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(Heft 2/2018)
Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Der nordrhein-westfälische Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales ist in diesem Jahr mit dem Deutschen Pflegepreis ausgezeichnet worden, der höchs­ten nationalen Auszeichnung in der Pflege. In der Laudatio von Franz Wagner, dem Präsidenten des Deutschen Pflegerats, heißt es: „Karl-Josef Laumann hat Meilensteine in der Pflege gesetzt; sei es bei der Entbürokratisierung der Pflegedokumentation, beim Pflegeberufereformgesetz, für die Mitbestimmung der Pflegefachpersonen in Pflegekammern sowie für mehr Pflegefachpersonen und eine bessere Bezahlung. Karl-Josef Laumann ist ein würdiger Preisträger des Deutschen Pflegepreises. Die Pflege in Deutschland ist dank ihm ein gutes Stück vorangekommen.“

„Ein gutes Stück vorangekommen“, in der Tat, aber niemand weiß vermutlich besser als der Minister selbst, wie weit der Weg noch ist, um zumindest die drängendsten Probleme zu lösen, mit denen die Pflegebranche konfrontiert ist. Hier ist es vor allem der eklatante Fachkräftemangel, der Sorge bereitet. Infolge der demografischen Entwicklung mit der Zunahme pflegebedürftiger älterer Menschen wird sich das Problem aller Voraussicht nach noch verschärfen. Abzuwarten bleibt, wie die auf Bundesebene geplanten Veränderungen bei den Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte oder bei der Ausbildung von Nachwuchskräften für die Branche wirken.

Wir haben die Lage der Pflege-Branche in diesem G.I.B.-Info zum Schwerpunktthema gemacht. Zu Wort kommen lassen wir mit Prof. Dr. Stefan Sell, dem Direktor des Instituts für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung an der Hochschule Koblenz, einen der herausragenden Kritiker der Zustände in der Pflege, der aber auch konstruktive Vorschläge liefert, wie etwa den: „Wir müssen den gegenwärtigen katastrophischen Diskurs in den Medien drehen, um deutlich mehr junge Menschen für die Pflege zu gewinnen, ohne jedoch die Missstände zu verschweigen, aber das ist ein Riesenspagat.“

Wir greifen in dieser Ausgabe den Vorschlag gerne auf, nennen die Missstände und zeigen vor allem Lösungen und Erfolgsgeschichten. Da sind zum Beispiel die beiden vom Land NRW geförderten Projekte „Care for integration“ und „welcome@healthcare“, bei denen es darum geht, geflüchtete Menschen für Pflegeberufe zu qualifizieren, oder das Projekt „Zukunftsfähige Ausbildungs-Strukturen in der Altenpflege der Region Aachen-Heinsberg“.

Ermutigend ist auch das Projekt der NRW-Fachkräfteinitiative „Gute Arbeit – Gute Pflege: Attraktivitätssteigerung und Produzentenstolz in der Altenpflege“. Es zeigt, dass auch in der Pflegebranche gute Arbeitsbedingungen und zufriedenes Pflegepersonal zu finden sind. Teil der Fachkräfte­initiative NRW wie auch der Landesinitiative eGesundheit.nrw ist die Digitalisierung in der Pflege. Wir zeigen in diesem Heft die neuesten Entwicklungen und illustrieren an vielen Beispielen, wie der Pflegealltag in naher Zukunft aussehen kann.

Fachkräfte und Digitalisierungsprozesse sind nicht nur in der Pflegebranche ein großes Thema. Dazu ein Beitrag zum „Personalmanagement in KMU der nordrhein-westfälischen Lebensmittelwirtschaft“ sowie ein Artikel über Firmen, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu „Digital Scouts“ weiterbilden.

Unmittelbar mit allen Themen verknüpft ist die Frage nach der Entlohnung der Beschäftigten. „Löhne zum Leben“ – die Forderung dürfte unumstritten sein. Wir haben darüber mit Graham Griffiths von der Living Wage Foundation gesprochen, mit Prof. Dr. Thorsten Schulten vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung und mit Prof. Dr. Klaus Dörre von der Universität Jena.

Weitere Themen im Heft: Die Beschäftigung Langzeitarbeitsloser für mehr Lebens- und Standortqualität in der Stadt Essen, weibliche Flüchtlinge als Motor im Integrationsprozess und die Digitalisierung von Serviceleistungen in der Arbeitsverwaltung am Beispiel unter anderem des Jobcenters Düsseldorf-Süd.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und freuen uns auch über Rückmeldungen und Anregungen


Karl-Heinz Hagedorn

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