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(Heft 3/2020)
Ein Beitrag von Gabriele Schmidt, Leiterin des Referats „Grundsatzfragen Soziales, Sozialplanung und -berichterstattung, Wohnungslosigkeit, Armutsbekämpfung“ im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen

Beratung im Kontext von Sozialplanung und Armutsbekämpfung

Armutsbekämpfung ist ein zentrales Handlungsfeld nordrhein-westfälischer Landespolitik. Damit sie erfolgreich ist, sind wir auf eine gute Zusammenarbeit mit den Kommunen, den zuständigen Akteurinnen und Akteuren vor Ort sowie den Bewohnerinnen und Bewohnern angewiesen.

Als wir vor sechszehn Jahren einen ers­ten Landes-Armuts- und Reichtumsbericht erstellen wollten, benötigten wir Informationen, die uns nur die Kommunen und Kreise liefern konnten. Wir mussten jedoch feststellen, dass vor allem die Kreise und hier die kleineren kreisangehörigen Kommunen Probleme hatten, Auskunft über Armutsindikatoren auf kleinräumiger Ebene zu geben. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es zwischen den Kommunen trotz teils ähnlicher Herausforderungen beim Thema Armut, kommunale Sozialberichte und Sozialplanungsprozesse kaum einen fachlichen Austausch gab.

Das wollten wir ändern und haben in der Folgezeit eine Veranstaltungsreihe entwickelt zum Themenfeld „Innovative Ansätze in der kommunalen Sozialberichterstattung“. Sie bot und bietet Kommunen und Kreisen ein Diskussionsforum sowie die Möglichkeit zum Informations- und Erfahrungsaustausch.

Mittelbar trug die Veranstaltungsreihe dazu bei, die Datengrundlage zum Thema Armut zu erweitern. Genauso wie die Veröffentlichung unseres Handbuchs für Kommunen „Moderne Sozialplanung“, 2011. Bald darauf haben wir alle Kommunen in Nordrhein-Westfalen online ganz konkret nach ihrer jeweiligen Sozialplanung befragt. Dabei wurde deutlich, dass aufgrund begrenzter finanzieller und personeller Ressourcen insbesondere Kreise und kleinere, kreisangehörige Gemeinden auf Beratung und Unterstützung angewiesen sind, wenn es um Themen wie Planungsorganisation, Planungsmethoden, Datenmanagement und Qualifizierungsangebote in diesem Handlungsfeld geht. Zugleich artikulierten sie ein starkes Interesse an einer Beratungsstelle, die sie dabei unterstützt, Prozesse der Armutsbekämpfung und der Sozialplanung anzugehen.

Diese Informationen über die Situation in den Kreisen und Gemeinden, waren die Grundlage und der Startschuss für die 2015 eröffnete „Fachstelle für sozialraumorientierte Armutsbekämpfung“. Seit Anfang 2019 ist sie als „Team Armutsbekämpfung und Sozialplanung“ bei der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.) angesiedelt – aus gutem Grund, denn Armut und Arbeitslosigkeit sowie Armutsbekämpfung und Beschäftigungsförderung stehen in direktem Zusammenhang.

Hochwertiges Beratungsangebot
 

Wichtig dabei: Die Kommunen entscheiden selbst, ob sie das Beratungsangebot in Anspruch nehmen. Und: Beratung macht keine Vorgaben, sondern orientiert sich in enger Abstimmung und auf Augenhöhe mit den kommunalen Akteuren flexibel an den Rahmenbedingungen, den Bedarfen und Wünschen der Kommune, an dem also, was eine Kommune will und braucht.

Mit ihrem Wissen und ihren langjährigen Erfahrungen in der kommunalen Beratung können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Teams Anregungen und Anstöße geben, wenn es zum Beispiel um die Einleitung, den Aufbau, die Umsetzung und Begleitung einer strategischen, integrierten Sozialplanung geht oder darum, Hilfestellung bei der Erstellung von Handlungskonzepten zu geben, um Armutsfolgen zu bekämpfen und zugleich präventiv zu agieren. Wo erforderlich, bezieht das Team die anderen Beratungskompetenzen der G.I.B. mit ihren guten Kontakten etwa zu Jobcentern ein, etwa dann, wenn es um arbeitsmarktbezogene Fragen geht.

Konkret umfasst die kostenlose Beratung das gesamte Spektrum fachinhaltlicher Fragen einer integrierten Sozialplanung sowie der Förderung eines integrierten Zusammenarbeitens in der Kommune über alle Fachebenen hinweg.

Das Team unterstützt durch Beratung, Fach-Inputs, Kurzschulungen und Moderation, hilft bei der Datenbeschaffung, beim Monitoring, bei der Auswertung von Statistiken, bei der Entwicklung detaillierter Handlungskonzepte, aber auch bei der Vorbereitung und Durchführung von Sozialraumkonferenzen sowie bei der Partizipation der Bewohnerinnen und Bewohner. Dass auch deren Vorstellungen und Wünsche in die Sozialplanung einfließen können, liegt im Eigeninteresse der Kommunen.

Überhaupt bringt eine kontinuierliche, strategische, integrierte, kleinräumige Sozialplanung einige Vorteile mit sich. Sie gibt nicht nur Hinweise für die kommunale Sozialpolitik, sondern bietet auch die Grundlagen für manchen Förderantrag. Denn immer mehr Programme/Maßnahmen der Landesregierung heben auf quartiersscharfe kleinräumige Analysen ab. Mit einem umfassenden Sozialplanungsprozess eröffnen sich in dieser Hinsicht neue Möglichkeiten. Und dies kommt wiederum denen zugute, für die die Planung und Mittel gedacht sind: den armen und häufig ausgegrenzten Menschen in den Quartieren.

Beeindruckende Erfolge
 

Die steigende Inanspruchnahme der Beratung spiegelt sich in den Förderanträgen und Projekten. Sie sind heute weitaus fundierter und differenzierter begründet. Hieran wird deutlich, wie umfassend und intensiv sich die Kommunen mit der Herausarbeitung von Zielen und der Entwicklung eines Gesamtkonzepts für die Stadt und darunter differenziert für einzelne Zielgruppen und Quartiere auseinandersetzen.

Mittlerweile berät das G.I.B.-Team 40 Kommunen und Kreise. Dabei wird offensichtlich, dass das Bewusstsein vom Stellenwert einer integrierten Sozialplanung erheblich zugenommen hat. Hier ist eine neue Kultur entstanden! Es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass detaillierte Zahlen eine unverzichtbare Grundlage für effektive Handlungskonzepte sind und dass eine stärkere integrierte, fachübergreifende Vernetzung Synergieeffekte erzeugt.

Dabei zeigt sich: Jede Stadt ist anders. Es ist beeindruckend zu sehen, mit welcher Kreativität und welchem Engagement Kommunen auch unter schwierigen Rahmenbedingungen innovative Konzepte entwickeln. Viele Kommunen sind nicht zuletzt aufgrund der Beratung heute in der Lage, kleinräumige quartiersscharfe Daten, Angebots- und Bedarfsanalysen sowie integrierte Handlungskonzepte zu einzelnen Quartieren zu liefern.

Erfreulich auch zu sehen, wenn sich in einem flächenmäßig sehr großen Kreis alle Sozialdezernentinnen und -dezernenten des Kreises und der kreisangehörigen Kommunen zusammen an einen Tisch setzen und ein umfassendes Handlungskonzept entwickeln. Genauso positiv zu sehen, wenn immer mehr Städte auch das Jobcenter und das Gesundheitsamt in die Sozialplanung integrieren oder wenn finanzstärkere Städte die Landesförderungen mit eigenen Mitteln ergänzen. Selbst kleine kreisangehörige Kommunen, die es wirklich nicht leicht haben Daten zu generieren, stoßen oft mit wenig Personal kreative Prozesse an. Nur ein Beispiel zur Illustration: In einer kleinen Kommune haben kommunale Akteure gemeinsam mit einer Schulklasse ein Leitbild im Handlungsfeld Armutsbekämpfung und Sozialplanung erstellt.

All das zeigt: Beratung trägt entscheidend dazu bei, eine Win-win-win-Situation zu schaffen: für die Kommunen, für die Menschen, die dort leben – aber auch für das Ministerium, denn es ist auch in unserem Interesse, dass Kommunen eine fundierte integrierte Sozialplanung praktizieren, gerade mit Blick auf die Armutsfolgenbekämpfung. Statt Förderung mit der Gießkanne ist heute ein effektives, auf belastbaren Zahlen beruhendes Vorgehen möglich, das sich auf Quartiere und Personengruppen konzentriert, die besonders von Armut und Ausgrenzung betroffen sind.

Qualitative Weiterentwicklung
 

Das G.I.B.-Team spiegelt seine Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Beratungsarbeit vor Ort in den Kommunen ins Ministerium. Das ist ein Gewinn für uns, denn so können wir unsere Programme zielgerichtet an den konkreten Bedarfen der Kommunen weiterentwickeln. Dem gleichen Zweck dient eine aktuelle Befragung der Kommunen in Nordrhein-Westfalen zum Themenkomplex „Sozialplanung“, die wir gemeinsam mit dem G.I.B.-Team und mit IT.NRW durchgeführt haben. Die O-Töne aus den Kommunen werden dazu beitragen, unsere Programme und Beratungsangebote weiter zu optimieren und auch immer wieder neue Themenfelder zu entwickeln. Eines ist klar: Durch die Corona-Pandemie entstehen neue, zusätzliche Herausforderungen im Handlungsfeld Sozialplanung und Armutsbekämpfung. Wir müssen also dranbleiben. Viel ist geschafft, aber viel ist auch noch zu tun – das gilt auch für die Beratung.

Ansprechperson in der G.I.B.

Denise Anton
Tel.: 02041 767262
d.anton@gib.nrw.de

Autorin

Gabriele Schmidt
Referat Grundsatzfragen Soziales (V A 1)
Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen
Fürstenwall 25
40219 Düsseldorf
gabi.schmidt@mags.nrw.de
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