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(Heft 1/2019)
Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Nein, vergessen sind sie nicht, die jungen Menschen, die keine Schule besuchen, keiner Arbeit nachgehen, sich nicht in Ausbildung befinden und sämtliche Kontakte zum Hilfe- und Fördersystem verloren haben. Denn auch wenn kein Kontakt mehr zu ihnen besteht – die Verantwortung für sie bleibt! Genau deshalb hatte die nordrhein-westfälische Landesregierung die beiden Modellprojekte „Chance Zukunft“ und „BergAuf!“ gefördert. Sie sollten „entkoppelte“ junge Menschen wieder heranführen an Bildungsprozesse, an Maßnahmen der Arbeitsförderung sowie an Ausbildung oder Arbeit. Wir blicken in diesem Heft zunächst zurück und berichten, warum diese beiden Modellprojekte so erfolgreich sein konnten.

Wir schauen aber auch nach vorn und sprechen mit Dr. Karen Brems vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales über die konkreten Möglichkeiten, die sich aus dem neu geschaffenen § 16 h SGB II zur Förderung schwer zu erreichender junger Menschen ergeben. In die Norm sind Erkenntnisse aus dem Bundesprogramm „RESPEKT“ eingeflossen, das sich an die gleiche Zielgruppe wendete und dessen Umsetzung wir am Beispiel der StädteRegion Aachen illustrieren. Für die BMAS-Mitarbeiterin ist der neue Paragraf 16 h „geradezu revolutionär“, weil hier „die Hilfe nicht erst dann greift, wenn bereits ein Anspruch auf Arbeitslosengeld II gegeben ist.“

Noch haben nicht alle Jobcenter den neuen Paragrafen genutzt. Das Vorgehen der von uns in diesem Heft vorgestellten Jobcenter in den Ruhrgebietsstädten Essen und Gelsenkirchen könnte den noch zögernden Jobcentern als Beispiel dienen.

Speziell für junge Menschen, die aufgrund psychischer Probleme nicht in der Lage sind, einen geregelten Alltag zu führen und wichtige schulische oder berufliche Entwicklungsschritte zu gehen, hat die Stadt Köln 2017 das mit Landesmitteln geförderte Projekt „Plan 27“ ins Leben gerufen.

Darüber berichten wir genauso wie über das vor exakt zehn Jahren von Arbeitsminister Karl-Josef Laumann gemeinsam mit dem Landschaftsverband Rheinland, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe und weiteren Partnern ins Leben gerufene Landesprogramm „Integration unternehmen!“. Eine von der G.I.B. durchgeführte Jubiläumsveranstaltung präsentierte zahlreiche über das Programm geförderte Inklusionsbetriebe, in denen Menschen mit und ohne Behinderung erfolgreich zusammenarbeiten und sich am Markt behaupten. Welche Funktion digitale Assistenzsysteme bei der Inklusion von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt übernehmen können, dokumentieren wir in einem Extra-Beitrag in diesem Heft.

So wie bei der Zielgruppe schwerbehinderter Menschen braucht auch die Integration geflüchteter Menschen immer wieder neue Ideen. Vorbildlich agiert hier die Gemeinde Everswinkel. Sie wurde beim Bundeswettbewerb „Zusammenleben Hand in Hand – Kommunen gestalten“ als Preisträgerin gekürt – wir berichten. Die Bedeutung einer systematischen Datenerhebung in diesem Kontext zeigen Beispiele aus den Jobcentern in den Kreisen Lippe und Warendorf.

Dass sich die Unterstützung zugewanderter Menschen lohnt, unterstreichen nicht zuletzt die von Migrantinnen und Migranten gegründeten Unternehmen, die längst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind. Eine Fachtagung des Landes würdigte jetzt Gründerinnen und Gründer mit einer Einwanderungsgeschichte für ihren Beitrag zu Ökonomie und Gesellschaft. Sie, die Veranstaltung, ist in diesem G.I.B.-Info ebenso Thema wie das Projekt „Mentoring 4.0“, in dem der Austausch zwischen Jungen und Erfahrenen in altersgemischten Teams im Mittelpunkt steht.

Und über die Auswirkungen von Digitalisierung und modernen Arbeitsformen auf zukünftige Tarifverträge sprechen wir mit der neuen Landesschlichterin Yvonne Sachtje, die zugleich auf die Probleme hinweist, die sich aus der sinkenden Tarifbindung für Politik und Sozialpartner ergeben.

Last not least: Eine Berichterstattung über die von der RWTH Aachen präsentierten intelligenten Lehr- und Lernsysteme für Schulen, Hochschulen und Ausbildungsstätten sowie ein Interview mit dem Diplom-Physiker Ranga Yogeshwar über Chancen und Risiken moderner KI-Systeme runden das G.I.B.-Info 1_19 ab.

Karl-Heinz Hagedorn

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