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(Heft 2/2019)
Interview zum Modellprojekt „Familienlotsinnen“

„Aus guter Bergbautradition liegt uns die Integration von Zugewanderten sehr am Herzen“

Die RAG-Stiftung fördert seit Oktober vergangenen Jahres mit insgesamt 300.000 Euro über 2 Jahre in Kooperation mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS NRW) und der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit (RD NRW) das Modellprojekt „Familienlotsinnen“ an den Projektstandorten Duisburg und Gelsenkirchen. Ziel ist eine Verbesserung der gesellschaftlichen und arbeitsmarktlichen Integration von geflüchteten Frauen mit kleinen Kindern durch weibliche Coachs, sogenannte Lotsinnen, die selbst einen Migrationshintergrund haben. Ihre Aufgabe ist es, geflüchtete Familien, die in Regionen mit anderen Familien- und Rollenbildern sozialisiert wurden, individuell zu unterstützen und zu begleiten und sie als ersten Schritt der Integration an Sprachkurse heranzuführen. Beteiligt sind die beiden Jobcenter an den Projektstandorten sowie als Träger in Duisburg die Diakoniewerk Duisburg GmbH und in Gelsenkirchen der RE/init e. V. An beiden Standorten haben Lotsinnen ihre Arbeit aufgenommen, die nach einer Phase des Bekanntmachens des neuen Angebots und der internen und externen Vernetzung mittlerweile die ersten Frauen der Zielgruppe betreuen.

Die G.I.B. sprach mit Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Mitglied im Vorstand der RAG-Stiftung, sowie Stefan Kulozik, Gruppenleiter im MAGS NRW, und Torsten Withake, Geschäftsführer Arbeitsmarktmanagement bei der RD NRW, über die Strategie und Intention des Modellansatzes.

G.I.B.: Im Jahr 2007 einigten sich die Bundesregierung, die Regierungen der Steinkohle fördernden Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Saarland, die RAG Aktiengesellschaft und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) darauf, die staatlichen Subventionen für die Kohleförderung einzustellen und damit den Steinkohlenbergbau in Deutschland bis 2018 sozialverträglich zu beenden. Folge des Konsenses war die Gründung der RAG-Stiftung im Jahr 2007 mit der Aufgabe, den Anpassungsprozess des subventionierten deutschen Steinkohlenbergbaus zu bewältigen. Wie passt das mit der Förderung eines Modellansatzes zur gesellschaftlichen und arbeitsmarktlichen Integration geflüchteter Frauen mit Kindern zusammen?

Portrait.jpgBärbel Bergerhoff-Wodopia: Es ist richtig, dass wir seit 2007 rund 30.000 Mitarbeiter sozialverträglich abgebaut haben. Viele konnten in den Arbeitsmarkt vermittelt werden oder beispielsweise über Vorruhestandsregelungen ausscheiden. Eine weitere wesentliche Aufgabe der Stiftung ist seit Anfang 2019 die Finanzierung der Ewigkeitsaufgaben aus dem deutschen Steinkohlenbergbau der RAG – dies sind primär Maßnahmen der ewigen Wasserhaltung. Darüber hinaus fördert die Stiftung seit ihrer Gründung Projekte aus den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Kultur in den ehemaligen Bergbauregionen an Ruhr, Saar und in Ibbenbüren. Seit 2016 fördern wir mit einem jährlichen Sonderbudget auch Bildungsprojekte für geflüchtete Jugendliche. Dabei fokussieren wir auf Sprachbildung und damit einhergehend die Integration in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft.

Und genau da setzen wir auch mit den Familienlotsinnen an, denn das Angebot richtet sich insbesondere an junge geflüchtete Frauen mit Kindern. Aus guter Bergbautradition liegt uns die Integration von Zugewanderten seit jeher sehr am Herzen. Gerade der Bergbau hat sich um die Integration über viele Jahrzehnte sehr verdient gemacht. Denn unter Tage zählte nur, dass man sich aufeinander verlassen konnte – nicht woher man kam, welche Hautfarbe man hatte oder welcher Religion man angehörte.

G.I.B.: Wie kam es zur Idee des Modellprojektes und der Zusammenarbeit zwischen dem MAGS NRW, der RD NRW und der RAG-Stiftung?

Kulozik.jpgStefan Kulozik: Die RAG-Stiftung hat eine Anfrage an das Arbeitsministerium gestellt, welchen Bedarf es bei der Förderung von Frauen mit Fluchterfahrung gibt. Wir wissen, dass Frauen mit Fluchterfahrung es besonders schwer haben, in den Arbeitsmarkt einzumünden. Das hat kulturelle Gründe, Gründe des Familienhintergrundes, Gründe der Sprache und der Qualifizierung.

Unsere Antwort war daher: Was fehlt, ist jemand, der die Frauen individuell begleitet, dabei auch auf die Familiensituation und auf die Herkunftskultur schaut und dann gemeinsam mit den Frauen einen Plan entwickelt, wie Familie, Spracherwerb und Qualifizierung miteinander verbunden werden können. Wir haben diese Idee dann zu einem Projekt entwickelt und den Kontakt mit der RD NRW aufgenommen.

Die Zusammenarbeit ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie es gelingen kann, Modelle auf den Weg zu bringen, wenn alle Beteiligten schnell, pragmatisch und unkompliziert zusammenarbeiten und den Willen haben, etwas zu bewegen.

Bärbel Bergerhoff-Wodopia: Wir kooperieren schon lange und erfolgreich mit dem Ministerium für Arbeit in Nordrhein-Westfalen und stehen in einem guten, regelmäßigen Austausch. Als uns die Projektidee vorgestellt wurde, haben wir nicht lange gezögert. Wir hatten bereits aus vorangegangenen Bildungsprojekten für Geflüchtete die Erfahrung, dass junge Frauen – im Speziellen junge Mütter – besonders schwer zu erreichen sind, und wollten hier ein entsprechendes Angebot schaffen.

G.I.B.: Worum geht es inhaltlich bei dem Modellprojekt „Familienlotsinnen“ in den Städten Duisburg und Gelsenkirchen?

Bärbel Bergerhoff-Wodopia: Es geht darum, jungen geflüchteten Frauen mit Kindern unter drei Jahren die Teilhabe an unserer Gesellschaft zu ermöglichen. Erhebungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten haben ergeben, dass geflüchtete Frauen auch mehrere Jahre nach ihrer Ankunft in Deutschland erhebliche Schwierigkeiten beim Zugang zu Ausbildung und Arbeit haben. Sie gehören also zu einer besonders benachteiligten Gruppe am Arbeitsmarkt. Hier wollen wir mit den Familienlotsinnen gegenwirken.

Aufgabe der Lotsinnen ist die individuelle Ansprache, Beratung und Begleitung der Frauen mit dem Ziel, sie in Maßnahmen zur Arbeitsmarktintegration zu bringen. Das Heranführen an die Sprachförderung, die Stärkung des Selbstwertgefühls, das Überwinden von Rollenmustern, die je nach Kulturkreis die Erwerbstätigkeit von Frauen blockieren, auch die Kinderbetreuung – all das sind Themen, bei denen die Familienlotsinnen beraten und unterstützen.

Withake_1_300_dpi.jpgTorsten Withake: Um den Personenkreis noch einmal etwas genauer herauszuarbeiten: Es sind geflüchtete Frauen, die Betreuungspflichten haben, sich von daher formal gar nicht für Angebote zur Integration in Arbeit zur Verfügung stellen müssen. Es geht also darum, sie dafür zu gewinnen, sich schon in der Phase der Kinderbetreuung für Angebote wie Sprachkurse zu öffnen, aber dann anschließend auch für arbeitsmarktliche Maßnahmen. Das ist das Kernziel der Familienlotsinnen. Außerdem gilt es auch, eine Brücke zu bauen zu Angeboten, die bei uns für die heimische Bevölkerung ganz selbstverständlich sind, zum Beispiel die Vorsorgeuntersuchungen für Kinder.

Wir sind überzeugt, dass eine Integration umso besser gelingt, je früher man sich mit der Sprache identifiziert und sie sprechen kann.

Stefan Kulozik: Beim Thema Kinderbetreuung ist es besonders wichtig, die Frauen zu überzeugen, dass ihr Kind gut betreut wird. Sonst wird es schwierig, sie für Angebote zu gewinnen. Die Familienlotsin soll außerdem Ansprechpartnerin für alle Fragen des alltäglichen Lebens sein, egal, ob es darum geht, wie man den Ort, an dem der Sprachkurs stattfindet, am besten erreicht, ob es um Probleme beim Lernen geht oder um die Schulsituation von älteren Kindern. Die Familienlotsin soll auf alle diese Fragen eingehen und eine Hilfestellung anbieten.

G.I.B.: Welche Intentionen verfolgt die RAG-Stiftung mit diesem Modellansatz?

Bärbel Bergerhoff-Wodopia: 2016 hat die RAG-Stiftung eine Zukunftsstudie mit dem Titel „Das Schicksalsjahrzehnt“ veröffentlicht. Eine der sieben Zukunftsthesen darin lautet: Prosperität braucht Einwanderung. Gemeint ist, dass Einwanderung und Integration – so sie denn gelingt – der Überalterung von Regionen, schwindenden Bevölkerungszahlen und dem Fachkräftemangel entgegenwirken kann und auch wirtschaftliche Belebung mit sich bringt.

Und wie gesagt, der Bergbau hat sich über sehr lange Zeit um die Integration von Zugewanderten verdient gemacht. Wir handeln hier also aus guter Tradition und aus der Verantwortung heraus, die wir für die ehemaligen Bergbauregionen übernehmen.

G.I.B.: In welcher Form und wie lange fördert die RAG-Stiftung den Modellansatz „Familienlotsinnen“?

Bärbel Bergerhoff-Wodopia: Wir stellen insgesamt 300.000 Euro aus unserem Sonderbudget für Flüchtlingsprojekte zur Verfügung. Davon können seit Oktober beziehungsweise November 2018 über zwei Jahre sowohl in Duisburg als auch in Gelsenkirchen in Kooperation mit den jeweiligen Jobcentern zwei Familienlotsinnen bei den Trägern, die das Projekt umsetzen, eingesetzt werden.

G.I.B.: Was sind Ihrer Meinung nach die besonderen Herausforderungen bei der gesellschaftlichen und arbeitsmarktlichen Integration von geflüchteten Frauen mit Kindern unter drei Jahren?

Torsten Withake: Wenn man den rechtlichen Rahmen kennt, ist klar, dass man dabei auf die Eigenmotivation setzen muss. Denn rein rechtlich könnten die Frauen mit Kindern unter drei Jahren zu Hause bleiben und sich auf die Betreuung der Kinder konzentrieren. Man muss sich bewusst sein, dass sie aus einer ganz besonderen Situation kommen. Sie sind geflüchtet, haben vermutlich schreckliche Dinge erlebt und das Kind ist jetzt wichtiger Teil der Familie. Man muss also viel Überzeugungsarbeit leisten und eine Vertrauensbasis schaffen, damit die Frauen ihr Kind in die Obhut von jemand anderem geben.

Stefan Kulozik: Je länger es dauert, bis die geflüchteten Frauen die Sprache beherrschen, umso schwieriger wird es für sie, Anschluss zu finden. Wenn sie sich nur innerhalb ihrer Community bewegen, auch zu Hause nicht deutsch gesprochen wird, wird das die Arbeitsmarktintegration, aber auch die Integration in die Gesellschaft perspektivisch immer schwieriger machen. Deshalb sagen wir: Wir müssen möglichst früh ansetzen.

Bärbel Bergerhoff-Wodopia: Sicher steht und fällt Integration mit dem Spracherwerb. Frauen aus Zuwandererfamilien sind allerdings nicht selten zusätzlich in einem traditionellen Rollenbild verhaftet, bei dem die Versorgung und Organisation der Familie im Vordergrund steht und Ausbildung und Arbeit eher den Männern der Familie vorbehalten sind. Hauptherausforderung ist es, die Frauen überhaupt zu erreichen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass ihnen mehr Wege offenstehen. Es gilt, sie zu ermutigen und zu unterstützen, diese Wege auch zu beschreiten.

G.I.B.: Wie ist man auf den „Lotsinnen-Ansatz“ gekommen?

Stefan Kulozik: Je intensiver die Betreuung ist – intensiver heißt, auf die Gesamtsituation der Frau schauend und eine Vertrauensbeziehung aufbauend – umso eher gelingt es, die Motivation zu wecken, hochzuhalten und auch Krisen, die es immer gibt, zu bewältigen. Diesen Ansatz kennen wir aus dem Bereich Coaching, aus dem Bereich „Kümmerer“, aus dem Bereich der vielen sehr erfolgreichen ehrenamtlichen Patenprojekte. Wir haben diesen erfolgreichen Ansatz auf das Projekt übertragen und dafür den Begriff der Familienlotsin gewählt.

G.I.B.: Hat die RAG-Stiftung bereits ähnliche Projekte gefördert?

Bärbel Bergerhoff-Wodopia: Wir sind bereits seit Ende 2015 aktiv, wenn es darum geht, Geflüchteten einen Weg in unsere Gesellschaft zu ebnen. Die RAG-Stiftung hat damals sehr kurzfristig auf die besondere Herausforderung der Flüchtlingssituation reagiert und stellt seitdem ein Sonderbudget für junge Geflüchtete zur Verfügung. Mit diesem Budget wurden Bildungsprojekte finanziert, die ihnen helfen sollen, in Deutschland Fuß zu fassen. Gemeinsam mit Partnern wie dem TÜV NORD Bildung, dem Caritasverband und ausgewählten Weiterbildungsinstitutionen wurden allein im Jahr 2018 elf Bildungsprojekte in 17 Städten im Ruhrgebiet, im Saarland und in Ibbenbüren gefördert. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Sprachförderung, der Kompetenzvermittlung, der beruflichen Orientierung und auf dem Erwerb eines Schulabschlusses.

Die Erfahrung mit unseren bisherigen Projekten ist, dass die Angebote sehr gut angenommen werden. Die jungen Menschen sind dankbar dafür, dass man ihnen eine Chance gibt, in Deutschland Fuß zu fassen. Allerdings können nicht alle ihre Chancen dann auch optimal nutzen. Anfängliche Begeisterung ist das eine, das notwendige Durchhaltevermögen aufzubringen ist für manche das andere. Auch die oftmals sehr unterschiedliche schulische Vorbildung stellt alle Beteiligten vor große Herausforderungen.

G.I.B.: Wie sind die Erfahrungen zur Arbeitsmarktintegration geflüchteter Frauen insgesamt?

Torsten Withake: Die Integration dieser Zielgruppe gestaltet sich „verhalten“ gut. Sie hat sich in letzter Zeit verbessert, ist aber immer noch signifikant geringer als bei männlichen Geflüchteten. Das hat mit Familienpflichten zu tun, das hat aber auch mit dem traditionellen Rollenbild zu tun. Die Regelsituation in vielen Ländern, aus denen die geflüchteten Frauen stammen, ist eben nicht, dass sie einen Schulabschluss erwerben, dass sie eine Ausbildung machen, um danach eigenfinanziert ihr Leben gestalten zu können, wie das in Deutschland der Fall ist. Es gilt also umso mehr, Vertrauen bei den Frauen aufzubauen, damit sie sich diesen Weg auch zutrauen.

Stefan Kulozik: Man muss bei dieser Personengruppe die kulturellen Bedingungen mitdenken. Es mag also erforderlich sein, dass man mit den Männern in der Familie spricht, um die Bereitschaft zu wecken, dass die Frauen sich auf den Weg machen, Sprache zu erlernen. Im Modellprojekt ist dabei hilfreich, dass den Lotsinnen die Kultur der Geflüchteten nicht fremd ist, sondern dass sie selber über einen entsprechenden Migrationshintergrund verfügen.

G.I.B.: Warum konzentriert sich der Modellansatz auf die Städte Duisburg und Gelsenkirchen?

Stefan Kulozik: Wir wollten an zwei Modellstandorten starten und haben für das Projekt Duisburg und Gelsenkirchen aus der Bergbau-Rückzugsregion ausgewählt. Der Bedarf ist hier groß, besteht aber nicht nur in diesen beiden Städten. Obwohl das Modell noch relativ jung ist, gibt es schon ein hohes Interesse anderer Jobcenter an diesem Ansatz.

G.I.B.: Wie bewerten Sie die bisherige Umsetzung des Projekts „Familienlotsinnen“?

Stefan Kulozik: Es ist zu früh, um jetzt schon ein Fazit zu ziehen. Die Familienlotsinnen haben ihre Tätigkeit gerade erst aufgenommen. Bisher haben wir die Rückmeldung, dass es sehr gut gelingt, die Frauen zu erreichen und dann auch in Sprachkurse und/oder Qualifizierung zu begleiten.

Bärbel Bergerhoff-Wodopia: Es ist bereits gelungen, das Projekt bekannter zu machen. Um die geflüchteten Frauen zu erreichen, wurden darüber hinaus bereits einige Informationsveranstaltungen durchgeführt sowie eine Website und ein Flyer in einfacher Sprache erstellt. Auch zeigt sich, dass die Vernetzung mit unterschiedlichen Partnern sehr wichtig ist. Daher stehen die Familienlotsinnen in engem Kontakt mit Flüchtlingsunterkünften, Jobcentern und sozialen Trägern wie der AWO.

Auch wenn wir noch am Anfang des Projekts stehen, bin ich überzeugt davon, dass die Arbeit der Familienlotsinnen einen großen Mehrwert für die geflüchteten Frauen, ihre Familien und Kinder und nicht zuletzt für unsere Gesellschaft bringen wird.

G.I.B.: Was plant die RAG-Stiftung für die Zukunft? Was könnten zukünftige Förderthemen zur gesellschaftlichen und arbeitsmarktlichen Integration von Zugewanderten sein?

Bärbel Bergerhoff-Wodopia: Auch in Zukunft ist Bildung neben Arbeit der wichtigste Baustein für gelingende Integration und gesellschaftliche Teilhabe. Deswegen werden wir uns weiterhin dafür engagieren, dass junge Geflüchtete beim Spracherwerb oder Erwerb eines Schulabschlusses unterstützt werden. Aber auch der Übergang in den Beruf ist eine wichtige Schnittstelle. Hier arbeiten wir mit verschiedenen Partnern zusammen und setzen uns gemeinsam dafür ein, dass geflüchtete Menschen einen Weg in den deutschen Arbeitsmarkt finden.

Torsten Withake: Der Dreh- und Angelpunkt bei der gesellschaftlichen und arbeitsmarktlichen Integration von Zugewanderten ist, die familiäre Situation der Frau, des Kindes und des Ehemanns oder Partners als Ganzes in den Blick zu nehmen. Es gilt zu schauen: Wie können wir jeden Einzelnen unterstützen. Man muss dem Reflex widerstehen, den einfachsten Weg zu gehen. Der wäre, sich um den Partner zu kümmern, der möglichst jung und hochmotiviert ist, und versuchen, den in Arbeit zu integrieren. Das wäre aber zu wenig. So hätten wir die Frauen komplett abgekoppelt. Wir wollen, dass beide intensiv unterstützt werden. Die Frauen sollen die deutsche Sprache lernen und auch die Gelegenheit bekommen, sie weiter einzuüben. Es geht darum, Gelegenheiten für sie zu schaffen, am kulturellen Leben teilzunehmen. Das ist viel wichtiger, als sich nur auf die Arbeitsaufnahme zu konzentrieren. Wir können Erfolge bei dieser Zielgruppe nicht an der reinen Arbeitsaufnahme messen.

Das Interview führten

Carsten Duif
Tel.: 02041 767178
c.duif@gib.nrw.de

Oliver Schweer
Tel.: 02041 767252
o.schweer@gib.nrw.de

Kontakte

Ministerium für Arbeit, Gesundheit und
Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen
Gruppe II B – Ordnung auf dem Arbeitsmarkt
und Arbeitsmarktpolitik
Fürstenwall 25
40219 Düsseldorf
Stefan Kulozik, Gruppenleiter
stefan.kulozik@mags.nrw.de

Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen
der Bundesagentur für Arbeit
Josef-Gockeln-Straße 7
40474 Düsseldorf
Torsten Withake, Geschäftsführer Arbeitsmarktmanagement
Nordrhein-Westfalen.Arbeitsmarktmanagement@
arbeitsagentur.de

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