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(Heft 2/2020)
Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Eindringlich zeigt die Corona-Pandemie, wie essenziel gute Arbeitsbedingungen sind: faire Löhne, flexible Arbeitszeiten, betriebliche Mitgestaltung, Möglichkeiten der Weiterentwicklung – davon profitieren, auch in Krisenzeiten, Unternehmen und Beschäftigte! Zudem sind diejenigen heute im Vorteil, die die Chancen der Digitalisierung schon frühzeitig genutzt haben. Doch nicht immer ist klar, wie eine gute Arbeitswelt zu realisieren ist. Deshalb bündelt das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen für Beschäftigte, Unternehmen und Multiplikatoren die Aktivitäten, Informationen und Angebote rund um das Themenfeld unter dem Slogan „Gute Arbeitswelt NRW“.

Eine gute Arbeitswelt, so der Standpunkt des Ministeriums, ist fair, menschengerecht und zukunftsgerichtet. Menschengerecht und fair ist Arbeit dann, wenn sie das Auskommen sichert, die Gesundheit sowie die Leistungs- und Beschäftigungsfähigkeit erhält. Zugleich muss sie den Beschäftigten ermöglichen, die eigenen Arbeits- und Entlohnungsbedingungen mitzugestalten und die Chancen im Kontext der Digitalisierung zu nutzen. Wie das in der Praxis aussehen kann, darüber informiert die Internetseite www.gute-arbeitswelt.nrw.

Im vorliegenden G.I.B.-Info haben wir uns den Handlungsansätzen und Zielen bei der Gestaltung einer guten Arbeitswelt gewidmet. Welche Chancen dabei die digitale Transformation Unternehmen und Beschäftigten bietet, darüber sprechen wir mit Klaus Burmeister, einem unabhängigen Zukunftsforscher, Gründer der Z.punkt GmbH und Leiter des foresightlab.

Geld ist nicht alles, aber am Thema „Löhne und Gehälter“ führt keine Diskussion über eine gute Arbeitswelt vorbei. Dazu zählt auch das Thema Mindestlohn. Wie kontrovers hier die Standpunkte sind, illustrieren unsere Interviews mit Prof. Dr. Thorsten Schulten vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, und mit Dr. Hagen Lesch vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Zu beachten ist in diesem Kontext vor allem eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Sie zeigt, dass die festgelegte Lohnuntergrenze bis heute keine negativen Beschäftigungseffekte hatte.

Mit der Arbeitswelt ausgewählter Branchen und Berufsgruppen befassen sich unsere Texte zu den Arbeitsbedingungen in der Essens-Lieferbranche, zu drei Beratungsstellen für ausländische Arbeitskräfte in Nordrhein-Westfalen sowie unsere Gespräche mit Professor Dr. Timo Baas von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) zum Thema EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit und mit Dr. Peter Krauss-Hoffmann vom Landesinstitut für Arbeitsgestaltung (LIA.nrw) über die Chancen und Herausforderungen einer vielfältigen Belegschaft für den Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Wenn es um die Zukunft der Arbeitswelt geht, ist immer auch die Ausbildung junger Menschen involviert. Wir stellen das mit Unterstützung einer Potentialberatung entwickelte Ausbildungskonzept eines Elektrotechnikdienstleisters vor, ziehen eine Zwischenbilanz zum 2018 gestarteten „Ausbildungsprogramm NRW“ und werfen dabei einen Blick auf die Stadt Hamm, die Region Niederrhein und den Kreis Herford.

Weitere Texte in diesem Heft befassen sich mit „Chance Handwerk“, einem Projekt für geflüchtete Menschen, dem IQ-Projekt „AnerkennungsKombi“ (AnKom) zur Feststellung formeller und informeller Berufsqualifikationen von Zugewanderten sowie mit „Integrationslotsinnen“, einem von der RAG-Stiftung geförderten Modellprojekt für geflüchtete Frauen mit Kleinkindern in Duisburg und Gelsenkirchen.

Im Handlungsfeld „Armutsbekämpfung und Sozialplanung“ stehen die von der Stadtverwaltung Oberhausen passgenau auf Quartiere ausgerichteten Hilfeangebote im Mittelpunkt, des Weiteren ein Interview mit Frank Motschull, dem Sozialdezernenten der Stadt Oberhausen sowie ein Gespräch mit Michaela Hofmann, Referentin für Armutsfragen beim Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln. Aufgrund ihrer Erfahrungen im Berufsalltag weiß sie genau zu benennen, woran es in der Corona-Krise fehlt: an Krankenwohnungen für obdachlose Menschen zum Beispiel.

Eine unterhaltsame und aufschlussreiche Lektüre wünscht
 

Karl-Heinz Hargedorn

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