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(Heft 3/2020)
Die Berufseinstiegsbegleitung unterstützt Schülerinnen und Schüler umfassend beim Übergang von der Schule in den Beruf in Nordrhein-Westfalen

Mit individueller Hilfe zu Schulabschluss und Ausbildungsplatz

Viele Teenager bangen anderthalb Jahre vor Ende der Schulpflicht um ihren Abschluss und damit um ihren „Passierschein“ zu Ausbildung und Arbeitsplatz. Wenn der erhoffte Erfolg trotz all der bewährten Hilfen von Lehrkräften, Eltern, Berufsberatung, Ausbildungslotsen oder Studien- und Berufswahlkoordination absehbar in Gefahr gerät, ist guter Rat nicht teuer. Er gehört vielmehr zum Alltag vieler Schulen. Denn mit dem Förderinstrument der Berufseinstiegsbegleitung Nordrhein-Westfalen (BerEb NRW) verfügt das Land Nordrhein-Westfalen über ein zusätzliches Mittel, das speziell Schülerinnen und Schülern mit schwierigeren Ausgangsbedingungen sowohl einen Schulabschluss ermöglichen als auch den Weg in eine Ausbildung ebnen soll. Die Berufseinstiegsbegleiterinnen und -begleiter profitieren bei ihrer Arbeit auch von der langjährigen Kooperation der kommunalen Akteure im Rahmen der Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“, die durch die Kommunalen Koordinierungsstellen begleitet und gestaltet wird.

Im zu Ende gegangenen Schuljahr 2019/20 haben 6.002 junge Frauen und Männer von der Arbeit der Berufseinstiegsbegleiterinnen und -begleiter verschiedener Bildungsträger profitiert. Die Kosten teilen sich je zur Hälfte die Bundesagentur für Arbeit und das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) des Landes Nord­rhein-Westfalen, das auch auf Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) zurückgreift. Beteiligte verwenden gerne das Bild eines Zahnrads, um die Aufgabe und Wirkung der Berufseinstiegsbegleitung zu beschreiben. Linda Rezmer etwa arbeitet als Bereichsleiterin der Berufsorientierung für den Rheiner Standort des „Lernen fördern e. V.“-Kreisverbands Steinfurt, dort die Projektkoordinatorin für die Berufseinstiegsbegleitung des Verbands und selbst als Berufseinstiegsbegleiterin für fünf Schülerinnen und Schüler der Euregio Gesamtschule Rheine zuständig. Sie sagt: „Wir verzahnen die Arbeit der verschiedenen Angebote im Übergang von der Schule in den Beruf und sind als Netzwerkende nah an den Schülerinnen und Schülern.“

Die Berufseinstiegsbegleitung setzt im zweiten Halbjahr der neunten Klassen an, also Ende Januar, Anfang Februar. Allgemeinbildende und Förderschulen in Nord­rhein-Westfalen bekommen nach den Bestimmungen des Förderinstruments dafür bestimmte Kontingente zugeteilt, woraufhin das Lehrpersonal Schülerinnen und Schüler zur letztendlichen Auswahl der Agentur für Arbeit vorschlägt. Die jungen Menschen nehmen freiwillig an der Maßnahme teil, die in der Regel 18 Monate bis zum Schulabschluss und (mindestens) weitere sechs Monate Unterstützung beim Start in die Ausbildung umfasst. Eine Berufseinstiegsbegleitungs-Kraft in Vollzeit ist laut Betreuungsschlüssel für je 25 Teilnehmende zuständig. „Die Arbeit der Berufseinstiegsbegleitung ist viel individueller und intensiver als andere Angebote“, sagt Sylvia de Boer aus ihrer Erfahrung als Berufsberaterin der Arbeitsagentur Ahaus. Sie bietet an der Sekundarschule Heek Beratungstermine an und koordiniert die Maßnahmen des Förderinstruments im Norden des Kreises Borken. Die Berufseinstiegsbegleitung führe den „guten Anstoß“ fort, den die Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) verbindlich für alle der Jahrgangsstufe 8 mit der Potenzialanalyse und der Berufsfelderkundung über Praktikumstage in Betrieben gebe. Die besondere Begleitung der leistungsschwächeren Zielgruppe ab Klasse 9 ergebe sich auch daraus, so Linda Rezmer, „dass wir als pädagogische Fachkräfte den allumfassenden Blick auf die Schülerinnen und Schüler haben.“

Auswahl der Teilnehmenden nach engem Austausch mit Lehrkräften
 

Dieser umfassende Blick ist hilfreich, weil es oft nicht allein darum geht, in bestimmten Fächern ein bisheriges Defizit auf mindestens die Note „ausreichend“ zu heben. „Wir sind eine gute Unterstützung für die Jugendlichen“, sagt Linda Rezmer, „weil wir unsere Fühler auch in sensiblere Bereiche ausstrecken können. Haben die Schülerinnen und Schüler private Probleme, ziehen wir aufsuchende Sozialarbeit in Erwägung. Sind die Schwierigkeiten anders gelagert, können wir Ärzte oder anderes Fachpersonal einschalten.“ Um die Berufseinstiegsbegleitenden überhaupt mit dieser Möglichkeit auszustatten, haben Eltern und ihre Kinder zuvor eine entsprechende Datenschutzerklärung unterschrieben. Berufseinstiegsbegleiterin Jasmin Boland von der Akademie Klausenhof in Rhede bringt es auf den Nenner: „Wir leisten in vielen Bereichen soziale Arbeit.“ Ihr Einsatz gilt aktuell 20 Schülerinnen und Schülern, die zur städtischen Hohe-Giethorst-Gemeinschaftshauptschule in Bocholt gehen, an ein Berufskolleg gewechselt sind oder sich in Ausbildung befinden. Diese Sichtweise unterstreicht auch die Ahauser Berufsberaterin Sylvia de Boer. „Die Auswahl der Teilnehmenden erfolgt im engen Austausch mit den Lehrkräften und nicht rein nach Zensuren. Eine intensive Betreuung erscheint uns auch dann nötig, wenn wir das Gefühl haben, das Elternhaus unterstützt die Kinder nicht ausreichend.“ Bei Jugendlichen aus Familien mit Migrationsgeschichte sei häufig auch Aufklärungsarbeit über das System der dualen Ausbildung in Deutschland nötig. Berufsausbildung nenne sich in bestimmten Herkunftsländern Studium, was bei der beruflichen Orientierung in Deutschland dann zu Missverständnissen und Fehlurteilen über die duale Ausbildung führe.

Für das Hauptziel der Jugendlichen, den Schulabschluss zu erreichen und eine Ausbildung anzuschließen, ist die intensive Betreuung auf mehreren Ebenen angesiedelt. „Sehr wichtig ist, dass wir zunächst eine Vertrauensbasis zu den Teilnehmenden aufbauen“, sagt Marleen Niehaves von der Berufsintegrationsförderung der Kreishandwerkerschaft Borken. Sie betreut zehn Schülerinnen und Schüler der Remigius-Hauptschule in Borken, mit denen sie während der Schulvormittage verbindliche Termine für den Austausch und die Beratung ausmacht. In den Erstgesprächen, die ähnlich biografischer Interviews laufen, streift Marleen Niehaves Felder wie Hobbys, Familien- und Wohnsituation. Spielerische Übungen und Aufgaben widmen sich dann der Selbsteinschätzung der Jugendlichen. „Mit einem Stärken- und Schwächen-Memory kann ich auch sehr schön etwas von zurückhaltenderen Schülerinnen und Schülern erfahren“, sagt sie. Durch vertiefende Gespräche über Eigenschaften, Sportarten oder Unterrichtsfächer fügen sich Puzzleteile zu einem Gesamtbild des jungen Menschen zusammen. „In der Kennenlernphase sind zum Teil viele Gespräche nötig, um gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern realistische Ziele zu entwickeln“, sagt Linda Rezmer. Der Vorteil des Ansatzes der Berufseinstiegsbegleitung ist, dass sie im Normalfall nicht nur auf einen Tag in der Woche beschränkt ist. „Im Prinzip bin ich jeden Tag in der Woche an der Schule“, sagt Jasmin Boland über ihre Tätigkeit an der Bocholter Hauptschule. Nachmittags sind die Berufseinstiegsbegleiterinnen und -begleiter dann am Sitz ihrer Träger erreichbar, nicht nur telefonisch.

Fachpersonal begegnet Jugendlichen „auf Augenhöhe“
 

Mit Blick auf die zu verbessernden schulischen Leistungen beraten die Berufseinstiegsbegleitenden mit den Teilnehmenden, was eine Erfolg versprechende Strategie sein könnte. „Eine konkrete Verabredung ist zum Beispiel, in dem jeweiligen Fach pro Unterrichtsstunde jeweils dreimal aufzuzeigen“, sagt Sylvia de Boer. Das funktioniert nach dem Ansatz der gemeinschaftlich entwickelten „guten Idee“. „Wir sind ja nicht die Lehrer und beurteilen die Leis­tung“, sagt Marleen Niehaves, „sondern begegnen den Jugendlichen auf Augenhöhe.“ Gleichwohl vermitteln die Berufseinstiegsbegleitungskräfte, dass sie sich nicht isoliert um die Schülerinnen und Schüler kümmern. „Wir machen klar, dass wir als Team agieren und ein gemeinsames Ziel verfolgen“, sagt Jasmin Boland. „Dazu gehört natürlich auch, mit den Lehrenden Rücksprache zu halten.“ Nicht nur, damit die Teilnehmenden zu den vereinbarten Terminen auch den Unterricht verlassen – in der Regel in Nebenfächern – und erscheinen. „Ich bin mehrmals täglich im Lehrerzimmer, der Austausch mit den Lehrkräften erfolgt ständig“, sagt Marleen Niehaves. Für sie sei wichtig zu erfahren, ob ihre Schützlinge beispielsweise ein Heft auch abgegeben und die mündliche Mitarbeit in Englisch verbessert haben. „Ohne Absprache mit dem Lehrpersonal wäre kein Fortschritt möglich“, sagt Marleen Niehaves, „außerdem ,entführen‘ wir die Schülerinnen und Schüler ja regelmäßig aus dem Unterricht.“ Die gute Arbeit in BerEb NRW habe viele Lehrerinnen und Lehrer überzeugt, sagt Sylvia de Boer, die Teilnehmenden guten Gewissens aus dem Unterricht in die Beratungsgespräche zu schicken.

Angebot ist freiwillig, aber nicht frei von Pflichten
 

Hinzu kommt die Überprüfung, ob selbstgesteckte Ziele wie vermehrte Mitarbeit im Unterricht auch erreichbar sind. „Die Teilnehmenden wissen, dass wir uns in der Schule über sie austauschen“, ergänzt Jasmin Boland, „das bewahrt uns in der Regel davor, unterschiedliche Geschichten über das Fehlen einer Hausaufgabe oder einen verpassten Termin erzählt zu bekommen.“ Als „Hilfe zur Selbsthilfe“ versteht Linda Rezmer dieses für alle transparente Vorgehen. „Die Jugendlichen lernen, für sich selbst einzustehen. Manchmal braucht es dafür einen kleinen Schubs unsererseits.“ Trotz aller Freiwilligkeit der Teilnahme hat solch ein „Schubs“ aber auch verpflich­tende Aspekte. Das geht hin bis zu einem obligatorischen Bericht der Träger an die Agentur für Arbeit, wie sich die Situation für die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler entwickle. „Damit ist gewährleistet, dass wir gemeinsam am Ball bleiben“, sagt Sylvia de Boer von der Arbeits­agentur Ahaus. Fällt die Motivation bei den Jugendlichen stark ab, gibt es ein abgestuftes Konzept von runden Tischen mit Klassenlehrer und Eltern, um den Abbruch der Maßnahme zu verhindern. „Wir haben vorher mit den Teilnehmenden Fehlzeitenkonzepte und mögliche Sanktionen bis zum Ausschluss aus der freiwilligen Maßnahme besprochen“, sagt Linda Rezmer, „es gibt schwierige Phasen, aber ohne Mitarbeit der Schülerinnen und Schüler funktioniert es eben nicht.“

Was die Berufseinstiegsbegleitung für die Suche nach einem geeigneten Berufsfeld und Ausbildungsplatz unterstützend bietet, bezeichnet Linda Rezmer als „inklusive Berufsorientierung“. Ganz gleich, ob es sich um die in der 9. und 10. Klasse obligatorischen Berufspraktika oder um die gezielte Bewerbung um eine Ausbildungsstelle handelt: Die Berufseinstiegsbegleitung bietet im Netzwerk der Kooperationspartner, die im Rahmen der Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ und durch die Begleitung der Kommunalen Koordinierungsstellen vor Ort tätig sind, noch einmal Grundlagen- und vertiefende Hilfe. Das reicht vom Erstellen der Bewerbungsunterlagen über das Simulieren und Aufzeichnen von Vorstellungsgesprächen bis hin zum gemeinsamen Besuch von Ausbildungsmessen und „Azubi Speed Dating“-Formaten. Die Unterstützung führt noch weiter. „Wenn sich ein Praktikumswunsch nicht erfüllen lässt, schauen wir gemeinsam, was noch interessant sein könnte“, sagt Linda Rezmer. Ihr Arbeitgeber, der Verein „Lernen fördern“, verfügt im Kreis Steinfurt über eine eigene, internetgestützte Betriebsdatenbank, die für eine weitere Suche zusätzlich zu den Angeboten der Berufsberatung und der Arbeitsagentur dient. „Lernen fördern“ hatte sich in den Anfängen auf Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf konzentriert, die ebenfalls Zielgruppe der Berufseinstiegsbegleitung sind. „Da stellt sich zum Beispiel die Frage, wie mobil die Förderschülerinnen und -schüler sind und wie sie einen Betrieb erreichen können“, sagt Linda Rezmer. In bestimmten Fällen sorgen die Berufseinstiegsbegleitenden auch für den Transport zum Ausbildungs- oder Praktikumsbetrieb, sagt Marleen Niehaves.

Arbeit auch eng verzahnt mit Elementen des Berufswahlpasses
 

Dass Teilnehmende und Betriebe grundsätzlich zueinander passen, darauf legen die Beteiligten schon bei der Auswahl großen Wert. Die Erwartungen der jungen Menschen sind nicht immer kompatibel mit den Anforderungen eines Betriebs. Dass auch Vorstellungen über den Firmenalltag nicht immer zutreffen, stellte sich im Kreis Steinfurt in einem Fall heraus. Ein Schüler hatte sich erfolgreich um ein freiwilliges Praktikum im Sommer beworben und nun Unterstützung zur Vorbereitung auf den ersten Tag erbeten. Linda Rezmer nutzte Arbeitsblätter, um das Vorwissen des Kandidaten über sein Tätigkeitsfeld abzufragen. Gemeinsam kamen beide zu dem Schluss, dass es zwar optisch einen guten Eindruck machen könne, im Anzug das Praktikum zu beginnen, dies aber für eine Werkstatt als Praktikumsort nicht zielführend sei. Auch führte die rechtzeitige Reflexion über den Arbeitsplatz zur Erkenntnis, das eigene Werkzeug des jungen Mannes besser zu Hause zu lassen. Berufseinstiegsbegleitung bedeutet an dieser Stelle „genau zu wissen, wo wir ansetzen müssen und was wir als selbstverständlich voraussetzen können“, sagt Linda Rezmer. „Das funktioniert eben nur, wenn man die Schülerinnen und Schüler gut kennt.“ Die Arbeit im Netzwerk von Berufseinstiegsbegleitung, Berufsberatung (Arbeitsagentur), Ausbildungslotsen der freien Träger und der Studien- und Berufswahlkoordination (Lehrkraft) ergänze sich hier besonders gut, findet auch Jasmin Boland. „Wir setzen uns über einen langen Zeitraum damit auseinander, welcher Praktikums- oder Ausbildungsplatz für wen sinnvoll ist“, sagt sie. Um auch während der Zeit im Betrieb intensiv zu betreuen, bietet Jasmin Boland dem Lehrpersonal der Schule an, die Praktikumsbesuche und auch die Nachbereitung zu übernehmen. Die Berufswahl insgesamt stelle oft eine hohe Hürde dar, sagt Berufsberaterin Sylvia de Boer. Bei ihr helfe das obligatorische Instrument Berufswahlpass an den Schulen dann, wenn der entsprechende Ordner angemessen geführt und gefüllt sei. Zeugnisse oder Ergebnis der Potenzialanalyse seien „manchmal verschollen“, sagt Marleen Niehaves, dann verliere die „gute Idee“ auf einen Schlag an Relevanz. Jasmin Boland arbeitet anfangs intensiv mit den Erkenntnissen aus der Berufsfeld­erkundung, um im weiteren Verlauf auf Onlineangebote der Agentur für Arbeit, zum Beispiel Berufe-TV und Videos überzugehen. Der Wechsel von Arbeitsblättern im Berufswahlpass zu digitalen Medien regt manche der von ihr betreuten „digital natives“ dazu an, eigenständig weitere Recherchen im Internet zu betreiben. Andere wiederum unterstützt die Berufseinstiegsbegleiterin gezielt darin, sich dieser Mittel stärker zu bedienen. Eine Aussage, die auch Sylvia de Boer teilt.

Sofern nach den ersten 18 Monaten mit Betreuung in Schule und Praktikumsbetrieben das wichtige Etappenziel Schulabschluss erreicht ist, steht der Übergang in den Beruf an. Im Idealfall schließt sich eine Ausbildung in einem der Betriebe an, in dem zuvor ein Praktikum absolviert worden ist. „Das hängt aber natürlich auch von der Perspektive der Absolventinnen und Absolventen ab“, sagt Marleen Niehaves. Beim Übergang in einen Betrieb bleiben die Berufseinstiegsbegleiterinnen und -begleiter noch für sechs Monate an der Seite der Teilnehmenden, um bei Problemen weiter Hilfe zu leisten. Auf Antrag kann diese Phase ausgedehnt werden. Allerdings entscheiden viele Betreute sich auch für das Fortsetzen der Schullaufbahn auf einem Berufskolleg. „Gerade dort ist die weitere Begleitung noch wichtig, weil an einer neuen Schule die Unterstützung durch ein anderes Kollegium nicht mehr unbedingt so intensiv ausfällt“, sagt Sylvia de Boer von der Arbeitsagentur Ahaus. Als „ganz wichtige und kritische Phase“ sieht auch Jasmin Boland einen Schulwechsel an, weil nach den Sommerferien wenig Zeit fürs Eingewöhnen in der neuen Umgebung bleibe und zugleich die nächsten Bewerbungen anzugehen seien. Umso wichtiger sei es, dass die Jugendlichen sich dann an die vertrauten Berufseinstiegsbegleitenden wenden könnten. Dann allerdings nachmittags über die Büroadresse, weil die Betreuerinnen und Betreuer an den Berufsschulen nicht präsent seien.

Ein wesentlicher Faktor für das Gelingen der Berufseinstiegsbegleitung ist, den jungen Frauen und Männern zu vermitteln, dass es sich bei dem freiwilligen Angebot um einen Bonus für ihre Laufbahn handelt. Das verstehen die meisten Teilnehmenden auch. „Ich habe mich sehr ernst genommen gefühlt“, hat Marleen Niehaves einmal als Lob am Ende eines Betreuungsverhältnisses gesagt bekommen. Dennoch schließt die Berufseinstiegsbegleitung nicht alle verbliebenen Lücken im Übergang von Schule zu Beruf. In Einzelfällen finden junge Menschen eben nicht die Motivation, aktiv an Berufsberatung, Einstiegsbegleitung oder Studien- und Berufswahlkoordination mitzuwirken. Auch ein selbst initiierter Ausstieg während der Betreuung ist zwar selten, aber aufgrund der Freiwilligkeit nicht ausgeschlossen. Aber: „Mit der Berufseinstiegsbegleitung verfügen wir nun über Angebote für alle Zielgruppen“, sagt Sylvia de Boer. Allerdings sei der Bedarf an Berufseinstiegsbegleitung noch höher als die zur Verfügung stehenden Plätze. Im Kreis Borken standen im vergangenen Schuljahr 142 und im Kreis Steinfurt 124 Teilnahmeplätze zur Verfügung. Der abgefragte Bedarf von Schülerinnen und Schülern war deutlich höher. „Alle haben wir also noch nicht eingefangen“, sagt Sylvia de Boer, „aber wir sind auf einem guten Weg.“

Ansprechperson in der G.I.B.

Anne Sabine Meise
Tel.: 02041 767172
a.meise@gib.nrw.de

Kontakte

Agentur für Arbeit Ahaus
Sylvia de Boer, Berufsberaterin
Hindenburgallee 6, 48683 Ahaus
Tel.: 02541 9190
Ahaus.Berufsberatung@arbeitsagentur.de

Akademie Klausenhof gGmbH
Jasmin Boland, Berufseinstiegsbegleiterin
Schlossstraße 1, 46414 Rhede
Tel.: 02852 892112
boland@akademie-klausenhof.de

Kreishandwerkerschaft Borken
Marleen Niehaves, Berufsintegrationsförderung
Johann-Walling-Straße 30, 46325 Borken
Tel.: 02861 8920918
m.niehaves@khborken.de

Lernen fördern e. V., Kreisverband Steinfurt
Linda Rezmer, Bereichsleiterin
Hemelter Straße 6, 48429 Rheine
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Autor

Volker Stephan
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