Sie sind hier: Startseite Heftarchiv 2018 Fachkräftesituation im Handwerk Immer mehr Geflüchtete finden Arbeit
(Heft 3/2018)
Positive Entwicklung in Nordrhein-Westfalen

Immer mehr Geflüchtete finden Arbeit

Wer Deutsch spricht, kann mitreden! Sprache ist der Schlüssel zur Integration: in die Gesellschaft wie in den Arbeitsmarkt. Neben der Aussicht, ihre eigene Lebenssituation zu verbessern, können Zuwanderer einen Beitrag zur Fachkräftesicherung in Deutschland leisten.

Mit der Finanzkrise 2008/2009 und der uneingeschränkten Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU kamen überwiegend Südeuropäer aus Griechenland, Italien, Portugal und Spanien (GIPS-Staaten) nach Deutschland. Die Visa-Liberalisierung ab 2013 führte zu einer Zuwanderung vor allem aus den Balkanstaaten (Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Mazedonien und Serbien), bevor 2015 die große Fluchtbewegung aus den außereuropäischen Krisenländern (Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien) einsetzte.

Optimistischer Ausblick trotz hoher Arbeitslosenquote
 

Für die Geflüchteten ist die Lage besonders schwierig. Sie müssen nicht nur Deutsch lernen, sondern sich auch von einem auf den anderen Tag in einer für sie fremden Welt zurechtfinden, die Hürden des neuen Alltags meistern und versuchen, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden.

Die Konsequenz: Während die Arbeitslosenquote1 für die deutsche (6 Prozent, Stand Oktober 2017) und die ausländische Bevölkerung (20 Prozent) in Nord­rhein-Westfalen seit 2011 sinkt, hat sie sich ab 2012 speziell bei den Geflüchteten deutlich erhöht, bis sie 2016 mit über 60 Prozent ihren Höhepunkt erreichte. Der Blick auf die weitere Entwicklung gibt aber Anlass zu Optimismus: Bis Oktober 2017 sank die Quote auf rund 52 Prozent. Erwartete Tendenz: weiter fallend.

Die Gründe für den zunächst rasanten Anstieg der Arbeitslosenzahl und die allmähliche Besserung der Lage sind vielschichtig. Nach der Spitze der Zuwanderung im Jahr 2015 stehen mittlerweile immer mehr Geflüchtete dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Da viele von ihnen zunächst keine Beschäftigung fanden, stieg die Arbeitslosenquote sprunghaft an. Deren deutlicher Rückgang im letzten Jahr gründet neben der allgemein verbesserten Konjunktur auf arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Sprachkursen und Qualifizierungen steigern ihre Aussichten auf einen Job, gelten in dieser Zeit aber nicht als arbeitslos. Zudem hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei den Zugewanderten aus den Krisenländern von September 2014 bis September 2017 nahezu verdreifacht (auf rund 41.000). Die enorme Steigerung liegt deutlich über dem landesweiten Anstieg von 6,6 Prozent für alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Erwartete Tendenz: weiter steigend.

Mit Sprachkursen vom Integration Point zum Fokusteam
 

Axel Belloucif, Bereichsleiter „Sonderteams: Markt und Integration“ beim Jobcenter Düsseldorf Nord, erklärt den Weg geflüchteter Personen von der Ankunft in Deutschland bis zum Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag: In der Landeshauptstadt dient seit September 2015 der Integration Point als erste Anlaufstelle für Flüchtlinge, die hier Hilfe in allen möglichen Alltagsfragen bekommen: von der Wohnungssuche über die Beschaffung eines Kindergartenplatzes bis zur Unterstützung bei Behördengängen – teilweise auch durch die Weitervermittlung an entsprechende Beratungsstellen. Der Integration Point ist ein gemeinsames rechtskreisübergreifendes Projekt von Jobcenter und Agentur für Arbeit. Thema Nr. 1 ist auch hier die Sprache als Grundvoraussetzung für die Vermittlung in Beruf oder Ausbildung. Abgesehen von Verständigungsproblemen im Betrieb hätte ein Auszubildender im dualen System ohne passable Deutschkenntnisse kaum Chancen, sich an der Berufsschule zurechtzufinden. Erst wenn das B1-Niveau erreicht ist, machen die Geflüchteten den nächsten Schritt: Sie rücken zum „Fokusteam Flüchtlinge“ vor, das seit Januar 2017 gezielt Geflüchtete in Arbeit vermittelt.

Wichtig: Sensibilität und interkulturelle Kompetenz
 

Integration Point und Fokusteam wurden bewusst räumlich voneinander getrennt. Die Vermittlung erfolgt klassisch: Es wird entsprechend der Qualifikation der Bewerberinnen und Bewerber nach Stellen gesucht, die ihren Anforderungsprofilen entsprechen. Besonderheiten gibt es aber schon: „Bei der Auswahl unserer Mitarbeitenden legen wir großen Wert auf Empathie und interkulturelle Kompetenz. Einige von ihnen sprechen sogar arabisch“, sagt Belloucif.

Sensibilität ist gefragt: Einige Flüchtlinge sind traumatisiert. Ihr kultureller Hintergrund, ihr Werte- und Rollenverständnis weichen von den in Deutschland üblichen Vorstellungen ab. In vielen Ländern gibt es kein funktionierendes Schulsystem. Deshalb benötigen Flüchtlinge neben dem Sprachunterricht oft Kurse, um Defizite in Mathematik oder anderen Fächern zu beseitigen. Wie schnell die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt, ist ganz unterschiedlich. Ein Absolvent der Universität von Damaskus, der Englisch spricht, oder ein gut ausgebildeter Handwerker schaffen es viel leichter und schneller als eine ungelernte ältere Arbeitskraft.

Problem: Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse
 

Nur etwa jede vierte beschäftigte Person aus einem Krisenland kann eine schulische, betriebliche oder akademische Ausbildung nachweisen. Das liegt zum Teil daran, dass die Anerkennung eines ausländischen Bildungs- oder Berufsabschlusses manchmal problematisch ist. Der 26 Jahre alte Hasan zeigt, dass man auch ohne anerkannten Abschluss in Deutschland in kurzer Zeit eine Erfolgsgeschichte schreiben kann. Der Frisör aus dem Iran wurde im August 2017 im Integration Point in Düsseldorf registriert. Da er schon über beachtliche Deutsch-B2-Kenntnisse verfügte, konnte er direkt ins Fokusteam übernommen werden und nach einem Minijob über Kontakte zum Arbeitgeberservice und zur Berufsberatung im Januar 2018 eine Berufsausbildung für das Friseurhandwerk aufnehmen.

Dabei ist der Spruch „Handwerk hat goldenen Boden“ Flüchtlingen erst einmal fremd. Die meisten von ihnen sind junge Männer, die lieber ein Studium anstreben. „Es ist gar nicht so einfach, ihnen die Wertigkeit einer deutschen Berufsausbildung zu vermitteln“, weiß Belloucif zu berichten. Die mühsame Überzeugungsarbeit trage aber Früchte. „Die Flüchtlinge sind in aller Regel motiviert, lernwillig und wollen Geld verdienen“, sagt Belloucif.

Große Hilfsbereitschaft von Unternehmen
 

Es gibt auch gezieltes Interesse von Unternehmen. Um die Ansprache von Firmen und um die Akquise von Stellen kümmert sich der gemeinsame Arbeitgeberservice von Jobcenter und Agentur für Arbeit. „Wir kooperieren erfolgreich mit großen Unternehmen wie Henkel, Telekom, Daimler und der Landeshauptstadt“, sagt Belloucif. So hat Henkel in Eigenregie auch für nicht im Haus beschäftigte Flüchtlinge Sprachkurse und Mathematikunterricht organisiert. Die Stadt Düsseldorf stellt Ausbildungsplätze zur Verfügung.

Grundsätzlich gilt: Flüchtlinge partizipieren an den allgemein zugänglichen Förderinstrumenten und werden bei den Angeboten des Jobcenters und der Agentur für Arbeit nicht besser gestellt als andere Bewerbende. Denkbar sind Eingliederungszuschüsse für Unternehmen und ausbildungsbegleitende Hilfen wie zusätzlicher Unterricht neben der Berufsschule.

Leiharbeit und Helfertätigkeiten als „Sprungbrett“
 

Ihre zunächst überwiegend geringe Qualifikation führt dazu, dass Zugewanderte aus Krisenländern verhältnismäßig oft im Gastgewerbe, in der Gebäudereinigung, im Gartenbau oder im Sicherheitsdienst beschäftigt sind. Mehr als jeder Zweite von ihnen übt eine Helfertätigkeit aus, etwa jeder Sechste steht in einem Leiharbeitsverhältnis. Zum Vergleich: Insgesamt sind nur etwa drei Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Nord­rhein-Westfalen auf Leiharbeitsbasis beschäftigt. Immerhin werden bereits rund neun Prozent der Flüchtlinge und damit mehr als alle anderen Zuwandergruppen in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit als „Experten“ eingestuft, die nach einem speziellen Anforderungsprofil sehr komplexe Tätigkeiten ausüben. Das Bruttomedianeinkommen der erwerbstätigen Flüchtlinge lag am 31. Dezember 2016 (letzter Stichtag für die Datengrundlage der Bundes­agentur für Arbeit) bei 1.954 € und damit um rund 40 Prozent unter dem allgemeinen Verdienst der Beschäftigten in Nord­rhein-Westfalen (3.234 €).

Auffällig ist das Geschlechterverhältnis: Die Männerquote unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt bei den Geflüchteten mit rund 84 Prozent erheblich höher als allgemein in Nord­rhein-Westfalen (55 Prozent). Auch bei den ausschließlich geringfügig Beschäftigten finden sich unter den Geflüchteten rund 80 Prozent Männer, während dieses Segment sonst überwiegend von Frauen besetzt wird. Das ungleiche Verhältnis ist nicht allein darauf zurückzuführen, dass aus den Krisenländern mehr Männer (laut Ausländerzentralregister knapp 61 Prozent) als Frauen zugewandert sind. In vielen Ländern haben Frauen durch kulturelle Normen und fehlende institutionelle Strukturen einen erschwerten Arbeitsmarktzugang. Die Rolle der Frau ist dort oft heute noch so definiert, dass sie sich um Kinder und Haushalt kümmert, während der Mann das Geld verdient. Dieses Verständnis wirkt offenbar in Deutschland nach. Geflüchtete Frauen haben seltener Kontakt mit dem Jobcenter und nehmen seltener an Sprachkursen teil. Dafür ist nach Erkenntnissen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in nahezu der Hälfte der Fälle die Kinderbetreuung der Hauptgrund. Ein gezieltes institutionelles Betreuungsangebot könnte Besserung schaffen.

Leiharbeit, Helfertätigkeiten und geringfügige Beschäftigung können für die Flüchtlinge den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern und später als „Sprungbrett“ in eine Beschäftigung mit günstigeren Arbeitsbedingungen dienen. Vor allem, wenn im Ausland erworbene Qualifikationen anerkannt und Kompetenzen in Deutschland erworben werden, sind Zugewanderte aus Krisenländern ein wichtiges Arbeitskräftepotenzial.

Caritasverband Düsseldorf: Ausbildung für den Pflegedienst
 

Das Potenzial geflüchteter Menschen wurde auch vom Caritasverband Düsseldorf (CVD) erkannt, der aktuell 48 Auszubildende mit Zuwanderungsgeschichte, darunter 14 mit Fluchtbiografie, überwiegend in der Pflege, beschäftigt. Sie kamen aus Nigeria, Albanien, Syrien, Afghanistan, Kamerun, Madagaskar, Bangladesch, Irak und vielen anderen Ländern nach Deutschland.

„Als christlicher Wohlfahrtsverband haben wir mit unseren Flüchtlingsunterkünften im Stadtgebiet und unseren Beratungs­angeboten im Fachdienst für Integration und Migration einen direkten Bezug zu geflüchteten Menschen“, sagt Pressesprecherin Stephanie Agethen. So entstanden viele Ausbildungsverhältnisse durch persönliche Kontakte. Einige der jungen Geflüchteten kamen über die Jugendberufshilfe (JBH) und die Schulsozialarbeit der Berufskollegs zum CVD. Auch in diesen Fällen handelte es sich um bereits bestehende Kontakte, die zum Teil durch die Kampagne „Bei Anruf Ausbildung“ wiederbelebt wurden. Zwei Flüchtlinge rekrutierte der Caritasverband über das Projekt „Willkommen Kollege“ der Aktion „Neue Nachbarn“ im Erzbistum Köln. Das Projekt gibt den Bewerbenden wichtige Tipps für die Berufswahl, vernetzt sie mit Arbeitgebern und unterstützt auf der anderen Seite Geschäftsführung und Personalmanagement dabei, Hürden zu überwinden und Probleme aus dem Weg zu räumen, die bei der Integration am Arbeitsplatz auftreten können.

Große Schwierigkeiten bereiten vielen Arbeitgebern die komplizierten Einstellungsmodalitäten. „Die Rechtslage für die Erteilung von Ausbildungserlaubnissen für Geflüchtete ist nur schwer durchschaubar. Unsere Ausbildungsbeauftragte muss die Aufenthaltstitel im Blick haben. Das gesamte Verfahren ist aufwendig und langwierig“, sagt Agethen.

Kreative Lösung: Azubi-WG
 

Ein anderes Problem hat der Caritasverband kreativ gelöst. Da viele der Auszubildenden eine weite Anreise haben und der angespannte Wohnungsmarkt in Düsseldorf teure Mieten mit sich bringt, hat der CVD Wohngemeinschaften für 15 Auszubildende gegründet. Für die jüngste Azubi-WG in Düsseldorf-Lohhausen hat die katholische Pfarrgemeinde Hl. Familie dem CVD das ehemalige Pfarrhaus der Kirche St. Mariä Himmelfahrt vermietet. Hier wohnen sechs Azubis aus sechs Nationen.

Viele der WG-Bewohnerinnen und Bewohner haben eine Fluchtbiografie und leben seit Jahren erstmals wieder in einem eigenen Zuhause. Der CVD vermietet die Zimmer gegen ein geringes Wohngeld. „Wer Interesse hatte, konnte sich zentral melden. Die Vergabe erfolgte nach individuellen Umständen, nach Dringlichkeit und nach Warteliste“, erklärt Agethen. Aktuell verhandelt der Caritasverband mit zwei weiteren Kirchengemeinden, um zwei zusätzliche Pfarrhäuser anzumieten.

„Von der Politik wünschen wir uns eine Vereinfachung der aufwendigen Einstellungsprozeduren und eine uneingeschränkte Aufenthaltsgenehmigung für unsere Auszubildenden“, sagt Stephanie Agethen weiter. Für die ehemalige Auszubildende Rolanda Laminica, die nach Albanien abgeschoben werden soll, haben die Mitarbeitenden des CVD eine Petition initiiert.

TRIMET: 66 Azubi-Plätze für Flüchtlinge geplant
 

Die TRIMET Aluminium SE mit Sitz in Essen bewertet die Erfahrungen mit seinem Projekt „Berufsbildung für Flüchtlinge“ positiv. Das sozial engagierte Unternehmen, das 2015 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit dem „Unternehmenspreis für Willkommenskultur“ ausgezeichnet wurde, will 66 Ausbildungsplätze für Flüchtlinge schaffen, zusätzlich zum regulären Ausbildungsprogramm. Aktuell sind 26 junge Geflüchtete, zum Beispiel aus Syrien und Eritrea, im Unternehmen engagiert. „Sie werden schrittweise an ihre neue Aufgabe herangeführt“, sagt Personalleiterin Ellen Ronden, „mit Gesprächen zum Kennenlernen, Praktika und – falls notwendig – mit Einstiegsqualifizierungen“. Für die meisten von ihnen beginnt erst danach die reguläre Berufsausbildung. TRIMET arbeitet eng mit sozialen Trägern und Behörden zusammen, um potenzielle Teilnehmende zu identifizieren und einen möglichst reibungslosen Übergang in ein reguläres Ausbildungsverhältnis zu gewährleisten. Mitarbeitende des Unternehmens, aber auch externe Unterstützer übernehmen Patenschaften für Geflüchtete. Sie helfen bei der Integration am Arbeitsplatz, bei Behördengängen, bei Arztbesuchen und anderen Alltagsproblemen.

Industrieproduktion ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe
 

Integration ist für das rund 2.300 Mitarbeitende zählende Unternehmen nichts Neues. „Bei uns arbeiten Kolleginnen und Kollegen aus 25 Nationen zusammen“, erklärt Timo Koesling, Leiter der gewerblichen Ausbildung. Dabei ist es wichtig, bestehende Unterschiede offen zu leben. Der Blick über den kulturellen Tellerrand ist für beide Seiten bereichernd.

„Industrieproduktion integriert. Sie gibt vielen Menschen eine gesicherte Existenz, eröffnet persönliche Aufstiegschancen und ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe“, sagt Dr. Martin Iffert, Vorsitzender des Vorstands der TRIMET Aluminium SE.


Interview mit Becky Uwoghiren
 

Becky-Uwoghiren-(2).jpgBecky Uwoghiren ist 21 Jahre alt. Sie stammt aus Emewor in Nigeria, besuchte dort die Schule bis zur neunten Klasse, flüchtete 2014 nach Deutschland und absolviert heute eine Ausbildung beim Caritasverband Düsseldorf.

G.I.B.: Weshalb sind Sie geflüchtet und wie verlief Ihre Flucht?
Becky Uwoghiren: Ich bin vor der weiblichen Beschneidung in meinem Heimatland geflüchtet. Eine Freundin von mir war kurz zuvor an den Folgen der Genitalverstümmelung verstorben. Zunächst flüchtete ich innerhalb Nigerias. Dort versteckte ich mich ein halbes Jahr lang. Über Umwege kam ich dann nach Deutschland, erst nach Bremen und anschließend nach Köln. Dort wurde ich in einem katholischen Wohnheim für junge Menschen untergebracht.

G.I.B.: Wie verlief Ihr Weg der Integration?

Becky Uwoghiren: Am Anfang stand ich vor vielen Schwierigkeiten. Ich musste mich in einer für mich ganz neuen Welt zurechtfinden. Die Betreuerin des Wohnheims hat mir sehr geholfen. Vor allem die Behördenangelegenheiten waren kompliziert. Ein großes Problem war natürlich die Verständigung. Mit großem Willen und Engagement habe ich bis heute schon einiges erreicht: Ich habe Sprachkurse belegt, über die Berufsschule den Realschulabschluss erworben und erhielt letztes Jahr einen Ausbildungsvertrag beim Caritasverband Düsseldorf.

G.I.B.: Wie sind Sie zum Caritasverband Düsseldorf gekommen? Was machen Sie hier konkret?
Becky Uwoghiren:
Der Kontakt entstand über das Programm „Willkommen Kollege“ des Erzbis­tums Köln. Dabei handelt es sich um ein Projekt, das Geflüchtete mit Arbeitgebern vernetzt. Seit September 2017 werde ich beim Caritasverband Düsseldorf zur Kauffrau für Büromanagement im Referat Pflege ausgebildet.

G.I.B.: Wie gefällt Ihnen die Arbeit?
Becky Uwoghiren:
Ausgezeichnet. Die Arbeit macht mir viel Spaß. Ich bin gut ins Team integriert. Die Kolleginnen und Kollegen unterstützen mich sehr und haben auch Geduld, wenn mir mal ein deutsches Wort nicht einfällt.

G.I.B.: Was bedeutet der Arbeitsplatz für Sie?
Becky Uwoghiren:
Der Arbeitsplatz steht für Zukunft, Perspektive und Sicherheit. Ich hoffe, dass ich nach meiner Ausbildung übernommen werde. Gerade bin ich in eine Caritas-Azubi-WG nach Düsseldorf-Lohhausen umgezogen. Hier habe ich ein eigenes Zimmer und muss nicht mehr jeden Tag zwei Stunden zur Arbeit fahren. Ich bin auch stolz darauf, mein eigenes Geld zu verdienen.

G.I.B.: Gibt es etwas, was Ihnen noch schwerfällt?
Becky Uwoghiren:
Die deutsche Sprache ist schon schwierig. Bis ich sie perfekt beherrsche, wird es noch einige Zeit dauern.

G.I.B.: Was könnte man bei der Integration geflüchteter Menschen aus Ihrer Sicht verbessern?
Becky Uwoghiren:
Vor allem die vielen Abstimmungen mit den Behörden und Ämtern, die teils sehr mühsam sind. Ich muss zum Beispiel alle sechs Monate meine Aufenthaltsgestattung verlängern lassen.

G.I.B.: Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?
Becky Uwoghiren:
Ich wünsche mir, dass es mir weiterhin gesundheitlich gut geht, dass ich einen richtigen Aufenthaltstitel bekomme und in den Urlaub ins Ausland fahren darf. Aktuell ist mir das nicht erlaubt. Und natürlich, dass ich beim Caritasverband Düsseldorf nach meiner Ausbildung weiterarbeiten darf.


1 Aufgrund der starken Zuwanderung und der damit einhergehenden systematischen Verzerrung, weicht die Berechnung der Arbeitslosenquote in den Statistiken der BA von der üblichen Weise ab. Die Quote wird auf Basis einer anders abgegrenzten, aber periodengleichen Bezugsgröße (eingeschränkte Bezugsgröße) berechnet, welche Erwerbspersonen (sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigte) sowie Arbeitslose umfasst.

Ansprechpartner in der G.I.B.

Arthur Wawrzonkowski
Tel.: 02041 767245
a.wawrzonkowski@gib.nrw.de

Kontakte

Dr. Martin Iffert (Vorsitzender des Vorstands)
TRIMET Aluminium SE
Aluminiumallee 1
45356 Essen
Tel.: 0201 3660
info@trimet.de

Caritasverband Düsseldorf
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hubertusstr. 5
40219 Düsseldorf
Stephanie Agethen
Tel.: 0211 16021602
Stephanie.Agethen@caritas-duesseldorf.de

Jobcenter Düsseldorf Nord
Sonderteams: Markt und Integration
Grafenberger Allee 300
40237 Düsseldorf
Axel Belloucif (Bereichsleitung)
axel.belloucif@jobcenter-ge.de
www.jobcenter-duesseldorf.de

Autor

Andreas Düppe
Tel.: 0171 8309531
presse@da-pr.de

Hinweis

Die im Beitrag genannten Daten zur Beschäftigungssituation Zugewanderter basieren auf dem G.I.B.-Kurzbericht 01/2018 „Die Beschäftigungssituation Zugewanderter in Nord­rhein-Westfalen – Mehr Geflüchtete finden Arbeit“ (Statistik zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt).
Artikelaktionen