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(Heft 4/2013)
Ergebnisse aus vier Jahren Programmumsetzung

Teilzeitberufsausbildung – Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen (TEP)

Seit dem Ausbildungsjahr 2009/2010 unterstützt das Land NRW mit der Förderlinie „Teilzeitberufsausbildung – Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen“ (TEP) junge Menschen mit Familienverantwortung dabei, ihren Wunsch nach einer Berufsausbildung zu realisieren. TEP ist Teil des Handlungsprogramms für Berufsrückkehrende „Brücken bauen in den Beruf“ und wird neben Landesmitteln und weiteren Finanzierungsquellen mit Mitteln des europäischen Sozialfonds kofinanziert.

Ziel der TEP-Maßnahme ist der Übergang in eine betriebliche Erstausbildung (in der Regel in Teilzeit) in einem nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) oder der Handwerksordnung (HWO) anerkannten Ausbildungsberuf. Seit 2010 kann auch eine Ausbildung zur Altenpflegefachkraft im Rahmen von TEP begleitet werden.

Die maximal zwölfmonatige TEP-Förderung sieht eine individuelle Vorbereitungsphase von vier Monaten und eine Phase der Ausbildungsbegleitung von acht Monaten durch Bildungsträger vor. Zielgruppe sind Mütter und Väter, die wegen bestehender Familienpflichten (Kinderbetreuung/Pflege von Angehörigen) bisher keine Ausbildung aufnehmen konnten oder diese abgebrochen haben. Die Information und Unterstützung der ausbildungsbereiten Unternehmen zur Umsetzung und Etablierung von Teilzeitberufsausbildung in den unterschiedlichsten Berufen ist ebenfalls Aufgabe der TEP-Projektträger.

Bewilligte Projekte und Plätze
 

Seit Programmstart im Frühjahr 2009 bis zum Abschluss des vierten Projektdurchlaufs im Jahr 2012 sind fast 1.800 Frauen und Männer in die insgesamt 128 geförderten Projekte eingetreten (siehe Tab. 1). Seit 2011 wurde die Platzzahl auf 540 Teilnehmendenplätze jährlich festgelegt und in allen 16 Arbeitsmarktregionen des Landes NRW umgesetzt. Damit einher ging eine einheitliche Berechnungsgrundlage für die regionale Quote, die sich auf 10 Plätze pro Kreis bzw. kreisfreier Stadt in der Region bezog. Aufgrund der Möglichkeit zur Nachbesetzung von frei gewordenen Teilnehmendenplätzen werden stets mehr Eintritte als bewilligte Plätze verzeichnet. Für die Projektdurchläufe 2009 bis 2012 wurden für die Förderlinie TEP insgesamt rd. 3,3 Millionen Euro ESF- und Landesmittel bewilligt.

 

 

 

Struktur der TEP-Teilnehmenden
 

Über alle vier abgeschlossenen Projektrunden zeigt sich, dass die Teilnehmerstruktur über die Jahre weitgehend homogen geblieben ist. Der Frauenanteil lag in allen Projektdurchläufen bei rund 98 %. Mehrheitlich hatten die teilnehmenden Mütter (und Väter) ein Kind, mit dem sie in einem Haushalt zusammen lebten. Fast alle Kinder waren jünger als 15 Jahre, und rd. 40 % der Teilnehmenden betreuten ein Kleinkind von unter drei Jahren. Fast zwei Drittel der Teilnehmenden waren alleinerziehend. Insbesondere die große Gruppe Alleinerziehender mit Kleinkindern benötigt für den Übergang in Ausbildung die intensive Betreuung und Begleitung, die das TEP-Projekt ihnen bietet.

Die Pflege von Angehörigen war in allen Projektrunden nur ein nachrangiges Thema, was auch auf das eher junge Durchschnittsalter der Teilnehmenden zurückzuführen ist.

Die unter 25-Jährigen bildeten stets die größte Gruppe unter den Teilnehmenden, in der Tendenz stieg jedoch der Anteil der „älteren“ Teilnehmenden über 25 Jahren seit 2009 kontinuierlich von 36 % auf zuletzt knapp 49 % im Jahr 2012.

Es wurden in allen Projektdurchgängen eher besser qualifizierte Frauen und Männer erreicht: Die Mehrheit der Teilnehmenden verfügte jeweils mindestens über einen mittleren Schulabschluss. Dieser Anteil stieg stetig von rd. 54 % im Jahr 2009 auf zuletzt 63 % 2012.

Übergänge in begleitete Ausbildung
 

Rd. 33 % der Teilnehmenden traten im ersten Projektjahr 2009 nach Abschluss der Vorbereitungsphase in eine durch den Bildungsträger begleitete (betriebliche) Ausbildung ein. Die Mehrheit trat eine Ausbildung in Teilzeit an. Nachdem die Eintrittsquote in begleitete Ausbildung im Folgejahr leicht auf 31 % zurückging, stieg sie in den Folgejahren stetig an. 2011 lag sie bei rd. 40 % und 2012 schließlich bei rd. 46 % (siehe Abb. 1).

Die Vergütung der Teilzeitberufsausbildung erfolgte in der Regel nach Stundenvolumen (in jeweils rd. 90 % der Fälle), und ihr Zeitumfang betrug in der Regel 30 Wochenstunden.

Bei den TEP-Teilnehmenden zeigt sich in allen Projektrunden ein sehr begrenztes Spektrum bei der Berufswahl: In allen Jahren konzentrierten sich drei von vier begleiteten Ausbildungen auf die zehn beliebtesten Ausbildungsberufe. Fast jeder zweite Ausbildungsvertrag wurde im kaufmännischen Bereich abgeschlossen, gefolgt von den Bereichen Gesundheit bzw. Altenpflege sowie Verkauf.

Abbrüche der begleiteten Ausbildung innerhalb der Projektlaufzeit werden seit 2010 ebenfalls im Rahmen des Monitorings erfasst. Über das Projektende hinaus ist keine Erfassung von Abbrüchen vorgesehen. 2010 lag die Abbruchquote der begleiteten Ausbildung bei 13 %, 2011 bei rd. 17 % und 2012 bei rd. 18 %. Abbruchgrund waren in erster Linie Probleme im Betrieb (etwa mit den Arbeitszeiten oder der Arbeitsorganisation).

Verbleib der Teilnehmenden nach Verlassen der TEP-Maßnahme
 

Die Gruppe der Teilnehmenden, die nach ihrem individuellen Austritt aus der TEP-Maßnahme in Ausbildung (sowohl in betrieblicher als auch in sonstiger, z. B. schulischer Ausbildung) verblieb, ist nach einem leichten Absinken von anfänglich rd. 38 % im Jahr 2009 auf knapp 37 % im Jahr 2010 stetig angestiegen auf zuletzt rd. 45 % im Jahr 2012 (siehe Abb. 2).

Der Anteil derer, die abseits des Übergangs in Ausbildung eine sonstige berufliche Anschlussperspektive fanden (z. B. andere Qualifizierungsmaßnahmen, Beschäftigung, Nachholen von Schulabschlüssen u. a.), ist – zugunsten der in Ausbildung verbliebenen Gruppe – von einem hohen Anteil von rd. 39 % 2009 auf zuletzt 29 % im Jahr 2012 gesunken. Der Anteil derer, die ohne berufliche Perspektive bzw. Entwicklung das TEP-Projekt verließen, liegt (abgesehen von einem negativen Ausschlag im 2010) konstant bei rund einem Viertel der Teilnehmenden (siehe Abb. 2). Diese mündeten in Arbeitslosigkeit, traten eine Therapie an oder wurden erneut schwanger bzw. kehrten zu einer ausschließlichen Familientätigkeit zurück.


1 Die laufende Projektrunde 2013/2014 wird in der folgenden Übersicht nicht berücksichtigt und ist nicht Gegenstand der nachfolgend dargestellten Auswertungen der G.I.B.-Monitoring-Daten.

Ansprechpartnerin in der G.I.B.

Dr. Maria Icking
Tel.: 02041 767-273
m.icking@gib.nrw.de

Autorin

Julia Mahler
Tel.: 02041 767-175
j.mahler@gib.nrw.de
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