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(Heft 4/2018)
Der Steinfurter Denkmalpflege-Werkhof kombiniert Denkmalpflege und Integration langzeitarbeitsloser Menschen

Arbeit, die sich lohnt

Als der Denkmalpflege-Werkhof in Steinfurt 1989 aus der Taufe gehoben wurde, bestand sein Ziel darin, historische Baumaterialien, die bei Abbrüchen anfallen, zu sammeln und sie für die Renovierung denkmalgeschützter Gebäude zur Verfügung zu stellen. Mitte der 1990er Jahre wurden auf dem Hof dann die ersten Beschäftigungsmöglichkeiten für langzeitarbeitslose Menschen geschaffen mit dem Ziel, sie in Arbeit zu integrieren. Die Kombination aus denkmalpflegerischer Arbeit und der Arbeitsmarktintegration stellte sich schnell als erfolgreich heraus. Heute haben Denkmalpflege und die Integration Langzeitarbeitsloser auf dem Denkmalpflege-Werkhof den gleichen Stellenwert.

Alles begann mit der Restaurierung der alten Hollicher Windmühle östlich von Burgsteinfurt zwischen 1985 und 1988. Dabei wurde deutlich, dass es an alten Baustoffen, die für solch eine Restaurierung dringend benötigt werden, mangelte und es auch bei anderen Projekten in der Region eine große Nachfrage nach diesen Baustoffen gab. Im Jahr 1989 gründete sich daraufhin der Denkmalpflege-Bauhof e. V., heute Denkmalpflege-Werkhof e. V. Sein Ziel: historische Baumaterialien, die für die Renovierung und Instandsetzung denkmalgeschützter Gebäude benötigt werden, sammeln und aufbereiten. Ein geeigneter Platz war 1991 gefunden: In der Nähe der Hollicher Windmühle erwarb die Nordrhein-Westfalen-Stiftung den bis dahin landwirtschaftlich genutzten Hof Overesch und stellte ihn dem Trägerverein zur Verfügung. Der renovierte den Hof und baute ihn zu einem Bauhof für historische Baumaterialien um und aus.

Heute bietet der Denkmalpflege-Werkhof vielfältige Leistungen im Bereich Sammlung, Aufbereitung und Wiederverwertung alter Baumaterialien und im Bereich Landschaftspflege an. „Wir haben uns als verlässlicher Partner der Bau-, Denkmal- und Umweltbehörden etabliert“, sagt Geschäftsführer Rainer Brömmelhaus.

Und auch als Partner der Arbeitsverwaltung. Denn der Denkmalpflege Werkhof erfüllt diese Leistungen im Wesentlichen mit langzeitarbeitslosen Menschen, die im Rahmen der Beschäftigung stabilisiert, qualifiziert und an den ersten Arbeitsmarkt herangeführt werden. Im Leitbild des Denkmalpflege-Werkhofs heißt es: „Wir sehen in Arbeit und Beschäftigung einen zentralen Ansatz für die Entwicklung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Unser Ziel ist es, die Teilnehmenden wieder an Arbeit zu gewöhnen, notwendige Arbeitstugenden zu fördern, die Leistungsbereitschaft zu steigern und realistische Zielsetzungen in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit und die Erfordernisse des Arbeitsmarktes zu erarbeiten.“

Insgesamt bietet der Denkmalpflege-Werkhof zurzeit 44 Plätze für Arbeitsgelegenheiten (AGH) an, darunter bis zu acht Plätze für anerkannte Flüchtlinge, sowie zehn bis elf Plätze im Rahmen des Kombilohn-Modells „Ardilo“.

Elf festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter sozialpädagogische Kräfte, Werkanleiter und Verwaltungskräfte, kümmern sich um die Teilnehmenden, die vom Jobcenter des Kreises Steinfurt AöR zugewiesen werden. Der Haupteinzugsbereich des Denkmalpflege-Werkhofs liegt im Bereich der Städte Steinfurt, Rheine, Emsdetten und Greven. Die Finanzierung der Arbeit übernimmt zu rund zwei Dritteln der Kreis Steinfurt, rund ein Drittel erwirtschaftet der Denkmalpflege-Werkhof selbst.

„Die Organisation für die AGH-Stellen fängt in aller Regel damit an, dass wir die Teilnehmenden mit unserem Shuttle-Dienst abholen müssen“, sagt Rainer Brömmelhaus, „sofern sie nicht in direkter Nähe wohnen und etwa mit dem Fahrrad kommen können.“ Denn die meisten Teilnehmenden sind nicht mobil und den Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen wäre in der ländlichen Region einfach zu zeitaufwändig.

Es gehe darum, die Langzeitarbeitslosen aus der „Schmuddelecke“ herauszuholen, um die Vorurteile wie „Die wollen nicht“ zu widerlegen, sagt Claudia Hilbig-Wobbe, die als Sozialarbeiterin auf dem Denkmalpflege-Werkhof für die AGH-Kräfte zuständig ist.

Im Rahmen der AGH wird dieser Ansatz in Gruppen von vier bis fünf Personen umgesetzt. Sie werden von den Anleitern an die Arbeit herangeführt und dort dann qualifiziert – auch bei Kooperationen mit Auftraggebern der freien Wirtschaft. Hier bestehe die Möglichkeit „Stallgeruch“ aufzunehmen, erklärt Claudia Hilbig-Wobbe. „Bei Auftragsarbeiten, zum Beispiel Reinigungsarbeiten in einem regionalen Betrieb, haben die AGHler die Möglichkeit zu erkunden, ob das für sie ein zukünftiger Job und Arbeitgeber sein könnte“. Auch beim Umzug von Unternehmen helfe der Denkmalpflege-Werkhof zum Beispiel mit logistischen Leistungen und setze dabei AGH-Teilnehmende ein, ebenso bei Hausmeistertätigkeiten an Schulen.

Aber auch die Arbeitsmöglichkeiten auf dem Denkmalpflege-Werkhof selbst sind vielfältig. Längst geht es nicht mehr nur um Arbeiten, die mit Denkmalpflege zu tun haben. So werden etwa aus beschädigten Paletten, die von Partnerunternehmen angeliefert werden, unter Anleitung eines Meisters oder Vorarbeiters in kleinen Gruppen Produkte wie Vogelhäuschen, Kis­ten für den Weinversand oder auch Anmachholz hergestellt.

Im Bereich der Grünpflegearbeiten liegt das Augenmerk auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Hier leistet der Denkmalpflege-Werkhof einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der münsterländischen Kulturlandschaft. Nutzung und Pflege gewährleistet deren Fortbestand und sichert den natürlichen Lebensraum heimischer Fauna und Flora. Baumschnitt, Baumscheiben sauber halten, Verbissschutz anbringen gehören in diesem Bereich zu den Tätigkeiten. Aber natürlich ist der Denkmalpflege-Werkhof auch weiterhin im Bereich der Baustoff-Aufbereitung aktiv. So reinigen die AGH-Kräfte zum Beispiel Klinkersteine aus Abbrüchen per Hand oder auch Fliesen. Auch die sachgemäße Lagerung und repräsentative Verpackung gehört zu ihren Aufgaben. Bruchsteine aus alten Gebäudesockeln, Dachpfannen, alte Türen und Beschläge – die Liste der historischen Baumaterialien, die sich auf dem Werkhof finden lassen, ist lang.

Bei möglichen externen Einsätzen tritt der Denkmalpflege-Werkhof als Mittler zwischen Arbeitgeber und Teilnehmer auf. Es geht einerseits darum, die Fähigkeiten des Teilnehmers zu erkennen, andererseits darum, mögliche Nischen des Arbeitsumfeldes beim Arbeitgeber als Beschäftigungsfeld nutzbar zu machen. Der Arbeitgeber gewinnt auf diese Weise einen passgenau vorbereiteten Mitarbeiter. Eventuell zusätzlich notwendige Qualifizierungen wie ein Stapler-Schein werden durch die sozialpädagogische Begleitung organisiert und unter anderem über Bildungsgutscheine finanziert. Weitere Beispiele für Qualifizierungen sind Lehrgänge zum Kettensägeschein, die in Kooperation mit dem Forstamt durchgeführt werden oder Qualifizierungen im Baumschnitt durch den Kreislehrgarten, der ein anerkannter Ausbildungsbetrieb für Gärtnerinnen und Gärtner der Fachrichtung Obstbau ist. Sogar die Finanzierung eines Führerscheins ist möglich. Und auch intern wird qualifiziert. Der Zimmerer-Meister in der Schreinerei bringt den AGH-Kräften zum Beispiel bestimmte schreinerische Fertigkeiten bei, sie werden etwa an Maschinen eingearbeitet. „Das sind keine Trainingsmaßnahmen, die mit denen nach § 45 SGB III vergleichbar sind. Aber wir überlegen, ob wir nicht für eine kleinere Personengruppe sogenannte Eignungs-Feststellungsmaßnahmen anbieten können. In der Schreinerei könnten wir das auf jeden Fall realisieren. Das haben wir schon geklärt“, sagt Rainer Brömmelhaus.

Stabilisierung vor Qualifizierung
 

Allerdings stehen diese Qualifizierungen erst an zweiter Stelle. Zu allererst geht es darum, für die Beschäftigten wieder eine Tagesstruktur zu schaffen, erklärt Claudia Hilbig-Wobbe. In der ersten Phase stehen Themen wie Pünktlichkeit, Motivation, im Team zusammenzuarbeiten im Vordergrund. Dann erst richtet man den Blick auf die Integration in Arbeit. „Dabei denken wir nicht in Berufen, wir denken in Tätigkeiten“, sagt Claudia Hilbig-Wobbe, „und suchen die Nische für die jeweilige Person, die zu ihren Fähigkeiten am besten passt.“ Auch eine eventuelle Sucht-Problematik wird in der ersten Phase angegangen. Die Sozialarbeiterinnen des Denkmalpflege-Werkhofs stellen dann die Verbindung zur Suchtberatung der Caritas her, mit der es ein Kooperations-Abkommen gibt. Außerdem bietet ein Mitarbeiter der Caritas einmal im Monat eine offene Beratung am Werkhof an. Betroffene müssen also nicht unbedingt eine Beratungsstelle aufsuchen, die Beratung kommt zu ihnen. Einen ähnlich engen Kontakt pflegt der Denkmalpflege-Werkhof zu Schuldnerberatungsstellen beim Kreis und in den Städten.

Zum sozialpädagogischen Programm am Werkhof gehört es, die Menschen arbeits-diagnostisch zu beobachten. „Was können die Hände, was kann der Körper, wo sind die persönlichen Grenzen?“, beschreibt Sozialarbeiterin Adrienne Lapointe das Verfahren. „Wenn wir die Menschen behutsam an ihre Grenzen gebracht haben, können wir beobachten und ihnen sagen, wo ihre Stärken liegen und in welcher Richtung es in eine berufliche Tätigkeit gehen könnte. Wenn sich der Teilnehmende das ebenfalls vorstellen kann, fangen wir an, uns um Praktika, Schulungen, Lehrgänge, alle Arten von Unterstützungsleistungen zu kümmern.“ Wenn man die Menschen auf diese Weise dort abhole, wo sie stehen, und ihnen Wertschätzung entgegenbringe, werte man sie mit diesem Engagement auf und motiviere sie dadurch.

Ein weiterer Aspekt, der Motivation erzeuge, sei, dass die Menschen, die im Denkmalpflege-Werkhof arbeiten, mitbekommen, dass ihre Arbeit sinnvoll ist. Die Klinker, die sie gereinigt haben, werden verkauft, das Palettenholz, das sie entnagelt und sortiert haben, wird weiterverarbeitet. Die Holzprodukte gehen in den Verkauf. Es kommen Kunden, die froh sind, dass sie die von den Kräften aufgearbeiteten Produkte hier finden und erwerben können.

Mit Brückenjobs nah am ersten Arbeitsmarkt
 

Neben den AGH-Plätzen stellt der Denkmalpflege-Werkhof als zweite Möglichkeit der Beschäftigung Langzeitarbeitsloser seit 2012 die Arbeit im „Kombilohn“ zur Verfügung. Bei diesem Modell wird die Person befristet sozialversicherungspflichtig eingestellt. Das Gehalt wird nur zu einem Teil durch den Arbeitgeber finanziert, der andere Teil stammt aus einem Lohnkostenzuschuss, den das Jobcenter Kreis Steinfurt zahlt. Je nach Leistungsfähigkeit des Leistungsberechtigten werden Zuschüsse von bis zu 75 Prozent des Arbeitsentgelts gefördert.

Diese Möglichkeit nennt der Werkhof „Ardilo“, Abkürzung für „Arbeit, die sich lohnt“. Aktuell stehen maximal elf Stellen nach diesem Modell zur Verfügung. Im Schnitt werden zehn pro Jahr besetzt. Der zuständige Fallmanager oder Vermittler beim Jobcenter vermittelt Leistungsbeziehende in dieses Projekt, der Denkmalpflege-Werkhof führt ein Vorstellungsgespräch und nimmt die Person bei Eignung in das Projekt auf.

Beim Ardilo-Modell fungiert der Denkmalpflege-Werkhof als Arbeitgeber, der die Kräfte im Rahmen der Förderung von Arbeitsverhältnissen nach § 16e des SGB II für die Dauer von zwölf Monaten sozialversicherungspflichtig beschäftigt – kurzfristig bzw. übergangsweise direkt am Werkhof, anvisiert wird aber ein Einsatz bei regionalen Firmen aus der Industrie und Wirtschaft. „Brückenjobs“ also, weil sie für die Teilnehmenden eine Brücke in den ersten Arbeitsmarkt darstellen können.

Zurzeit arbeiten vier Kräfte direkt am Werkhof, fünf bei Unternehmen der freien Wirtschaft. Die Beschäftigung kann nach dem ersten Jahr um weitere zwölf Monate verlängert werden. „In dieser Zeit müssen die Personen in Arbeit integriert werden, ansonsten fallen sie in den SGB II-Leistungsbezug zurück“, so Rainer Brömmelhaus. „Deshalb liegt der Fokus in der letzten Phase der Beschäftigung definitiv auf Zeitarbeit oder Praktika in Wirtschaftsunternehmen, damit man diese Menschen auch wirklich in Arbeit und Brot bringen kann.“

Zeitarbeit ist möglich, weil der Denkmalpflege-Werkhof eine Konzession zur unbefristeten Arbeitnehmerüberlassung besitzt. Allerdings ist es das erklärte Ziel des Denkmalpflege-Werkhofs, die Kräfte nicht von einem zum anderen Arbeitgeber weiterzureichen, sondern sie sollen wenn möglich bei einem Arbeitgeber bleiben. Das gelinge auch in 90 Prozent der Fälle, so Rainer Brömmelhaus. Die Verträge mit den Unternehmen sind dementsprechend gestaltet. Sie beziehen sich nur auf die jeweilige Kraft. Fällt sie, zum Beispiel durch Krankheit, aus, muss der Denkmalpflege-Werkhof als Arbeitnehmerüberlasser nicht automatisch Ersatz stellen. Dafür sind die Kosten für das ausleihende Unternehmen auch geringer als bei der Inanspruchnahme anderer Zeitarbeitsfirmen. Die Ardilo-Kräfte erhalten bei einer Arbeitszeit von 39 Stunden pro Woche und einem Urlaubsanspruch von 24 Werktagen monatlich einen Lohn nach Tarifvertrag IGZ des DGB. Nach Ablauf von neun Monaten erfolgt die Anpassung an den Facharbeiterlohn (Equal Pay).

„Dass die Ardilo-Kräfte entlohnt werden, ist ein ganz wichtiger Punkt“, sagt Claudia Hilbig-Wobbe. „Sie haben dadurch nicht mehr das Gefühl des Mangels: ich arbeite und komme trotzdem nicht weiter, habe wenig Geld, bleibe in der Grundsicherung.“

Zunächst werden die Ardilo-Kräfte bei den Kooperationspartnern für wechselnde Helfertätigkeiten zur Entlastung des Betriebsablaufes eingesetzt. Vorteile für die Unternehmen: Sie können einen Mitarbeiter kennenlernen und beschäftigen, ohne das unternehmerische Risiko in Bezug auf den Arbeitnehmer tragen zu müssen. Sie zahlen keine Sozialversicherungsbeiträge für die Ardilo-Kraft, sondern nur eine Entleihgebühr an den Werkhof, denn sie sind nicht Arbeitgeber. Außerdem profitieren sie davon, dass die Ardilo-Kräfte durch den Denkmalpflege-Werkhof sozialpädagogisch begleitet werden und er auch die verwaltungstechnischen Aufgaben im Zusammenhang mit der Beschäftigung übernimmt. Auch eine Einarbeitung am externen Arbeitsplatz von Menschen mit größerem Unterstützungsbedarf übernimmt der Denkmalpflege-Werkhof. Die Betreuung, die Elemente des systemischen Beratungsansatzes nutzt, wird dann mit der Zeit schrittweise heruntergefahren.

„Wesentliche Grundlage unserer Arbeit ist das Vertrauen der Arbeitgeber und der Teilnehmenden“, stellt Adrienne Lapointe fest. Dazu brauche es eine sehr individuelle Herangehensweise an jeden Einzelfall und eine individuelle Beratung. Diese nehmen auch die Arbeitgeber gern in Anspruch, zum Beispiel, wenn es um die optimale Gestaltung des Arbeitsplatzes geht. Etwa dann, wenn Kräfte mit einer Behinderung wie Gehörlosigkeit eingestellt werden sollen. In diesen Fällen spannt Claudia Hilbig-Wobbe auch ihre ehemaligen Kollegen vom Integrationsfachdienst in die Beratung ein.

Die Ardilo-Kräfte profitieren ebenfalls von dem Modell. Zunächst einmal dadurch, dass die Arbeit in einem Unternehmen des ersten Arbeitsmarktes stattfindet und das selbst verdiente Geld ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl stärkt.

Und es entsteht in den meisten Fällen eine nachhaltige Perspektive: „Der Gedanke der Weiterbeschäftigung steht bei Ardilo immer im Vordergrund“, sagt Rainer Brömmelhaus. „Wir haben eine sehr gute Vermittlungsquote von ca. 80 Prozent auf den ersten Arbeitsmarkt und auch die Vermittlungsquote aus der AGH heraus kann sich mit mindestens 15 Prozent durchaus sehen lassen.“

Ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche Integration in Arbeit mit diesem Modell ist ein 55-Jähriger, „der in Hartz IV ‚untergetaucht‘ war“, so Rainer Brömmelhaus. „Er war aber von der Grundqualifikation unfassbar gut. Gelernter Schweißer. Eine Qualifikation, die am Markt sehr gefragt ist. Der Mann war durch seine lange Arbeitslosigkeit in seiner Persönlichkeit sehr instabil. Aber wir dachten, dass wir ihn über Ardilo mit Zeitarbeit wieder fit für den Arbeitsmarkt machen könnten. Wir haben ihn an einen unserer Kooperationspartner, die Firma SAERTEX GmbH & Co. KG, vermittelt. Dort hat er zunächst nicht als Schweißer arbeiten können, sondern im Bereich von Helfertätigkeiten an Maschinen. Es hat sich aber so gut entwickelt, dass er jetzt gerade übernommen worden ist. Mittlerweile arbeitet er dort auch wieder als Schweißer. Die Erneuerung der entsprechenden Schweißscheine hat gemäß einer Übereinkunft mit uns die Firma SAERTEX übernommen. Der Geschäftsführer ist sehr zufrieden mit seiner neuen Kraft.“ Das Beispiel zeige, dass man verschüttete Fähigkeiten durch längerfristiges Kümmern und gute sozialpädagogische Betreuung wieder hervorholen könne.

Auch bei Kräften, die auf dem Denkmalpflege-Werkhof eingesetzt waren, ist das bereits geschehen. Es gibt Beispiele, von heutigen Mitarbeitern, die eine klassische Karriere im Denkmalpflege-Werkhof gemacht haben. David Hildebrandt zum Beispiel. Über die AGH, Ardilo und einen befristeten Arbeitsvertrag hat sich der gelernte Industriekaufmann eine Festanstellung in der Verwaltung des Denkmalpflege-Werkhofs erarbeitet. „Er ist heute eine absolute Stütze des Werkhofs“, sagt Rainer Brömmelhaus.

Allerdings zeige sich, dass die Langzeitarbeitslosen zunehmend massiv Vermittlungshemmnisse wie Schwerbehinderung, Schulden, Suchterkrankungen aufwiesen, die eine längere Zeit der intensiven Betreuung nötig machten, bis sie extern weitervermittelt werden können, stellt Rainer Brömmelhaus fest. Die notwendige Betreuung werde durch das Personal, das der Denkmalpflege-Werkhof beschäftigt, sichergestellt und sei über die Jahre durch die wachsende Erfahrung und Qualifikation der Mitarbeitenden auch immer besser geworden, so Claudia Hilbig–Wobbe. Sie selbst ist ein gutes Beispiel. Die Sozialarbeiterin kommt ursprünglich aus der Förderung behinderter Menschen, hat zuvor 16 Jahre bei einem Bildungsträger in Rheine gearbeitet und eine Weiterbildung zum Jobcoach absolviert. Diesen Background bringt sie in ihre Arbeit im Denkmalpflege-Werkhof ein.

Gute Vernetzung mit Wirtschaft und Verwaltung
 

Wenn es um die externe Vermittlung geht, macht sich der enge Kontakt, den der Denkmalpflege-Werkhof zu den Arbeitgebern der Region pflegt, positiv bemerkbar. Außerdem sind die 16 Vereinsmitglieder einflussreiche und gut vernetzte Persönlichkeiten, die häufig Aufträge und auch Stellenangebote vermitteln. Dadurch, dass der 1. Vorsitzende des Vereins seit Anbeginn stets entweder der amtierende Landrat oder Kreisdirektor ist, ist die Anbindung an die Kreisverwaltung und auch an die Arbeitsverwaltung eng. Gute, oft persönliche Kontakte zu Unternehmen bringt auch Rainer Brömmelhaus als früherer Geschäftsstellenleiter und Leiter Controlling/Finanzen der Arbeitsagentur mit. „Die persönliche Ansprache der Firmeninhaber macht vieles möglich, was sonst nicht zu erreichen wäre“, sagt er. Sicher spielt dem Denkmalpflege-Werkhof auch die wirtschaftliche Struktur der Region in die Karten. „Es gibt viele mittelständische und kleine Unternehmen, bei denen man schon mal eher einen Fuß in der Tür hat“, sagt Claudia Hilbig-Wobbe.

Zusätzlich sorgt der Werkhof durch seine Präsenz auf vielen Veranstaltungen in der Region, vom Unternehmerfrühstück bis zur Jobmesse, dafür, dass er überall bekannt ist. Ein seit 2016 einmal im Jahr veranstaltetes Hoffest tut ein Übriges.

Neues Standbein
 

Mit der Anpflanzung von 330 Apfelbäumen auf dem angrenzenden Naturschutzgebiet im November 2015 schuf sich der Denkmalpflege-Werkhof gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ein zweites Standbein. Er bewahrt damit nicht nur die alten Apfelsorten der Streuobstwiesen des Kreises Steinfurt, die Verarbeitung der Äpfel zu Trockenobst sorgte auch für zehn neue AGH-Plätze. „Dabei handelt es sich in erster Linie um Arbeitsplätze für langzeitarbeitslose Frauen“, sagt Claudia Hilbig-Wobbe. „Solche Arbeitsplätze sind in der Region sonst Mangelware.“ Neben den eigenen Äpfeln darf der Denkmalpflege-Werkhof auch 20 bis 30 Hektar Streuobstwiesen der Kommunen abernten, die er im Gegenzug dafür pflegt. Die Trockenobst-Produkte wie Bio-Apfel-Chips und Bio-Apfel-Knusperlis sind in enger Kooperation mit dem Verband Bio­land NRW als Bio-Produkte zertifiziert. Sie werden sowohl auf dem Werkhof direkt als auch über den Bio-Großhandel Naturkost West GmbH vermarktet.

In Kooperation mit dem Amt für Nachhaltigkeit des Kreises Steinfurt übernahm der Denkmalpflege-Werkhof 2015 das Projekt „Münsterland Botschaft“ vom Kreis Steinfurt. Unter diesem Namen vermarktet er eine Zusammenstellung typischer regionaler Produkte. Die verschiedensten Münsterländer Spezialitäten werden in einer kreativ gestalteten Box zusammengestellt, die sich als Präsent für verschiedenste Anlässe eignet. Auch in diesem Projekt finden langzeitarbeitslose Menschen eine sinnvolle Beschäftigung.

„Was uns besonders macht ist, dass wir die Menschen in erster Linie zunächst stabilisieren und beschäftigen, sodass sie wieder ein Selbstwertgefühl bekommen“, sagt Rainer Brömmelhaus. Dazu komme, dass der Denkmalpflege-Werkhof über die reine Beschäftigung hinaus verschiedene Möglichkeiten habe, die Menschen weiterzuentwickeln. Sei es über Kooperationsfirmen, die Praktika ermöglichen, oder sei es über die Förderkette AGH – Ardilo und Zeitarbeit, die durch die Konzession des Denkmalpflege-Werkhofs zur Arbeitnehmerüberlassung möglich werde.

Sowohl bei den extern eingesetzten als auch bei den auf dem Denkmalpflege-Werkhof arbeitenden Kräften sei eine hohe Motivation spürbar. „Wenn Sie den Werkhof besichtigen, haben Sie nicht den Eindruck, dass hier überwiegend AGH-Kräfte arbeiten. Selbst Menschen, die schon eine längere ‚Maßnahmen-Karriere‘ hinter sich haben, halten hier durch und sind engagiert“, sagt Rainer Brömmelhaus. Und so habe der Denkmalpflege-Werkhof ein Problem, das sich andere Träger vielleicht wünschen würden: „Die Menschen wollen alle hier bleiben.“

Ansprechpartner in der G.I.B.

Helmut Kleinen
Tel.: 02041 767208
h.kleinen@gib.nrw.de

Dr. Frank Nitzsche
Tel.: 02041 767157
f.nitzsche@gib.nrw.de

Kontakte

Denkmalpflege-Werkhof e. V.
Hollich 145, 48565 Steinfurt
Rainer Brömmelhaus
Tel.: 02551 70291-11
rainer.broemmelhaus@denkmalpflege-werkhof.de

Claudia Hilbig-Wobbe
Tel.: 02551 70291-12
claudia.hilbig-wobbe@denkmalpflege-werkhof.de

Autor

Frank Stefan Krupop
Tel.: 02306 741093
frank_krupop@web.de
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