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(Heft 2/2020)
Ausbildungsprogramm NRW. Eine Zwischenbilanz

Gemeinsam Chancen eröffnen

Die Erwartungen an das im Herbst 2018 gestartete „Ausbildungsprogramm NRW“ des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) des Landes Nordrhein-Westfalen haben sich bereits nach den ersten Durchgängen zu großen Teilen erfüllt. 500 zusätzlich abgeschlossene Ausbildungsverträge sind die Bilanz des ersten Durchgangs des Landesprogramms im Jahr 2018. Darüber hinaus begannen 114 junge Menschen außerhalb des Programms eine Ausbildung. Im zweiten Durchgang 2019 waren es bereits rund 900 junge Menschen, die einen Ausbildungsplatz antraten, sowie weitere 172 Vermittlungen außerhalb des Programms.

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat es sich mit dem „Ausbildungsprogramm NRW“ zum Ziel gesetzt, für junge Menschen mit Startschwierigkeiten pro Jahr bis zu 1.000 zusätzliche betriebliche Ausbildungsplätze zu fördern. Um nicht in Konkurrenz zu regulären Ausbildungsverhältnissen zu treten, gelten für eine Teilnahme am „Ausbildungsprogramm NRW“ besondere Bedingungen: Betriebe müssen die Ausbildungsplätze zusätzlich einrichten oder erstmals überhaupt eine Ausbildung anbieten. Das Land fördert Ausbildungssuchende ausschließlich in Kommunen und Kreisen, in denen es mehr Bewerberinnen und Bewerber als Ausbildungsplätze gibt.

Zu Beginn der Legislaturperiode hatte Landesarbeitsminister Karl-Josef Laumann es zu seinem zentralen Anliegen erklärt, mehr jungen Menschen den Weg in Ausbildung zu ebnen, ihnen damit den Weg in den Beruf und in ein selbstbestimmtes Leben zu öffnen und zugleich Impulse gegen den Fachkräftemangel zu setzen. Das „Ausbildungsprogramm NRW“ folgt dabei einer besonderen Strategie. „Wir müssen auch jenen die Chance auf eine Lehrstelle geben, deren Lebensweg nicht schnurstracks geradeaus verlief – insbesondere dort, wo der Ausbildungsmarkt einen starken Bewerber­überhang verzeichnet. Deshalb haben wir das „Ausbildungsprogramm NRW“ ins Leben gerufen“, so der Minister. 41 Städte und Kreise in Nordrhein-Westfalen nutzen aktuell die Möglichkeiten des Programms, in ihren Gebieten das ungleiche Verhältnis von Stellen zu Bewerberinnen Bewerbern schrittweise auszugleichen.

Eine Reihe von Unterstützungsangeboten soll Betrieben die Entscheidung erleichtern, erstmals auszubilden oder mehr Ausbildungsplätze als gewöhnlich anzubieten. Betriebe erhalten für eine zusätzliche Ausbildungsstelle ab dem 01. September einen Zuschuss zur Ausbildungsvergütung in Höhe von 300 Euro im Monat in den beiden ersten Ausbildungsjahren. Bei später im Jahr abgeschlossenen Ausbildungsverträgen verkürzt sich die Förderung entsprechend. In einer dreimonatigen Akquisephase erhalten Bildungsträger eine Förderung, um Betriebe für die Einrichtung zusätzlicher Ausbildungsstellen zu gewinnen und um bereits im Vorfeld sicherzustellen, dass die oder der Auszubildende möglichst gut für den Ausbildungsberuf und den Betrieb geeignet ist. Das Land finanziert zusätzlich die Begleitung der Auszubildenden durch zertifizierte Bildungsträger für die beiden ersten Ausbildungsjahre, bei individuellem Bedarf auch im dritten Jahr der Ausbildung.

124506637.jpgUm das Programm in der Fläche wirkungsvoll umzusetzen, sind verschiedene Akteure in das „Ausbildungsprogramm NRW“ eingebunden. Die regionalen Ausbildungskonsense erarbeiteten sogenannte „Positivlisten“, die regional die Schnittmenge der Berufe abbilden, in denen Auszubildende gute Übernahmechancen besitzen, und die auch auf erwartbares Interesse bei den jungen Menschen stoßen. Die jeweilige Agentur für Arbeit und die kommunalen Jobcenter schlagen die infrage kommenden Jugendlichen vor. Beauftragte Bildungsträger nutzen ihre regionalen Kontakte, um bei den Betrieben zusätzliche Ausbildungsplätze zu generieren. In der Akquisephase unterstützen die Bildungsträger die jungen Menschen dabei, an vorhandenen Defiziten zu arbeiten und sich auf die Aufnahme einer Ausbildung vorzubereiten. Wenn der intensive Prozess der Vor­auswahl und Vorbereitung abgeschlossen ist, gehen Betrieb und die oder der Auszubildende schließlich ein reguläres Ausbildungsverhältnis ein. Auch während der Ausbildung bleibt der Bildungsträger Ansprechpartner für die jungen Frauen und Männer sowie für die Betriebe. Zusätzlich stehen bei individuellem Förderbedarf auch die von der Agentur für Arbeit finanzierten „Ausbildungsbegleitenden Hilfen“ zur Verfügung.

Runde Tische in den Regionen begleiten die Umsetzung des Programms. Moderiert von den Regionalagenturen, sie unterstützen in Nordrhein-Westfalen die Umsetzung der Vorhaben der Landesarbeitspolitik vor Ort, treffen hier Agenturen für Arbeit, Jobcenter, Kammern und Bildungsträger zusammen. Die Beteiligten bilanzieren den Stand der Umsetzung, erörtern Problemlagen, stimmen sich in den erforderlichen Unterstützungsmaßnahmen ab und formulieren Anregungen an das Land zur Optimierung des Förderprogramms. Das Land hat nach den positiven Erfahrungen des ersten Durchlaufs flexibel auf die Wünsche der beteiligten Akteure reagiert und Anpassungen vorgenommen. So war es zum Programmstart zunächst vorgesehen, zusätzliche Ausbildungsstellen zu akquirieren, um sie dann mit geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern zu besetzen. In der Praxis erwies es sich als sinnvoll, hier stärker bewerberorientiert von den Talenten und Berufswünschen der Jugendlichen auszugehen und passende betriebliche Ausbildungsstellen zu finden. Das Ministerium betonte, dass Ausbildungsstellen auch über die in den „Positivlisten“ benannten Ausbildungsberufen hinaus eine Förderung erhalten können, wenn sie zusätzlich sind und dem Berufsbildungsgesetz und der Handwerksordnung entsprechen. Als zusätzliches Förder­element fand ab dem zweiten Durchlauf 2019 die dreimonatige Vorbereitungsphase zur Stellenakquise und zum Matching Aufnahme in das Programm.

Die landeseigene Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.) begleitet das „Ausbildungsprogramm NRW“ fachlich. Sie unterstützt das Arbeitsminis­terium bei den jährlichen Ausschreibungen, indem sie die Interessenbekundungen der Träger begutachtet, und begleitet darüber hinaus intensiv die Runden Tische. 2019 erfolgten im Auftrag des MAGS zahlreiche Besuche bei den Trägern vor Ort mit dem Ziel, mögliche Problemlagen bei der Umsetzung des Programms zu erkunden. Zwei zentrale Austauschtreffen des MAGS nutzten die Beteiligten, um Praxiserfahrungen der Träger und weiterer Akteure zu den Themen Vorbereitung/Auswahl der jungen Menschen, Akquise und Matching sowie zur Begleitung der Ausbildung zu verdichten.

Die von der G.I.B. entwickelte und gepflegte Datenbank mit den erfassten Stellen und Jugendlichen bietet ein Monitoring, das einen Einblick in die Umsetzung des Programms in der Akquisephase ermöglicht. Zum Gelingen des „Ausbildungsprogramms NRW“ tragen auch die Regionalagenturen mit ihrer Kenntnis des regionalen Arbeitsmarkts maßgeblich bei. Sie unterstützen als Einrichtung des Landes die arbeitsmarktpolitischen Vorhaben und Programme der Landesregierung, fördern Netzwerke und machen durch Öffentlichkeitsarbeit auf neue Entwicklungen aufmerksam.

Auf den folgenden Seiten bietet das G.I.B.-Info einen Einblick in die Praxis des „Ausbildungsprogramms NRW“ und stellt die Umsetzung des Programms an Beispielen am Niederrhein, in der Stadt Hamm und im Kreis Herford vor.

Ansprechperson in der G.I.B.

Thomas Lindner
Tel.: 02041 767276
t.lindner@gib.nrw.de

Autor

Volker Stephan
Tel.: 0173 3679157
post@volker-stephan.net
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