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(Heft 1/2018)
Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

In Nordrhein-Westfalen hat die Regierungsbildung nach der Wahl etwas schneller geklappt als jetzt auf Bundesebene. Auch die Neuausrichtung der nordrhein-westfälischen Arbeitsmarktpolitik hat Arbeitsminister Karl-Josef Laumann früh verdeutlicht und von einem „Paradigmenwechsel“

Im Gespräch mit der G.I.B. begründet und erläutert Minister Laumann jetzt die geplanten Veränderungen in den Bereichen:

  • Förderprogramme für junge Menschen ohne Ausbildungsreife,
  • verstärkte Einbindung von Arbeitgebern der Privatwirtschaft bei der öffentlich geförderten Beschäftigung,
  • Passiv-Aktiv-Transfer,
  • die Rolle der Jobcenter bei der Arbeits­marktintegration und
  • die Teilhabe von schwerbehinderten Menschen an Arbeit.


Klare Aussagen macht der Minister auch zur Digitalisierung – für Karl-Josef Laumann „ein Prozess, den wir aktiv gestalten“ und bei dem „wir die Beschäftigten von vornherein einbeziehen müssen“. Er sieht die Risiken, „vor allem aber auch die Chancen der Digitalisierung zur menschengerechten Gestaltung der Arbeitswelt.“

Genau das ist Schwerpunktthema im vorliegenden G.I.B.-Info: Crowdsourcing und Crowdworking. Sie sind neue Formen der Vergabe von Aufträgen und Projekten über IT-gestützte Plattformen an Soloselbstständige, Freiberufler oder Nebenerwerbstätige. Der Betrieb als Ort zur Regulierung der Arbeitsbedingungen existiert für sie nicht mehr. Bislang ist Crowdworking gesetzlich kaum geregelt und sozial oft nicht abgesichert. Was ebenfalls weitgehend fehlt sind tarifliche Regelungen und Mitbestimmung.

Im Zentrum der weiteren Beiträge stehen jene Menschen, die einen Arbeitsplatz suchen. Auch sie, langzeitarbeitslose Menschen, lassen sich in den ersten Arbeitsmarkt integrieren. Spannend zu beobachten, wie sich zum Beispiel das Jobcenter Wuppertal mit innovativen Projekten als wichtiger Akteur der Stadt­entwicklung erweist. Mit Projekten wie dem Bau der Nordbahntrasse leistet das Jobcenter einen wichtigen Beitrag zum Ausbau der Infrastruktur und für das Gemeinwohl. Gleichzeitig sorgt es dafür, Vorurteile gegenüber arbeitslosen Menschen abzubauen. Rund 1.000 von ihnen haben bislang bereits am Projekt Nordbahntrasse teilgenommen.

Interessant ist es auch zu sehen, wie Jobcenter und Agentur für Arbeit im Kreis Recklinghausen mit ihrem professionellen Vermittlungskonzept als Faktor bei der Standortentscheidung von Großkonzernen wirken. Zum Dienstleis­tungspaket der Arbeitsverwaltung zählte nicht nur das passgenaue Auswählen der Bewerberinnen und Bewerber aus dem gesamten Kreis mit seinen zehn Jobcenter-Standorten, sondern auch die Organisation von Informationsveranstaltungen und eines Shuttle-Service, um Probearbeiten der potenziellen neuen Mitarbeiter am Dortmunder Standort des Unternehmens zu ermöglichen.

Ein weiteres Beispiel gelungener Integration Langzeitarbeitsloser in den Arbeitsmarkt zeigt ein Projekt des Zentrums für Ausbildung und berufliche Qualifikation e. V. in Oberhausen, durchgeführt im Rahmen des Landesprogramms „Öffentlich geförderte Beschäftigung NRW“.

Gleiches gilt für Zuwanderer aus Rumä­nien und Bulgarien. Die G.I.B. hat das Modellprojekt „Zuwanderung aus Südosteuropa“, durchgeführt in sieben Städten Nordrhein-Westfalens, mit ihrem Monitoring wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

Weiter berichten wir in diesem Heft über:

  • die Fachkräftedeckung im Einzelhandel in Dortmund,
  • Projekte in Essen, Dortmund und Marl zur Arbeitsmarktintegration von Flücht­lingen sowie
  • die guten Erfahrungen der Agentur für Arbeit und des Jobcenters Köln mit dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service.


Als der neue Geschäftsführer der Gesell­schaft für innovative Beschäftigungsförderung freue ich mich auf die Zusammenarbeit und den Austausch mit Ihnen, den Leserinnen und Lesern des G.I.B.-Infos!


Karl-Heinz Hagedorn

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