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(Heft 4/2018)
Jugendlichen eine gute berufliche Zukunft ermöglichen

Mit fanta3 und KungFu die Attraktivität der dualen Ausbildung im Kreis Lippe steigern

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist weiterhin schwierig, auch im Kreis Lippe. Im Zeitalter des demografischen Wandels konkurrieren Hochschulen, weiterführende Schulen und Unternehmen verschiedener Branchen um Jugendliche und junge Erwachsene, die sich zwischen einer Ausbildung, dem Besuch einer weiterführenden Schule und einem Studium entscheiden müssen. Es gibt Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden, aber auch viele Ausbildungsplätze, die mangels Nachfrage nicht besetzt werden können.

Im August 2018 vermeldete die Agentur für Arbeit Detmold für den Kreis Lippe knapp 3.500 Bewerberinnen und Bewerber bei annähernd 2.150 gemeldeten Ausbildungsstellen. Das bedeutet eine Angebots-Nachfrage-Relation (ANR) von 0,62. Die hohe Zahl der Bewerberinnen und Bewerber erklärt sich nicht zuletzt dadurch, dass die Agentur für Arbeit Detmold sehr gründlich die Ausbildungswünsche der Schulabgänger/-innen erfasst. Viele Jugendliche, die einen Ausbildungswunsch formuliert haben, entscheiden sich dann aber doch für ein anderes Bildungs­angebot.

Den 420 zum Berichtszeitpunkt gemeldeten unversorgten Bewerbern (ein Minus von fast 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr) stehen 400 offene Ausbildungsplätze gegenüber. In einzelnen Branchen wie der Kunststoff- und Kautschuktechnik werden trotz der großen Zahl gemeldeter Bewerberinnen und Bewerber immer noch dringend Auszubildende gesucht, während in anderen Bereichen wie Innenarchitektur/Raumausstattung, Büro und Sekretariat, Kfz und Hartwaren auch real ein zum Teil deutlicher Bewerberüberhang besteht. Hinzu kommen die großen Entfernungen in einem Flächenkreis, die für viele ausbildungsplatzsuchende Schulabgängerinnen und -abgänger ein Problem darstellen.

Große Herausforderung für die Lippe Bildung eG
 

Deshalb zählt die Steigerung der Attraktivität der dualen Ausbildung vor allem für die wenig nachgefragten Berufe zu den zentralen Aufgaben der regionalen Bildungsförderungsgesellschaft Lippe Bildung eG, die 2008 gegründet wurde und seit 2010 Träger der Kommunalen Koordinierungsstelle Schule – Beruf (Schu.B) ist.
Seit 2013 setzt Schu.B das Landesvorhaben „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) im Kreis Lippe um und entwickelt darüber hinaus flankierende Angebote zur Berufsorientierung, um möglichst allen Schülerinnen und Schülern im Kreis Lippe einen gelingenden Übergang von der Schule in eine Ausbildung oder in ein Studium zu ermöglichen.

Die konzertierte Aktion, Jugendlichen eine gute berufliche Zukunft zu ermöglichen, geht im Kreis Lippe bis ins Jahr 2005 zurück. Damals schlossen Agentur für Arbeit, Jobcenter, Kammern und andere Akteure des Arbeitsmarkts eine Kooperationsvereinbarung, um ihre Aktivitäten auf dem Ausbildungssektor besser miteinander abzustimmen. Auf dieser Grundlage entstand der Fachausschuss Schule – Beruf als Steuerungsgremium für die Koordinierungsstelle, die im Kreis Lippe schon 2006 gegründet wurde.

„Nachdem Schu.B im Rahmen der Bundesinitiative Lernen vor Ort an die Lippe Bildung e. G. übertragen wurde, haben wir für unsere Arbeit neue Strukturen und Themen entwickelt“, sagt Dirk Menzel, der die Kommunale Koordinierungsstelle leitet.

Traditionelles Berufswahlverhalten auf dem Prüfstand
 

Im Fokus stand die Frage, wie sich das sehr beständige Berufswahlverhalten der Schulabgängerinnen und -abgänger positiv beeinflussen lässt. „Jedes Jahr bleiben im Kreis Lippe viele Ausbildungsplätze unbesetzt, obwohl es rechnerisch mehr Bewerber als Stellenangebote gibt. Eine sehr große Zahl der Jugendlichen konzentriert sich auf nur wenige Berufe, während für andere Lehrstellen Interessenten fehlen. Auch deshalb bleiben viele Schülerinnen und Schüler ohne Ausbildungsplatz“, bringt Markus Rempe, Vorstandsvorsitzender der Lippe Bildung eG und Leiter des Fachdienstes Bildung beim Kreis Lippe, die Problematik auf den Punkt.

Ausbildungsberufe wie der Kfz-Mechatroniker oder die Kauffrau für Büromanagement stehen in der Gunst der Jugendlichen seit jeher ganz weit oben. Doch auch die eher verschmähten Berufe sind oft spannender als ihr Image. So holt der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (der frühere Klempner) schon lange nicht mehr nur Windeln aus der Toilette. „Im Zeitalter der Digitalisierung arbeitet er zunehmend mit moderner Haustechnik, die es zum Beispiel den Kunden auf der Dienstreise oder im Urlaub ermöglicht, per Tablet oder Smartphone die Heizung daheim zu regulieren“, erklärt Dirk Menzel.

Deshalb wurde die Arbeitsgemeinschaft Berufswahlverhalten ins Leben gerufen, die verschiedenste Fragen auf den Prüfstand stellte: Ist die duale Ausbildung attraktiv? Warum sind bestimmte Berufe nicht interessant genug? Gibt es Mobilitätsprobleme, die den Nachwuchs von der Wahl eines schlecht erreichbaren Ausbildungsplatzes abhalten?

Die Recherche des Gremiums ergab als wichtigste Erkenntnisse, dass verschiedene Berufsbilder nicht bekannt genug sind oder – wie der Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik – einen eher abschreckenden Namen tragen.

Auch die Bedeutung des Praktikums wird von vielen, vor allem kleineren Unternehmen unterschätzt. Sie haben oft kein Konzept, wie sie Jugendliche begeistern und für eine spätere Ausbildung motivieren können. Deshalb hat die Lippe Bildung eG als Hilfestellung einen Praktikumsleitfaden entwickelt, gewissermaßen als Knigge für Unternehmer und Jugendliche.

Die Kernfrage: Studium oder Ausbildung
 

Eine große Herausforderung stellt der anhaltende Trend zum höchstmöglichen Bildungsabschluss dar. Seit Jahrzehnten werden in der Gesellschaft die Vorzüge eines Studiums kommuniziert. Die aktuelle Generation der Erwachsenen trägt diese Einstellung an die Kinder weiter. In der Folge bemühen sich Jugendliche vermehrt um die Erlangung der Hochschulreife und sehen eine duale Ausbildung nicht unbedingt als erste Wahl. Hier steuernd einzuwirken ist schwierig. „Die Eltern sind dabei unsere wichtigsten Ansprechpartner“, sagt Menzel, „wir versuchen, sie auf Eltern­abenden und in persönlichen Gesprächen umfassend darüber zu informieren, dass man auch ohne einen akademischen Abschluss Karriere machen kann.“

Eine Änderung des Trends wird laut Menzel aber lange dauern. „Es ist utopisch zu glauben, dass es uns gelingt, innerhalb weniger Jahre einen grundlegenden Umschwung zu einer gleichberechtigten Anerkennung von Studium und Ausbildung bei Eltern und Jugendlichen zu erreichen“, sagt Menzel.

fanta3 – Drei Branchen mit Zukunft
 

Kurz- und mittelfristige Erfolge müssen deshalb auf anderen Wegen erzielt werden. Zum Beispiel mit der seit 2011 forcierten Initiative fanta3, die zunächst das Ziel hatte, drei „fantastische Berufe mit Zukunft“ für den Kreis Lippe nach vorne zu bringen. Dazu zählten die schon genannten Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kaut­schuktechnik ebenso wie die Fachkraft für Lagerlogistik. „Der Erfolg war beeindruckend“, sagt Menzel, „innerhalb kürzester Zeit konnten wir zwei neue Berufsschulklassen füllen.“

Das zunächst für zwei Jahre angelegte Programm wurde fortgeführt und modifiziert. Inzwischen wurde fanta3 von den ursprünglich drei Berufen auf die drei Branchen Elektro, Dienstleistung und Metall erweitert. Damit werden deutlich mehr Berufe beworben, was den Akteuren eine größere Handlungsfähigkeit ermöglicht.

„Mit fanta3 zeigen Schu.B, Agentur für Arbeit, Handwerkskammer OWL, IHK Lippe und weitere relevante Akteure im Bildungs-, Ausbildungs- und Beschäftigungssystem durch enge Kooperation und Vernetzung den Jugendlichen eine Vielzahl von Chancen und Perspektiven auf, mit denen sie den Grundstein für eine berufliche Zukunft im Kreis Lippe legen können“, sagt Markus Rempe. „In diesen Branchen gibt es für die Auszubildenden eine deutlich erhöhte Chance auf eine Weiterbeschäftigung in der heimischen Wirtschaft. Den Unternehmen hilft fanta3 angesichts der sinkenden Zahl von Schulabgängern bei der Nachwuchssicherung“, so Rempe weiter.

Face-to-Face-Kommunikation statt sozialer Medien
 

Die Verantwortlichen kommunizieren mit den Jugendlichen nicht nur über einen Kanal, sondern sprechen gezielt Personen an, die auf dem Weg zur Berufswahl wichtig sind. Dazu zählen neben den Eltern auch Lehrer und Gleichaltrige. „Wichtig ist für uns die Face-to-Face-Kommunikation“, sagt Dirk Menzel, „wir haben nach einer Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (MPFS) zunächst Abstand davon genommen, soziale Medien zu nutzen.“

Der MPFS hat in seiner Untersuchung über die Mediennutzung von 12- bis 19-Jährigen im Jahr 2016 festgestellt, dass zwar etwa 41 Prozent der jungen Leute das Internet zur Kommunikation nutzen, aber nur etwa 11 Prozent von ihnen zur Informationssuche. Zudem werden die verschiedenen Angebote wie Facebook, Instagram und Youtube von Jungen und Mädchen unterschiedlichen Alters in unterschiedlicher Weise genutzt. „Damit ergibt sich ein außerordentlich heterogenes Bild der Nutzung sozialer Medien durch eine ebenso heterogene Gruppe junger Menschen“, sagt Dirk Menzel und erklärt: „Um erfolgreich zu sein, müssten wir darauf mit alters-, geschlechts-, status- und endgerätespezifischen Angeboten reagieren. Dies angemessen umzusetzen, ist eine große Herausforderung. „Hinzu kommen laut Menzel pädagogische Überlegungen, nach denen Jugendliche in bestimmten Umgebungen, zu denen auch die virtuellen Räume sozialer Medien gehören, nicht unbedingt Angebote von Erwachsenen erhalten möchten.

Angesichts der zunehmenden Digitalisierung nimmt Schu.B. jedoch die Nutzung von sozialen Medien für die Zukunft in den Blick. „Die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Umsetzung muss dafür aber gegeben sein“, sagt Menzel.

Erfolgreiche Berufsorientierungstouren
 

Sehr erfolgreich sind im Kreis Lippe die Berufsorientierungstouren für Lehrkräfte, Berufsberater und Fachkräfte der Berufsvorbereitung. Eine Tour umfasst einen Schultag und führt eine Gruppe mit bis zu 25 Personen in zwei bis drei Ausbildungsbetriebe. Dahinter steckt die Idee, Ausbildungsberufe und Ausbildungsbetriebe praxisnah zu erleben und sich gleichzeitig zu vernetzen. „Viele Lehrerinnen und Lehrer an weiterführenden allgemeinbildenden Schulen haben keine Berufsausbildung absolviert“, erklärt Dirk Menzel den Sinn der Orientierungstouren, die zugleich eine ausgezeichnete Werbung für die verschiedenen Berufsbilder sind.

KungFu – Kunststoff goes Future
 

Die Berufsorientierungstouren sind meis­tens ausgebucht, was auch an spannenden Themen wie „Kunststoff goes Future“, kurz KungFu genannt, liegt. KungFu steht für ein innovatives Projekt der Lippe Bildung eG, das durch das bundesweite Ausbildungsstrukturprogramm JOBSTARTER plus gefördert wird und seit Juli 2017 der herausragenden Bedeutung der regionalen Kunststoffindustrie mit mehr als 500 Unternehmen Rechnung trägt.

Auf der „KungFu-Tour“ stand neben der Präsentation von Ausbildungsberufen in einem kleineren und einem größeren Unternehmen der Besuch des Instituts für Kunststoffwirtschaft (ikuowl) in Lemgo im Blickpunkt. Als nachfrageorientiertes Dienstleistungszentrum hält das ikuowl Angebote zur Aus- und Weiterbildung vom Verfahrensmechaniker über den Meister und Techniker bis zum Ingenieur bereit. Berufskollegs, die Hochschule Ostwestfalen-Lippe und die Wirtschaft nutzen durch eine enge Kooperation Synergie-Effekte und bieten ein kunststoffspezifisches Netzwerk für die gesamte Region.

Das ikuowl ergänzt als überbetriebliches Ausbildungselement das duale Ausbildungssystem. Die meisten Auszubildenden bereiten sich hier auf ihre Prüfung vor und erzielen so bessere Noten. Der Einsatz zahlt sich auch für die Firmen aus, deren Bedarf an Fachkräften groß ist.

KungFu wurde ins Leben gerufen, damit die Ausbildung zukunftsfähig bleibt und mit den Veränderungen im Zeitalter der Digitalisierung und Industrie 4.0 mithalten kann. „Unser Ziel ist es, die Ausbildungsstrukturen in der Branche zu stärken und die Unternehmen bei der Ausbildung zu unterstützen“, sagt Projektleiter Achim Gerling.

Im Rahmen von KungFu werden sieben Berufsbilder gefördert: Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik, Werkzeugmechaniker, Industriemechaniker, Maschinen- und Anlagenführer, Mechatroniker, Industriekaufleute und die Fachkraft für Lagerlogistik.

Selbstverteidigung gegen Fachkräftemangel
 

KungFu dient im wahrsten Sinne des Wortes zur Selbstverteidigung der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gegen den Fachkräftemangel. Das Projekt sensibilisiert die Betriebe der Kunststoffwirtschaft für die Auswirkungen der digitalen Transformation auf Aus- und Weiterbildungsaktivitäten, sorgt für fachliche Informationen und aktiviert die Unternehmen mit passgenauen und leicht zugänglichen Angeboten, die auf der Grundlage einer umfassenden Bedarfserhebung für Auszubildende und Ausbilder entwickelt, erprobt und verbreitet werden.
„Wir erstellen in Abstimmung mit vielen Kooperationspartnern eine Übersicht von Veränderungsbedarfen für ausgewählte Ausbildungsberufe“, erklärt Achim Gerling. Dabei wird neben inhaltlichen Fragestellungen auch thematisiert, welche methodischen Veränderungen der Ausbildung im Betrieb wie im Berufskolleg nötig sind und welche Möglichkeiten es gibt, junge Leute für eine Ausbildung zu begeistern und letztendlich auch zu gewinnen.

KungFu leistet neben einer Lotsenfunktion für Unternehmen auch einen niedrigschwelligen Zugang zu einer gemeinsamen Diskussion, Entwicklung und Umsetzung der Berufsbildung 4.0 – vor allem vor dem Hintergrund, dass die Umsetzung der rasanten technischen Entwicklung nur durch ausreichend qualifiziertes Personal zu leisten ist.

Hinzu kommt der starke Konkurrenzkampf um Auszubildende mit anderen Branchen. „Die artverwandte Metall- und Elektroindustrie verfügt über sehr gute Marketinginstrumente, die dem Kunststoffsektor zum Teil noch fehlen. Das versuchen wir gerade zu verbessern“, sagt Gerling.

Spannendes Projekt Lernfabrik 4.0
 

Ein spannendes Projekt ist die Lernfabrik Lippe 4.0, eines der Leitprojekte im Zukunftskonzept 2025 des Kreises Lippe. Hier soll unter enger Einbindung der Berufskollegs ein Erfahrungs-, Vermittlungs- und Experimentierraum für die Anforderungen und Auswirkungen der digitalen Transformation aufgebaut werden. Die Berufskollegs und ergänzend das zdi-Zentrum Lippe.MINT werden schrittweise Projekte von der Berufsorientierung bis zur beruflichen Aus-, Fort- und Weiterbildung planen, sie in konkreten Vorhaben kooperativ umsetzen und laufend weiterentwickeln. Im Handwerksbildungszentrum des Innovation Campus Lemgo nutzt KungFu die entstehende cyberphysikalische Fabrik, in der alle Digitalisierungs-Module abgebildet werden, für die zeitgemäße Präsentation der Kunststoffberufe.

Höheres Anforderungsniveau durch Digitalisierung?
 

Der technische Fortschritt stellt auch an klassische Berufe neue Anforderungen. Erfordert die Digitalisierung damit auch eine höhere Qualifikation der Auszubildenden? „Eine solche Tendenz erkennen wir für KungFu bei den KMU noch nicht“, sagt Achim Gerling. „Expertengruppen mit Vertretern der IHK, der Gewerkschaften und der Betriebe beobachten seitens der Betriebe ein eher konservatives Verhalten“, so Gerling weiter. Dementgegen stehen hohe Ansprüche von Unternehmen, die im gewerblich-technischen Bereich von Ausbildungsbewerberinnen und bewerbern nicht selten Abitur verlangen. „Betriebe, die Nachwuchskräfte suchen, die nach ihrer Ausbildung im Unternehmen bleiben, sollten eher auf Haupt- und Realschülerinnen und -schüler oder auf Personal aus Projekten zurückgreifen, in denen Arbeitskräfte aktiviert werden“, sagt Achim Gerling und ergänzt: „Hohe Anforderungen an Bewerber wecken Erwartungen an die Ausbildung, denen kleinere Betriebe oft nicht gerecht werden können.“

Bei größeren Unternehmen ist dagegen zunehmend zu beobachten, dass Auszubildende mehr Freiheit für Kreativität erhalten und zum Beispiel Webshops für Ersatzteile konstruieren. „Wenn die Jugendlichen bei ihrer Arbeit konstruktiv begleitet werden, kann die Digitalisierung bestimmte Ausbildungsberufe deutlich attraktiver machen“, sagt Gerling.

Ausbildungsbotschafter – Kommunikation auf Augenhöhe
 

Wer könnte die Vorzüge eines Ausbildungsberufs besser kommunizieren als die Jugendlichen selbst? An dieser Stelle kommen die Ausbildungsbotschafter ins Spiel, die in Lippe seit 2011 in den Schulen unterwegs sind. „Wir stellen den Jugendlichen Jugendliche gegenüber, mit denen sie auf Augenhöhe diskutieren“, sagt Dirk Menzel.

Engagierte, für ihre Aufgabe geschulte Auszubildende präsentieren den Schülerinnen und Schülern ihren Beruf und bieten Informationen „aus erster Hand“. Die Azubis berichten über Voraussetzungen und fachliche Aspekte des Berufs und über ihren Ausbildungsbetrieb. „Besonders spannend sind für die Schülerinnen und Schüler immer wieder die individuellen Geschichten, wie die Auszubildenden zum passenden Beruf und der aktuellen Stelle gefunden haben“, weiß Dirk Menzel.

Bislang haben im Kreis Lippe 166 geschulte Ausbildungsbotschafter von mehr als 40 Unternehmen in 27 Ausbildungsberufen über 2.800 Schülerinnen und Schüler erreicht. Aktuell gibt es den Ausbildungsbotschafter auch noch als landesweites Projekt, dessen Förderung voraussichtlich Ende 2018 ausläuft.

Im Kreis Lippe sind Ausbildungsbotschafter schon lange unterwegs, bevor sie auf Landesebene eingeführt wurden. „Schu.B hat dafür keine Fördermittel erhalten. Außerdem bemühen wir uns, unsere Angebote so zu gestalten, dass sie nach dem Ende einer Förderung weitergeführt werden können. Anders ist Nachhaltigkeit nicht zu erreichen“, sagt Menzel. In Lippe hat man sich dafür entschieden, die erfolgreiche Initiative wie bisher weiterzuführen.

Die Kosten für die Ausbildungsbotschafter werden aus Mitteln gedeckt, die der Kreis Lippe zur Verfügung stellt, um den Übergang von der Schule in den Beruf zu gestalten. Schu.B ist für die Koordination und die Schulung der Ausbildungsbotschafter verantwortlich. Die beteiligten Unternehmen investieren in Personalkosten, da die Auszubildenden die zusätzliche Aufgabe in ihrer Arbeitszeit wahrnehmen.

Den Organisatoren kommt zugute, dass sie auf ein seit Jahren bestehendes und stetig gewachsenes Netzwerk zurückgreifen können. „Die Jugendlichen begleiten uns auch auf Ausbildungsmessen und Azubibörsen“, nennt Menzel einen weiteren Vorzug des Projekts.

Konzertierte Aktion unter dem Dach von KAoA
 

Auch für die Zukunft setzt Menzel auf die Zusammenarbeit aller relevanten Akteure der regionalen Wirtschaft, um die Attraktivität der dualen Ausbildung im Kreis Lippe nachhaltig zu steigern. Dazu könnten auch bessere Weiterbildungsmöglichkeiten und der Erwerb von Zusatzqualifikationen beitragen. „Noch nicht alle Betriebe haben begriffen, dass sie um den Nachwuchs aktiv werben müssen. Der Fachkräftemangel wird aber schmerzhaft werden und die Einstellung einiger Unternehmen ändern“, sagt Menzel.

Die räumlichen Voraussetzungen für die Arbeit der Lippe Bildung eG sind gut. Seit 2016 arbeiten im Informations- und Beratungszentrum „An.Schu.B“ auf der Lemgoer Bildungsmeile und somit in direkter Nachbarschaft zum Hanse- und Lüttfeld-Berufskolleg Fachkräfte verschiedener Institutionen und Einrichtungen zusammen, um die Jugendlichen bei allgemeinen Fragestellungen zu beraten und sie auf dem Weg in das Berufsleben zu unterstützen und zu begleiten.

Das Landesvorhaben KAoA gilt symbolisch als einendes Dach, unter dem man sich bemüht, die Jugendlichen in Ausbildung zu bringen. „Dank KAoA erhalten Schülerinnen und Schüler gute Angebote. Dieses Portfolio werden wir auch weiterhin mit eigenen Initiativen ergänzen“, sagt Menzel, der einen großen Vorteil darin sieht, dass die Kommunale Koordinierungsstelle in Lippe in einer Genossenschaft angesiedelt ist. „Diese Rechtsform gibt uns die Möglichkeit, abseits von den Rahmenbedingungen einer Verwaltung zu agieren. Das erweitert unseren Handlungsspielraum erheblich“, sagt Menzel.

Ansprechpartner in der G.I.B.

Albert Schepers
Tel.: 02041 767255
a.schepers@gib.nrw.de

Kontakte

Achim Gerling
Leitung KungFu OWL
Tel.: 05261 2888680
gerling@lippe-bildung.de

Dirk Menzel
Leitung Schu.B
Tel.: 05261 2889569
menzel@lippe-bildung.de

Autor

Andreas Düppe
Tel.: 0171 8309531
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