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(Heft 2/2014)
Berufsfelderkundungstag

Berufsfelderkundung bei der Brüninghoff GmbH und Co. KG

Bei Brüninghoff wird der Berufsfelderkundungstag auf zwei Nachmittage aufgeteilt. Am ersten Tag erfahren die Schüler bei einem Betriebsrundgang am Hauptsitz in einem Gewerbegebiet in Heiden zunächst einiges über das Unternehmen. Zum Beispiel, dass an vier Betriebsstandorten insgesamt rund 400 Mitarbeiter/-innen arbeiten, das Betriebsgelände in Heiden über 40.000 Quadratmeter groß ist und bei einem Jahresumsatz von rund 80 Millionen Euro pro Jahr insgesamt rund 140 Bauprojekte realisiert werden. Darunter sind nicht nur Holzbauten, auch Stahl- und Stahlbetonbau, Fenster- und Fassadenbau gehören zum Portfolio des Unternehmens. Daneben gibt es eine eigene Lackiererei und eine Elektrowerkstatt.

Auch dass Brüninghoff für die Mitarbeiter 2013 eine eigene Fortbildungs-Akademie gegründet hat, dürfte für die Jugendlichen nicht uninteressant sein. Vielleicht gehören sie ja in zwei Jahren zu der stattlichen Zahl an Auszubildenden bei Brüninghoff. 42 sind es derzeit.

„Qualifizierte und zufriedene Mitarbeiter sind unser Kapital“, sagt Geschäftsführer Sven Brüninghoff, „im Zuge des zunehmenden Fachkräftemangels ist das ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.“ Die Schülerinnen und Schüler, die eine Berufsfelderkundung im Unternehmen machen, können sich nach diesen Informationen also ausmalen, dass eine duale Ausbildung bei Brüninghoff, auch was die weitere berufliche Entwicklung angeht, eine gute Wahl sein könnte.

Am ersten Tag der Berufsfelderkundung bei Brüninghoff stehen außerdem Erläuterungen zu den jeweiligen Arbeitsplätzen sowie eine Sicherheitseinweisung auf dem Programm. Personalleiterin Ruth Weber erklärt den Schülerinnen und Schülern auch, wie die Ausbildung im Unternehmen abläuft, welche Praktikumsmöglichkeiten es in den Ausbildungsberufen gibt und was man bei einer Bewerbung für einen Ausbildungsplatz erwartet. „Manchmal ist man mit diesen Infos schnell durch“, sagt Ruth Weber. „Ich würde mir wünschen, dass die Schülerinnen und Schüler mehr Fragen stellen.“ Das scheint bisher eher die Ausnahme zu sein.

Auch die vier Schüler der Realschule Velen, die an einem Mittwochnachmittag in den Osterferien den zweiten Teil ihrer Berufsfelderkundung bei Brüninghoff absolvieren, sind zunächst sehr verhalten, was das Fragen angeht. Sie werden im Brüninghoff-Verwaltungsgebäude von Udo Hayk in Empfang genommen, der die Elektrowerkstatt leitet. Kevin Schäfer (15) und Marcel Tappe (13) haben sich diesen Bereich für ihre Berufsfelderkundung ausgesucht. Nico Roring und Melvin Hartfield (beide 14) möchten dagegen den Bereich Zimmerei/Holzbau erkunden. Udo Hayk liefert sie bei seinem Kollegen Klaus Sievers ab, der Leiter dieses Bereichs ist. Er empfängt die beiden Schüler in klassischer Zimmermanns-Montur und beginnt den Nachmittag mit einem kleinen Rundgang durch die weitläufige Halle, in der die Holzwerkstatt untergebracht ist. Überall liegen fein säuberlich gestapelt Holzbalken, teilweise schon bearbeitet, teilweise noch im Rohzustand. Etwa 3.000 Kubikmeter Holz verarbeite man hier im Jahr, erzählt er den Schülern auf dem Weg zu den verschiedenen Großmaschinen, die das Holz computergesteuert in die richtige Form bringen. Auch die Endprodukte lassen sich in der Halle besichtigen. An der Längsseite steht eine Fußgängerbrücke aus wetterfestem Hartholz zum Abtransport bereit, gleich dahinter unter einer Plane lassen sich, ebenfalls bereits für die Auslieferung verzurrt, die Teile eines kleinen Holzhauses, das dem Auftraggeber als Büro dienen soll, erkennen.

Wie ein Puzzle werden die Wände eines solchen Holzhauses aus den vorgesägten und -gefrästen Einzelteilen zusammengesetzt, erklärt Klaus Sievers wenig später auf der anderen Seite der Halle. Genau bei dieser Arbeit sind hier gerade auch einige Mitarbeiter. „Haben wir noch eine kleinere Wand, die die Jungs zusammensetzen können?“, fragt Klaus Sievers. Und wenig später schauen Nico Roring und Melvin Hartfield schon konzentriert auf einen Bauplan, auf dem die nummerierten Einzelteile verzeichnet sind und suchen sie aus dem Holzstapel direkt nebenan heraus. Mit der Hilfe eines Mitarbeiters haben die beiden nach einiger Zeit eine komplette Giebelwand samt Fensterausschnitt auf den riesigen Montagetisch zusammengesetzt. „Das klappt doch schon ganz gut“, sagt Klaus Sievers.

Damit die Schüler ihre handwerklichen Fähigkeiten ausprobieren können, hat sich der Ausbilder aber noch etwas Besonderes ausgedacht: den „Teufelsknoten“. Das ist ein aus sechs Teilen bestehendes Steckpuzzle aus Holz. Klaus Sievers hat die einzelnen, ca. 20 Zentimeter langen Teile vorbereitet, nur an einem Teil fehlt noch die richtige Nut. Zunächst müssen die Schüler erkennen, welcher Teil des Teufelsknotens noch nicht dem Beispiel, das auf der Werkbank liegt, entspricht. Das gelingt Nico Roring und Melvin Hartfield relativ schnell. Dann geht es darum, wie man das Holz bearbeiten muss, damit sich der Knoten später nahtlos zusammenfügen lässt. Klaus Sievers macht es vor. Erst wird mit dem Zollstock gemessen und mit einem Streichmaß angerissen. Dann kommen eine kleine Japansäge und ein Stechbeitel zum Einsatz. Diese Begriffe sind für die beiden 14-Jährigen Neuland. Und auch die Markierungen auf dem Stück Holz stellen sich als eine kleine Herausforderung heraus. Die beiden brauchen einige Zeit, bis das Streichmaß so über das Werkstück gleitet, dass eine gerade Linie entsteht. Nach ein paar Anläufen ist es aber geschafft und sie können anfangen, das überflüssige Holz zu entfernen. Damit sind sie bis zum Ende ihres Berufsfelderkundungstages beschäftigt. Beide schaffen den kleinen handwerklichen Test und nehmen stolz einen selbst gebauten Teufelsknoten mit nach Hause.

Im einem kleinen Abschlussgespräch erkundet die Personalleiterin am Ende, wie es den Schülern gefallen hat und natürlich auch, ob der vorgestellte Beruf einer sein könnte, den sie später mal aus­üben möchten. „Es kommt meistens relativ schnell ein klares Ja oder Nein“, so die Erfahrung von Ruth Weber. Natürlich gebe es Arbeiten, die man in der Kürze der Zeit, die für die Berufsfelderkundung vorgesehen ist, nicht vermitteln könne. „Aber je früher wir am potenziellen Auszubildenden dran sind, desto früher wecken wir auch das Interesse für das Unternehmen Brüninghoff. Und für die Berufswahl ist ein solcher Tag für einen Jugendlichen sicher eine große Hilfe, egal ob im positiven Sinn oder aber, um ein Berufsfeld auszuschließen. Und auch unsere Ausbilder bewerten die Berufsfelderkundung positiv.“

Melvin Hartfield kann nach der Berufsfelderkundung bei Brüninghoff noch nicht sagen, ob er sich beruflich in Richtung Zimmerei/Holzbau orientieren wird. Der Tag hat ihm Spaß gemacht, aber auch die Berufsfelderkundung im Raiffeisen-Markt, die er schon absolviert hat, fand er interessant. Nico Roring, der zuvor schon das Berufsfeld eines Fotografen erkundet hat, ist sich da schon sicherer: „Mein Vater ist Architekt und ich will auf jeden Fall auch etwas machen, das mit Bauen zu tun hat. Da wäre das hier schon ganz gut“, sagt er.

Bei Marcel Tappe, der unterdessen in der Elektrowerkstatt eine einfache Schaltung mit Schalter, Steckdose und Leuchte verdrahtet hat, ist es umgekehrt: „Das hier hat Spaß gemacht und ist auch ganz gut, aber meine Berufsfelderkundung im Fotostudio hat mir noch besser gefallen“, stellt er nach dem Tag bei Brüninghoff fest. Kevin Schäfer, der neben ihm an der Werkbank die letzten Kabel mit Klemmen verbindet, scheint mehr Gefallen am Elektro-Handwerk entwickelt zu haben. Er fragt Udo Hayk, ob er bei Brüninghoff einen Ferienjob bekommen könne. Da muss der Elektro-Meister allerdings passen. „Das machen wir nicht, weil es hier nicht genug einfache Tätigkeiten gibt“, erklärt er, „aber für ein Praktikum kannst du dich jederzeit bewerben.“

Abstract

Die Kommunale Koordinierungsstelle des Kreises Borken veranstaltete am 31. März dieses Jahres in enger Zusammenarbeit mit der IHK-Nordwestfalen und der Kreishandwerkerschaft Borken einen „Praxisworkshop Berufsfelderkundung“. Vertreter und Vertreterinnen von Schulen und Unternehmen aus der Region trafen sich in der Brüninghoff Akademie in Heiden mit dem Ziel, Erfahrungen auszutauschen und Anregungen für eine Optimierung der praktischen Umsetzung von Berufsfeld­erkundungen zu sammeln. Zwar kamen verschiedene Probleme z. B. beim Informationsfluss, bei der Organisation an den Schulen, beim Angebot von Stellen in sozialen Berufen oder bei der Vorbereitung der Schüler auf die Berufsfelderkundungen zur Sprache. Es wurde aber auch deutlich, dass sowohl die Schulen als auch die Unternehmensseite diese frühe, systematische Berufsorientierung sehr begrüßen.

Kontakte

Kommunale Koordinierung
Kreis Borken – Bildungsbüro
Kreishaus in Borken
Burloer Str. 93, 46325 Borken
Elisabeth Büning
Tel.: 02861 82-1346
e.buening@kreis-borken.de

Brüninghoff GmbH & Co. KG
Personalleitung – Ruth Weber
Industriestraße 14
46359 Heiden/Westfalen
Tel.: 02867 9739-145
ruth.weber@brueninghoff.de

Ansprechpartner in der G.I.B.

Richard Osterholt
Tel.: 02041 767-153
r.osterholt@gib.nrw.de

Autor

Frank Stefan Krupop
Tel.: 02306 741093
frank_krupop@web.de
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