Sie sind hier: Startseite Heftarchiv 2016 Geringqualifizierte und berufliche Bildung im SGB II „Wer Grenzen aufmacht, muss gezielt in Vorurteils-Repression investieren“
(Heft 4/2016)
Interview mit Prof. Dr. Andreas Zick

„Wer Grenzen aufmacht, muss gezielt in Vorurteils-Repression investieren“

Interview mit Professor Dr. Andreas Zick, vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld, zu einer im Juni 2016 veröffentlichten Studie zur Willkommenskultur in Deutschland. Diese Studie wurde im Rahmen des Projekts „ZuGleich“ unternommen, das von der Stiftung Mercator gefördert wird.

G.I.B.: Herr Prof. Dr. Zick, Sie sind in gewisser Weise eine Art Landvermesser: Sie vermessen die Willkommenskultur und menschenfeindliche Einstellungen in der Bundesrepublik Deutschland mit repräsentativen und wissenschaftlich validen Methoden über einen sehr langen Zeitraum.

Foto_Zick_Andreas.jpgProfessor Dr. Andreas Zick: Ja, wir analysieren die sogenannte „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ und den Zustand der Gesellschaft hier am Institut seit 2002. Entwickelt hat diesen Ansatz Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer, der ein paar Türen weiter an unserem Institut arbeitet, gemeinsam mit Kollegen von anderen Universitäten. Ich bin 2004 dazugestoßen, weil ich über Vorurteile und Rassismus geforscht und promoviert habe. Zu dieser Zeit entwickelte das IKG die Rechtsextremismus-Forschung, die als Gewaltakzeptanz und als Akzeptanz einer Ideologie von Ungleichwertigkeit definiert wird. Später habe ich auch über Integrationsorientierungen und -prozesse geforscht. Vorurteile sind wesentliche Bremsen der Integration. Mit der Analyse der Willkommenskultur laufen nun die beiden Themenfelder – Vorurteile und Integration – in den ZuGleich-Studien zusammen. Meinungen über die Gleichwertigkeit und Ungleichwertigkeit verbinden alle unsere Studien und sie sind zentral für die Vermessung des gesellschaftlichen Zustands.

Vorurteile sind dabei ein wichtiges Konzept, weil sie zunächst bewirken, andere, die sogenannten Minderheiten, als ungleichwertig darzustellen. 2004 stieß ich zu der Forschungsgruppe „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“. Seit 2002 wurde dort bereits eine repräsentative Umfrage zum Ausmaß von Abwertung und Menschenfeindlichkeit durchgeführt. Die Umfrage lief, gefördert von der VW-Stiftung, zunächst bis 2011. Jetzt führen wir sie zusammen mit der Friedrich-Ebert-Stiftung fort. Mit 14 Jahren Laufzeit ist sie eine der längs­ten Studien weltweit. Das heißt, wir haben 14 Mess-Zeitpunkte und können aufgrund dieses Zeitraums im Rückblick schon klare Trends im Hinblick auf Vorurteile, Abwertung des Gegenübers und Menschenfeindlichkeit erkennen. Im Rahmen der ZuGleich-Studie erheben wir auch menschenfeindliche Einstellungen, dort aber eben im Zusammenhang mit Meinungen darüber, wie Zuwanderer sich integrieren können.

G.I.B.: Welche Entwicklungslinien können Sie über den Zeitraum nachzeichnen?

Professor Dr. Andreas Zick: Das erste Interessante an den Studienergebnissen ist die Tatsache, dass jedes Jahr seine Besonderheiten aufweist. Wir stellten beispielsweise fest, dass aufgrund der 9/11-Attacken auf das World Trade Center in New York in den Jahren 2002, 2003 und 2004 ein Umschwung in der Gesellschaft von einer Ausländerfeindlichkeit zu einer massiven Muslimfeindlichkeit stattfand. Wenn bestimmte Vorurteile auftreten und ein gesellschaftlicher Konsens darüber besteht, dass es sich hierbei nicht um Vorurteile, sondern um Fakten handelt, dann hat diese Haltung auch immer langfristige Effekte. Wir stellen jetzt in der sogenannten Mitte-Studie 2016 fest, dass deshalb die Diskussion um die „Flüchtlingskrise“ im Jahr 2016 zu einem Anstieg an Vorurteilen gegenüber Geflüchteten geführt hat.

Zweitens sehen wir an den Daten, dass bestimmte Menschenfeindlichkeitsmuster auch abnehmen, wie beispielsweise sexistische Einstellungen, menschenfeindliche Bilder über Menschen mit Behinderungen oder über Homosexuelle. Man sieht an den Daten: Wenn es Wechselwirkungen gibt zwischen rechtlicher Gleichstellung und einer öffentlichen Arbeit gegen menschenfeindliche Bilder, kann man wirksam gegen diese menschenfeindlichen Einstellungen vorgehen.

G.I.B.: Eine hoffnungsfrohe Botschaft.

Professor Dr. Andreas Zick: Ja, die ist hoffnungsvoll. Wenn man sich den Wechsel der Muster genau ansieht, widerspricht das der weit verbreiteten These: Frustration erzeugt Aggression. Wir denken immer, in Krisenzeiten steigt die Frustration der Menschen. Sie suchen dann einen Sündenbock und laden dort ihre Frustration ab. Das ist jedoch vollkommen falsch. Nicht wenn es den Menschen sehr schlecht geht, werten sie andere ab, sondern wenn sie der Meinung sind, dass ihnen und der Gruppe, mit der sie sich identifizieren, mehr zustände. In Phasen des Wohlstands ist die Abgrenzung gegenüber anderen am stärksten, wenn Gruppen Verteilungskämpfe wahrnehmen und meinen, sie müssten diese führen, um nicht zu kurz zu kommen.

Eine dritte auffällige Beobachtung im Rahmen der Studien ist, dass Effekte wiederkehren. Eine Zeit lang hatten wir in bestimmten Facetten von Menschenfeindlichkeit starke Einigungsprozesse zwischen Ost und West. Beim Antisemitismus liefen die Einstellungen zusammen. Im Osten, wo Antisemitismus tabuisiert war, stieg der Antisemitismus an, im Westen sank er leicht ab. Jetzt gehen diese Linien wieder auseinander. Daran sieht man, dass die wahrgenommene Spaltung in Ost – West wieder zunimmt, nicht im ökonomischen Bereich, nicht im Bereich der Migration, sondern in der Menschenfeindlichkeit.

Wir sehen, viertens, in den Studien, dass der Effekt zurückkehrt, dass jüngere Befragte, die in unseren Studien traditionell immer sehr offen, multikulturell und tolerant waren, und die Älteren, über 65-Jährigen, starke Ressentiments gegenüber Zuwanderern haben. Das ist der Effekt der sogenannten Verteilungskämpfe im Ausklang der Krisenzeiten. Den gesellschaftlichen Gruppen wird bewusst: Es gibt wieder etwas zu erkämpfen. Und in dem Moment beginnt der Wettbewerb.

Ein fünfter Effekt, den wir in den Daten sehen, sind neue Überzeugungen oder Meinungsmuster. Klassischerweise haben wir immer gesehen, dass es Konservatismus, Autoritarismus und Machtorientierung gibt, die als Denkmuster die Abwertung erklären. Im Zuge der Krise entwickelt aber ein Drittel der Menschen in unseren Befragungen eine ökonomistische Orientierung, die Teil eines marktförmigen Extremismus ist. Sie glauben, gesellschaftlich geht es nicht um Werte, Normen, Identitäten, sondern sie sehen die Gesellschaft als ein Wettbewerbssystem, in dem sich Leis­tungsstärkere durchsetzen. Das verdichtet sich und findet seinen Niederschlag in einem Misstrauen in demokratische Prozesse und Institutionen.

Eine sechste interessante Beobachtung richtet sich auf die Folgen von Vorurteilen. Wir haben nicht nur Querschnitts-, sondern auch Längsschnittstudien durchgeführt, in denen wir über zehn Jahre immer wieder dieselben Leute befragt haben. An diesen Längsschnittstudien konnte man sehr gut sehen, dass die Vorurteilsmuster die Wahrnehmung von Integrationsprozessen steuern und nicht umgekehrt. Das heißt, ich habe nicht das Bild: Zuwanderer müssen sich hier assimilieren, ich sehe, sie tun das nicht und dann entwickele ich meine Vorurteile. Sondern: Ich habe meine stereotypen Bilder über die Gruppen, weiß schon von vornherein, wie Flüchtlinge sind, und das regelt dann den Integrationsprozess.

Ich werde nicht müde zu sagen: Gute Integrationsprozesse versuchen möglichst bei der Prävention von Vorurteilen anzusetzen. Für uns ist klar: Wer Grenzen aufmacht, muss auch gezielt in Vorurteils-Repression investieren, und das am besten sofort. Das hätten wir schon längst lernen können, als unsere sogenannte Gastarbeiter-Generation so schwer mit den Vorurteilen der Aufnahmegesellschaft zu kämpfen hatte, die die Gastarbeiter einfach in bestimmte vorgeprägte und mit Vorurteilen behaftete Schubladen steckten.

G.I.B.: Wie reagieren die Einwanderer, die schon im Land sind, auf die Neuankömmlinge?

Professor Dr. Andreas Zick: Man kann es nicht pauschalisieren und sagen: Die Menschen mit Migrationshintergrund reagieren in einer bestimmten Weise. Die Mehrheit reagiert genauso wie die Einheimischen. Das konnten wir in der „ZuGleich-Studie“ sehr schön zeigen.
Wir haben 2014 und 2016 miteinander verglichen. Vergleichsgruppen waren die Deutschen ohne Migrationshintergrund und Gruppen mit Migrationsbiografie. Wir sehen, dass Menschen mit Migrationsbiografie im Vergleich zu Einheimischen zum Teil noch sehr viel stärker auf Distanz zu Flüchtlingen gehen und sie als Ausländer wahrnehmen. Sie haben selbst erlebt, welche Macht Vorurteile haben. Menschen mit Migrationshintergrund haben selbst lange Integrationsprozesse durchlaufen und wissen, dass die gesamte Flüchtlingsdebatte auch sie beeinträchtigen wird. Wenn man persönlich von Vorurteilen betroffen war, weiß man, dass menschenfeindliche Einstellungen schnell verallgemeinert werden und die Diskussion über Flüchtlinge dann zu einer Diskussion über Muslime werden kann. Genau das ist passiert. Jeder Muslim, der schon immer hier gelebt hat, hier aufgewachsen ist, musste intuitiv damit rechnen, dass jede kritische Diskussion über Flüchtlinge dazu führen würde, dass die Muslim-Feindlichkeit wieder ansteigen würde.

Darüber hinaus – auch das ist ein Ergebnis der Migrationsforschung – ist die Abgrenzung von anderen und die Übernahme von Menschenfeindlichkeit auch ein Integrationsmodus. Ein Beispiel: die Kölner Silvesternacht. Es darf uns nicht wundern, dass ortsansässige Migrantengruppen nun extrem aggressiv verkünden, das Problem selbst in die Hand nehmen zu wollen.

Wir haben aber auch den umgekehrten Effekt, dass Menschen mit Migrationshintergrund, etwa in der dritten Generation, in Bereichen der Integration und Willkommenskultur sehr viel positivere Einstellungen haben als die Einheimischen. Wir sehen in der „ZuGleich-Studie“, dass sowohl die Wertschätzungen von Willkommenskultur, von einer Öffnung der Gesellschaft, von Multikulturalismus als auch die Identifikation mit Deutschland als ein vielfältiges Land unter Migranten viel stärker sind. Mehr noch. Wir haben gefragt: Wann gehört man eigentlich zur Gesellschaft, zu Deutschland? Einheimische führen Kriterien an, die man kaum erwerben oder nicht lernen kann: Man muss hier geboren sein, muss immer hier gelebt haben. Bei Migranten sind es eher Kriterien, die man erwerben kann, aber auch sehr viel mehr Engagement für das Land erfordern.

G.I.B.: Wie ist der Rückgang bei der positiven Einstellung zur Willkommenskultur, den Sie in Ihrer „ZuGleich-Studie“ konstatieren, begründet? Gibt es einen Zusammenhang mit dem erstarkenden Rechtspopulismus?

Professor Dr. Andreas Zick: Im Vergleich der Ergebnisse aus 2014 und 2016 sehen wir erstens, dass es diesen Effekt „Silvesternacht“ gibt. Denn es ist nicht nur ein Rückgang der Zustimmung zur Willkommenskultur festzustellen, sondern auch ein massiver Zuspruch zur These, dass Flüchtlinge Gewalt in das Land gebracht haben.

Zweitens gibt es massive Effekte beim Rechtspopulismus. Wir sehen in unseren Daten: Einbrüche bei der Willkommenskultur haben wir bei den Menschen, die immer stärker die Idee entwickelt haben: Jetzt sind wir dran! Wir wollen zurück zum alten Zustand. Wir haben das „Rückeroberungsorientierung“ genannt, im Sinne einer autoritären Nostalgie: Früher war alles besser.

Zugleich fordert man mehr Selbstbewusstsein gegenüber Migranten und eine Rückeroberung des Raumes. Die Einheimischen sollen sich selbstbewusst zeigen gegenüber Migranten, „sie in ihre Schranken weisen“, ihnen zeigen, „stellt euch erst einmal hinten an“. Da, wo Menschen keine Erfahrung mit Flüchtlingen haben, ist der Effekt am stärksten. Bei Befragten, die erleben, dass es in ihrer Nachbarschaft Erstaufnahmeeinrichtungen gibt, und es passiert nicht das, was mein Vorurteil mir eigentlich sagt, bleibt dieser Effekt aus.

G.I.B.: Das Konkurrenz-Argument, Flüchtlinge werden beispielsweise gegenüber deutschen Arbeitslosen bevorzugt, wird von Rechtspopulisten ja sehr häufig benutzt.

Professor Dr. Andreas Zick: Wir haben in unseren Befragungen festgestellt, dass je vehementer gegen diese Konkurrenz Stellung bezogen wurde, die Menschen den Eindruck gewannen, dass da etwas drohe. Arbeitsmarktintegration als Vorrecht für Einheimische zu postulieren, zeugt nicht gerade von einem demokratischen Verständnis. Damit lassen sich aber Menschen politisch mobilisieren. Man kann besser mit Menschenfeindlichkeit als mit Integration Politik machen.

Und genau da müssen wir in NRW gegenhalten, denn wir sind ein Bundesland, das vorbildlich ist beim Thema Integration. Vielleicht sind wir in Bildung nicht so gut, wirtschaftlich nicht so stark wie andere, aber Integration ist unsere Stärke. Hierzu müssen wir ein Verständnis von sozialem Wandel entwickeln, der bisher hauptsächlich unter dem Aspekt der Besitzstandswahrung diskutiert wurde. Viel wichtiger ist, dass Menschen sozialen Wandel nachvollziehen können und ihn als Chance begreifen.

G.I.B.: Was wäre vor diesem Hintergrund Ihre Botschaft an die DAX-30-Unternehmen, die bis jetzt nicht einmal hundert Flüchtlinge eingestellt haben, der größte Teil davon bei der Deutschen Post.

Professor Dr. Andreas Zick: Angesichts der Verteilungszahlen steht eins ja fest: Mehr Geflüchtete in Arbeit bringen. Aber da kann mehr dazukommen. Erinnern wir uns an die Zeit der sogenannten Gastarbeiter-Anwerbung. Damals haben Unternehmen und Politik erkannt, dass es nicht reicht, einen Arbeitsvertrag abzuschließen. In der Automobil-Industrie wurden zum Beispiel Lern-Werkstätten eingerichtet, in denen Integrationsprozesse gefördert wurden – und zwar außerhalb der Arbeit. Dieses Wissen ist vielfach nicht mehr vorhanden. Ich würde mir auch heute wünschen, dass die Unternehmen die gesellschaftlichen Integrationsprozesse mitbedenken und in diese investieren. Ich war relativ früh für die Abschaffung des Ost-Solis und die Einführung eines Integrations-Solis, weil sich dann Kommunen gemeinsam mit der Wirtschaft um Integrationsprozesse ihrer Arbeitnehmer kümmern und beispielsweise DAX-Unternehmen in Stiftungen investieren, die Bildungsprozesse fördern. In Bayern engagiert sich beispielsweise BMW für die Integrationsprozesse der Kinder der Arbeitnehmer. Das finde ich vorbildlich.

G.I.B.: Welche Strategien zum Abbau von Menschenfeindlichkeit sind machbar?

Professor Dr. Andreas Zick: Bei der Vorurteils-Repression gibt es zwei Königswege. Der eine Weg ist die Erfahrung. Ich höre vielleicht von kriminellen Flüchtlingen, stehe am Bahnhof und habe eine positive Erfahrung mit einem Flüchtling. Das mindert meine Vorurteile ungeheuer stark. Menschen, die neben einem Flüchtlingsheim leben – das hat man in den letzten zwei Jahren in jeder großen Studie gelesen –, sagen: ja, es gibt Konflikte, es ist manchmal laut, die Menschen feiern auch und sind kulturell anders, aber das hat nichts mit Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen zu tun. Sie haben eine höhere Sensibilität für Konflikte in einer Flüchtlingsunterkunft. Sie können aus ihrer Erfahrung heraus ganz anders reagieren. Sie folgen nicht dem Vorurteil, dass Ausländer gewalttätiger sind.

Vorurteile basieren immer auf einer illusorischen Korrelation. In Deutschland existiert der relativ feste Glaube, dass „Ausländer sein“ und „Kriminalität“ zusammengehören, dass, wer einmal kriminell ist, immer kriminell sein wird. Alle Studien zeigen, dass das nicht der Fall ist.

Der zweite Königsweg ist die Information, wie sie zum Beispiel durch Bildung erfolgen kann. Ich kann Sachinformationen über Geflüchtete und ihre Gründe, kulturelle Unterschiede usw. vermitteln. Ich kann aufklären, dass das Vorurteil nicht stimmt. Das wirkt aber nicht so stark wie Erfahrung. Schülerinnen und Schüler wissen, was ihre Eltern, ihre Lehrer denken und sie vertrauen ihren Peers, den Medien und den Mitschülern. Vor diesem Hintergrund müssen intelligente Projekte entwickelt werden, zum Beispiel durch Peer-Education, die sich mit den Werten in diesen Gruppen auseinandersetzt.

Ein anderer Punkt, den ich in den Studien sehe: Wir müssen die Bearbeitung von Menschenfeindlichkeit verknüpfen mit der Bearbeitung einer starken Eliten-Kritik. Man gerät neuerdings mit Projekten schnell in das Lager der Gutmenschen, der Feinde, der Regierungsnahen. Wir sehen neuerdings, dass auch die politischen Eliten angegriffen werden und zu den Betroffenen gehören. Die, von denen wir eigentlich Regierungs- und Regulationsfähigkeit erwarten, finden sich auf einmal in der Gutmenschen-Willkommenskultur-Feind-Ecke. Das heißt, wir müssen Projekte konfliktkompetent machen.

Schon sich dem Thema Menschenfeindlichkeit zu stellen – als Land, als Betrieb, als Universität –, dem nachzugehen, was es an Vorurteilen gibt, erzeugt ganz andere Diskussionen. Rechtspopulismus setzt häufig die Themen: Sind wir terroranfällig? Wollen alle Muslime die Scharia? Die Medien reagieren darauf mit zahlreichen Talkshows, in denen diskutiert wird, ob das so ist oder nicht. Sie diskutieren aber nicht darüber, welchen gesellschaftlichen Schaden Fremdenfeindlichkeit anrichtet.

Das Interview führten

Manfred Keuler
Tel.: 02041 767152
m.keuler@gib.nrw.de

Dr. Hildegard Logan
Tel.: 02041 767149
h.logang@gib.nrw.de

Kontakt

Universität Bielefeld
33501 Bielefeld
Prof. Dr. Andreas Zick
Tel.: 0521 1062442
zick.ikg@uni-bielefeld.de
Artikelaktionen