Sie sind hier: Startseite Heftarchiv 2011 25 Jahre G.I.B. Ziel erreicht - Fortsetzung folgt
(Heft 3/2011)
Mehr als 1.000 neue Arbeitsplätze für Menschen mit einer schweren Behinderung in Integrationsprojekten

Ziel erreicht - Fortsetzung folgt

Das Landesprogramm „Integration unternehmen!“ (LIU) hat sein Ziel erreicht: Seit Juni 2008 sind mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und der beiden Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe mehr als 1.000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Integrationsunternehmen, -abteilungen und -betrieben entstanden, die schwerbehinderten Menschen eine Teilhabe am allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglichen – Grund genug für einen Rückblick auf die erfolgreiche, dreijährige Landesinitiative und einen Blick in eines der entstandenen Integrationsunternehmen.

Ein Dienstagnachmittag in Münster-Dorbaum: André Asshoff hat gegen 14 Uhr seinen Dienst angetreten, seine weiße Kochkluft mit dem auf der Brusttasche aufgestickten Namen angezogen und hilft jetzt bei der Vorbereitung für eine Jägersoße. Gekonnt und schnell schneidet er Champignons in feine Scheiben. Der 25-Jährige arbeitet seit August 2010 in der Küche des gastronomischen Betriebes „Haus Münsterland“ und ist einer von sechs Beschäftigten mit Handicap.

Das Haus ist ein Integrationsbetrieb, der im Juni vergangenen Jahres mithilfe des NRW-Landesprogramms „Integration unternehmen!“ entstanden ist. André Asshoff ist gelernter Beikoch und froh hier Arbeit gefunden zu haben: „Nach meiner Werker-Ausbildung beim Berufsbildungswerk in Moers1 habe ich mich bei verschiedenen Stellen beworben, aber Unternehmen wie dieses sind schwer zu finden“, gibt er bereitwillig Auskunft. Er fühlt sich wohl in dem Team, zu dem auch Köche und Servicekräfte ohne Behinderung zählen. „Wir sind hier wie eine große Familie“, sagt André Asshoff, „und ich komme mit allen gut zurecht.“

Er ist stolz auf seinen Arbeitsplatz in der Küche, denn im Haus Münsterland wird auf Qualität und frische Zubereitung großer Wert gelegt. „Wir arbeiten nicht mit Convenience-Produkten und unsere Leis­tung wird anerkannt. Es kommt oft vor, dass die Gäste uns loben – zum Beispiel neulich als ich für das Salatbuffet verantwortlich war“, berichtet der Beikoch „und wenn man ein Problem hat, weiß man, an wen man sich wenden kann.“ Die Betriebsleiterin Annette Wieners und der Geschäftsführer Johannes Wieners haben immer ein offenes Ohr für ihre Mitarbeiter. Und auch die nicht behinderten Fachkräfte werden neben ihrer fachlichen Kompetenz vor allem nach ihrem Verständnis für die besonderen Bedürfnisse der Mitarbeiter mit Handicap ausgesucht. Das ist vor allem in der Küche, wo sich ab und zu etwas Stress nicht vermeiden lässt, wichtig. „Unsere behinderten Mitarbeiter arbeiten nicht in einem Schonraum und werden durchaus gefordert“, sagt Johannes Wieners, „einen Choleriker, der sie in Drucksituationen anbrüllt, können wir da aber nicht gebrauchen. Ein gutes Betriebsklima ist für uns überlebensnotwendig. Mitarbeiter mit Handicap sind viel empfindlicher für schlechte Stimmungen und können unter solchen Bedingungen nicht arbeiten.“

Viele Stellen im privatwirtschaftlichen Bereich
 

Das Haus Münsterland ist eines von 150 Unternehmen, das im Zeitraum des Landesprogramms „Integration unternehmen!“ eine investive Förderung aus Landesmitteln und/oder aus Mitteln der Landschaftsverbände erhalten hat. Fast drei Viertel (73 %) werden als selbstständige Integrationsunternehmen (109) betrieben, rund ein Viertel (27 %) als unselbstständige Integrationsabteilungen oder -betriebe (41). Mehr als die Hälfte der geförderten Projektvorhaben sind Neugründungen, bei denen mindestens drei neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen entstehen mussten.2 Rund ein Drittel der geförderten Unternehmen ist dem privatwirtschaftlichen Bereich zuzuordnen.

Gerade die letzte Zahl macht Mut, taten sich ganz „normale“ gewerbliche Betriebe bisher doch eher schwer, wenn es um die Einrichtung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderungen ging. Deshalb war es auch erklärtes Ziel des Landesprogramms, neue Tätigkeitsfelder für Menschen mit Behinderungen in der gewerblichen Wirtschaft zu erschließen,

Allgemeiner Arbeitsmarkt profitiert
 

Das gesetzte Ziel von 1.000 dauerhaften Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderungen hat man nicht nur erreicht, sondern überschritten: Mit Beteiligung des Landes wurden 812 Arbeitsplätze eingerichtet. Dazu kamen bis zum 30. Juni des laufenden Jahres 371 Arbeitsplätze, die ohne finanzielle Beteiligung des Landes aus den Mitteln der Ausgleichsabgabe durch die Integrationsämter der Landschaftsverbände gefördert wurden. Insgesamt stehen also 1.183 neu geschaffene sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap zur Verfügung.

Und auch der Arbeitsmarkt für Nichtbehinderte profitierte von dem Landesprogramm: Zum Zeitpunkt der Bewilligung planten die Träger der Integrationsprojekte die Einstellung von rund 500 weiteren Mitarbeitern ohne Behinderungen. Das Haus Münsterland hat zum Beispiel fast genauso viele Arbeitsplätze für Menschen ohne Behinderung geschaffen wie für Menschen mit Behinderung.

Die Gastronomie, inklusive Großküchen und Catering, ist mit über 25 Prozent der im Rahmen der Förderung entstandenen Arbeitsplätze auch die am stärksten vertretene Branche. Im Garten- und Landschaftsbau (8 %) sowie den Geschäftsfeldern Lohnmontagen und anderen gewerblichen Dienstleistungen (12 %) sind weitere rund 20 Prozent der neuen Arbeitsstellen angesiedelt. Der Rest verteilt sich auf einen bunten Branchenmix, zu dem Einzelhandelsunternehmen und Wäschereien ebenso gehören wie Hotellerie, EDV-Dienstleister und viele andere.

Stadtteilzentrum als Integrationsprojekt
 

Das Haus Münsterland bietet als Gastronomie- und Veranstaltungsbetrieb insgesamt elf sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, davon sechs für Arbeitnehmer mit Behinderung, und ist damit Integrationsunternehmen im Sinne des § 132 des SGB IX. Die Beschäftigten mit Handicap sind ein Beikoch in Vollzeit, ein Beikoch in Teilzeit, ein Jugendlicher in der Ausbildung zum Beikoch, zwei Hauswirtschafterinnen und eine Kraft, die die Außenanlagen pflegt.

Die beiden Hauswirtschafterinnen hatten zwar ihre Ausbildung geschafft, konnten sich aber in den zwei Jahren danach aufgrund ihrer Behinderung in verschiedenen Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht behaupten. In der Berufsbiografie standen nach zwei Jahren drei bis fünf Abbrüche. Mit der Bewerbung beim Haus Münsterland änderte sich das. „Die beiden haben jetzt hier eine stabile Stelle“, sagt der Geschäftsführer und betont, dass alle Arbeitsverträge im Haus Münsterland unbefristet sind.

Die Beschäftigten in dem Münsteraner Integrationsbetrieb zeigen sich durchweg sehr motiviert, weisen aber unterschiedliche Behinderungen auf, die einen auf die jeweilige Person individuell zugeschnittenen Arbeitseinsatz verlangen. „Es gibt einige, die sind nicht ausdauernd konzentriert, andere sind überfordert, wenn sie mehr als eine Sache auf einmal machen müssen, wieder andere können bestimmte Aufgaben nicht erfüllen, weil ihnen das Handgeschick fehlt“, macht Johannes Wieners deutlich.

Mit solchen Handicaps kennt man sich im Haus Münsterland bestens aus. Betreiber des Hauses ist die eigens für das Projekt gegründete infa Münster gGmbH, eine 100-prozentige Tochter des gemeinnützigen Vereins „Lernen fördern“, der sich seit über 25 Jahren für behinderte und benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene aus Münster und dem Umland engagiert. Zwar hatte der Verein in dieser langen Zeit eine Vielzahl von erfolgreichen Übergängen in Ausbildung und Beschäftigung initiiert und begleitet, doch hatte man auch die Erfahrung gemacht, dass dauerhafte Arbeitsplätze mit stabilen und nicht überfordernden Bedingungen insbesondere für schwerbehinderte junge Menschen schwer zu finden sind. 2009 gründete die infa als ihr erstes Integrationsunternehmen eine integrative Arbeitnehmerüberlassung.

Dort arbeiten heute zwölf Arbeitnehmer auf Arbeitsplätzen in Partnerunternehmen. Die Idee, selber Arbeitsplätze für diese Menschen zu schaffen, stand aber schon länger im Raum. Mithilfe des Landesprogramms „Integration unternehmen!“ ließ sie sich im Jahr 2010 endlich umsetzen. „Es war von vornherein klar, dass beide Projekte nur mit entsprechender Förderung möglich sind“, macht infa-Geschäftsführer Johannes Wieners klar.

Im Februar des Jahres erwarb die infa Münster gGmbH die Mitte der 1960er Jahre als Soldatenheim errichtete und seit 2007 nicht mehr genutzte Immobilie. Die investiven Mittel des Landes und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe flossen in den Umbau des Hauses und in die Anschaffung von Einrichtungsgegenständen. Zum Beispiel wurde in die Küche inves­tiert, die veraltet und rein auf ein Á-la-carte-Geschäft ausgerichtet war. Sie wurde so umgerüstet, dass es heute möglich ist, bestimmte Speisen längere Zeit vorzubereiten, was besonders bei Großveranstaltungen oder großen Hochzeiten wichtig ist. „Für uns war von Anfang an klar, dass man mit unserer Zielgruppe nicht unter Dauerstress arbeiten kann, sondern ein ruhiger Arbeitsprozess nötig ist. Die investiven Mittel flossen zum Beispiel in sogenannte Konvektomaten – eine Art Dampfgarer, mit denen 75 tellerfertig vorbereitete Essen auf einmal fertiggestellt werden können. Dadurch kann auch bei großen Veranstaltungen das Essen ganz in Ruhe vorbereitet werden“, erläutert Johannes Wieners. Außerdem hatte man auch einen anderen Anspruch an die Qualität des Essens, das vorher eher Kantinenniveau hatte.

Im Juni 2010 öffnete das Haus Münsterland als neues Stadtteilkultur- und Begegnungshaus, Gaststätte und Restaurant-Café. Neben dem Raumangebot für örtliche Gruppen und Institutionen bietet das Haus Räume und Catering für Hochzeiten, Geburtstags- und Vereinsfeiern, Tagungen und vieles mehr. Ein großer Saal mit Bühne ermöglicht außerdem regelmäßige Veranstaltungen wie Theater-, Kabarett- und Musikabende. Drei Kegelbahnen und eine Schießanlage lassen auch sportliche Aktivitäten zu.

Gemeinschaftliche Finanzierung
 

Die Förderung des Landes steht allen Unternehmen offen. Das Land und die Landschaftsverbände finanzieren vorwiegend die technische Erstausstattung von Arbeitsplätzen für behinderte Menschen. Dabei ist die Förderung jedoch nicht an die Ausstattung eines bestimmten Arbeitsplatzes gekoppelt, sondern auf das Gesamtprojekt bezogen. Das heißt, dass zum Beispiel auch der Traktor finanziert werden kann, den ein Garten- und Landschaftsbetrieb in einem Betriebsbereich braucht, in dem zusätzlich Menschen mit Behinderungen beschäftigt werden – auch wenn diese den Traktor nicht selbst fahren. Die Landschaftsverbände zahlen als dauerhafte und verlässliche Pauschalen zusätzlich den Minderleistungsausgleich und den besonderen Aufwand für die Betreuung.

Eine solche Mischfinanzierung ist im Rahmen des Landesprogramms ausdrücklich vorgesehen. Das NRW-Minis­terium für Arbeit, Integration und Soziales und die Landschaftsverbände ziehen dabei an einem Strang. Das Land stellte 10 Mio. € zur Verfügung und ergänzt mit seiner Initiative die bestehende Förderung der Landschaftsverbände. Insgesamt hat das MAIS bis zum 30. Juni 2011 Förderzusagen in Höhe von ca. 8,75 Millionen Euro gegeben. Weitere Betriebskostenzuschüsse gibt es nicht.

Integrationsunternehmen müssen als Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes ihre laufenden Kosten, insbesondere die Personalkosten, über den Markt finanzieren. Diese Hürde meistern alle im Rahmen des Landesprogramms gegründeten Integrationsprojekte.

Als gemeinnütziges Unternehmen hat das Haus Münsterland gegenüber privatwirtschaftlichen Unternehmen den Vorteil, weitere Mittel in Anspruch nehmen zu können. Neben der finanziellen Unterstützung des Landes und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe sind die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW, die Aktion Mensch, die Bürgerstiftung Müns­ter und die AIM jugend+ (Arbeitsmarktinitiative Münster) an der Finanzierung beteiligt. Über 20 % der Investitionssumme stammen entsprechend der Richtlinie aus Eigenmitteln des Trägers.

Nach der Anschubfinanzierung durch das Landesprogramm müssen sich die gegründeten Unternehmen selbst tragen – und das scheint zu funktionieren: Das Haus Münsterland hat sich zum Beispiel als Neugründung binnen kurzer Zeit als Stadtteilzentrum etabliert und findet regen Zuspruch. „In der Umgebung sind wir das mit Abstand größte Haus, in dem man auch in einem großen Saal feiern kann“, macht Johannes Wieners deutlich, „von daher ist eine große Verbundenheit vieler Vereine aus Handorf und Dorbaum mit dem Haus vorhanden.“ Die hatten ihren Treffpunkt seit der Schließung im Jahr 2007 schmerzlich vermisst und unterstützen den Integrationsbetrieb nun nach Kräften. „Das ist für uns eine sehr gute Basis“, so der Geschäftsführer. Als großen Vorteil empfindet Johannes Wiener, dass man aus der Vereinsarbeit bei „Lernen fördern“ heraus gewohnt ist, als Netzwerker zu agieren. „Ich bin inzwischen Mitglied im örtlichen Karnevalsverein, Mitglied bei den Schützen, sitze im Vorstand der örtlichen Kaufmannsgilde und im Vorstand des Fördervereins Münster-Ost“, macht der infa-Geschäftsführer sein Engagement deutlich.

Schon eine Woche nach der Eröffnung des Hauses im Juni vergangenen Jahres fand mit einem Schützenfest die ers­te Großveranstaltung in und am Haus statt. „Wir sind aber auch ein ganz normaler Gastronomiebetrieb, der im Wettbewerb mit anderen steht“, sagt Johannes Wieners. „Mit unserer guten Küche haben wir uns schon ein neues Image aufgebaut.“ Daneben hat sich die Veranstaltungsbühne als ein wichtiges Standbein des Integrationsbetriebs etabliert. Außerdem bietet das Haus Seminarräume und mehrere einfache Zimmer zur Übernachtung an. Die Auslastung entwickelt sich in diesem Bereich ebenfalls gut. Auch eine Zusammenarbeit mit einem Münsteraner Catering-Unternehmen steht bereits in den Startlöchern, sodass man im Haus Münsterland schon über eine Aufstockung des Personals nachdenkt.

Alles deutet darauf hin, dass sich das Haus zukünftig selbst tragen kann und damit den Arbeitsmarkt sowohl für Menschen mit als auch für Menschen ohne Behinderung dauerhaft bereichert.

Enge Zusammenarbeit von MAIS und Landschaftsverbänden
 

Der Erfolg von LIU kommt nicht von ungefähr. Es gab zahlreiche Aktivitäten des MAIS und der Landschaftsverbände. Neben regionalen Aktionen und der Bewerbung des Programms über die relevanten Medien hat das MAIS rund 5.000 Unternehmen mit Erfahrung in der Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen angeschrieben, verbunden mit einem Informations- und Beratungsangebot. Ferner erhielten ca. 30.000 Arbeitgeber in gewerblichen und öffentlichen Unternehmen die Sonderveröffentlichung „Es gibt gute Gründe“, mit der die Landschaftsverbände mit Praxisbeispielen, Förderinformationen und Beratungsangeboten für das Programm warben.

Die Zahlen machen deutlich, dass die Ansprache gewerblicher Unternehmen ausgesprochen akquisitionsintensiv ist. Nach den bisherigen Erfahrungen ist der Erfolg bei den Unternehmen am größten, die schon positive Erfahrungen mit der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen gemacht haben. Auch eine besondere soziale Verantwortung oder eine persönliche Betroffenheit bei Unternehmern verbunden mit bereits bestehenden Kontakten zu den Begleitstrukturen (z. B. Integrationsfachdienst und Integrationsämter) können die Idee zur Gründung eines Integrationsunternehmens oder einer Integrationsabteilung im Unternehmen befördern.

Konnte man im Rahmen des Landesprogramms „Integration unternehmen!“ zahlreiche privatwirtschaftliche Unternehmen dafür gewinnen, zusätzliche Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen zu schaffen, so erreichte man kommunale Arbeitgeber bisher kaum. Die angespannte Haushaltslage der meisten Kommunen lässt die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze, wie sie das Landesprogramm ja fordert, einfach nicht zu. Außerdem gibt es außer Arbeitsplätzen für schwerbehinderte Menschen in kommunalen Krankenhäusern bisher wenige Praxisbeispiele, die Vorbild für andere Kommunen sein könnten.

Neben der gezielten Ansprache gewerblicher Unternehmen haben die Programmpartner zur Einführung von „Integration unternehmen!“ in allen 16 Arbeitsmarktregionen gemeinsam mit den Regional­agenturen Auftaktveranstaltungen durchgeführt, an denen insgesamt knapp 1.000 soziale Träger, SGB II-Träger und Multiplikatoren aus Wirtschaft, Verbänden, Arbeitsagenturen und weiteren Institutionen teilnahmen. Die G.I.B. bietet vier Mal im Jahr Einstiegsseminare zur Gründung von Integrationsprojekten an. Bei entsprechender Nachfrage werden die Seminare auch in Kooperation mit den Regionalagenturen vor Ort angeboten. Darüber hinaus steht die G.I.B. für die Beratung und Information von gründungswilligen Organisationen und Unternehmen zur Verfügung.

Die allgemeine Öffentlichkeit hat das Landesprogramm insbesondere durch den im Jahr 2009 ausgeschriebenen Landespreis „Integration unternehmen!“ wahrgenommen, für den sich über 40 Integrationsprojekte bewarben. Die Preisverleihung fand in den Medien große Beachtung und machte vor allem auch die mögliche Vielfalt von Integrationsprojekten deutlich.

„Integration unternehmen!“ wird Regelprogramm
 

Mit den durch das Landesprogramm entstandenen zahlreichen Integrationsunternehmen und -abteilungen rangiert NRW bundesweit in der Spitzengruppe, was die Zahl und die Dichte der Integrationsprojekte angeht. Und das wird auch über die Landesgrenzen hinweg so wahrgenommen.

Aus der Trägerlandschaft gibt es ebenfalls sehr positive Rückmeldungen auf das Programm. So haben zum Beispiel die Diakonischen Werkstätten Minden in den letzten Jahren im Rahmen der Integrationsassistenz durch die neu gegründeten Integrationsfirmen wesentlich leichter Menschen mit Behinderungen auf einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz vermitteln können als in den Jahren vor 2008 (s. Artikel „Leitfaden für Integrationsassistenz“, S. 44 ff.).

Solche positiven Rückmeldungen, die Ini­tiierung offensichtlich nachhaltiger Integrationsprojekte wie das Haus Müns­terland, die insgesamt sehr ermutigende Bilanz des Landesprogramms und nicht zuletzt die Tatsache, dass das Programm im Landtag von allen Parteien getragen wird, hat das MAIS NRW dazu bewogen, „Integration unternehmen!“ als unbefris­tetes Regelprogramm fortzuführen. Gemeinsam mit den Landschaftsverbänden will man so zukünftig 250 zusätzliche Arbeitsplätze pro Jahr für schwerbehinderte Menschen in Integrationsunternehmen schaffen. Aus diesem Anlass findet am 12. Oktober 2011 in Düsseldorf (ab 9:30 Uhr in der Turbinenhalle der Stadtwerke) eine Auftaktveranstaltung mit Minister Guntram Schneider statt mit dem Ziel, das bisher Erreichte zu resümieren, über die künftigen Fördermöglichkeiten zu informieren und zu weiteren Projekten zu motivieren. Anmeldungen sind ab sofort möglich unter: www.reviera.de/integration2011


1CJD Berufsbildungswerk Niederrhein

2In den anderen Fällen, also bei der Erweiterung eines bereits bestehenden Integrationsbetriebs, ist bereits eine zusätzliche Stelle förderfähig.

Abstract

Das im Juni 2008 gestartete, auf drei Jahre angelegte Landesprogramm „Integration unternehmen!“ hat sein Ziel, die Einrichtung von 1.000 neuen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung in Integrationsunternehmen, -abteilungen und -betrieben erreicht. Im Rahmen einer Kooperation des NRW-Arbeitsministeriums und der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe wurden in drei Jahren 150 Unternehmen gefördert, davon – das darf als besonderer Erfolg gewertet werden – zu einem Drittel privatwirtschaftliche Unternehmen. Insgesamt wurde die angepeilte Zahl mit 1.183 neuen Stellen sogar übertroffen. In dem im Juni 2010 eröffneten Stadtteilkultur- und Begegnungshaus Haus Münsterland Münster-Dorbaum wurden zum Beispiel gleich sechs neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap geschaffen. – Aufgrund des großen
Erfolges wird „Integration unternehmen!“ jetzt zum unbefristeten Regelprogramm.

Ansprechpartner in der G.I.B.

Gustav Bölke
Tel.: 02041 767-212
g.boelke@gib.nrw.de
Helmut Kleinen
Tel.: 02041 767-208
h.kleinen@gib.nrw.de

Kontakt

Haus Münsterland
Johannes Wieners
Immelmannstr. 37
48157 Münster
Tel.: 0251 13348260
info@infa-muenster.org

Termine

Auftaktveranstaltung mit Minister Guntram Schneider:
Donnerstag, 12. Oktober, in der Turbinenhalle der Stadtwerke Düsseldorf, Anmeldung ab sofort unter: www.reviera.de/integration2011

Autor

Frank Stefan Krupop
Tel.: 02306 741093
frank_krupop@web.de
Artikelaktionen