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(Heft 4/2018)
Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

„Erst mal was Ordentliches lernen!“ Noch immer entscheiden sich viele Jugendliche nach ihrem Schulabschluss für eine duale Berufsausbildung – aus gutem Grund: Die berufliche Bildung in Deutschland folgt dem Berufsprinzip, das jungen Menschen nach einer Ausbildung in bundeseinheitlichen Ausbildungsberufen erlaubt, als Fachkräfte eine Vielzahl von konkreten beruflichen Tätigkeiten wahrzunehmen. Das ist nur einer von vielen Gründen, warum die duale Berufsausbildung national wie international hohe Anerkennung findet. Dennoch steigt seit Jahren unter den Jugendlichen der Trend in Richtung Studium – mit herausfordernden Folgen für die Fachkräftesicherung in den Betrieben. Deshalb ist ein zentrales Anliegen der Landesregierung, die Attraktivität der dualen Berufsausbildung zu erhöhen.

Wir als G.I.B. haben uns in mehreren Regionen Nordrhein-Westfalens genauer umgesehen und Gespräche geführt, um herauszufinden, was unternommen wird, um mehr Jugendliche für eine duale Ausbildung zu gewinnen. Es zeigt sich beispielsweise, dass die Möglichkeit von Auslandsaufenthalten während der Ausbildungszeit in den Augen Jugendlicher ein Attraktivitätsfaktor ist. Tanja Nackmayr vom Verband „unternehmer nrw“ zeigt sich im Gespräch mit uns überzeugt, dass die Digitalisierung „eine große Chance“ bietet, die Attraktivität der dualen Ausbildung weiter zu steigern.

Inspirierend das Vorgehen im Kreis Lippe. Hier haben sich die regional verantwortlichen Akteure bei ihrem Bestreben, mehr junge Menschen für die Berufsausbildung zu gewinnen, zunächst auf drei Berufe konzentriert: Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik sowie Fachkraft für Lagerlogistik. Aufgrund des großen Erfolgs wurde das Konzept mittlerweile um drei Branchen erweitert.

Als wirkungsvoll erwiesen haben sich bei der Fachkräftenachwuchssicherung das von Minister Karl-Josef Laumann vor zehn Jahren in Nordrhein-Westfalen aufgelegte Programm „Teilzeitberufsausbildung – Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen“, kurz TEP, sowie die von den Handwerkskammern in Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit dem Westdeutschen Handwerkskammertag eingerichtete Fachstelle für Studienaussteiger unter dem Motto „Vom Studienaussteiger zum Meisterschüler“. Nicht minder erfolgreich ist eine Ausbildungskampagne für Bottrop: „Ausbildung sichtbar machen“. Hier bieten KAoA-Netzwerkpartner ausbildenden Betrieben eine Plattform, auf der sie positiv auf sich aufmerksam machen können – darunter die G.I.B., die auch seit vielen Jahren als Ausbilderin agiert.

Über Passungsprobleme als aktuelle Herausforderung auf dem Ausbildungsmarkt sprachen wir mit Dr. Mona Granato und Dr. Joachim Gerd Ulrich vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), und mit Birgit Beierling vom Paritätischen Gesamtverband diskutierten wir über ihr „Plädoyer für eine genderbewusste Ausbildungsförderung“.

Eng verknüpft mit dem Thema „Ausbildung“ ist die berufliche Weiterbildung. Um sie ging es bei einer von der Regionalagentur Bergisches Städtedreieck organisierten Veranstaltung anlässlich des Deutschen Weiterbildungstags. Christina Ramb, Leiterin der Abteilung Arbeit und Qualifizierung im MAGS NRW, brachte hier eine klare Maxime zum Ausdruck: „Alle müssen ihre Fähigkeiten optimal entwickeln können!“

„Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von heute auf die Arbeit von morgen vorzubereiten“, das ist auch das Ziel des Qualifizierungschancengesetzes. Wir sprachen darüber mit Hubertus Heil, dem Bundesminister für Arbeit und Soziales. NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann sieht das Qualifizierungschancengesetz als „Baustein der Fachkräftesicherungsstrategie“. In seinem Namensartikel im G.I.B.-Info verspricht er: „Hier werden wir uns als Land aktiv einbringen.“

Wie kreativ die arbeitsmarktpolitischen Akteure in Nordrhein-Westfalen sind, zeigen in diesem G.I.B.-Info unter anderem Beiträge über die Integration langzeitarbeitsloser Menschen im Denkmalpflege-Werkhof e. V. in Steinfurt und über die betriebliche Gesundheitsförderung als produktivitätssteigernden Faktor im Recycling-Unternehmen Knepper aus Lippstadt. Nicht minder kreativ sind übrigens die Jobcenter. Davon zeugen das Berufsorientierungsformat im U25-Bereich des Kölner Jobcenters sowie das Konzept des Jobcenters Rhein-Berg, das innovative Formen der Ansprache von Leistungsberechtigten, eine präventive Gesundheitsförderung sowie die Kooperation mit Partnern in den Sozialräumen mit der Einbindung der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Projektentwicklung verknüpft.

Ich wünsche Ihnen viel Freude und interessante Anregungen bei der Lektüre der letzten Ausgabe des G.I.B.-Infos für dieses Jahr!

 

Karl-Heinz Hagedorn

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