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(Heft 1/2019)
Wie Jobcenter mit Projekten nach § 16 h SGB II abgehängte Jugendliche erreichen

Schwer erreichbar, aber nicht verloren

Mit der Aufnahme des Paragrafen 16 h in das SGB II hat der Gesetzgeber im August 2016 auf die Herausforderungen reagiert, die sich bei der sozialen und beruflichen Integration schwer zu erreichender junger Menschen ergeben. Neu daran: Es können nicht nur junge Menschen, die SGB II-Leistungen beziehen, gefördert werden, sondern auch solche, die aktuell oder in Zukunft Leistungen beziehen könnten. Auch was die Ausgestaltung von Projekten angeht, lässt § 16 h den Jobcentern mehr Freiheiten als gewohnt. Das ermöglicht ihnen neue Ansätze, die mittlerweile auch in interessante Projekte gemündet sind.

Die Freiheit in der Ausgestaltung, die der § 16 h SGB II den Jobcentern gewährt, führt auch dazu, dass sie bei der Umsetzung des Paragrafen bislang recht unterschiedliche Wege gehen. So gibt es zum Beispiel Projekte mit Präsenzpflicht der Jugendlichen bei einem Träger genauso wie Projekte komplett ohne Präsenzpflicht, Projekte mit einem stark aufsuchenden Ansatz und solche, die sich eher durch eine Komm-Struktur auszeichnen (z. B. Jugendcafé), Projekte mit Einzelbegleitung der Teilnehmenden ebenso wie Gruppenangebote. Auch die inhaltlichen und methodischen Schwerpunkte unterscheiden sich stark: Wohnungs- und Obdachlosigkeit bekämpfen, theater- und sportpädagogische Ansätze, Hinführung zu beruflicher Orien­tierung – es gibt fast nichts, was es nicht gibt. Auf Wunsch von Regionaldirektionen und Jobcentervertretern hat die Bundes­agentur für Arbeit einheitliche Regelungen zum § 16 h SGB II erarbeitet und im November 2018 veröffentlicht. Sie geben den gemeinsamen Einrichtungen den Orientierungsrahmen für das neue Instrument, ohne inhaltlich in die dezentralen Gestaltungsmöglichkeiten einzugreifen, enthalten aber auch verbindliche Regelungen.1

Mindestens ein Drittel bis die Hälfte der 53 Jobcenter in Nordrhein-Westfalen setzt entweder schon § 16 h-Maßnahmen um oder befindet sich in der Planungs-, beziehungsweise Ausschreibungsphase dazu.

Projekt Rückenwind – Jobcenter Essen
 

Eines der Jobcenter, die ein § 16 h-Projekt aufgelegt haben, ist das Jobcenter Essen. Die Idee zum Projekt „Rückenwind“ entstand Ende des Jahres 2016 im Rahmen eines Workshops des Jobcenters, an dem neben dem Jobcenter die gesamte Essener Trägerschaft und das Jugendamt teilnahmen. Es wurde ermittelt, welche Angebote es für die Zielgruppe in Essen bereits gibt, was zusätzlich benötigt wird und wie man am besten vorgeht, um die Menschen zu erreichen. Den Zuschlag für das nach dem Zuwendungsrecht finanzierte Projekt erhielt die Bietergemeinschaft CJD Zehnthof Essen/Boje gem. katholische Jugendsozialarbeit Essen GmbH, ein sehr erfahrener Träger, von dessen in rund 30 Jahren Sozialarbeit in Essen aufgebautem Netzwerk das Projekt profitiert.

Bei „Rückenwind“ handelt es sich um ein höchst individuelles Angebot, das sowohl einen Streetworker-Ansatz enthält als auch den Aufbau einer festen Anlaufstelle für die Zielgruppe. Diese wurde im Rahmen des Projekts definiert als entkoppelte Jugendliche unter 25 Jahre, die von den Angeboten der Sozialleistungssysteme nicht erreicht werden und die aktuell keine Leistungen nach SGB II oder VIII in Anspruch nehmen. Diese Jugendlichen haben oft keine Meldeadresse und kämpfen mit multiplen Problemlagen wie: Wohnungs- und Obdachlosigkeit, Verschuldung, schwierigen familiären Verhältnissen, Drogenkonsum, physischen und psychischen Erkrankungen, Schul-/Ausbildungs-/Maßnahmenabbrüchen, sozialer Isolation, Gewalterfahrungen. Zum Teil handelt es sich auch um Jugendliche, die sich auf dem Jungenstrich prostituieren. Die Gesamtgröße der Zielgruppe im Essener Stadtgebiet wird auf circa 300 – 500 Personen geschätzt. Im Laufe der bisherigen Projektpraxis kümmerten sich die Projektmitarbeitenden zum Teil um extreme Fälle, bei denen es im wahrsten Sinne um Leben und Tod ging.

Beim Aufsuchen der Jugendlichen sind zwei anonym gestaltete Bullis hilfreich, die ausgestattet sind mit Arbeitsplatz, Schlafplätzen, kleiner Küche und Dusche. Die Busse haben zweimal in der Woche feste Standzeiten an per Facebook und durch Mund-zu-Mund-Propaganda bekannt gemachten Standorten, sind ansonsten aber variabel einsetzbar. Außerdem ist am Viehofer Platz, einem sozialen Brennpunkt in der nördlichen Essener Innenstadt, eine Anlaufstelle für die Teilnehmenden eingerichtet worden, in der gleichzeitig auch die Büros für das Rückenwind-Team untergebracht sind. Das Team besteht aus vier Vollzeit-Mitarbeitern, drei Sozialarbeitern und einem Psychologen. Der Betreuungsschlüssel liegt bei 1:5.


Fallbeispiel „Rückenwind“
Ausgangslage: 19 Jahre alter Jugendlicher, geboren in Russland, Eltern getrennt, Probleme mit Lebensgefährten der Mutter, drogenabhängig (Cannabis), obdachlos (überwiegend aber Couch-Hopping bei Freunden), kein Schulabschluss, keine Ausbildung, wahrscheinlich mit Lernschwäche, gemeldet vom Jugendamt
Intervention: Vertrauensaufbau durch regelmäßige Treffen bei Rückenwind, Begleitung und Unterstützung zur Erstellung einer Melde- und Postadresse, Begleitung zum Jobcenter, bei Wohnungssuche, bei beruflicher Orientierung
Aktueller Stand/Erfolg: Melde- und Postadresse vorhanden, Anbindung an Jobcenter und Jugendberufshilfe, Anmeldung beim Psychologischen Dienst des Jobcenters (zur Feststellung einer evtl. Lernbehinderung)


Ziel: Ankoppeln
 

Am Anfang stehen der Vertrauensaufbau durch regelmäßiges Aufsuchen der Zielgruppe und regelmäßige Treffen im Projektbüro im Mittelpunkt der Arbeit. Dieser Vertrauensaufbau dauert nach Erfahrung aus dem Projekt sehr lange. Etwa nach einem halben Jahr nehmen die Teilnehmenden das Angebot dann regelmäßig in Anspruch und empfehlen es auch in der Zielgruppe weiter.

Erste Hilfen bestehen oft in der Begleitung und Unterstützung zur Erstellung einer Melde-/Postadresse und bei der Beschaffung von amtlichen Identifikationspapieren. Später spielt die Begleitung der Jugendlichen zum Jobcenter, bei der Wohnungssuche, bei medizinischer Versorgung, Substitution bei Drogenabhängigkeit, beim Entzug bei Alkoholabhängigkeit oder bei beruflicher Orientierung eine wichtige Rolle. Manchmal unterstützt das Team auch den Kontaktaufbau zum Elternhaus der Teilnehmenden. Das Rückenwind-Team zeichnet sich durch eine wertschätzende, transparente, authentische Haltung gegenüber der Zielgruppe aus. Es begleitet intensiv und individuell, baut persönliche langfristige Betreuungsbeziehungen auf, stellt eine „Rund-um-die-Uhr-Versorgung“ sicher (Notfall-Handynr.), kombiniert methodische Ansätze wie niederschwellige Beratung, Case Management, aufsuchende Sozialarbeit, freizeit- und erlebnispädagogische Angebote, vernetzt alle notwendigen regionalen Unterstützungspotenziale, sorgt dafür, dass Schnittstellen nicht zu Hürden werden und Übergänge nahtlos miteinander verknüpft werden und damit gelingen. Ziel des Projekts ist es, „Selbstwirksamkeit“ bei den Jugendlichen aufzubauen, um eine positive Zukunftsperspektive zu wecken. Das meint, dass sie dabei unterstützt werden, ihre individuellen Schwierigkeiten zu überwinden und ihr Leben (wieder) in die eigene Hand zu nehmen. Dazu gehört auch, Sozialleis­tungen (wieder) in Anspruch zu nehmen: „anzukoppeln“. Langfristiges Ziel ist es, bei den Jugendlichen die Bereitschaft für Schule, Ausbildung, Qualifizierung oder Arbeitsaufnahme zu entwickeln.

„Rückenwind“ kann beachtliche Erfolge vorweisen. Seit Okt. 2017 hat das Rückenwind-Team rund 225 Personen aus der Zielgruppe angesprochen. 48 Personen sind bisher intensiv begleitet worden, davon wurden 17 Personen an das Jobcenter Essen angebunden, weitere zwei Personen an das Jugendamt der Stadt Essen. 22 dieser Personen wurden erfolgreich dabei unterstützt, die Obdachlosigkeit zu überwinden und zehn Personen haben sich einer Therapie beziehungsweise einem Entzug gestellt. Zurzeit sind 31 aktiv im Projekt.

Das Jobcenter Essen sieht in der Tatsache, dass für Projekte im Rahmen des § 16 h eine Finanzierung nach dem Zuwendungsrecht möglich ist, einen großen Vorteil. „Die Gestaltung eines Projekts ist so sehr schnell und ohne bürokratischen Aufwand den tatsächlichen Gegebenheiten anpassbar, auch Experimente sind möglich“, sagt Jobcenter-Leiter Dietmar Gutschmidt. „Dass Personen, die keine Leis­tungsbezieher sind, angesprochen und erreicht werden können, ist die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches“, ergänzt Projektleiterin Marina Helmich. „Mit dem § 16 h können wir flexibler, niederschwelliger und ganzheitlicher agieren.“

„Comeback – Komm zurück“ – Jobcenter Gelsenkirchen
 

Das § 16 h-Projekt in der Nachbarstadt Gelsenkirchen hat einen etwas anderen Fokus. Zielgruppe des Projekts „Comeback – Komm zurück“ sind sanktionierte Jugendliche, die durch Standardangebote des SGB II nicht (mehr) zu erreichen sind und dem Jobcenter gegenüber häufig eine Verweigerungshaltung entwickelt haben.

Von den circa 8.000 Leistungsbeziehern U25 in Gelsenkirchen sind rund 1.000 arbeitslos und davon um die 150 Kunden mindestens zu 50 Prozent sanktioniert, also 15 Prozent.

Das Projekt ist aktuell jeweils auf 30 Jugendliche und junge Erwachsene U25 der Zielgruppe ausgelegt. Die jungen Menschen werden durch sozialpädagogische Kräfte des beauftragten Trägers RE/init e. V. (Recklinghäuser Arbeitsförderungs­initiative) individuell in ihrem Umfeld angesprochen. Man setzt auf kleinschrittige Bindungsarbeit.
Mindestens einmal in der Woche wird ein Einzelgespräch mit den Teilnehmenden geführt, wobei der Ort nicht festgelegt ist. Ebenfalls einmal in der Woche steht ein Gruppentermin an, bei denen es um unterschiedliche Themen, zum Beispiel Ernährung, geht. Dazu kommt jeweils donnerstags ein gemeinsames interkulturelles Kochen. Auch Biografiearbeit ist ein wichtiges Element. Außerdem steht bei Bedarf stets eine Ansprechperson zur Verfügung.

Um den Problemen, die die Jugendlichen haben, zu begegnen, nutzt der RE/init e. V. seine Netzwerkstrukturen. Dazu bietet der Träger verschiedene Projekte an, zum Beispiel den Besuch mehrerer Arbeitgeber an einem Tag, sodass die Teilnehmenden sich ein Bild vom Arbeitsalltag in verschiedenen Unternehmen und Berufen machen können. Erst wenn der Jugendliche dazu bereit ist, führt ein Fallmanager des Jobcenters auf der Grundlage der vom Träger gesammelten Informationen zu dem Teilnehmenden ein erstes Perspektivgespräch mit ihm.

Als Projektziele sind zunächst die Rückführung der Jugendlichen an den Tisch des Jobcenters sowie Hilfestellungen beim Umgang mit und der Vermeidung weiterer Sanktionen, eine Problem- und Kompetenzanalyse sowie der Abbau von Vermittlungshemmnissen definiert.

Im weiteren Verlauf des Projekts wird eine Vermittlung der Teilnehmenden in passgenaue Anschlussmaßnahmen, Netzwerkangebote oder auch Therapiezentren angestrebt. Auch ein Anti-Aggressionstraining kann Teil des Projekts sein. Erst dann folgt das Ziel der Vermittlung in schulische Angebote, Ausbildung, Minijob oder Arbeit.

Das Jobcenter Gelsenkirchen hat bereits viel Erfahrung mit der Zielgruppe und dem Projekt, da es schon 2010 gestartet wurde – damals noch unter dem Paragrafen 16 f SGB II, der den Agenturen für Arbeit die Möglichkeit gab, die gesetzlich geregelten Eingliederungsleistungen durch freie Leistungen zur Eingliederung in Arbeit zu erweitern. Seit 2017 läuft es, umgesetzt durch den Träger, nahezu unverändert als Projekt, das nach Paragraf 16 h SGB II finanziert wird.


Fallbeispiel „Comeback“
Ausgangslage: Eine Mutter gab dem Jobcenter Gelsenkirchen Kenntnis davon, dass ihre Tochter ihr Zimmer in der elterlichen Wohnung nicht mehr verließ und keinen Kontakt zur Außenwelt mehr wollte.
Intervention: Wiederholte Hausbesuche des Trägers, Vertrauensaufbau. Im weiteren Verlauf Einschaltung des Sozialpsychiatrischen Dienstes, ambulante Therapie. Feststellung eines Missbrauchs der Jugendlichen durch einen Verwandten. Nach einem Jahr so weit stabilisiert, dass eine Beratung im Jobcenter stattfinden konnte. Nach knapp zwei Jahren Arbeit des Trägers mit der Jugendlichen Übergabe in das Projekt „Joblinge“. Abbruch einer Ausbildung als Floristin trotz weiterer Begleitung im Rahmen von Comeback wegen Überforderung durch Arbeitsdruck.
Aktueller Stand/Erfolg: Weitere Stabilisierung. Vermittlung in eine überbetriebliche Ausbildung des Jobcenters mit sozialpädagogischer Begleitung, wo sich die junge Frau, jetzt bereits über 25 Jahre alt, derzeit noch befindet.


Leben auf Sparflamme
 

„Wenn Regelleistungen bis zu 100 Prozent und auch Teile der Kosten für die Unterkunft gestrichen werden, und die Jugendlichen trotzdem nicht auf Einladungen reagieren, liegt zunächst die Vermutung nahe, dass sie andere Einkünfte haben, die uns unbekannt sind“, sagt Patrik Liuni, Teamleiter U25 beim Jobcenter Gelsenkirchen. Diese Vermutung, die zu Beginn des Projekts 2010 im Raum stand, habe sich aber im Rahmen der weiteren Projektarbeit nicht unbedingt bestätigt. Da sei dann klar geworden, dass der Personenkreis sozusagen „auf Sparflamme“ lebe. Schon der erste Jahresbericht zu Comeback habe unerwartete Ergebnisse gebracht:

Die meisten Jugendlichen verweigerten die Unterstützung durch das Jobcenter nicht bewusst, sie hätten vielmehr große Probleme und entwickelten vielfältige Strategien mit Sanktionen umzugehen: Viele würden durch teils ebenfalls im Leistungsbezug stehende Freunde und Verwandte durchgezogen, fänden dort auch Unterkunft, die Verpflegung werde nicht selten durch die Eltern sichergestellt.

Außerdem wurde im Rahmen von Comeback deutlich, dass viele Personen der Zielgruppe massive Beeinträchtigungen mitbringen. Besonders häufig sind ein gestörtes Verhältnis zum Elternhaus – oft weil es dort ebenfalls Probleme wie Alkoholsucht oder Gewalt gibt –, psychische Störungen, eine instabile Wohnsituation, Schulden, Sucht- und Hygieneprobleme, fehlender Schulabschluss und Straffälligkeit beziehungsweise erhöhtes Aggressionspotenzial.

Der § 16 h SGB II biete alle Möglichkeiten, bis hin zu einer 24-Stunden-Betreuuung, die nötig seien, um mit dieser besonders problematischen Klientel zu arbeiten, so Harald Riße, Arbeitsvermittler im Bereich U25 des Jobcenters Gelsenkirchen. Als wichtigsten Erfolgsfaktor hat man in Gelsenkirchen die aufsuchende Arbeit ausgemacht. Schon deshalb, weil viele Menschen der Zielgruppe per Post gar nicht mehr erreichbar seien. Auch dass man den Aspekt Arbeitsmarkt erstmal beiseitelasse und sich sehr niederschwellig auf die Person fokussiere, trage zum Erfolg bei. „Man hat den Druck, der dadurch entsteht, direkt den Arbeitsmarkt in den Fokus zu stellen, rausgenommen“, sagt Harald Riße.

Entsprechend der Zieldefinition wird der Projekterfolg nicht durch Quoten der Integration in Arbeit gemessen. Als Erfolg wertet das Jobcenter Gelsenkirchen, dass es gelungen ist, zu 85 Prozent der zugewiesenen Kunden Kontakt herzustellen und davon insgesamt 77 Prozent zu einer Teilnahme an Angeboten zu bewegen. Nahezu 65 Prozent der Teilnehmenden haben wieder Kontakt zur Beratungsfachkraft im Jobcenter aufgenommen. Etwa 35 Prozent mündeten im Anschluss in eine weiterführende Maßnahme, eine Schule, einen (Mini-)Job oder in ein Praktikum ein oder haben Kontakt zu einem Netzwerkpartner oder einem Therapiezentrum aufgenommen.

Erfolge, aber auch Unsicherheiten
 

Insgesamt kann man feststellen, dass nach Aussagen derjenigen Jobcenter, die § 16 h-Maßnahmen aufgelegt haben, über die aufsuchenden und niedrigschwelligen Ansätze junge Menschen erreicht wurden, zu denen das Jobcenter bisher keinen Zugang hatte. Die Frage, warum ein Teil der Jobcenter in NRW derzeit noch keine Maßnahme nach § 16 h umsetzt, lässt sich nach den bisherigen Erkenntnissen der G.I.B. unterschiedlich beantworten. Demnach halten einzelne Jobcenter ähnliche Angebote bereits vor, finanzieren diese jedoch nicht über den § 16 h, sondern anderweitig. Dies ist etwa der Fall, wenn es sich um Angebote handelt, die bereits vor der Einführung des Paragrafen gestartet wurden. Weitere Gründe sind, dass über die örtliche Jugendhilfe ausreichend Angebote bestehen oder die Kooperation und Abstimmung zwischen Jugendhilfe und Jobcenter noch weiterentwickelt werden muss, um bestehende Angebote bzw. Lücken zu identifizieren. Andere Jobcenter hingegen halten die Beschränkung auf die Zielgruppe U25 nicht für zielführend und greifen daher nicht zu § 16 h. In mehreren Jobcentern besteht offenbar noch Bedarf nach mehr Erfahrungen und Informationen darüber, was im Rahmen des Paragrafen förderfähig ist und was nicht, insbesondere in den Punkten Zusätzlichkeit (§ 16 h, Abs.1) und Abstimmung mit den anderen Akteuren im Bereich Jugendhilfe (§ 16 h, Abs. 3).

Dass § 16 h-Projekte für viele schwer erreichbare Jugendliche äußerst hilfreich sein können, zeigt sich indes anhand der Projekte, wie sie zum Beispiel die Jobcenter in Essen und Gelsenkirchen aufgelegt haben, eindrucksvoll.


1 Verfahrensregelungen – § 16 h SGB II, Förderung schwer zu erreichender junger Menschen (FseJ), Zentrale der BA, Veröffentlichung am 20.11.2018. Gültig ebenfalls ab 20.11.2018

Kontakte

JobcenterEssen
Marina Helmich
Tel.: 0201 885-6672
Marina.Helmich@jobcenter.essen.de

Jobcenter Gelsenkirchen
Harald Riße
Tel.: 0209 60509-264
Harald.Risse@jobcenter-ge.de

Patrik Liuni
Tel.: 0209 60509-270
Patrik.Liuni@jobcenter-ge.de

Ansprechpersonen in der G.I.B.

Dr. Katja Nink
Tel.: 02041 767307
k.nink@gib.nrw.de

Dr. Frank Nitzsche
Tel.: 02041 767157
f.nitzsche@gib.nrw.de

Autor

Frank Stefan Krupop
Tel.: 02306 741093
frank_krupop@web.de

 

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