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(Heft 4/2018)
Weiterbildung in Zeiten der Digitalisierung

„Alle müssen ihre Fähigkeiten optimal entwickeln können!“

Zum Deutschen Weiterbildungstag am 26. September 2018 fanden überall in Deutschland Aktionen statt – auch in Wuppertal. Die Regionalagentur Bergisches Städtedreieck hatte zu einer Veranstaltung eingeladen mit dem Titel „Die Zukunft der Weiterbildung“. Das Thema ist in der politischen Debatte allgegenwärtig. Zu Recht, denn laut „Weiterbildungsatlas 2018“ hat 2015 nur etwa jeder Achte ab 25 Jahren an einer allgemeinen oder beruflichen Weiterbildung teilgenommen. Der niedrige Durchschnittswert wird von der Gruppe der Geringqualifizierten mit einer Quote von knapp sechs Prozent noch klar unterschritten. Jetzt will das BMAS mit dem geplanten Qualifizierungschancengesetz die Förderung von Weiterbildungsmöglichkeiten für Arbeitnehmer und Arbeitslose deutlich ausbauen. Für Karl-Josef Laumann, Arbeitsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, ist das Gesetz „ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“ (siehe auch Seite 90), der jedoch nur erfolgreich sein kann, „wenn das Gesetz von einer nationalen Weiterbildungsstrategie flankiert wird.“

Mit überlauter Stimme kündigte beim Deutschen Weiterbildungstag 2018 im Bergischen Städtedreieck ein „Marktschreier“ jeden neuen Programmpunkt an – Sinnbild für einen überzogenen Hype beim Thema „Weiterbildung in Zeiten der Digitalisierung“ oder überfälliger Weckruf, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen? Christina Ramb jedenfalls sprach sich dafür aus, die Digitalisierung der Arbeitswelt nicht als „Schreckgespenst“, sondern als Chance zu begreifen, aber auch als Herausforderung – für Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und für jeden Einzelnen.

Die Leiterin der Abteilung Arbeit und Qualifizierung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen sieht in Weiterbildung und Qualifizierung den Schlüssel für eine erfolgreiche Gestaltung des digitalen Wandels. Beschäftigten legte sie nahe, sich auf ein lebensbegleitendes Lernen einzustellen. Arbeitgeber ermunterte sie, nicht nur an eine arbeitsplatzbezogene Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu denken, sondern auch strategisch angelegte Weiterbildungsaktivitäten ihrer Beschäftigten zu unterstützen sowie gering Qualifizierte in betriebliche Weiterbildungsplanungen einzubeziehen und zur Teilnahme zu motivieren. Von der Bundesagentur für Arbeit wiederum erwartete sie „passgenaue Qualifizierungsangebote und niederschwellige Zugänge“.

Gerade weil die Digitalisierung Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor große Herausforderungen stellt, hat die Landesregierung jüngst die Fördermittel für den Bildungsscheck NRW deutlich erhöht. Nützlich für Unternehmen und ihre Beschäftigten im Themenfeld Digitalisierung ist auch ein anderes Förderinstrument des Landes: die Potentialberatung: Sie bietet die Chance, die Entwicklung der Arbeitsorganisation und die Kompetenzentwicklung der Beschäftigten im Kontext neuer Technologien zu unterstützen und unter Beteiligung der Beschäftigten konkrete maßgeschneiderte betriebliche Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen.

Verstärkte Berücksichtigung findet die Digitalisierung darüber hinaus bei der Beratung beruflicher Entwicklung, wobei Christina Ramb für eine „lebensbegleitende Berufsberatung“ plädierte, „damit alle ihre Fähigkeiten optimal entwickeln können. Niemand“, ergänzte sie, „darf zurückgelassen werden. Jeder Einzelne wird gebraucht.“

„Globale Transformation“
 

Als „Expertin für globale Transformation“ stellte sich anschließend Dr. Anja C. Wagner vor. Dass sie sich zugleich offen als „Bildungsquerulantin“ etikettierte, ließ eine kritische Sicht auf gegenwärtige Verhältnisse erahnen. Tatsächlich sah sie nicht die Behäbigkeit einzelner Menschen in ihrem Weiterbildungsverhalten als Problem, sondern vielmehr „Institutionen und Infrastruktur“, die eine digitalisierungsangemessene Weiterbildung verhindern oder zumindest hemmen. „Die KMU als Rückgrat der deutschen Wirtschaft schaffen es nicht, den technologischen Quantensprung in Echtzeit umzusetzen“, lautete ihre These. „Das liegt nicht etwa an der holprigen Einführung des Arbeitens 4.0 in den Betrieben, sondern an der fehlenden Bildung 4.0.“ Und weiter: „Die Jobs von morgen entstehen durch das vernetzte Wissen von heute und in den Köpfen von Menschen, die auch vernetzt denken, allein und mit anderen. Dafür braucht es die Bildung 4.0 – und sie wird als die schöpferische Zerstörung des Bestehenden daherkommen.“

Die Disruptionswellen der Digitalisierung, zeigte sich die Sozialwissenschaftlerin überzeugt, kommen immer schneller: „Die Digitalisierung zeichnet sich dabei gegenüber früheren gesellschaftlichen Veränderungen durch eine exponentielle Geschwindigkeit, die Kombination verschiedener technologischer Entwicklungssprünge sowie die grenzen- und institutionenübergreifende Wirkung aus.“ Und: „Wer heute als junger Mensch in den Arbeitsmarkt startet, wird im Lauf seines Lebens siebenmal den Job wechseln müssen, und das wird jedes Mal eine grundlegende, eine komplett neue Veränderung sein.“

Innovationssprünge durch kollaboratives Arbeiten
 

Heute, so die Bildungswissenschaftlerin, sei „das Netz“ das neue Bildungssystem: „Wir leben in einer globalen Netzwerkgesellschaft, alle sind über Internet miteinander verbunden, die allermeisten Menschen nutzen Social Media.“ Gute Voraussetzungen in ihren Augen für „selbst organisiertes, selbstbestimmtes Lernen“ statt standardisierter Weiterbildung.

Von den Unternehmen verlangte sie, „mehr Vertrauen“ in ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu setzen, denn „die kennen ihre Talente am besten.“ Doch ein Top-down-Denken im Handlungsfeld „Weiterbildung“ im Sinne von: Der Chef weiß schon, welche Qualifizierung nötig ist, sei noch allzu weit verbreitet. Eine Umkehrung zu Bottom-up sei überfällig, also Eigenverantwortung statt Paternalismus. Anja C. Wagner: „Die Menschen sind ,change-fähig‘, aber sie brauchen mehr Freiräume, um sich entfalten zu können für eine Weiterbildung am Puls der Zeit.“

Sie verwies auf das Silicon Valley in den USA und auf die Sonderwirtschaftszonen in China. Hier würden „radikale Innovationen“ erzeugt statt der in Deutschland bevorzugten inkrementellen, also der „schrittweisen Innovationen“. Radikale Innovationen aber seien nur da möglich, wo es zur „Verdichtung“ kommt, wo „kollaboratives Arbeiten“ ganz unterschiedlicher Personen und Berufsgruppen stattfindet. Daraus könnten sich ganz zufällig Innovationen ergeben, „doch diese Zufälle“, so Anja C. Wagner, „kann man generieren“. Als beispielhaft nannte sie erste gute Ansätze wie etwa die „Digi Hubs“, die „maker spaces“, die „Bar- und Themencamps“ sowie „vernetzte Bildungsclouds“, die auch in Nordrhein-Westfalen zu finden sind. Gleichzeitig plädierte die Wissenschaftlerin für ein bedingungsloses Lernguthaben für alle Lernwilligen. Das Prinzip: Jede und jeder erhält – bedingungslos – ein gewisses Budget, um sich entsprechend seinen Interessen und Neigungen weiterzubilden. Wie, wo und was – das entscheidet jede Person für sich selbst. „Ein bedingungsloses Lernguthaben“, so Anja C. Wagner, „verschafft allen die Freiheit, die persönliche Life-learn-work-Balance selbst zu organisieren. In ihnen kann sich jeder Lern-Freiwillige neben seiner Arbeit die Lernzeiten selbst gestalten, allein, im Social Learning oder im Learning by Doing.“

Alles und alle im Blick
 

Bei allem Verständnis für das Plädoyer der Referentin, die Freiräume der Individuen bei der Gestaltung ihrer Weiterbildung zu erweitern, ließ Dr. Jens Stuhldreier, Referatsleiter im MAGS NRW, in der abschließenden Podiumsdiskussion keinen Zweifel daran, dass angesichts des überwältigenden Angebotspluralismus bei den Weiterbildungsangeboten eine Orientierung im Rahmen der Weiterbildungsberatung durchaus nützlich sei.

Zugleich erinnerte er an die rund 7,5 Millionen funktionalen Analphabeten in Deutschland. Sie zu motivieren, an Weiterbildungsmaßnahmen teilzunehmen, sei eine wichtige Aufgabe für alle Institutionen und Betriebe. Außerdem wünschte er sich „statt der Formulierung vom lebenslangen Lernen eine sensiblere Wortwahl“, bei der deutlich würde, „dass Lernen auch Spaß machen kann.“

Noch viel zu wenig genutzt wird nach seinen Erkenntnissen das Recht eines jeden auf Bildungsurlaub. Offizielle Statistiken gibt es nicht, doch Experten vermuten, dass nur ein Bruchteil der Beschäftigten von ihrem Recht auf einen Bildungsurlaub Gebrauch macht: entweder weil sie von ihrem Recht nichts wissen oder weil sie Ärger mit ihren Vorgesetzten vermeiden wollen. Bildungsurlaub ist eben auch für die persönliche Weiterentwicklung da. Nordrhein-Westfalen hatte den Bildungsurlaub bereits Anfang der 1980er Jahre eingeführt und damit als eines der ersten Bundesländer das Recht auf Arbeitnehmerweiterbildung gesetzlich verankert. Eine Vielzahl von Bildungseinrichtungen bieten regelmäßig Seminare an, die als Bildungsurlaub buchbar sind.

Doch nicht nur beim Bildungsurlaub sind „Defizite“ zu verzeichnen. Laut „Weiterbildungsatlas 2018“ der Bertelsmann-Stiftung hat 2015 nur etwa jeder Achte ab 25 Jahren an einer allgemeinen oder beruflichen Weiterbildung teilgenommen, bei – gleichermaßen überraschend wie ermahnend – leicht sinkender Tendenz: „Im Jahr 2012 absolvierten 12,6 Prozent aller Menschen über 25 eine allgemeine oder berufliche Weiterbildung, 2015 waren es im Schnitt nur 12,2 Prozent.“

Der niedrige Durchschnittswert wird von der Gruppe der Geringqualifizierten, also Menschen ohne berufsbildenden Abschluss, mit einer Quote von 5,6 Prozent noch klar unterschritten, obwohl sie zumindest theoretisch am stärksten von Fortbildungen profitieren könnten. Auch die Gruppe von Armut bedrohter Menschen – sie verfügen über weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens – nimmt mit einer Quote von 7,7 Prozent nur selten an einer Weiterbildung teil.

Die Beteiligung an Weiterbildungsangeboten ist zudem regional sehr unterschiedlich: Das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt mit 10,7 Prozent klar unter dem Bundesschnitt von 12,2 Prozent.

Wie wichtig es ist, im Kontext von „Weiterbildung in der Digitalisierung“ nicht nur an die innovative Elite unter den Beschäftigten zu denken, unterstrich beim Deutschen Weiterbildungstag in Wuppertal Martin Klebe, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal und Vertreter des Bergischen Fachkräftebündnisses. Er wusste zu berichten, dass die stärkste Wachstumsgruppe im gegenwärtigen Beschäftigungsaufbau in der Region die der ungelernten Kräfte ist. Grund genug für ihn, bei Weiterbildungsangeboten auch an diesen Personenkreis zu denken.

Genau das hat die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen getan, als sie das Projekt „Grundbildung bewegt Unternehmen. Arbeitsorientierte Grundbildung für Beschäftigte in kleinen und mittleren Unternehmen in NRW“ ins Leben rief (siehe nebenstehenden Bericht).

Qualifizierungschancengesetz und eine nationale Weiterbildungsstrategie
 

Nicht nur das Land, auch der Bund ist gefordert. Tatsächlich sieht der Koalitionsvertrag der Regierungsparteien milliardenschwere Zusatzinvestitionen in die Bildung und viele Neuregelungen wie zum Beispiel die Schaffung eines nationalen Bildungsrates vor. Doch Weiterbildungsverbände und -einrichtungen sowie Wissenschaftler und Gewerkschaften weisen auf Mängel und Intransparenz in der Weiterbildung hin, beklagen Strukturdefizite, Regulations- und Kompetenzzersplitterung und fordern, die vielen Zuständigkeiten und Regelungen zu Bildung und Weiterbildung auf Bundesebene in einem Weiterbildungsgesetz, mehr noch: analog dem Sozialgesetzbuch in einem „Bildungsgesetzbuch“ zu systematisieren und zusammenzuführen.

Jetzt möchte die Bundesregierung laut einer Meldung des BMBF durch die Novellierung des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) unter anderem den Bezeichnungswildwuchs beenden und transparente berufliche Fortbildungsstufen schaffen: „In der höherqualifizierenden Berufsbildung soll es künftig die Abschlüsse Berufsspezialist, Berufsbachelor und Berufsmaster geben. Damit möchte das Bundesministerium für Bildung und Forschung auch die Gleichwertigkeit der akademischen und beruflichen Bildung stärken.“

Als „Baustein für eine nationale Weiterbildungsstrategie“ sieht Bundesarbeitsminister Hubertus Heil das geplante Qualifizierungschancengesetz, das die Förderung von Weiterbildungsmöglichkeiten für Arbeitnehmer und Arbeitslose deutlich ausbauen soll, damit die Menschen angesichts des technologischen Wandels ihre Kompetenzen fortentwickeln können. Demnach soll die Weiterbildung von Beschäftigten unabhängig von Ausbildung, Alter und Betriebsgröße ermöglicht und damit verbreitert werden. Auch für Aufstocker, die ihren geringen Lohn mit Hartz IV aufbessern, soll es eine solche Weiterbildungsförderung geben (siehe Interview mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil auf Seite 88 f.).

Nach Ansicht des Bundesrats wird die von der Bundesregierung geplante Weiterbildungsförderung dem hohen Qualifizierungsbedarf der Beschäftigten nicht gerecht. In seiner Stellungnahme zum Entwurf des Qualifizierungschancengesetzes, ist in „BundesratKompakt“ zu lesen, plädiert der Bundesrat dafür, „dass die Förderung bereits nach einem und nicht wie vorgesehen erst nach vier Jahren möglich sein soll. Außerdem spricht er sich dafür aus, dass Beschäftigungsgruppen, die einem erhöhten Risiko von Kündigung oder Arbeitslosigkeit unterliegen, die Förderung erhalten können, ohne dass sich der jeweilige Arbeitgeber beteiligt. Hierzu zählten gering qualifizierte und ältere Beschäftigte, solche in Teilzeit oder Leiharbeit sowie befristet Beschäftigte und Alleinerziehende. Arbeitgeber hätten erfahrungsgemäß wenig Interesse, in sie zu investieren, begründet der Bundesrat seine Forderung.“

Darüber hinaus fordern die Länder „auch eine Ergänzung der Zuschussregelung speziell für Betriebe mit bis zu 500 Beschäftigten und weitere Erleichterungen beim Zugang zum Arbeitslosengeld I, insbesondere auch für Künstler und Kulturschaffende. Außerdem schlagen sie eine neue Entschädigung für Langzeitarbeitslose vor, die an einer abschlussbezogenen beruflichen Weiterbildung teilnehmen. Hiervon versprechen sie sich einen zusätzlichen Motivationsschub für die Begüns­tigten, die Maßnahme zum Abschluss zu bringen.“

Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Karl-Josef Laumann zeigt sich „froh darüber, dass in der Diskussion um die Digitalisierung die berufliche Weiterbildung immer stärker in den Fokus rückt, denn die Unterstützung stetiger Weiterqualifizierung der Beschäftigten – auch im Bereich der digitalen Kompetenzen – ist ein wichtiges Anliegen der Landesregierung.“ Für ihn ist das Qualifizierungschancengesetz nicht zuletzt mit Blick auf die Fachkräftesicherung „ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, doch ein Erfolg kann es nach seiner Ansicht nur werden, „wenn es von einer nationalen Weiterbildungsstrategie flankiert wird“, und er verspricht: „Hier werden wir uns als Land aktiv einbringen.“


Arbeits- und berufsorientierte Grundbildung

Von September 2015 bis Februar 2018 förderte das Arbeitsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen das Projekt „Grundbildung bewegt Unternehmen. Arbeitsorientierte Grundbildung für Beschäftigte in kleinen und mittleren Unternehmen in NRW“, durchgeführt vom Büro für berufliche Bildungsplanung GbR (bbb) in Dortmund in Kooperation mit „Lernende Region – Netzwerk Köln e. V.“.

Das Projekt reagierte auf die Tatsache, dass gering qualifizierte Beschäftigte zu den Verlierern bei der Teilhabe an Weiterbildung zählen. Auch die Personalentwicklung hat diesen Personenkreis bislang nicht ausreichend als wichtige Ressource erkannt und gefördert. Zudem passten die bestehenden Fördermöglichkeiten oft nicht zu den tatsächlichen Bildungsbedarfen und den betrieblichen Rahmenbedingungen.

Rosemarie Klein, Geschäftsführerin bbb, weiß: „Der Bedarf der Wirtschaft an geeigneten Fachkräften nimmt in vielen Bereichen zu. Daher lohnt es sich für Unternehmen, auch die Förderung von Grundkompetenzen bei Geringqualifizierten in den Blick zu nehmen. Von arbeitsorientierten Grundbildungsangeboten profitieren die Unternehmen ebenso wie an- und ungelernte Beschäftigte: Fehler bei der Auftragsbearbeitung oder der Bedienung von Maschinen nehmen ab, Betriebsabläufe und Arbeitsergebnisse verbessern sich, die individuelle Beschäftigungsfähigkeit steigt.“

Arbeitsorientierte Grundbildungsangebote mit ihren neuen Lernformaten wie etwa dem Einzel-Coaching stärken auch in Zeiten der Digitalisierung die beruflichen Handlungskompetenzen von an- und ungelernten Beschäftigten, lassen sich arbeitsplatznah durchführen und orientieren sich inhaltlich an den konkreten Entwicklungsbedarfen der Beschäftigten an ihren jeweiligen Arbeitsplätzen. Die Bedarfe, die in Unternehmen identifiziert und am stärksten nachgefragt wurden, das hat eine Auswertung ergeben, liegen im Bereich der schriftlichen und mündlichen Kommunikation. Ihnen folgen die Schlüsselqualifikationen, die digitalen Kompetenzen und die mathematischen Kompetenzen sowie in kleinem Umfang die finanzielle Grundbildung.

Bemerkenswert ist darüber hinaus ein Angebot im Rahmen des Projekts „GruWe“ an die Pflegebranche: „Den Pflegealltag meistern – Kollegiales Lernen in mehrsprachigen Teams“. „Bislang gibt es kaum Angebote, die Unternehmen bei der Integrationsarbeit unterstützen“, sagen die Initiatoren. „Es ist Sache des jeweiligen Arbeitgebers, inwieweit er Ideen, Zeit und Geld investiert, um ein gemeinsames Lernen und einen Austausch zu ermöglichen. Mit unserem arbeitsorientierten Grundbildungsangebot hat das Projekt GruWe einen ersten Versuch unternommen, diese Lücke zu füllen.“ Als Partnerin wurde ein Pflegedienst aus Köln gewonnen. An 16 Terminen hatten dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gelegenheit, sich über typische Pflegesituationen und -themen auszutauschen. Im Mittelpunkt stand der konkrete Berufsalltag der Teilnehmenden. Sie wollten vor allem ihre sprachliche Kompetenz verbessern, sodass die Themen Deutsch im Pflegealltag, Bearbeitung der Pflegedokumentation oder das Einüben von konkreten Gesprächssituationen – etwa bei Notfällen – schnell auf der Agenda landeten.

Kompetente Trainerinnen und Trainer für die arbeitsorientierte Grundbildung sind im AoG-Netz-NRW zu finden, das sich an interessierte Unternehmen richtet und arbeitsorientierte Grundbildung passgenau und auf spezifische unternehmerische Bedarfe hin anbietet. Die meisten von ihnen haben beim bbb die zertifizierte AoG-Weiterbildung erfolgreich absolviert. Interessierte Unternehmen können über die Internetseite www.aog-netz-nrw.de Kontakt zu ihnen aufnehmen.

Ansprechpartner in der G.I.B.

Andreas Bendig
Tel.: 02041 767206
a.bendig@gib.nrw.de

Dr. Friedhelm Keuken
Tel.: 02041 767272
f.keuken@gib.nrw.de

Kontakt

Regionalagentur Bergisches Städtedreieck c/o Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (BSWG)
Kölner Straße 8
42651 Solingen
Asal Tayouri
Tel.: 0212 88160669
tayouri@bergische-gesellschaft.de

Autor

Paul Pantel
Tel.: 02324 239466
paul.pantel@arcor.de
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