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(Heft 2/2020)
Modellprojekt für geflüchtete Frauen mit Kleinkindern in Duisburg und Gelsenkirchen

Erfolgreiche Integration dank Familienlotsinnen

Seit Oktober 2018 läuft das von der RAG Stiftung geförderte zweijährige Modellprojekt „Familienlotsinnen“, das in den Ruhrgebietsstädten Duisburg und Gelsenkirchen in Kooperation mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS NRW) und der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit (RD NRW) umgesetzt und von der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung mbH (G.I.B. NRW) fachlich begleitet wird. Sein Ziel ist die gesellschaftliche und auf lange Sicht auch die arbeitsmarktliche Integration von geflüchteten Frauen mit unter dreijährigen Kindern. Im Jahr 2019 sprachen wir bereits mit Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Mitglied im Vorstand der RAG-Stiftung, sowie Stefan Kulozik, Gruppenleiter im MAGS NRW, und Torsten Withake, ehemals Geschäftsführer Arbeitsmarktmanagement bei der RD NRW, heute Vorsitzender der Geschäftsführung der RD NRW, über die Strategie und Intention des Modellansatzes (G.I.B.-Info 2_19). In dem vorliegenden Beitrag werfen wir den Blick auf die konkrete Arbeit vor Ort. Was haben die Familienlotsinnen in den beiden Städten bisher erreicht?

Als die beiden federführenden Jobcenter in Duisburg und Gelsenkirchen 2018 ihre Konzepte für das Projekt „Familienlotsinnen“ formulierten, war ihnen klar, worauf es ankommen würde, sollte dem Vorhaben Erfolg beschieden sein: Es musste versucht werden, die Zielgruppe, geflüchtete Frauen mit Kindern unter drei Jahren, so anzusprechen, dass sie freiwillig an Sprachkursen und anderen Angeboten teilnehmen würden, am besten durch jemanden, zu dem sie Vertrauen aufbauen könnten und der ihre Heimatsprache beherrscht. Denn: Frauen mit Kindern unter drei Jahren können sich auf ihre Betreuungspflicht berufen und müssen aufgrund der Regelung des § 10 SGB II nicht an einem Integrationskurs zum Erwerb der deutschen Sprache oder Angeboten des Jobcenters teilnehmen. Und erfahrungsgemäß tut das die Mehrheit auch nicht. Oft spielt dabei eine Rolle, dass sie bislang zu wenig über die Möglichkeiten der öffentlichen Kinderbetreuung wissen. Dazu sind häufig nur wenige freie Betreuungsplätze in wohnortnahen Kitas vorhanden. Außerdem herrscht in manchen Familien auch ein traditionelles Rollenbild vor, bei dem die Versorgung und Organisation der Familie für die Frau im Vordergrund steht.

Um Berührungsängste und Zugangsbarrieren zu minimieren, entschied man im Rahmen der Konzeptentwicklung in beiden Städten, das Projekt bei einem externen Träger anzusiedeln und nicht direkt bei der „Behörde“, dem Jobcenter. In Duisburg fiel die Wahl auf das Diakoniewerk Duisburg, in Gelsenkirchen auf den Bildungsträger RE/init e. V., beides Einrichtungen, die bereits auf eine langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Flüchtlingsfamilien zurückblicken können.

Die Familienlotsin – ein wichtiger Erfolgsfaktor
 

Als wichtigster Faktor für den Projekterfolg wurde an beiden Projektstandorten aber von Anfang an die Person der Familienlotsin angesehen. Deshalb war man in Duisburg wie auch in Gelsenkirchen sehr glücklich, dass man mit Noura Athamna und Shukri Mohamud-Yusuf zwei Frauen fand, die das angedachte Profil nahezu ideal erfüllen: Weiblich, durch den eigenen Migrationshintergrund sowohl der Heimatsprache der Frauen mächtig als auch mit ihrer Kultur vertraut, bereits beratungserfahren und nicht zuletzt empathisch und Persönlichkeiten mit Vorbildcharakter.

Shukri Mohamud-Yusuf hatte bereits, bevor sie Familienlotsin wurde, im Flüchtlingshilfeprojekt „Flüchtlingshilfe im Quartier“ der Stadt Gelsenkirchen gearbeitet. Über dieses Projekt war sie auch in der Frauenberatungsstelle tätig und bereits gut vernetzt. Das trifft auch auf Noura Athamna zu. Sie hatte zuvor im Projekt „Clearingstelle für Geflüchtete“ an der Universität Duisburg-Essen gearbeitet, in dessen Rahmen sie Geflüchtete mit Abitur oder Studium aus Syrien oder anderen Ländern beriet, die in Deutschland ein Studium aufnehmen oder weiterführen wollten. In ihrer Beratungsfunktion stand sie in engem Kontakt mit vielen Arbeitsmarktakteuren unter anderem mit den Jobcentern in Duisburg und Essen.

Erstes Projektziel: Zielgruppe erreichen
 

Im ersten Schritt galt es beim Projektstart Ende 2018/Anfang 2019, die Zielgruppe zu erreichen. Noura Athamna machte das Projekt zunächst intern bei den verschiedenen Einrichtungen des Duisburger Trägers bekannt. Shukri Mohamud-Yusuf stellte das Projekt den Kolleginnen und Kollegen und Fachkräften am Standort Gelsenkirchen vor, die trägerinterne Angebote durchführen. Außerdem besuchten die Familienlotsinnen weitere Institutionen und Träger sowie städtische Arbeitskreise und Netzwerktreffen. Sie verteilten Flyer, die sie für das Projekt entwickelt haben, an allen für die Zielgruppe relevanten Anlaufstellen. Dazu zählen neben den Jobcentern, die kommunalen Ausländerbehörden, Flüchtlingsberatungsstellen, Wohlfahrtsverbände, Kindertagesstätten, Familienbüros sowie soziale Einrichtungen. Dazu bewerben die Familienlotsinnen das Angebot auch bei bestimmten Anlässen und im Rahmen von Angeboten (z. B. Stadtfest, Sprachcafé, Nähcafé), die in beiden Städten unterschiedlich sind.

Parallel rührten die beiden Jobcenter in ihren eigenen Häusern die Werbetrommel für das Projekt. Direkt erreichten die Familienlotsinnen die Zielgruppe über Info-Veranstaltungen, zu denen die Jobcenter jeweils 15 SGB II-Leistungsbezieherinnen mit Fluchthintergrund und ihre Familien einluden.

Das Projekt sprach sich schnell herum – sowohl unter den Geflüchteten als auch in den beteiligten Jobcentern und bei anderen Institutionen. Mittlerweile leiten die Beratungsfachkräfte in den Jobcentern geeignete Kundinnen an die Familienlotsinnen weiter. Viele der Teilnehmerinnen wurden über die trägereigenen Projekte und Netzwerkpartner gewonnen. Ungefähr ab März 2019 meldeten sich Familien vermehrt von sich aus bei den Familienlotsinnen. Dabei stellte sich heraus, dass nicht selten zunächst der Mann in der Flüchtlingsfamilie von dem Angebot zu überzeugen ist, bevor dann die Frau selbst das Angebot wahrnimmt. In den Erstkontaktgesprächen mit den Frauen zeigt sich, dass ca. die Hälfte der Teilnehmerinnen an einer Zusammenarbeit interessiert ist.

Verschiedene Ausgangslagen – verschiedene Ziele
 

Ein großer Teil der Teilnehmerinnen stammt aus Syrien. Neben syrischen Familien (43 Prozent) betreut Shukri Mohamud-Yusuf in Gelsenkirchen außerdem Familien aus Nigeria (24 Prozent), Somalia (22 Prozent) und Ghana (5 Prozent). Aus dem Irak und Eritrea stammt jeweils eine betreute Familie. Auch in Duisburg machen Geflüchtete aus Syrien den Großteil der Teilnehmerinnen aus. Jeweils zwei Familien stammen aus Afghanistan und aus Eritrea.

Insgesamt 43 Familien hat Shukri Mohamud-Yusuf in der bisherigen Projektlaufzeit kennengelernt und beraten. Aktuell sind 28 Familien in aktiver Betreuung. In Duisburg betreut Noura Athamna zurzeit 27 Familien aktiv, die Zahl der gesamten Betreuungen entspricht der in Gelsenkirchen.

Die meisten betreuten Frauen haben noch keine nennenswerten Deutschkenntnisse und sind auch noch nicht in der lateinischen Schriftsprache alphabetisiert. Jeweils ein Drittel der Teilnehmerinnen in Gelsenkirchen verfügt über keinen Schulabschluss (30 Prozent) oder über einen mittleren bis hohen Schulabschluss (30 Prozent). Eine Teilnehmerin hat in ihrem Heimatland eine schulische Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen, acht Teilnehmerinnen verfügen über einen akademischen Hochschulabschluss. Die große Mehrheit der geförderten Teilnehmerinnen ist im Alter von 30 bis 45 Jahren (51 Prozent). Etwa ein Drittel der Teilnehmerinnen ist zwischen 18 und 24 Jahre alt.

Versorgung der Kinder, Spracherwerb, Verfahren zur Anerkennung von Bildungsabschlüssen und Ausbildungen einleiten, zusätzliche Qualifizierung, Einmündung in Praktikum, Arbeit oder Ausbildung – so könnte ein idealer Fahrplan für eine geflüchtete Frau aussehen. Damit man die Themen Sprachkurs und Kinderbetreuung angehen kann, sind nach Erfahrung von Noura Athamna aber oft zunächst andere Probleme zu lösen. Dabei geht es zum Beispiel um Schulden, weil die Familien nicht selten Opfer dubioser Verträge sind, um Auseinandersetzungen um den Aufenthaltstitel oder auch um Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche. Derzeit konnte die Familienlotsin elf Teilnehmerinnen in Sprachkurse vermitteln, in Gelsenkirchen hat Shukri Mohamud-Yusuf bisher zwölf Teilnehmerinnen in Sprachkursen untergebracht.

Daneben kümmern sich beide Familienlotsinnen auch um die gesellschaftliche Integration der betreuten Familien, zum Beispiel über Spielgruppen für Mutter und Kind, Jugendamtsangebote für Frauen mit Neugeborenen oder auch die Flüchtlingsberatung im eigenen Haus. Für die Kinder besorgen sie Büchereiausweise oder vermitteln sie in Sport- und Freizeitangebote in Wohnortnähe.

Für Irene Pawellek, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt im Jobcenter Gelsenkirchen und Ansprechpartnerin von Shukri Mohamud-Yusuf, liegt darin der eigentliche Schwerpunkt des Projekts: „Ich finde es wichtig, dass die Frauen nicht allein gelassen werden, dass sie unterstützt werden in allen Lebensfragen, die sich hier Geborene vielleicht überhaupt nicht stellen. Zum Beispiel zu erkennen, welche Postsendungen wichtig sind und bei welchen es sich um Werbung handelt, die man entsorgen kann.“ Dadurch, dass man in der Kommunikation mit den Frauen eben nicht zuallererst die Arbeitsmarktintegration thematisiere, sei das Interesse der kontaktierten Frauen überhaupt erst so groß, ist sich Ezine Isbacar, Ansprechpartnerin von Noura Athamna beim jobcenter Duisburg, sicher. „Wir wollen den Zugang zum Projekt sehr niedrigschwellig halten und die Frauen nicht gleich zu Anfang mit dem Thema Arbeitsmarktintegration verschrecken. Das haben wir schon bei der Planung des Projekts berücksichtigt.“

Heterogener Bildungsstand – Gemeinsamkeiten in der Haltung
 

Noura Athamna stellt bezüglich der Haltung, die die Frauen mit in die Beratung bringen, prinzipiell zwei verschiedene Typen fest: zum einen die Frauen, die die Familienlotsin als die Ansprechpartnerin betrachten, die für sie wirklich alle Probleme lösen kann und alles für sie regelt, und zum anderen die, die in dem für sie neuen Umfeld schon sehr selbstständig agieren, von sich selbst viel fordern und in möglichst kurzer Zeit eigenständig möglichst viel erreichen wollen. Auch der Bildungs- und Deutsch-Sprachstand sei sehr unterschiedlich. Von Analphabetinnen, die einen Alphabetisierungskurs besuchen, bis zu Akademikerinnen mit einem B2-Sprachniveau und Berufserfahrung seien alle Ebenen vertreten.

„Vor allem Frauen mit höherem Bildungsabschluss erkennen oft schnell, dass sie in Deutschland mit ihrem Abschluss keine Tätigkeit erwarten können, die der in ihrem Herkunftsland entspricht“, sagt Brunhilde Seitzer, Projektleiterin beim Diakoniewerk Duisburg. „Sie können das aber meistens verkraften, denn unabhängig vom Herkunftsland und Bildungsstand stehen für die Teilnehmerinnen an erster Stelle immer die Kinder. Sie sollen hier Fuß fassen und die Chance bekommen, sich eine Existenz aufzubauen. Wir stellen fest, dass diese Haltung die Frauen am meisten motiviert. Das macht sie auch sehr viel offener für jegliche Form von Integrationsangeboten.“

Im Vorfeld habe es schon Stimmen gegeben, die gesagt hätten: diese Personengruppe erreicht ihr nicht, diese Frauen wollen zuhause bleiben und sich um ihre Kinder kümmern, erinnert sich Irene Pawellek. „Sicher gibt es diese Fälle auch, aber eben nicht nur.“ Für die allermeisten Familien stehe im Vordergrund, ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten zu können. „Sie möchten Deutsch lernen, sich weiterentwickeln und fordern das auch durchaus ein – das hat mich positiv überrascht.“

Ohne Kinderbetreuung läuft nichts
 

Entsprechend der sehr heterogenen Ausgangslage gestaltet sich die Arbeit der Familienlotsinnen in jedem einzelnen Fall höchst unterschiedlich. „Wenn eine Frau teilnehmen möchte, erarbeite ich mit ihr individuell und kleinschrittig Teilziele, die stabilisierend auf die Familiensituation ausgerichtet sind. Denn jede Frau ist auf einem anderen Stand“, beschreibt Shukri Mohamud-Yusuf ihr Vorgehen.

„Die Vermittlung in einen Sprachkurs gelingt nur, wenn wir zusammen Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder organisieren. Das kann schon einige Zeit in Anspruch nehmen, zumal oft mehrere Kinder pro Familie zu versorgen sind.“ Auch Noura Athamna betrachtet die Organisation der Kinderbetreuung als das größte Problem im Projekt. Allein schafften die Frauen das meistens nicht, Gleiches gelte für die Anmeldung von Kindern an Schulen. Die Organisation einer Kinderbetreuung ist zwar in jedem Fall ein Muss, allerdings ist bei dem Thema zunächst oft Überzeugungsarbeit zu leisten, weil die Frauen dieses Angebot aus ihrem Herkunftsland nicht kennen. Deshalb wird in Gesprächen mit den Frauen stets betont, wie wichtig der Besuch eines Kindergartens für die Sprachentwicklung ist. „Je eher ein Kind Deutsch lernt, umso weniger Probleme wird es später in der Schule haben. Dies erhöht die Chancen, einen guten Schulabschluss zu machen“, erklärt Ezine Isbacar.

Wichtige Kooperationspartner sind in diesem Zusammenhang Bildungsträger, die Sprachkurse mit paralleler Kinderbetreuung anbieten. Sowohl in Duisburg als auch in Gelsenkirchen gibt es jeweils zwei, die ein solches Angebot vorhalten. Vor allem, wenn es um ein höheres Sprachniveau wie B2 oder C1 gehe, sei das Angebot aber zu gering, stellt Brunhilde Seitzer fest.

Arbeitsmarktintegration keine Utopie
 

Auch wenn Arbeitsmarktintegration nicht das primäre Ziel des Projekts ist, ist es an beiden Projektstandorten in einigen Fällen bereits zu Vermittlungen in Arbeit oder Ausbildung gekommen und zwar in Fällen, in denen die individuellen Voraussetzungen besonders gut waren. So hat Shukri Mohamud-Yusuf eine junge Frau in eine Ausbildung zur Pharmazeutisch-technischen Assistentin (PTA) vermittelt. Eine andere Frau ist auf dem Weg zur Altenpflegerin, eine weitere zur Erzieherin.

In Gelsenkirchen haben bisher vier Frauen konkret eine Ausbildungsberatung angefragt. Eine Frau, die den dringenden Wunsch geäußert hatte, eine Ausbildung machen zu wollen, hat mittlerweile fast alle Hürden in diese Richtung genommen. Mithilfe der Familienlotsin hat sie erfolgreich mehrere Sprachkurse absolviert, sodass ihr Sprachniveau nun eine Ausbildung möglich macht, die sie im Herbst starten wird. Eine andere Frau, Syrerin, die bereits über das Sprachniveau B2 verfügte, mündete nach einem Praktikum in einer Kindertageseinrichtung in eine vom Jobcenter finanzierte Qualifizierung zur Integrationsbegleiterin in Kitas ein. Einen weiteren beruflichen Weg in der Pflege hat sie ins Auge gefasst. Aber: Auch, wenn der Weg in den Arbeitsmarkt im Rahmen des Projekts noch nicht eingeschlagen wird, seien alle Teilnehmerinnen mindestens einen Schritt weiter als vor dem Projekt, so Irene Pawellek.

Besonders stelle man fest, dass sich die Frauen im Laufe der Teilnahme öffnen, sagt Ezine Isbacar. „Aus der Tatsache heraus, dass Frau Athamna einen ähnlichen kulturellen Hintergrund hat, zum Beispiel auch Hidschab-Trägerin1 ist, fassen die Teilnehmerinnen sehr schnell Vertrauen zu ihr – und in der Folge dann auch in uns, die Behörde.“

Dass die Familien im Laufe des Projekts selbstständiger und selbstbewusster werden, an das öffentliche Beratungs-, Bildungs- und Unterstützungssystem herangeführt werden, sorgfältiger mit ihren Unterlagen umgehen, Fristen einhalten, nennt Shukri Mohamud-Yusuf als weitere positive Effekte.

Positive Bewertung durch alle Projektbeteiligten
 

So wundert es nicht, dass die Bewertung des Modellprojekts an beiden Standorten sehr positiv ausfällt. „Ein großer Vorteil etwa gegenüber der Flüchtlingsberatung ist, dass die Familienlotsinnen ein halbes Jahr Zeit haben, mit den Müttern zu arbeiten, Perspektiven zu entwickeln und sie in andere Hilfsprojekte oder Sprachkurse weiterzuleiten“, sagt Jovana Kartal, Fachbereichsleitung beim RE/init e. V.

Die Jobcenter und Träger machen den Erfolg zu einem guten Teil an den beiden empathischen, sehr schnell Zugang zu den geflüchteten Frauen findenden und mehrsprachigen Familienlotsinnen fest. Darüber hinaus sei die Zusammenarbeit zwischen Jobcenter, Familienlotsin und Träger an beiden Standorten sehr gut – ein weiterer Faktor für den Erfolg.

Mit jeweils 27 oder 28 aktiven Betreuungen sind die Familienlotsinnen derzeit voll ausgelastet, obwohl man von den rund 500 geflüchteten Frauen mit unter dreijährigen Kindern in Gelsenkirchen und 550 in Duisburg bisher nur einen kleineren Teil erreicht hat. Das Projekt in Gelsenkirchen könnte man nach Einschätzung von Jovana Kartal sofort mit einer zweiten Kraft aufstocken, so groß sei der Bedarf. Und auch Brunhilde Seitzer glaubt, dass noch eine wesentlich höhere Zahl an jungen Müttern als bisher aktivierbar wäre. Zumal das Angebot über die derzeitige Zielgruppe hinaus durchaus auch für andere Frauen mit Migrationshintergrund sinnvoll sein könne, zum Beispiel für Zuwanderinnen aus Rumänien und Bulgarien.


Die Träger des Projekts „Familienlotsinnen“, der RE/init e. V. und das Diakoniewerk Duisburg GmbH, halten diverse weitere Integrations- und Beratungsangebote für Geflüchtete vor:

RE/init e. V.

  • Zahlreiche Maßnahmen und Projekte für Geflüchtete: zum Beispiel „S/I/A – Sprache/Integration/Ankommen“ – Unterstützung arbeitsloser Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund bei der sozialen und gesellschaftlichen Integration
  • Seit 2008 im Rahmen verschiedener ESF-Bundesprogramme koordinierender Träger des Integrationsnetzwerkes ELNet plus für Geflüchtete in der Emscher-Lippe Region: In 12 Jahren über 5.000 Geflüchtete erreicht, beraten, qualifiziert, Sprach-/Schulabschlüsse vermittelt und mehr als 50 % in Ausbildung und Arbeit vermittelt.
  • Ganzheitliches Integrationskonzept für Geflüchtete, das von einer Vielzahl von Projekten unterschiedlicher Fördermittelgeber auf regionaler, Landes- und Bundesebene getragen wird. Beispiele an den RE/init-Standorten Gelsenkirchen und Recklinghausen: Regionale Flüchtlingsberatungsstellen (MKFFI), Work&Life (VESTISCHE ARBEIT Kreis Recklinghausen), Work&Life for all Moms (Integrationscenter für Arbeit Gelsenkirchen – das Jobcenter).


Diakoniewerk Duisburg GmbH

  • Seit den 1990er Jahren Träger einer kommunalen Flüchtlingsberatungsstelle zur Beratung und Begleitung der Geflüchteten in asylrechtlichen Fragen wie auch Lebens- und Integrationsfragen.
  • Jugendmigrationsdienst; Beratung Jugendlicher und junger Heranwachsender in Einzel- und Gruppenangeboten. Durchführung von Sprach- und Orientierungskursen.
  • Seit vielen Jahren Träger von zahlreichen Angeboten im Rahmen der Arbeitsmarktförderung, insbesondere auch für junge Geflüchtete (Perspektiven für junge Geflüchtete) in enger Kooperation mit dem Jobcenter.
  • Durchführung von Hauptschulabschlusskursen zur Berufsvorbereitung
  • Sozialräumliche präventive Angebote der Jugendhilfe z. B. „Familienhilfe sofort vor Ort“
  • Stationäre Angebote der Jugendhilfe, auch mit Fokus auf die Unterbringung und Betreuung junger unbegleiteter Flüchtlinge

1 Unter einem Hidschab wird meistens ein speziell geschneidertes Kopftuch verstanden, das Haare, Hals, Schulter- und Brustbereich bedeckt, aber das Gesicht frei lässt. Beide Familienlotsinnen tragen einen Hidschab.

Ansprechperson in der G.I.B.

Oliver Schweer
Tel.: 02041 767252
o.schweer@gib.nrw.de

Kontakte

Noura Athamna (Familienlotsin)
Tel.: 0203 9313763
noura.athamna@diakoniewerk-duisburg.de

Shukri Mohamud-Yusuf (Familienlotsin)
Tel.: 0209 15521016
shukri.mohamud-yusuf@reinit.de

Integration Point jobcenter Duisburg
Ezine Isbacar
Tel.: 0203 348341127
Ezine.Isbacar@jobcenter-ge.de

Beauftragte für Chancengleichheit am
Arbeitsmarkt, Integrationscenter für
Arbeit Gelsenkirchen – das Jobcenter
Irene Pawellek
Tel.: 0209 60509521
irene.pawellek@jobcenter-ge.de

Diakoniewerk Duisburg
Brunhilde Seitzer
Tel.: 0203 93151220
brunhilde.seitzer@diakoniewerk-duisburg.de

RE\init e. V.
Jovana Kartal
Tel.: 02361 3021208
jovana.kartal@reinit.de

Autor

Frank Stefan Krupop
Tel.: 02306 741093
frank_krupop@web.de

 

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