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(Heft 3/2018)
Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

„Die Handwerker kommen!“ Jeder hat diesen Satz schon mal gesagt oder zumindest gehört. Das Können von Handwerkerinnen und Handwerkern ist gefragt, ihr Nutzen im Alltag unumstritten. Das Handwerk ist eine unverzichtbare Säule in unserem Wirtschaftsleben. Es steht – in der Summe – für Meister-Leistung und Qualität. Doch „das“ Handwerk ist ein sehr heterogenes Gebilde – erkennbar allein an seinen 130 Ausbildungsberufen.

Wir haben uns für dieses G.I.B.-Info den „Kosmos Handwerk“ genauer angesehen. Zurzeit, sagt Reiner Nolten, Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT), im Gespräch mit uns, geht es den meisten der 190.000 Handwerksunternehmen mit ihren rund eine Million Beschäftigten allein in Nord­rhein-Westfalen „ausgesprochen gut“. Gleichzeitig aber zählt er die enormen Herausforderungen auf, vor denen das Handwerk in Zeiten der Digitalisierung steht. Da sind vor allem die Fachkräftegewinnung und die Fachkräftebindung zu nennen. Genau diese beiden Themen haben wir ins Zentrum unseres Schwerpunktthemas gestellt.

Wir zeigen an Beispielen aus der Praxis, wie es Handwerksunternehmen gelingt, sich frühzeitig mit der Digitalisierung von Arbeits- und Geschäftsprozessen auseinanderzusetzen, wie sie es mit präventiven Gesundheitsmaßnahmen schaffen, auch ältere Beschäftigte im Unternehmen zu halten, wie sie Menschen mit Behinderung in das Erwerbsleben integrieren, wie sie sich um spezielle Zielgruppen wie Frauen und Zuwanderer bemühen und welche Anstrengungen sie unternehmen, um junge Menschen, auch Abiturientinnen und Abiturienten, für eine duale Ausbildung im Handwerk zu gewinnen.

Ohne lebenslange Weiterbildung, so viel ist klar, können Beschäftigte die steigenden Anforderungen im Zuge der Digitalisierung nicht bewältigen. Aber bis heute, sagt Rolf R. Rehbold, stellvertretender Direktor des Forschungsinstituts für Berufsbildung im Handwerk, im G.I.B.-Interview „gibt es in den meisten Handwerksbetrieben keine strategische Weiterbildungskultur.“ Wichtig ist nach seiner Ansicht, Berufslaufbahnkonzepte zu entwickeln und Karrierewege für alle Handwerksberufe aufzuzeigen.

Dass bei der Fachkräftegewinnung und Fachkräftebindung die vom Land Nord­rhein-Westfalen geförderte Potentialberatung ausgezeichnete Unterstützung bietet, illustrieren wir an gleich mehreren Beispielen aus Handwerksbetrieben der unterschiedlichsten Gewerke. Die Firma „Julius Möbel“ in Overath zum Beispiel hat bereits vier Potentialberatungen in Anspruch genommen – mit nachweisbarem Erfolg.

Immer mehr geflüchtete Menschen finden im Handwerk einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz. Hier zeigt sich in Nordrhein-Westfalen insgesamt, auch in anderen Wirtschaftszweigen, eine positive Entwicklung. Jobcenter und Agenturen für Arbeit spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie haben großes Interesse an einem fachlichen Austausch über ihre Erfahrungen im Kontext der Integration von Flüchtlingen. Genau darum ging es beim Werkstattgespräch „Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen“, zu dem die G.I.B. in Kooperation mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nord­rhein-Westfalen, der Regionaldirektion NRW und der Landeskoordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren im Juni 2018 eingeladen hatte. Auf dem Prüfstand stand die Zusammenarbeit zwischen Kommunalen Integrationszentren, Jobcentern und Agenturen für Arbeit. Mehr als 120 Expertinnen und Experten nahmen daran teil.

Inspirierend in diesem Zusammenhang kann ein Blick über die Grenzen sein, zum Beispiel nach Wallonien. Die belgische Region verfügt über acht regionale Integrationszentren. Die G.I.B. hat mit der Koordinatorin eines dieser Integrationszentren, Axelle van Harten, gesprochen. Welche Aufgaben und Funktionen die Integrationszentren dort haben, können Sie in diesem G.I.B.-Info erfahren.

 

Karl-Heinz Hagedorn

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