkungen, wenn viele Unternehmen sich im Lockdown befinden oder ihren Betrieb auf das Nötigste zurückfahren. Selbstverständliche Elemente – wie Berufsfelderkundung und Praktika in den Klassen 8 bis 10 – fallen dann in großem Umfang weg. Damit fehlt Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern zugleich die Möglichkeit, für sich und ihre Ausbildungsberufe zu werben und in ausreichendem Maße Fachkräfte der Zukunft zu gewinnen.

Schon vor Einsetzen der Corona-Pandemie war die duale Ausbildung unter Druck geraten. Die Industrie- und Handelskammer NRW verzeichnete bei den Ausbildungsverhältnissen 2019 ein Minus von rund zwei Prozent. Laut Bundesagentur für Arbeit geht die Schere von Angebot und Nachfrage weiter auseinander: 3,6 Prozent mehr Ausbildungsplätzen standen vier Prozent weniger Bewerbungen gegenüber. Die Pandemie droht diesen Trend zu verschärfen, weil Berufsschule oder Studium aktuell noch mehr Schülerinnen und Schülern lohnender erscheinen als eine Ausbildung. Zahlreiche Ideen im Ausbildungskonsens NRW, der auf Initiative des Landes Nordrhein-Westfalens die Handelnden des Ausbildungsmarkts für eine intensive Kooperation zusammenbringt, versuchen junge Menschen und Betriebe trotz der Corona-Beschränkungen neu füreinander zu interessieren. Die fortschreitende Digitalisierung bietet hier gute Chancen: Vom Praktikum über Videokonferenzen bis hin zu virtuellen Ausbildungsmessen reichen die Innovationen. Die Aufgabe der Kommunalen Koordinierungsstellen (KoKo), die bei den Städte- und Gemeindeverwaltungen angesiedelt sind, gewinnt dabei noch einmal an Bedeutung: Die Aktivitäten im Netzwerk von Kammern, Arbeitsagenturen, Jobcentern, Betrieben und Schulen zu bündeln und abzustimmen – das erfordert Kreativität und das Verständnis für die unterschiedlichen Befindlichkeiten und Erfordernisse unter den Bedingungen der Pandemie.

Für Claudia Hilse ist es ein Glaubensgrundsatz: Ein Praktikum öffnet Schülerinnen und Schülern häufig die Tür zu einem Ausbildungsplatz. Mehr noch: „Ein gutes Praktikum beeinflusst die Jugendlichen maßgeblich in ihrer Entscheidung für einen bestimmten Beruf“, sagt die Leiterin für Kommunale Koordination in der Regionalen Personalentwicklungsgesellschaft mbH (REGE) in Bielefeld. Damit komme den bis zu drei Wochen reichenden Einblicken in die Berufswelt, die für Neunt- und Zehnt­klässler obligatorisch sind, eine herausgehobene Stellung innerhalb der in Klasse 8 einsetzenden Berufsorientierung zu. In normalen Jahren erhalten in Bielefeld 98 Prozent aller Jugendlichen in den entsprechenden Jahrgängen die Gelegenheit, sich in Berufen auszuprobieren. Das sind in der Regel mehr als 3.000 Praktika. Umso dramatischer empfand Claudia Hilse die Entwicklung in dem Jahr, als die Corona-Pandemie das öffentliche Leben in weiten Teilen lahm legte. „Vor und nach den Sommerferien erreichten uns verzweifelte Meldungen aus den Schulen, dass die Netzwerke nicht mehr wie gewohnt funktionierten.“ Zum Teil konnten die weiterführenden Schulen kein einziges Praktikum vereinbaren, andere erreichten einen Versorgungsgrad von maximal 30 Prozent der Jahrgangsstufenstärke. Als der Jugendbeirat der Stadt Bielefeld im September die Situation analysierte, hatte ein Trend sich verfestigt, der bereits vor Corona zu beobachten war: Immer weniger Jugendliche erwägen, nach der zehnten Klasse eine Ausbildung aufzunehmen, sondern tendieren stärker als sonst zur Verlängerung der Schullaufbahn in der Sekundarstufe II oder zu einem Wechsel auf eine Berufsschule. Parallel dazu registrierte die Agentur für Arbeit für Bielefeld einen Rückgang der gemeldeten Ausbildungsplätze um 18,3 Prozent. Absolut sank die Zahl von im Vorjahr 2.471 auf 2.019. Besetzt wurden mit 1.774 rund ein Viertel weniger als 2019 (2.358).

Praktikum als wichtiger Kompass für Jugendliche
 

Aus der Sicht der Kommunalen Koordinierung sind weniger Ausbildungsverträge auch eine Folge fehlender Praktika. „Ausbildungsverhältnisse entstehen nicht im luftleeren Raum“, sagt Claudia Hilse. „Für uns hat Priorität, so viele Praktika wie möglich zu organisieren, um den Trend sinkender Ausbildungsverhältnisse umzukehren.“ Praktika sieht Claudia Hilse als Kompass für junge Menschen an, der im besten Fall den Weg zu einem passenden Beruf weise oder auch rechtzeitig an einem ungeeigneten Job vorbeiführe. Darum entwickelte sie im Verbund mit den Kammern, der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter Ideen, den Praktikumsmarkt neu zu beleben. Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit war der erste Ansatz. Im Oktober organisierte Claudia Hilse einen Pressetermin mit den weiterhin Praktika vergebenden Unternehmen MöllerGroup und Kind Hörgeräte sowie dem Koordinator für Berufliche Orientierung (StuBo) der Gesamtschule Quelle. Die gemeinsame Botschaft des Runden Tisches an die Geschäftswelt: Notwendige Auflagen im Bereich Gesundheitsschutz und Hygiene sind nicht automatisch Ausschlussfaktoren für ein Praktikum; wenn Beschäftigte eines Unternehmens am Arbeitsplatz Sicherheitsregeln einhalten können, sind auch Schülerinnen und Schüler dazu in der Lage. „Wir unterstützen und beraten Betriebe in allen Fragen, wie sie ein Praktikum auch unter erschwerten Bedingungen möglich machen können“, so Claudia Hilse.

Dabei sollen Erfahrungen aus dem Dis­tanzunterricht helfen. Claudia Hilse setzt nicht geringe Hoffnungen darauf, dass der durch die Pandemie beschleunigte Digitalisierungsprozess an Schulen sich auch positiv auf Praktika auswirkt. „Ein hybrid organisiertes Praktikum ist besser als keins“, sagt die Leiterin der Bielefelder KoKo. Denkbar sei etwa ein verkürztes virtuelles Praktikum mit Videoschaltungen in den Betrieb, das auf eine Woche begrenzt ist. Die obligatorische zweite Woche könne dann im Frühsommer in der realen Arbeitsumgebung stattfinden. Wie ein solches Konstrukt aussehen kann, hat der große Bielefelder Fenster- und Fassadenhersteller Schüco gerade erprobt. Ende Januar ermöglichte das Unternehmen 15 Schülerinnen und Schülern der Kuhlo-Realschule erstmals ein digitales Praktikum. An den fünf Werktagen erstreckte sich ein abwechslungsreiches Programm über jeweils sechs Stunden mit Einblicken zum Beispiel in die Arbeit von Groß- und Außenhandelskaufleuten oder den Bereich Produktdesign. Es umfasste einen Auszubildenden-Talk, Wochenaufgaben und Gruppenarbeiten, ein Quiz sowie virtuelle Rundführungen durch das Unternehmen. Ein Bewerbungstraining und eine Praktikumsbescheinigung rundeten das digitale Praktikum ab, das Schüco im März und Juni erneut anbieten will. Die Rückmeldung eines Schülers zeigt, dass auch digitale Praktikumsvarianten den Nerv der Zielgruppe treffen können: Neben vielen guten Eindrücken fand er besonders die Wochenaufgabe ansprechend, einen Instagram-Beitrag erstellen zu können, der das digitale Praktikum selbst zum Inhalt machen sollte.

Bewerbungsgespräche per App anbahnen
 

Die Kommunale Koordinierung Bielefeld plant, Infos über solche Innovationen in den unterschiedlichen Wirkkreisen der KoKo zu streuen. Etwa bei Treffen mit den StuBos der Bielefelder Schulen, mit der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer und natürlich auch im Beratungsprozess mit weiteren Unternehmen. Der Sozialdienst der von Bodelschwingschen Stiftungen zum Beispiel bietet bereits auf digitalen Kanälen Beratungsmöglichkeiten und Einblicke in die Institution an. „Wenn Unternehmen Möglichkeiten sehen, dies auszuweiten, könnten auch Praktika möglich sein“, so Claudia Hilses Hoffnung.

Insgesamt haben die Begleiterscheinungen der Pandemie die Aufgaben für die Kommunale Koordinierungsstelle grundlegend verändert, was den Bereich Praktika anbelangt. Normalerweise ziele das Netzwerk darauf ab, eine hohe Qualität von Praktika und Berufsfelderkundungen zu gewährleisten. „Unter den veränderten Bedingungen sind wir als KoKo gefordert, uns für den Erhalt von Praktikumsplätzen einzusetzen oder an Ersatzlösungen zu arbeiten“, so Claudia Hilse. Diese Herausforderungen bestehen ihrer Einschätzung nach noch für zwei Jahrgänge. Im Jahr 2022 hofft sie, dass bis zu 70 Prozent der Bielefelder Schülerinnen und Schüler ein Praktikum im üblichen Rahmen ableisten können, für die anderen wünscht sie sich „kreative und virtuelle Lösungen, die mit den analogen Angeboten später vielleicht zu neuen, spannenden Formaten verschmelzen.“

Für Bielefeld und die umliegenden Kreise Gütersloh, Herford, Höxter, Minden-Lübbecke und Paderborn hat die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld ein Angebot ins Digitale transferiert, das dem direkten Anbahnen einer Ausbildung dienen soll. Mit der App „Ausbildungschance Digital“ können Schülerinnen und Schüler ihr erstes Bewerbungsgespräch mit einem favorisierten Unternehmen digital terminieren. Das als „Speed Dating“ bekannte Kurzgespräch erfolgt dann telefonisch. Die maximal fünfzehnminütigen Erstkontakte von Ausbildungswilligen mit den Unternehmen sind beliebte Kennenlerngelegenheiten bei Ausbildungsmessen. Weil diese persönlichen „Speed Datings“ im Frühjahr nicht wie gewohnt stattfinden konnten, entwickelte die IHK kurzfristig Ersatz. Im Kreis Höxter schaltete die Kommunale Koordinierungsstelle Übergang Schule – Beruf sich ein, sagt KoKo-Leiterin Caroline Rieger, um die App flächendeckend bekannt zu machen.

Virtuelle Ausbildungsmessen in Höxter und Paderborn
 

Auf die Pandemie reagierten die Kreise Höxter und Paderborn zudem mit dem Transfer ihrer Ausbildungsmessen „STEP1“ und „Connect“ ins Digitale, die seit 2019 parallel in beiden Kreisen stattfinden. Zuvor pendelte die Präsenzmesse unter dem damaligen Namen „Hochstift Berufemarkt“ jährlich zwischen den Kreisen. Im vergangenen Sommer stellten die KoKos der beiden Kreise mit IHK, Kreishandwerkerschaft und Agentur für Arbeit die Weichen dafür, die eigentlich im September stattfindenden Präsenzmessen erstmals ins Internet zu verlegen. Bis Jahresanfang entstanden jeweils aufwändige Webauftritte, in dem Unternehmen ihre virtuellen Messestände für die im Januar und Februar 2021 angesetzte Messe „aufbauen“ konnten. Diese einfach und nach vorgegebenem Muster zu füllenden Ausstellerprofile betrachtet Caroline Rieger als Kernstücke der virtuellen Messe – ebenso wie die Karte, über die Jugendliche sich die Profile und virtuellen Messestände einzelner Ausstellerinnen und Aussteller nach unterschiedlichen Suchkriterien anzeigen lassen können. Auf ihr präsentieren Unternehmen sich zum Beispiel mit ihren Ausbildungsberufen, die mit Fotos und Videos ergänzt werden können. Als Weiterentwicklung zum „Speed Dating digital“ der IHK lassen sich über „STEP1“ und „Connect“ online auch Text- und Video-Chats zwischen Betrieben und angehenden Auszubildenden arrangieren. Das digitale Umfeld eröffnet ganz neue Möglichkeiten, so ist der zeitliche Rahmen von drei Tagen (analog) auf vier Wochen gewachsen. „Das entzerrt und erlaubt es den Lehrkräften, die Messe besser in den Unterricht zur Beruflichen Orientierung zu integrieren“, sagt Caroline Rieger. Ein anderer Nebeneffekt auf betrieblicher Ebene erfreut sie ebenso: „Wir haben für die digitale Messe auch Unternehmen gewinnen können, die auf Präsenzmessen aus Zeit- oder Personalgründen sonst nicht zu finden sind. Das zeigt, dass die Teilnahme einfacher geworden ist.“ Betriebe könnten besser nach ihren zeitlichen Möglichkeiten Gesprächstermine anbieten. Solche positiven Effekte der digitalen Messe wollen die Aktiven in den Kreisen Höxter und Paderborn möglichst bewahren und die Messe-Plattformen zu dauerhaften digitalen Angeboten der Beruflichen Orientierung ausbauen. Caroline Rieger könnte sich deshalb eine Hybrid-Version der Ausbildungsmesse gut vorstellen.

Auch in der Ruhrgebietskommune Bottrop greifen die Akteure der Beruflichen Orientierung zunehmend auf digitale Kanäle zurück, um ihre Anstrengungen für die duale Ausbildung zu flankieren. So fand die jährliche Ausbildungsmesse der Stadt ebenfalls erstmals digital statt. Dazu kooperieren unter der Dachmarke „Querfeldein“ die Stadt Bottrop – mit u. a. der Kommunalen Koordinierungsstelle –, Handwerkskammer Münster, Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen, Jobcenter Bottrop, Agentur für Arbeit Gelsenkirchen und der Deutsche Gewerkschaftsbund Emscher-Lippe. „Querfeldein“ beschritt im Sommer neue Wege und bewarb offene Ausbildungsstellen nicht nur über soziale Medien, sondern auch durch eine flankierende Pressekonferenz von Oberbürgermeister Bernd Tischler. Darüber hinaus kooperierten die KoKos auf Emscher-Lippe-Ebene – Recklinghausen, Gelsenkirchen und Bottrop – mit der Regionalagentur Emscher-Lippe und engagierten einen aus den sozialen Netzwerken bekannten Influencer für vier Videoclips. „Die Pandemie hat die Bedingungen für die Kontaktaufnahme zwischen Betrieben und potenziellen Auszubildenden natürlich erschwert“, sagt KoKo-Leiterin Stefanie Jägers. Mit den Clips und dazu geschalteter Werbung auf Bussen erhofften die Kooperationspartner sich einen leichteren Zugang zur jugendlichen Zielgruppe, um auf die noch offenen Ausbildungsstellen in Bottrop hinzuweisen. Insgesamt waren die verschiedenen Bemühungen von Erfolg gekrönt. Gegen den allgemeinen Trend verzeichnete Bottrop einen Zuwachs an Ausbildungsverträgen von zwei Prozent in Industrie und Handel sowie einem Prozent im Handwerk.
Bottrop und Aachen: Videos werben in sozialen Netzwerken für die Ausbildung

Diese positive Momentaufnahme lässt in Bottrop aber nicht aus dem Blick geraten, „dass die Bedingungen für ein Praktikum oder einen Ausbildungsplatz im Jahr 2021 noch einmal deutlich schwieriger werden“, so Stefanie Jägers. Unter der Leitung der KoKo intensiviere daher zudem die „Facharbeitsgruppe Übergang“, denen auch die Berufskollegs und eine Pflegeschule angehören, ihre Zusammenarbeit. Der telefonische Austausch mit den weiterführenden Schulen soll deren besondere Bedarfe und Herausforderungen ermitteln, zu einem Zeitpunkt, da die Berufsberatung der Arbeitsagentur nicht in den Schulen stattfinden kann. Grundsätzlich sei es wichtig, dass „jeder jede Maßnahme der anderen in seinen Netzwerken bewirbt“, so Stefanie Jägers. Sie selbst verweist auf Möglichkeiten, wie Schülerinnen und Schüler sich digital über Berufe informieren können. Dazu zählt das „Ausbildungsbotschafter“-Programm der IHK, in dem Auszubildende in Betrieben ihre Erfahrungen mit interessierten Jugendlichen teilen. Diese Frage-Antwort-Runden sind inzwischen als Videokonferenzen möglich.

Die wohl weitesten Kreise zog eine im November begonnene Ausbildungsplatz-Aktion in der StädteRegion Aachen und den umgebenden Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg. In einem kurzen Video treten junge Menschen auf, die ihre Altersklasse auf die bis Ende Januar 2021 verlängerte Startmöglichkeit für eine Ausbildung aufmerksam machen. Klassische Medien spielten bei der Kampagne eine untergeordnete Rolle, sagt Jonas Paul von der Kommunalen Koordinierungsstelle der StädteRegion Aachen: „Wir versprachen uns den größten Erfolg davon, die Jugendlichen über Social Media anzusprechen.“ Dafür schufen die Akteurinnen und Akteure des Ausbildungskonsenses auf der Plattform Instagram den eigenen Hashtag #Ausbildungjetzt und setzten auch bezahlte Werbung für den Spot ein. Den finanziellen Spielraum dafür erhielt dieses Projekt – analog zu den Influencer-Videos in Bottrop – durch die Unterstützung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) Nordrhein-Westfalen. Das MAGS hatte als Reaktion auf die Pandemie-Auswirkungen landesweit zur Initiative „Ausbildung Jetzt!“ aufgerufen. Das Video selbst fand seine Heimat auf dem Youtube-Kanal des Zweckverbands Region Aachen, der als regionale Entwicklungsgesellschaft auch die Themen Wirtschaft und Fachkräfte im Blick hat.

Das Netzwerk, dem unter anderen Kammern, Agentur für Arbeit und Jobcenter angehören, begleitet auch die digitale Ausbildungsmesse talentine.io, die erstmals im Juni 2020 stattfand. Eine wichtige Rolle bei der Kampagne übernahm die Regionalagentur Aachen, die Teil des Zweckverbands ist. Regionalagenturen sind Servicestellen, die das Land Nordrhein-Westfalen in den 16 Arbeitsmarktregionen eingerichtet hat. Für den Leiter der Regionalagentur Aachen, Simon Zabel, sind mehr als 13.000 Aufrufe des Videos ein erfreuliches Ergebnis. „Die Jugendlichen sind während des Lockdowns in den Schulen schwer anzutreffen“, sagt er, „auf Instagram erreichen wir sie einfacher – genauso wie den im Sommer entlassenen Jahrgang.“ Jeder Impuls, die „Idee einer Ausbildung in ihre Köpfe zu bekommen“, sei hilfreich, so Simon Zabel. Schließlich gebe es eine Reihe junger Menschen, die unter dem Eindruck der Pandemie wenig zielgerichtet die Schullaufbahn verlängert oder ein Studium aufgenommen habe. Vieles davon erfolge aktuell online und auf Distanz, wodurch die getroffene Entscheidung sich häufig als falsche Wahl herausstelle. Umso wichtiger sei es, so Simon Zabel, die Ausbildung als Alternative auf jede zielführende Weise herauszustellen. Eine Einschätzung, die viele Akteure am Übergang Schule – Beruf teilen – nicht nur unter den schwierigen Bedingungen während der Pandemie.

Ansprechpartnerin in der G.I.B.

Eva-Maria Tomczak
Tel.: 02041 767205
e.tomczak@gib.nrw.de

Kontakte

Regionale Personalentwicklungsgesellschaft mbH
Bereich Jugend
Claudia Hilse, Leiterin Kommunale Koordinierung
Herforder Straße 73
33602 Bielefeld
Tel.: 0521 9622231
claudia.hilse@rege-mbh.de

Kreis Höxter
Kommunale Koordinierungsstelle
Caroline Rieger, Leiterin
Moltkestraße 12
37671 Höxter
Tel.: 05271 9653614
c.rieger@kreis-hoexter.de

Stadt Bottrop
Kommunale Koordinierungsstelle
Stefanie Jägers, Sachgebietsleiterin
Verwaltungsgebäude
Osterfelder Str. 27
46236 Bottrop
Tel.: 02041 704389
stefanie.jaegers@bottrop.de
StädteRegion Aachen
Kommunale Koordinierungsstelle
Jonas Paul, Arbeitsgruppenleiter
Zollernstraße 16
52070 Aachen
Tel.: 0241 51984332
jonas.paul@staedteregion-aachen.de

Region Aachen Zweckverband
Regionalagentur Aachen
Simon Zabel, Leiter
Rotter Bruch 6
52068 Aachen
Tel.: 0241 927872140
zabel@regionaachen.de

Autor

Volker Stephan
Tel.: 0173 3679157
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