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(Heft 2/2018)
Eine Studie im Rahmen des Netzwerk W

Weibliche Flüchtlinge: „Motor im Integrationsprozess“

Unter den nach Deutschland geflüchteten Menschen gibt es eine große Gruppe junger, gebildeter und ambitionierter Frauen, die wirtschaftlich unabhängig leben wollen. Sie könnten zum „Motor im Integrationsprozess“ werden, lautet das Fazit einer qualitativen Studie im Rahmen der Landesinitiative „Netzwerk Wiedereinstieg“, gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung (MHKBG).

„Ohne die Frauen kann Integration nicht gelingen“, stellte Annette Widmann-Mauz kürzlich im Interview mit der „Rheinischen Post“ klar. „Die Teilhabe von Frauen in allen Lebensbereichen“, so die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, „ist auch Voraussetzung dafür, dass eine Gesellschaft ihr demokratisches und auch wirtschaftliches Potenzial voll ausschöpfen kann.“ Damit die Teilhabe gelingt, fuhr sie fort, müssten Frauen stark gemacht werden. Dafür braucht es Sprach- und Integrationskurse sowie Arbeitsmaßnahmen, die noch stärker auf Frauen ausgerichtet sind.

Doch wie sieht die Wirklichkeit aus? Noch ist die Erwerbsbeteiligung geflüchteter Frauen in Deutschland im Vergleich zu geflüchteten Männern und auch zu anderen Bevölkerungsgruppen deutlich geringer. Zu diesem Ergebnis kam 2017 die Kurzanalyse „Geflüchtete Frauen in Deutschland“ des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Zudem ist ihre Erwerbstätigkeit eindeutig auf bestimmte Branchen konzentriert, darunter das Reinigungs- sowie das Tourismus-, Hotel- und Gaststättengewerbe. Grundsätzlich, stellt die Analyse fest, „ist der Wunsch nach Erwerbstätigkeit bei einer deutlichen Mehrheit der Frauen vorhanden.“

Bis heute aber fehlen, formulierte „Die Zeit“, „genauere Kenntnisse der Barrieren, die geflüchtete Frauen in Deutschland beim Bildungserwerb und bei der Teilhabe am Arbeitsmarkt überwinden müssen und wie sie dabei am besten unterstützt werden können.“ Konkret sei zu fragen: „Welche Bildungsangebote benötigen welche Gruppen geflüchteter Frauen? Wie können sie bei Kinderbetreuung und Familienarbeit entlastet werden? Was brauchen sie und ihre Familien, um das Korsett einengender kultureller Normen aufzuschnüren?“

All dem und mehr hat sich unter Leitung der Sozialwissenschaftlerin Hilde Mußinghoff, Netzwerk W-Koordinatorin im Rhein-Erft-Kreis und Geschäftsführerin von innova­Best, Institut für Innovation & Bildung GbR, eine vom Land NRW geförderte qualitative Studie gewidmet. „Weibliche Flüchtlinge: Warum sie zum Motor im Integrationsprozess werden können“, lautet ihr Titel. Entstanden ist sie im Rahmen der Landesinitiative Netzwerk Wiedereinstieg, einer seit zehn Jahren bestehenden Initiative mit lokalen Netzwerken in knapp 50 Kommunen in Nord­rhein-Westfalen, die eine nachhaltige, qualifizierte und Exis­tenz sichernde Rückkehr in den Beruf unterstützt. Seit 2016 zählen auch geflüchtete (Familien-)Frauen mit guter Bleibeperspektive zur Zielgruppe der Landesinitiative.

Befragt wurden für die Studie 37 geflüchtete Frauen mit hoher Bleibeperspektive aufgrund des Herkunftslandes, also Iran, Irak, Syrien, Eritrea oder Somalia. Eins der weiteren Auswahlkriterien war die Bedingung, dass die Frauen über „Arbeitsmarktpotenzial“ verfügen. Gemeint war damit ein Interesse an Ausbildung, Erwerbstätigkeit und/oder Studium. Ausgewählt wurden „geeignete Gesprächspartnerinnen“ mit Unterstützung von kommunalen Integrationsbeauftragten oder Sozialarbeiterinnen. Der Anteil der christlichen Frauen an der Befragtengruppe lag – nicht repräsentativ – bei 50 Prozent.

Auch wenn hinsichtlich der ausgewählten Frauen „zu berücksichtigen bleibt, dass die vorliegende Untersuchung sich auf eine Stichprobe bezieht und von daher nicht auf alle geflüchteten Frauen in Deutschland übertragbar ist“, sagt Hilde Mußinghoff, „so liefert die Studie doch verblüffende Ergebnisse beispielsweise hinsichtlich der Nutzung von Kinderbetreuung, der Einstellung eher zu Hause zu bleiben als arbeiten zu wollen sowie der Bildungsbereitschaft und Arbeitsmotivation der geflüchteten Frauen sowie eklatante Handlungsbedarfe bei der Unterstützung der Frauen auf ihrem Weg in Arbeit und daraus resultierende Handlungsempfehlungen.“

Hoher Stellenwert: Berufstätigkeit
 

Krieg und Verfolgung aus religiösen oder politischen Gründen sowie gesundheitliche Probleme und „Misshandlungen von nahen Angehörigen und andere Gewalterfahrungen“, zeigt die Studie, waren die Hauptmotive für die Flucht der Frauen aus ihren Herkunftsländern. Darüber hinaus bilden „Armut und Perspektivlosigkeit“ Motive, die zur Flucht beigetragen haben. „Gerade junge Frauen in der Altersstufe von 18 bis 25 Jahren“, so Hilde Mußinghoff, „wollen ihre beruflichen Ziele hier in Deutschland realisieren und ihre Bildungsbiografie möglichst bald fortsetzen können. Diese Chancen haben sie in ihren Herkunftsländern nicht mehr gesehen.“

Das Bildungsniveau der befragten Frauen ist – angesichts der Auswahlkriterien wenig überraschend – hoch: Fast 80 Prozent haben einen mittleren oder hohen Schulabschluss. Die Mehrzahl hat ein Gymnasium, eine Fachhochschule oder eine Universität besucht. Mehrere Ingenieurinnen und IT-Spezialistinnen befinden sich darunter, des Weiteren zum Beispiel eine Wirtschaftswissenschaftlerin, eine Industriedesignerin oder eine Juristin. Ein Teil der Befragten hat zuvor in angelernten Berufen gearbeitet, etwa in der Verwaltung, der Pflege oder der Landwirtschaft. Zwei Drittel der befragten Frauen verfügen über mehrjährige Arbeitserfahrungen im angegebenen Beruf.

Nur 20 Prozent haben keinen Beruf erlernt und waren auch nicht erwerbstätig. „Hierzu zählen Frauen ohne Schulbildung“, erläutert Hilde Mußinghoff, „aber auch Frauen mit Abitur, denen eine Berufstätigkeit von Ehemann oder Familie untersagt wurde.“ Dass nur wenige Frauen die Verfahrensabläufe bei der Anerkennung von Bildungs- und Berufsabschlüssen kennen und erst 20 Prozent von ihnen bereits über eine Anerkennung ihres Studienabschlusses verfügten, ist für Hilde Mußinghoff „ein klarer Hinweis auf den hohen Informations- und Unterstützungsbedarf bei der Anerkennung von Bildungsabschlüssen.“

Immerhin 40 Prozent der befragten Frauen antworteten auf die Frage „Haben Sie schon einmal am Computer gearbeitet?“ mit „ja, sehr häufig“. Allerdings, relativiert Hilde Mußinghoff, „hat über die Hälfte keine oder nur geringe Kenntnisse in diesem Bereich. Doch diejenigen, die bereits sehr häufig mit dem PC gearbeitet haben, verfügen über gute bis sehr gute Kenntnisse der bei uns gängigen Computerprogramme (MS-Office) sowie über Kenntnisse in Spezialsoftware.“

Obwohl bislang nur wenige der befragten Frauen Zugang zu einem Sprachkurs hatten, verfügen einige von ihnen bereits über gute Deutschkenntnisse. Wie kreativ sie sich ihre Kenntnisse angeeignet haben, illustriert Hilde Mußinghoff an gleich mehreren Beispielen: „Eine Befragte schaute sich stündlich alle deutschen Nachrichtensendungen im Fernsehen an. Eine andere hatte in ihrem Zimmer Spickzettel mit deutschen Vokabeln aufgehängt. Eine Mutter bekam auf ihre Bitte von der Kindertagesstätte die Möglichkeit, in einer Kita-Gruppe mit den Kindern zu spielen und bei besonderen Anlässen auszuhelfen.“ Bereitschaft und Bemühungen der Frauen beim Spracherwerb, resümiert Hilde Mußinghoff, sind hoch, „könnten und sollten aber durch weitere kreative Ansätze und Möglichkeiten unterstützt werden.“

Stark ist laut Studie der Wunsch der Frauen nach mehr Freiheit und Gleichberechtigung: „Es sind für sie wichtige Werte, die sie in Deutschland erreichen und leben wollen. Nur sehr wenige zeigen sich mit ihrer bisherigen Rolle zufrieden.“ Fast alle Frauen bewerten speziell die Berufstätigkeit als „sehr wichtig und richtig“. Bei der Antwort auf die Frage, wie wichtig es ihnen ist, eine Arbeitsstelle zu bekommen, lag auf einer Skala von 0 (gar nicht wichtig) bis 10 (sehr wichtig) der Durchschnittswert bei 9.

Als Begründung für ihre Einstellung nennen sie vor allem wirtschaftliche Unabhängigkeit. Auch die Berufstätigkeit von Müttern beurteilen sie positiv. Keine der Interviewpartnerinnen lehnt dies ab: „Die meisten Befragten sind beeindruckt, wie Frauen in Deutschland leben und auch von der Kinderbetreuung, die offensichtlich weit über die Gegebenheiten in ihren Heimatländern hinausgeht.“

Ausgeprägt ist bei den Frauen zudem der Wunsch nach mehr Kontakten zu den Menschen in Deutschland: „Dieses Bedürfnis hat einen fast ebenso hohen Stellenwert wie der Wunsch nach Spracherwerb. Hier besteht großer Handlungsbedarf, um einer gesellschaftlichen Isolation der Frauen vorzubeugen.“

Realistische berufliche Ziele
 

Bemerkenswert ist die Realitätsnähe der geäußerten Berufswünsche; drei Viertel der Frauen haben konkrete Berufswünsche, die in etwa zu ihren Vorqualifikationen passen: „Die Berufswünsche sind oft realistischer als die von manchen anderen Wiedereinsteigerinnen, die wir beraten“, so Hilde Mußinghoff. Doch auch wenn vollkommen unrealistische Vorstellungen bei den Berufszielen nicht auszumachen sind: Die Akademikerinnen unter den befragten Frauen haben sich hohe Ziele gesteckt und orientieren sich an den begonnenen Studiengängen, ohne zu berücksichtigen, dass in Deutschland gegebenenfalls andere Anforderungen in den jeweiligen Studienfächern gelten. Dennoch wollen alle ihr Studium fortsetzen oder entsprechend ihres Berufsabschlusses arbeiten, zum Beispiel als Ingenieurin, Lehrerin, Zahnärztin oder Architektin.“

Ein großer Teil der befragten Frauen nennt als Berufsziel Ausbildungsberufe, die sie aufgrund der schulischen Vorbildung und Arbeitstätigkeiten auch in Deutschland angehen können. Hierzu gehören: Friseurin, Erzieherin, Alten- und Krankenpflegerin, Verkäuferin, Floristin, Busfahrerin, Köchin oder Reinigungskraft. „Blickt man auf die in Deutschland bestehenden Fachkräfteengpässe zum Beispiel im Bereich Erziehung oder Pflege“, schlussfolgert Hilde Mußinghoff, „wäre hier ein Ansatzpunkt, entsprechend gestaltete Qualifizierungsgänge stärker zu forcieren.“

Nur rund 15 Prozent der Frauen haben keine konkreten Vorstellungen, wollen nur irgendeine Arbeit oder Ausbildung finden und ein sehr geringer Teil hat keine beruflichen Ziele. Dieser Personenkreis hatte noch nie gearbeitet und verfügt auch nur über eine geringe bis gar keine Schulbildung.

Bildungsbereitschaft rangiert vor „Arbeiten um jeden Preis“
 

Eins vor allem zeigt die Studie deutlich: Die Bildungsbereitschaft der Frauen rangiert vor „Arbeiten um jeden Preis“. Anders als vielen männlichen Flüchtlingen geht ihnen „Ausbildung vor Arbeit“. Hilde Mu­ßinghoff: „Das Bestreben, möglichst schnell Geld zu verdienen, scheint hier nicht vorrangig zu sein. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Frauen sich nicht damit zufrieden geben, in Helfertätigkeiten vermittelt zu werden, nur um eine zügige Arbeitsmarktintegration zu erreichen. Bei dem vorhandenen Potenzial und der hohen Bildungsaspiration wären geeignete Qualifizierungen kombiniert mit Sprache und ein Einstieg auf Fachkräfteniveau der nachhaltigere Weg – nicht zuletzt mit Blick auf die in Deutschland bestehenden Fachkräfteengpässe.“ Ein Problem indes ergibt sich daraus für Frauen, die im SGB II-Bereich angekommen sind: Hier steht die Vermittlung in Arbeit im Vordergrund.

Trotz hoher Bildungsbereitschaft und Arbeitsmotivation sind Flexibilität und Veränderungsbereitschaft bei den Frauen unterschiedlich ausgeprägt. So hat die Studie etwa gefragt, wie groß ihre Flexibilität und ihre Bereitschaft ist, sich auf mögliche Bedingungen und Anforderungen eines Arbeitsverhältnisses einzustellen, zum Beispiel hinsichtlich Mobilität, Arbeitszeiten, Kleidungsvorschriften oder Verhaltensregeln. „Dass dies durchaus Vermittlungshemmnisse sein können“, meint Hilde Mußinghoff, „ist den Frauen vermutlich nicht bewusst. Doch genau das wird eine entscheidende Rolle für eine zukünftige Arbeitsmarktpartizipation spielen.“

Drei Gruppen hat die Studie in diesem Kontext identifiziert: die „Durchstarterinnen“, die „Verhaltenen“ und „die religiös Gebundenen“, wobei weniger das Herkunftsland als vielmehr die Herkunftsregion – städtisch oder ländlich – entscheidend ist.

Die erste und größte Gruppe, die Durchstarterinnen, gab an, dass sie alles tun würde, um eine Arbeit zu bekommen: Umziehen, mit Bus und Bahn pendeln, lange Fahrtzeiten in Kauf nehmen sowie notwendige Arbeitszeiten und Verhaltensregeln akzeptieren. Zu der Gruppe gehören vorwiegend junge, gut gebildete und selbstbewusste Frauen aus städtischen Herkunftsgebieten; die Religiosität spielt bei ihnen eine untergeordnete Rolle.

Etwas eingeschränkter zeigt sich die zweite Gruppe, die Verhaltenen: Sie, ist in der Studie zu lesen, möchte nur am Wohnort arbeiten oder in bestimmte Städte ziehen, um dort in der Nähe der Familie oder von Verwandten zu arbeiten. Bei der Kleidung würde sie sich an die Gegebenheiten anpassen, bei den Arbeitszeiten wünscht sich ein kleiner Teil eine Teilzeitbeschäftigung. Zu dieser Gruppe gehören Frauen mit Kindern oder größeren Familien und einfacherem oder mittlerem Bildungsstand. Sie kommen aus ländlicheren Herkunftsgebieten, die Religion spielt keine dominante Rolle.

Die dritte Gruppe, die religiös Gebundenen, erweist sich als „sehr fest in ihrer Meinung“: Die Frauen zeigen sich flexibel hinsichtlich Arbeitszeiten, Fahrtzeiten oder Umzug, aber nicht bei religiösen Aspekten wie Kopftuch tragen oder regelmäßigem Beten während der Arbeitszeit. Diese Gruppe eint ihre starke Religiosität und das Herkunftsland Syrien, hinsichtlich Alter und Bildungsniveau sind alle Kategorien vertreten.

Konkrete Handlungsempfehlungen
 

„Unter den geflüchteten Frauen“, so lautet das zentrale Fazit der Studie, „gibt es eine große Gruppe junger, gebildeter und ambitionierter Frauen, die wirtschaftlich unabhängig leben wollen. Sie haben ihr bisheriges Rollenverständnis abgelegt, adaptieren schnell, identifizieren sich mit deutschen Werten und wollen ein positives Vorbild für ihre Kinder sein. Damit werden sie auch die Männer in Zugzwang bringen. Bei einer rechtzeitigen und gezielten Förderung können diese Frauen der Motor im Integrationsprozess in Deutschland sein. Hier zu investieren ist ein Gewinn für alle Seiten.“

Der Handlungsbedarf indes ist laut Studie groß. Damit die Arbeitsmarktintegration wirklich funktioniert, liefert die Untersuchung eine Vielzahl konkreter Handlungsempfehlungen. Hier nur ein paar Beispiele: 1. Zielgerichtete Möglichkeiten zum Kontaktaufbau zur deutschen Bevölkerung schaffen. Drohende Isolation vermeiden. 2. Haupt- und ehrenamtlich Unterstützende für die Zielgruppe sensibilisieren, hohe Bildungs- und Erwerbs­orientierung aufgreifen. 3. Spracherwerb durch unkonventionelle Wege unterstützen, informelle Möglichkeiten berücksichtigen. 4. W-Lan und PC-Arbeitsplätze in den Unterkünften bereitstellen. Lernprogramme zum Spracherwerb zugänglich machen. 5. Geschlechtsspezifische Erkenntnisse in Qualifizierungen des in der Flüchtlingsarbeit tätigen und beratenden Personals berücksichtigen. 6. Vernetzungen und fachlichen Erfahrungsaustausch stärken. „Lücken“ der Unterstützung identifizieren und schließen.

Schon bald nach Veröffentlichung der Untersuchung hat das Netzwerk W bei einer „Internationalen Frauenkonferenz“ die zentralen Ergebnisse der Studie vorgestellt. Organisiert war die Veranstaltung als „Open space“, einer Methode der Großgruppenmoderation, die dabei hilft, rasch zu umsetzbaren Ergebnissen zu kommen. 170 Frauen aus dem Rhein-Erft-Kreis kamen zusammen. Die Organisation der internationalen Konferenz – mit Bus-Shuttle, Begleitung und Übersetzungsservice – erwies sich als höchst effektiv den direkten Kontakt zu einer großen Zahl von Frauen mit Fluchthintergrund einer Region zu erreichen.

Eingeladen waren die befragten Frauen – ein Großteil war anwesend – sowie Migrantinnen, die schon länger hier leben und deutsche Wiedereinsteigerinnen. An verantwortlichen Expertinnen und Experten standen zur Verfügung: Vertreterinnen und Vertreter von innovaBest, VHS und IHK (Anerkennungsberatung), von Arbeitsagentur und Jobcenter sowie der Kommunen, Netzwerkmitglieder, Integrationsbeauftragte und Übersetzer und Übersetzerinnen für alle genannten Sprachen.

An fünf „Thementischen“ ging es um Spracherwerb, Ausbildung, Arbeit, berufliche Anerkennung und Kontakte, differenziert nach den „Sprachinseln“ Arabisch, Persisch/Farsi, Kurdisch, Tigrinya sowie Deutsch/Englisch. Beim Thema Arbeit etwa standen Fragen zur eigenen Person, aber auch zu den Möglichkeiten für die zum Teil schon erwachsenen Kinder im Vordergrund. Hinzu kamen individuelle Anliegen wie zum Beispiel die Frage „Wie kann ich Erzieherin werden?“ bis hin zu allgemeinen Fragen wie die, ob die Ausbildung in Deutschland altersabhängig ist. Die genannten Wünsche und Fragen konnten die Multiplikatorinnen im Netzwerk W zur Weiterentwicklung ihrer Angebote nutzen.

Dem allgegenwärtigen Wunsch nach Kontakten kamen die Veranstalterinnen mit der Installation einer Metaplanwand entgegen. „Die Rubriken ,Suche und Biete‘, sagt Hilde Mußinghoff, „waren schnell gefüllt. Auch von den vorgedruckten Visitenkarten machten die geflüchteten Frauen nach anfänglichem Zögern regen Gebrauch zur aktiven Kontaktaufnahme – vielleicht und hoffentlich ein erster Schritt auf dem Weg in den Arbeitsmarkt.“


Situation geflüchteter Frauen in NRW

In NRW sind ca. 65.000 Frauen (Jan. 2018) im Kontext von Fluchtmigration bei Jobcentern und Agenturen für Arbeit gemeldet. Von diesen Frauen aus den acht nicht europäischen Asylherkunftsländern (Syrien, Irak, Afghanistan, Iran, Eritrea, Nigeria, Pakistan und Somalia) sind 38 % im SGB II-Bereich und 19 % im SGB III-Bereich. Während die gemeldeten erwerbsfähigen Frauen bei den Arbeitsagenturen zu 28 % Abitur bzw. Hochschulreife hatten, waren es im SGB II-Bereich der Jobcenter nur 16 %. Ein Viertel der Frauen mit Fluchtkontext bei den Jobcentern, das entspricht einer Anzahl von 15.666 Frauen (Jan. 2018), sind Erziehende mit einem Kind unter drei Jahren. Insgesamt gibt es 86.000 Kinder in den Bedarfsgemeinschaften (Okt. 2017). Von den knapp 47.000 Kursteilnehmenden waren im Januar 2018 in den Integrationskursen 25 % weiblich und in den berufsbezogenen Sprachkursen (DeuFöV) 3 % weiblich. Ein Grund dafür ist, dass es für die Zielgruppe der Mütter zu wenige Sprachkursangebote mit Kinderbetreuung gibt.

Ansprechpartnerin in der G.I.B.

Karin Linde
Tel.: 02041 767257
k.linde@gib.nrw.de

Kontakt

Hilde Mußinghoff M. A.
Geschäftsführende Gesellschafterin
innovaBest – Institut für Innovation & Bildung GbR
Europaallee 33
50226 Frechen
Tel.: 02234 99958-10
hilde.mussinghoff@innovabest.de
www.innovabest.de

www. netzwerkw-expertinnen.de

Autor

Paul Pantel
Tel.: 02324 239466
paul.pantel@arcor.de
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