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(Heft 2/2019)
Bauhaus-Universität Weimar entwickelt in Kooperation mit Art-Invest Real Estate die App „SIM-OFFICE“

Arbeitswelten der Zukunft: „Wie sieht Ihre perfekte Büro-Arbeitswelt aus?“

Obwohl das Bauhaus nur 14 Jahre bestand, gilt es als bedeutendste Kunstschule des 20. Jahrhunderts und als Mythos zugleich. Von Beginn an setzte das Bauhaus auf die Verbindung von Industrie, Wissenschaft und Kunst und steht seitdem für neue Ideen und neue Verknüpfungen, für eine hohe Funktionalität innerhalb von Industrialisierungsbestrebungen, aber auch für Individualität und Ästhetik. All diese Aspekte greift die Bauhaus-Universität Weimar im Kontext von „Arbeitswelten der Zukunft“, dem Wissenschaftsthema des Jahres 2018, auf: In Kooperation mit Art-Invest Real Estate entwickelte sie im Rahmen des BMBF-Hochschulwettbewerbs die App SIM-OFFICE, die Nutzer, Unternehmen, Planer und Entwickler dabei unterstützt, individuell „perfekte Büro-Arbeitswelten“ zu entwickeln.

Als Walter Gropius, der erste Bauhaus-Leiter, 1919 das Lehr- und Forschungsinstitut für Architektur, bildende Künste und Handwerk gründete, war mit dem ersten Weltkrieg und der Flucht des Kaisers soeben ein autoritäres Zeitalter zu Ende gegangen. Die Reformideen der Revolutionszeit prägten den Lehrbetrieb an der neuen Kunstschule. Die Ausbildung zielte auf die allseitige Entwicklung der geistigen und körperlichen Fähigkeiten. Das Werkstattprinzip und die praxisorientierte handwerklich-künstlerische Ausbildung wurden ebenso typisch für das Bauhaus wie das Teamwork der Lehrenden und Lernenden.

Künstler von Weltrang sollten die neuen Ideen vermitteln. Neben Lyonel Feininger lehrten hier Oskar Schlemmer und László Moholy-Nagy. Die legendären Bauhaus-Meister Paul Klee und Wassily Kandinsky unterrichteten Formen- und Farbenlehre, Johannes Itten schuf mit seinem „Vorkurs“ das pädagogische Fundament. Eine ungeheure Konzentration großer Namen. In Anlehnung an die mittelalterliche Vereinigung der Kathedralenbauer, die Bauhütte, wurde das gemeinschaftliche Werk von Künstlern und Handwerkern zur Idealvorstellung.

Den Erfahrungen einer zunehmend industrialisierten Welt verschloss sich auch das Bauhaus nicht, und geriet in den Bann des Funktionalismus. Moderne Technik löste die Handwerksgesinnung ab, der Anschluss an die Industrie wurde wichtiger als die individuelle Persönlichkeitsbildung. Bildnerisches Äquivalent zum aufkommenden „industrial design“ wurde die konkrete Kunst. „Kunst und Technik – eine neue Einheit“, lautete 1922 Gropius` neue These, die allerdings nicht von jedem der eigenständigen Bauhaus-Meister Zuspruch bekam: „Genau das, was wir nicht wollten“, war beispielsweise Feiningers Kommentar.

Anlässlich des aktuellen Bauhaus-Jubiläums fördert das Ministerium für Kultur und Wissenschaft in Nordrhein-Westfalen das Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm „100 jahre bauhaus im westen“. An der Geburtsstätte des Bauhauses, der Bauhaus-Universität Weimar, entwickelte derweil der Lehrstuhl „Immobilienwirtschaft und -management“ in Kooperation mit Art-Invest Real Estate im Rahmen des Hochschulwettbewerbs zum Wissenschaftsthema des Jahres 2018 „Arbeitswelten der Zukunft“ die App „SIM-OFFICE“. Mit ihr sollen die Bedürfnisse und Wünsche von Wissens- und Verwaltungs-Arbeitenden bei der Gestaltung ihrer Arbeit „spielerisch ermittelt und diesen rückgemeldet werden.“

Damit wollen die Forscherinnen und Forscher ganzheitlich über Gestaltungsparameter von Büro-Arbeitswelten informieren und Grundlagen schaffen, das individuelle Wohlbefinden von Büroarbeitenden zu steigern und Gesundheit und Produktivität am Arbeitsplatz zu erhöhen. Dazu klicken sich die App-Anwender interaktiv durch sechs Themengebiete: „People & Personality“, „Arbeitsaktivitäten“, „Management & Leadership“, „Arbeitsumgebung“, „Arbeitsplatz und Ausstattung“ sowie „Services & Support“. Anhand von Auswahlmöglichkeiten, Schiebereglern, Bucket-Zuordnungen und Rankings erfolgt eine informative Entdeckungstour, bei der Anwenderinnen und Anwender „sich und ihre Bedürfnisse besser kennenlernen können.“ Das Ergebnis ihrer Entdeckungstour erhalten die „Spieler“ direkt im Anschluss zum Mitnehmen, Ansehen und Diskutieren – insgesamt, so die Schöpfer der App, „eine Win-win-Situation für alle.“

Autor

Paul Pantel
Tel.: 02324 239466
paul.pantel@vodafonemail.de
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