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(Heft 3/2011)
Programme und neue Strukturen

Frauenerwerbstätigkeit in NRW

2005 wurde die Vorgabe der EU-Kommission erreicht: Die Frauenerwerbsquote in NRW hat landesweit die 60-Prozent-Grenze überschritten. NRW ist aber immer noch Schlusslicht aller Bundesländer bei der Frauenerwerbsquote. Ein Drittel aller Kreise und kreisfreien Städte liegt mit der Erwerbs(tätigen)quote noch unter 60 %.

Zudem hat NRW den höchsten Anteil von Minijobbern und -joberinnen, die vom Niedriglohn besonders betroffen sind. Arbeitslose Alleinerziehende müssen zu lange von ALG II leben. Gar nicht zu reden vom immer noch geringen Anteil von Frauen in Führungspositionen und den Lohndifferenzen zwischen Männer- und Frauengehältern, „Gender-Gap“ genannt.

Mit den Kompetenzzentren Frau und Beruf und mit Beauftragten für Chancengleichheit – neben den Agenturen für Arbeit nun auch in allen Jobcentern – will die Politik auf Landes- und Bundesebene Abhilfe schaffen. Auch das neue Sonderprogramm zur Fachkräftesicherung in NRW will zur Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit beitragen.

Ausgehend von der aktuellen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt für Frauen wird in diesem Beitrag eine Übersicht über ausgewählte bundes- und landespolitische Programme und Förderlinien gegeben, die ein Handeln für mehr existenzsichernde und qualifizierte Erwerbsarbeit für Frauen fördern und unterstützen.

Steigende Frauenerwerbstätigkeit
 

In den zehn Jahren von 1999 bis 2009 ist die Frauenerwerbsquote in NRW um fast 10 Prozentpunkte von über 56 % auf über 69 % gestiegen. Bundesweit und damit auch für NRW gültig, ging die Zunahme der Frauenerwerbstätigkeit auf ein starkes Ansteigen der Teilzeitarbeit und der geringfügigen Beschäftigung – insbesondere von Minijobs – zurück. Aktuell sind hierzulande fast 1,3 Millionen geringfügig beschäftigt. 67 % davon sind Frauen. Über 200.000 Frauen mit Kindern unter 18 Jahren kommen noch hinzu, die gerne (wieder) arbeiten würden, wenn die Rahmenbedingungen, z. B. Kinderbetreuungs­angebote, z. B. Mobilitätsmöglichkeiten, passen würden. Die Ausweitung der Kinderbetreuung ist politisch beschlossen. Für unter Dreijährige gibt es in NRW nach Angaben des statistischen Bundesamtes 2010 jedoch erst eine Betreuungsquote, Einrichtungen und Tagespflege zusammengenommen, von 14 %.

Ausweitung von Arbeitszeit gewünscht
 

Während die Zahl der beschäftigten Frauen in Deutschland von 1991 bis 2010 um 16 Prozent gestiegen ist, stieg das von ihnen geleistete Arbeitsvolumen nur um 4 Prozent. Mehr Frauen teilen sich also quasi das nur wenig gestiegene Arbeitszeitvolumen! Und eine bisher nicht beachtete Situation wird von Susanne Wanger im IAB-Bericht betont: „Gemessen an ihren Arbeitszeitwünschen würden fast die Hälfte der regulär teilzeitbeschäftigten Frauen und zwei Drittel der Minijobberinnen die vereinbarte Arbeitszeit gerne deutlich ausweiten.“ Bei den regulär teilzeitbeschäftigten Frauen läge die gewünschte Wochenarbeitszeit um 4 Stunden höher und bei den geringfügig beschäftigten Frauen um 9 Stunden. „Knapp 50 Prozent des zusätzlichen Potenzials betrifft höher qualifizierte Frauen und Personen mit einer Berufsausbildung.“ Es gibt also nachweisbar ungenutzte Potenziale vor allem von Frauen in Teilzeit!

Unfreiwillige Teilzeitarbeit
 

Ohne eine steigende Anzahl von erwerbstätigen Müttern hätte es dieses enorme Wachstum nicht gegeben. Nach neuesten Zahlen, so Wanger im IAB-Kurzbericht, arbeiten bundesweit über 51 % der weiblichen Beschäftigten in Teilzeit, 18 % mehr als 1991 (inkl. Minijobber/-innen). Männer sind dagegen nur zu über 17 % in Teilzeit beschäftigt. Während Betriebe Teilzeitarbeit unter wirtschaftlichen Aspekten „weit überwiegend als sehr vorteilhaft“ einschätzen, wegen der besseren betrieblichen Flexibilität und der Förderung der Produktivität, sehen beschäftigte Frauen und Männer dies ganz anders.

Für die Mehrheit der Frauen (52 %) war die bessere Vereinbarkeit von beruflichen und familiären Verpflichtungen das Hauptmotiv in Teilzeit zu arbeiten. Für Männer spielte das nur zu 8 % als wesentlicher Grund eine Rolle. Entsprechend erlebt „nur ein knappes Drittel der Wiedereinsteigerinnen (…), dass eine Teilzeitbeschäftigung mit mehr Verständnis und reduzierten Verfügbarkeitsanforderungen verbunden ist“, so die Ergebnisse einer Studie des DELTA-Instituts im Auftrag des Bundesfrauenministeriums. Die Gutachterinnen des ersten Gleichstellungsberichts der Bundesregierung kommen zu dem Schluss: Ein beachtlicher Teil der Teilzeitarbeit ist unfreiwillig und Ausdruck von Unterbeschäftigung. „Generell stellt Teilzeitarbeit eine mit proportionalen Einkommenseinbußen verbundene individuell zu bezahlende Arbeitszeitverkürzung dar, die als Vereinbarkeitsinstrument nicht allen Einkommensgruppen zugänglich ist.“

Teilzeitarbeit bietet, vordergründig gesehen, eine Möglichkeit auf Teilhabe an Erwerbstätigkeit für Menschen mit Familienverantwortung. Es sind damit in der Regel aber auch geringere Chancen auf berufliche Weiterbildung und Entwicklung oder Aufstieg und eine niedrigere Rente im Alter verbunden.

Auch Jutta Allmendinger sieht in ihrer internationalen Studie eine hohe Anzahl teilzeitbeschäftigter Frauen als einen Indikator für die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie. In Ländern mit hoher Teilzeitquote wie Großbritannien, Deutschland und der Schweiz gibt es eine geringe Müttererwerbstätigkeit (mit Kindern zwischen drei und fünf Jahren). Hier wirkt das kulturelle Erbe von Ein-Verdiener-Traditionen nach wie vor stark, mit der Folge, dass es nur wenigen Frauen im späteren Erwerbsverlauf gelingt, eine Teilzeitstelle wieder in eine volle Stelle umzuwandeln, oder wenn es sich um einen Minijob handelt, anschließend in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit zu wechseln. Dagegen gibt es in Finnland, Schweden, Dänemark und Frank­reich Erwerbsquoten zwischen 70 und 80 Prozent und in der Mehrheit in Vollzeit arbeitende Mütter und dazu andere familienpolitische Rahmenbedingungen.

Ein weiterer wichtiger Effekt ist, so Allmendinger, „dass hohe Erwerbstätigenquoten und lange Arbeitszeiten mit geringen Lohnunterschieden zwischen Männern und Frauen einhergehen, entsprechend führen sie zu vergleichbaren Altersrenten beider Geschlechter.“

Widersprüchliche Botschaften
 

Neben der Teilzeitarbeit hat Jutta Allmendinger weitere institutionelle Faktoren in sechs EU-Ländern untersucht, so die Arbeitsmarktsituation allgemein, die Kinderbetreuungsquote, familienbezogene Leistungen, wie Kinder- und Elterngeld, und die Rolle von Steuersystemen. Individualbesteuerung, wie sie in den skandinavischen Ländern üblich ist, bewirkt nachweisbar eine höhere Frauen- und Müttererwerbsquote, anders als eine gemeinsame Besteuerung, die jene Paare steuerlich begünstigt, bei denen ein deutliches Verdienstgefälle zwischen den Partnern besteht. Wichtig am Steuersystem sei vor allem der Symbolwert, der deutlich anzeige, wie die Handlungsmöglichkeiten von erwerbswilligen Frauen gesellschaftlich bewertet werden: als Zuverdienerin wie in Deutschland oder als eigenständige Verdienerin wie in Finnland und Schweden.

Vom „adult worker model“ und partnerschaftlicher Erwerbs- und Erziehungsarbeit ist man in Deutschland als konservativem Wohlfahrtsstaat noch ein Stück entfernt. Hierzulande sind es die widersprüchlichen Vorgaben, die Frauenerwerbstätigkeit behindern: der ungenügende Ausbau von Kinderbetreuung, Fachkräftemangel, demografischer Wandel – hier heißt die Botschaft: „Seid erwerbstätig, wir brauchen euch“ – Ehegattensplitting, Mitversicherung in der Krankenkasse und Minijobregelung mit der Botschaft: „… gar nicht oder nur ein bisschen erwerbstätig zu sein“.

Unterstützungsbedarf bei Berufsrückkehr
 

Stärker ins Bewusstsein rückt seit einigen Jahren das Problem der Berufsrückkehr nach einer Familienphase wegen der Betreuung von Kindern oder der Pflege von Angehörigen. Stärker in den Blick geraten dabei die höheren Kosten des Wiedereinstiegs wegen Einarbeitung und veralteter Qualifizierung. Ist ein Wiedereinstieg nur in Teilzeit möglich oder unterhalb der mitgebrachten Qualifikation, erhalten Berufsrückkehrende eine entsprechend niedrigere Entlohnung und erzielt der Staat entsprechend geringere Steuereinnahmen. Die infolge bei vielen Frauen zu erwartende Altersarmut wird voraussichtlich auch noch einmal staatliche Mehrausgaben nach sich ziehen.


Potenziale von Wiedereinsteigerinnen

  • Die Mehrheit der Mütter (25- bis 60-Jährige), nämlich 59 %, kehrt innerhalb von drei Jahren nach Erziehungs- oder Elternzeit zurück ins Arbeitsleben bzw. plant dieses.
  • 41 % sind Wiedereinsteigerinnen mit einer langen Erwerbsunterbrechung von mehr als drei Jahren; diese haben häufiger aber auch mehr Kinder (Mittelwert 1,7 Kinder gegenüber 1,3 Kindern bei Müttern mit kurzer Erwerbsunterbrechung).
  • 14 % der 25- bis 60-jährigen Mütter arbeiten kontinuierlich, d. h. kehren direkt nach dem Mutterschutz zurück auf ihre Arbeitsstelle.
  • 75 % der befragten Mütter haben Wiedereinstiegserfahrungen oder den Wiedereinstieg als Perspektive. 9 % waren früher mal erwerbstätig, planen aber keinen Wiedereinstieg. 2 % der Mütter waren noch nie erwerbstätig.
  • Sowohl zwei Drittel der Mütter mit kürzerer wie diejenigen mit längerer Erwerbsunterbrechung verfügen über gute schulische und berufliche Qualifikationen (Mittlere Reife oder Hochschulreife plus Berufsabschluss). Sie stellen somit ein relevantes Arbeitsmarktpotenzial, angesichts des wachsenden Fachkräftebedarfs dar.
  • Doppelt so viele Mütter mit kurzer Familienphase arbeiten nach dem Wiedereinstieg in Vollzeit (46 %) als Mütter mit langer Familienphase (24 %). Die meisten Mütter arbeiten nach ihrer Berufsrückkehr in Teilzeit. Dafür werden vor allem zwei Gründe genannt: 61 % der Wiedereinsteigerinnen beklagen, „dass es in anspruchsvollen und attraktiven Berufen kaum Angebote von Vollzeitstellen mit flexibler Arbeitszeitgestaltung gibt. Damit drücken sie nicht aus, dass sie alle unbedingt sofort eine Vollzeitstelle beim Wiedereinstieg wollen, aber sie ziehen eine solche Option grundsätzlich in Erwägung. Dies ist ein Befund von erheblicher Bedeutung, denn er macht deutlich, dass auch die Mütter mit längerer Erwerbsunterbrechung nicht a priori auf geringfügige Beschäftigung oder eine Teilzeitstelle programmiert sind und dass sie eine Vollzeitstelle – auch zu Beginn – keineswegs kategorisch ablehnen.“
  • Dreimal häufiger (14 %) als die Mütter mit kurzer Erwerbsunterbrechung (4 %) arbeiten die Mütter mit langer Erwerbsunterbrechung anschließend in Minijobs/400-Euro-Jobs.
  • Nach gelungener Berufsrückkehr denkt immerhin ein Drittel der Mütter über einen Ausstieg aus dem beruflichen Wiedereinstieg nach.


Obwohl als arbeitsmarktproblematische Zielgruppe bezeichnet, war en detail über die Wiedereinsteigerinnen in den letzten Jahren wenig bekannt. Die Forschung im Rahmen des Bundesprogramms „Perspektive Wiedereinstieg“ wurde verstärkt und mehrere Studien wurden veröffentlicht. In diesem Jahr wurden Fakten zur Berufsrückkehr über Frauen mit kurzer und längerer Familienphase veröffentlicht, die Hinweise auf zu nutzende Potenziale für den steigenden Fachkräftebedarf geben (siehe Kas­ten). 75 % der befragten Mütter z. B. haben Wiedereinstiegserfahrungen oder den Wiedereinstieg als Perspektive!

Handlungsbedarf: Frauen in prekärer Beschäftigung
 

Prekäre Beschäftigung in Form von ausschließlicher geringfügiger Beschäftigung, von geringer Teilzeitarbeit, befristeter Arbeit und Leiharbeit sowie Arbeit zu Niedriglöhnen nimmt kontinuierlich zu und Frauen sind davon besonders betroffen. Prekarität ist aktuell Thema von mehreren Forschungsprojekten in Deutschland. Die Definitionen sind unterschiedlich und somit wird mal eine höhere, mal eine geringere Anzahl der von prekärer Arbeit und von prekären Lebenslagen Betroffenen genannt. Peter Bartelheimer, Soziologe vom SOFI Göttingen, meint dazu: „Atypische und diskontinuierliche Beschäftigung wird also dann prekär, wenn sie die materielle Sicherung und den Gestaltungsspielraum der Lebensführung einschränkt, wenn sie die Arbeitenden von Mindeststandards guter Arbeit im Betriebszusammenhang ausschließt und wenn sie ihre subjektiven Erwerbsorientierungen verletzt.“

So kann die Situation der ausschließlich geringfügig beschäftigten Frauen eindeutig als prekär und atypisch bezeichnet werden, weil sie kaum einen Zugang zur sozialen Sicherung erlaubt. Außerdem arbeiten Minijobberinnen überdurchschnittlich häufig für niedrigere Stundenlöhne, und Ansprüche wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und bezahlter Urlaub werden ihnen häufig vorenthalten. Seitdem die 15-Stunden-Regelung bei der geringfügigen Beschäftigung beseitigt wurde und nun ohne zeitliche Begrenzung bis max. 400 € im Monat steuerbegünstigt gearbeitet werden kann, sind die Löhne noch einmal gesunken. Die Chancen auf Rückkehr in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sind gering.

Auch (sozialversicherungspflichtige) Teilzeitbeschäftigte sind in prekärer Lage, werden ihnen doch häufig betriebliche Weiterbildungen vorenthalten. Führungspositionen in Teilzeit sind eine Seltenheit und gesetzlich geregelte Rückkehrmöglichkeiten in Vollzeit oder vollzeitnahe Tätigkeiten gibt es nicht. Auch befristete Arbeitsverträge stellen prekäre Arbeitssituationen dar. Befristete Verträge finden sich überproportional in frauendominierten Branchen wie Gesundheit, Soziales, Erziehung, Wissenschaft und Unterricht sowie in öffentlicher Verwaltung.

Zeit- und Leiharbeit nimmt zu, auch in Dienstleistungsbranchen, und betrifft damit tendenziell auch mehr Frauen. „Zwei von drei Leiharbeitern arbeiten inzwischen zu Niedriglöhnen. (…) Wegen der niedrigen Löhne müssen 11,5 % aller Leiharbeitskräfte ergänzend Hartz IV-Leistungen für die Grundsicherung in Anspruch nehmen, fünfmal mehr als der Durchschnitt aller Beschäftigten.“

Der Niedriglohnanteil ist bei den abhängig Beschäftigten seit Mitte der 90er Jahre deutlich gestiegen. „Frauen stellen sowohl in NRW als auch in Westdeutschland die große Mehrheit der Niedriglohnbeschäftigten.“ In Westdeutschland liegt der Frauenanteil bei 71 %, in NRW bei 69 %.

Arbeitsmarktpolitische Bundes- und Landesprogramme können einen Teil der genannten Probleme aufgreifen – wie, wird im Folgenden aufgeführt. Initiativen für den gesetzlichen Mindestlohn und ggf. eine Neuregelung für die Minijobs sind Handlungsmöglichkeiten auf Bundesebene.

Programme und Strukturen zur Frauenerwerbstätigkeit
 

Auf Landesebene in Nordrhein-Westfalen unterstützen drei Ministerien die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, den Wiedereinstieg nach der Familienphase und die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten von Frauen. Das Familienministerium (MFKJKS) mit dem Aktionsportal Familie@Beruf.NRW, das Emanzipationsministerium (MGEPA) mit der Förderlinie „Netzwerk W“, den Internetportalen Forum W und Migra-Info und zukünftig mit den Kompetenzzentren Frau und Beruf und drittens das Arbeitsministerium (MAIS) mit dem Handlungsprogramm „Brücken bauen in den Beruf“, das querschnittsmäßig mehrere Förderbereiche berührt sowie die gerade gestartete Landesinitiative zur Fachkräftesicherung, die auch auf die Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit zielt.

Ausschließlich auf die Themen Förderung des Wiedereinstiegs, der Frauenerwerbstätigkeit, von Alleinerziehenden und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden vier ausgewählte Bundesprogramme genannt, die Aktivitäten vor Ort ermöglichen: Die drei Programme des BMAS „Gute Arbeit für Alleinerziehende“ und „Netzwerke wirksamer Hilfen für Alleinerziehende“ sowie die Initiative „Gleichstellen“ und das BMFSFJ-Programm „Perspektive Wiedereinstieg“.

Der Großteil der Arbeitsmarktpolitik ist per Gesetz (SGB III und SGB II) und über die Agenturen für Arbeit und die Jobcenter bei den Grundsicherungsstellen geregelt. In NRW wurden von den angebotenen Maßnahmen knapp 40 % von Frauen und über 60 % von Männern genutzt (2010). Dabei gab es unter den über 700.000 Arbeitslosen (ohne Arbeitsuchende) 11.720 Berufsrückkehrende und 74.167 Alleinerziehende. Letztere zu 93 % im ALG II-Bezug und zu 93 % Frauen (April 2011).

Mit Bundes- und Landesprogrammen werden Projekte, Initiativen, Netzwerke für bessere und mehr Frauenerwerbstätigkeit vor Ort umgesetzt, die 2011 und 2012 über neue Personalstellen in NRW Verstärkung erhalten. 2011 mit neuen Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt und 2012 mit neuen Kompetenzzentren Frau und Beruf.
Seit Januar nehmen sukzessive in den 53 Jobcentern in NRW (und auch in anderen Bundesländern) Beauftragte für Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt ihre Aufgaben im Rahmen des SGB II auf, ähnlich wie es die gleichnamigen „BCA“ bei den Arbeitsagenturen für den SGB III-Bereich tun. Ende 2011 bzw. Anfang 2012 werden in den 16 NRW-Regionen Kompetenzzentren Frau und Beruf dazukommen, mit je bis zu vier Personalstellen, finanziert aus dem Ziel 2-Programm und mit Mitteln des EFRE. Mit Genderexpertise sollen sie die regional Zuständigen und Akteure vor Ort in ihrer Arbeit unterstützen, neue Ansätze entwickeln und Frauenförderung forcieren, nicht zuletzt in der Landesinitiative zur Fachkräftesicherung. Diese neuen Stellen erweitern das Spektrum der institutionell frauenpolitisch Aktiven, wie der seit Langem tätigen kommunalen Gleichstellungsstellen, deren Vertreterinnen auch in den Lenkungskreisen der Regionen vertreten sind, und sie ergänzen die kommunal finanzierten Fachstellen Frau und Beruf, wie z. B. in den Kreisen Wesel, Mettmann, Unna und Oberbergischer Kreis sowie in Essen, Münster, Herne und Bochum, die z. T. in die örtliche Wirtschaftsförderung integriert sind und Beratung für Wiedereinsteigerinnen u. a. Frauen anbieten.


Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt

Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt – kurz BCA – sind eine nach wie vor nicht sehr bekannte Infrastruktur der Agenturen für Arbeit, die laut Gesetz – hier das Sozialgesetzbuch III – tätig sind. Schon seit 1998 haben sie die Aufgabe in übergeordneten Fragen der Frauenförderung, der Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt sowie zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Agentur für Arbeit mitzuwirken. Sie beraten und unterstützen sowohl Arbeitgeber/-innen zu Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie wie Arbeitnehmer/-innen und informieren gezielt Berufsrückkehrende, meist in monatlichen Infoveranstaltungen, geben Broschüren heraus und beteiligen sich in Netzwerken, wie z. B. als feste Partner der regionalen Netzwerke W. Sie wirken als Lobby dahingehend, dass sie geschäftspolitische Konzepte der Agentur zur Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt mit entwickeln. Bei allen 33 Agenturen für Arbeit gibt es in NRW je eine Beauftragte für Chancengleichheit (bzw. auch einen männlichen BCA).

Seit 1. Januar 2011 und mit der letzten Änderung des SGB II wurde die Funktion der BCA auch für alle Jobcenter beschlossen. Das war nicht zuletzt ein Ergebnis der umfangreichen Evaluation zum SGB II, die zu gleichstellungsbezogenen Themen großen Nachholbedarf sah. Die BCA soll in Planungs- und Steuerungsprozessen zur Geschäftspolitik sowie bei der Bildungsziel- und Maßnahmeplanung mitwirken. Außerdem soll sie Informationsveranstaltungen für erwerbsfähige Hilfebedürftige (ALG II-Teilnehmende) durchführen und Arbeitgeber in Fragen familienorientierter Personalpolitik beraten. Wie die BCA bei den Arbeitsagenturen wurden auch die neuen BCA jeweils der Geschäftsführung zugeordnet.
Link: Chancengleichheit am Arbeitsmarkt – Beauftragte für Chancengleichheit bei den Agenturen für Arbeit NRW: www.arbeitsagentur.de/


Bundesprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“

Mit der „Perspektive Wiedereinstieg“, einem Aktionsprogramm des Bundesfrauenministeriums, in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit, wurden Aktivitäten für die Zielgruppe der Frauen, die mit einer längeren Familienarbeitszeit für Pflege und Betreuung ihre Erwerbstätigkeit unterbrochen haben, fokussiert. 2009 starteten 20 Projekte in allen Bundesländern, u. a. eines auch in NRW bei der Fachstelle Frauen und Beruf Essen, Spinnen e. V., das Anfang nächsten Jahres beendet sein wird. Neben einer Internetseite, die wie das Landesportal Forum W Informationen und Hilfen für wiedereinstiegsinteressierte Frauen online bietet, wurden mehrere Studien als Begleitforschung zum Programm veröffentlicht, die die Situation der Wiedereinsteigerinnen bei der Berufsrückkehr näher beleuchten.

Untersucht wurde die Bedeutung des Berufs für die Dauer der Erwerbsunterbrechung oder die Weiterbildungsbeteiligung, die Bedürfnisse und Erfahrungen oder die Perspektiven dieser Zielgruppe. Die neueste Studie, die das DELTA-Institut und Sinus Sociovision im Auftrag des Bundesministeriums 2011 erstellt haben, geht näher auf die Unterschiede von Müttern mit kurzer und mit längerer Berufsunterbrechung ein und gibt Hinweise auf bisher für die Fachkräftedebatte nicht berücksichtigte Potenziale.
Link zur Programmseite: www.perspektive-wiedereinstieg.de


Bundesprogramm „Gleichstellen“

Die Bundesinitiative zur Gleichstellung von Frauen in der Wirtschaft ist ein ESF-Programm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, das in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände gesteuert wird. Sie ist ebenfalls 2009 gestartet und hat bisher in sieben Förderrunden 33 Projekte an den Start gebracht, davon acht in NRW. In fünf Handlungsfeldern geht es um neue Ansätze der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zur Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit, um die Berufsfelderweiterung und Beteiligung junger Frauen an MINT-Berufen oder gewerblich-technischer bzw. handwerklicher Ausbildung. Es sollen neue Betriebspolitiken für mehr ältere weibliche Beschäftigte entwickelt werden und es geht um die Vermeidung von Qualifikationsverlusten in einer Familienphase; ferner sollen Ansätze für mehr weibliche Führungskräfte und die Stärkung der Aufstiegsorientierung erprobt werden.
Link Bundesprogramm Gleichstellen: www.bundesinitiative-gleichstellen.de


Bundesprogramme „Gute Arbeit und Netzwerke wirksamer Hilfen für Alleinerziehende“

Dass Alleinerziehende, vor allem diejenigen in der Grundsicherung, einer stärkeren kombinierten Hilfe von Kinderbetreuung und Vermittlung in Arbeit benötigen, ist für die Bundesministerin von der Leyen – sei es als Familienministerin, sei es als Arbeitsministerin – ein wichtiges Handlungsfeld. Zwei Programme laufen dazu aktuell bundesweit, ein Modellprogramm wurde mit einer Veröffentlichung abgeschlossen.

Mit 102 „Netzwerken wirksamer Hilfe für Alleinerziehende“ in ganz Deutschland will das Bundesministerium für Arbeit und Soziales von 2011 bis 2013 lokale und regionale Akteure dabei fördern, ihre jeweiligen Angebote für Alleinerziehende besser zu koordinieren und in verlässliche Unterstützungsnetzwerke einzubringen. In NRW haben an 20 Standorten entsprechende Netzwerke einen Förderbescheid erhalten und starten zurzeit mit Auftaktveranstaltungen, z. B. in Essen oder in Duisburg. Das neue BMAS-Programm soll das noch laufende ESF-Bundesprogramm „Gute Arbeit für Alleinerziehende“ ergänzen. Hier sind vor allem Jobcenter und Kooperationspartner gefordert, innovative Ansätze bei der individuellen Förderung von Alleinerziehenden (mit ALG II-Bezug) zu entwickeln. Seit 2009 sind dazu in NRW an 18 Standorten Projekte angelaufen. Die Auswertung eines Modellprojekts des Bundesfamilienministeriums (2009/2010): „Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Alleinerziehende“ mit 12 Pilotstandorten hat ein hilfreiches Online-Handbuch „Unterstützungsnetzwerke für Alleinerziehende“ ergeben:
Links: BMAS-Seite zu Alleinerziehenden: http://www.bmas.de/DE/Schwerpunkte/Alleinerziehende/inhalt.html
Online-Handbuch des BMFSFJ: „Unterstützungsnetzwerke für Alleinerziehende“: www.handbuch-alleinerziehende.de


Familienministerium NRW „Aktionsplattform Familie@Beruf“

2011 wurde die Internetseite bzw. Aktionsplattform des Familienminis­teriums NRW veröffentlicht, um Unternehmen, Mulitiplikatoren und Interessierte rund um das Thema „work-life-balance“ in Wirtschaft und Gesellschaft zu informieren. Nicht zuletzt soll aus Nachhaltigkeitsgründen das Wissen der Wettbewerbsprojekte „Familie@Beruf“ gesichert werden. 39 Projektbeschreibungen des abgeschlossenen EFRE-Wettbewerbs „Familie@Beruf“ sind dort zu finden, z. B. „Einrichtung eines Familien- und Spielzimmers“ im Krefelder Maria-Hilf-Krankenhaus oder das Thema „Familienfreundliche Gewerbegebiete“, das vom Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Köln durchgeführt worden ist, oder das Projekt „Mit Vätern rechnen – Innovative Personalarbeit mit Vätern, dessen Ergebnisse Ende September 2011 von den Bielefelder Stadtwerken in einer Veranstaltung vorgestellt werden. Eine umfangreiche Website informiert über Projekte und Hintergründe.
Link: http://www.familieundberuf.nrw.de/


MGEPA „Netzwerk W“

Mit der Landesinitiative Netzwerk W fördert das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen Aktivitäten von regionalen Netzwerken zur Unterstützung der Berufsrückkehr. Im Förderzeitraum 2010/2011 konnten über diese Förderung 40 regionale Netzwerkaktivitäten realisiert werden.

In jedem Netzwerk W sind gleichstellungs-, arbeitsmarkt-, wirtschafts- und bildungspolitische Akteurinnen und Akteure in den Regionen vernetzt. Sie kooperieren je nach Themenstellung mit familienunterstützenden Infrastrukturen, Kammern und Verbänden, Hochschulen und Unternehmen und machen auf noch nicht wahrgenommene Potenziale von Berufsrückkehrerinnen aufmerksam. So konnten seit Beginn der Landesinitiative rd. 500 Partner und Partnerinnen zur Lobbyarbeit für den Wiedereinstieg vernetzt tätig werden. Wirkungen entstehen in den Regionen aber auch durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit, Untersuchungen, Dokumentationen und Initiativen, die letztendlich auf eine selbstverständliche Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsarbeit zielen sollen, als Grundvoraussetzung für eine gelungene Berufsrückkehr.

Die Landesinitiative Netzwerk W konnte sich in wenigen Jahren bereits in nahezu allen Kommunen und Kreisen mit regionalen Aktivitäten etablieren. Eine Landeskoordinatorin, angesiedelt beim Zentrum Frau in Beruf und Technik, hält alle „Kommunikations-Fäden“ in der Hand, denn wesentlicher Nutzen für alle Netzwerk-Beteiligten entsteht durch den landesweiten Wissenstransfer aus den Projekten. Eine umfangreiche Website und eine Bilanzbroschüre informieren über Partner, Themen, Aktivitäten, Veröffentlichungen und Veranstaltungen der Netzwerke. Eine regelmäßig versandte Infopost gibt Auskunft über Aktuelles und zum Themenfeld passende Fachbeiträge und Aktivitäten anderer Förderlinien.

Das Internetportal Forum W unter „wiedereinstieg.nrw.de“ wurde vom MGEPA, gemeinsam mit dem Arbeitsministerium und in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit, entwickelt. Seit 2009 stehen hier Informationen von A bis Z für am Wiedereinstieg Interessierte zur Verfügung: für Beraterinnen, Multiplikatorinnen und natürlich für berufsrückkehrende Mütter wie Väter. In vier Rubriken stehen Basisinformationen mit Tipps und Links zur Verfügung zu „Familie und Beruf“, „Berufsrückkehr und Arbeitslosigkeit“, „Orientierung, Weiterbildung und Jobstart“ sowie „Altersvorsorge“. Im „Wegweiser für den schnellen Wiedereinstieg“ können u. a. Interviews mit Frauen über den gelungenen Einstieg in den Beruf nachgelesen werden. Vor allem bietet das Portal mit der Rubrik „Lokale Angebote“ für alle Kreise und Städte in NRW ortsgenaue Kontaktdaten. Aufgeführt sind alle Beauftragten für Chancengleichheit bei den Agenturen für Arbeit, alle kommunalen Gleichstellungsstellen, alle Beratungsstellen für den NRW-Bildungsscheck, lokale Angebote der Netzwerk W-Partner sowie weiterführende Anlaufstellen wie die Fachstellen Frau und Beruf.

Außerdem bietet das Internetportal unter der Rubrik „Fragen und Antworten“ eine Online-Beratungsmöglichkeit für individuelle Fragen, die von einem Expertinnenkreis schnellstmöglich und auf einer geschützten Plattform anonym beantwortet werden. Dahinter steht die Wissensdatenbank KomNet, die zum Thema Berufsrückkehr erweitert worden ist. Zwischen 400- bis 700-mal nutzen Anfragende im Monat die veröffentlichten anonymisierten Antworten. Individuelle Anfragen werden zu den Themen „Elternzeit und Teilzeit, zu Berufsrückkehr, Qualifizierungsmöglichkeiten und Kinderbetreuung“ gestellt.

Für neu zugewanderte Frauen fördert das Emanzipationsministerium zunächst als Pilotprojekt im Rahmen der Landesinitiative Netzwerk W seit 2007 das Portal www.migra-info.de, das vom Bildungswerk für Friedensarbeit, Bonn, entwickelt und betreut wird. Mit migra-info ist nach der Pilotphase und der anschließenden Aufbauphase ein Angebot für zugewanderte Berufsrückkehrerinnen in Nordrhein-Westfalen geschaffen worden, das zu Beginn – bundesweit einzigartig – auf das Internet als Informationsmedium für die Zielgruppe zurückgreift und die Wege des Wiedereinstiegs konsequent entlang der Hürden des Wiedereinstiegs für Migrantinnen abbildet. Basisinformationen werden mittlerweile in acht Sprachen bereitgehalten. Fachspezifische Begriffe werden in einem ausführlichen Glossar verständlich erklärt. Auch dieses Portal bietet den Zugriff auf lokale Angebote: Für jede Kommune in NRW sind hier die Integrationsbeauftragten, die Migrationserstberatungsstellen sowie die Integrationskursträger zu finden.

Während Netzwerk W sich an die Multiplikatoren und Multiplikatorinnen wendet und diese vernetzt, sind die beiden zuletzt genannten Portale in ihrer Ansprache und Informationsvermittlung hauptsächlich auf die Bedarfe der Zielgruppen Wiedereinsteigerinnen und Migrantinnen ausgerichtet. Sie können und wollen persönliche Beratung nicht ersetzen. Sie bieten unabhängig von Beratungskontexten wichtige Erstinformationen für Frauen mit Netzkompetenz. Anderen Interessierten muss der Zugang durch schriftliche Wegweiser und z. B. Orientierungskurse eröffnet werden. Gleichzeitig bieten sich die Seiten auch als Quelle der Information in persönlichen Beratungs- und Weiterbildungsprozessen an, um diese vor Ort an eine Beratungskundin weitergeben zu können.
Links: www.netzwerkW-expertinnen.de, www.wiedereinstieg.nrw.de, www.migra-info.de


MGEPA „Kompetenzzentren Frau und Beruf“

Ab 2012 wird es für dreieinhalb Jahre in allen 16 NRW-Regionen „Kompetenzzentren Frau und Beruf“ geben. Nach der Ankündigung im Koalitionsvertrag 2010, Diskussionen im Landtag sowie dem Haushaltsbeschluss 2011 fünf Millionen Landesmittel einzusetzen, startete der Wettbewerbsaufruf im Rahmen des Ziel 2-Programms (EFRE) im Juni.
Es geht vor allem darum, zukünftig die Akteure und Verantwortlichen vor Ort besser zu beraten, gezielt Genderkompetenz einzubringen und sie bei Konzept- und Projektentwicklungen zu unterstützen bzw. eigene Projektvorschläge zu entwickeln, von denen Zielgruppen von Frauen profitieren sollen, wie Alleinerziehende, Migrantinnen, Gründerinnen, Frauen mit Behinderungen u. a. Dabei kann sich die Aufgabe, je nach Schwerpunktsetzung darauf beziehen, „neue Zugänge zum Arbeitsmarkt zu schaffen, Hemmnisse beim Berufseinstieg abzubauen, Entgeltunggleichheit zu bekämpfen, zeitliche und qualitative Unterbeschäftigung zu vermeiden, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen zu erhöhen oder die Existenzgründung und Selbstständigkeit zu fördern.

Die neuen Kompetenzzentren arbeiten in Abstimmung mit den Akteurinnen und Akteuren in ihrer Region und knüpfen in ihrer Netzwerkarbeit an Bestehendem an, wie z. B. der Landesinitiative Netzwerk W und dem Unternehmerinnenbrief NRW und der Landesinitiative zur Fachkräftesicherung.


MAIS „Brücken bauen in den Beruf“

Für die ESF-Phase 2007 – 2013 wurde vom Arbeitsministerium das Handlungsprogramm „Brücken bauen in den Beruf“ aufgelegt, das – entsprechend den Ansprüchen des Gender Mainstreaming – geschlechtergerechte Beteiligung an arbeitsmarktpolitischen Instrumenten des Landes – vor allem für Berufsrückkehrende – einfordert und zu mehr familienfreundlicher Unternehmenskultur im Lande beitragen will. Bildungsscheck, Beratung (zum Bildungsscheck und für Erwerbslose) und Teilzeitberufsausbildung sind die Instrumente, die auch Berufsrückkehrenden und Alleinerziehenden zur Verfügung gestellt werden.
 
2008 wurde der Bildungsscheck NRW für Berufsrückkehrende und die damit verbundene Beratung durch Bildungsscheckberatungsstellen geöffnet und seitdem von über 2.000 Familienfrauen für die Vorbereitung ihres beruflichen Wiedereinstiegs genutzt. Auf der Internetseite des Arbeitsministeriums wurden Interviews von erfolgreich wieder Erwerbstätigen veröffentlicht, und Volkshochschulen und andere Träger nutzen den Bildungsscheck, um Orientierungskurse für den Wiedereinstieg anzubieten.

Mit dem Programm „Teilzeitberufsausbildung – Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen“ wurde eine neue Förderlinie zur besseren Vereinbarkeit von beruflicher Erstausbildung mit Familienpflichten – Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen aufgelegt. Das TEP-Programm richtet sich auch an Unternehmen, damit diese mehr als bisher auch die familienfreundliche Variante der Ausbildung in Teilzeit anbieten, die seit 2005 durch das Berufsbildungsgesetz möglich, aber zu wenig bekannt ist. Seit 2009 haben in drei Förderrunden über 1.000 Mütter und Väter, vor allem Alleinerziehende, von der individuellen Unterstützung bei der Ausbildungsplatzsuche und der Ausbildungsbegleitung profitiert.

Das Internetportal Forum W ist seit 2009 mit der Online-Beratung und der Wissensdatenbank (KomNet) zum Thema Berufsrückkehr in das Handlungsprogramm „Brücken bauen in den Beruf“ eingebunden.

Eine, gemeinsam von G.I.B. und MAIS durchgeführte Veranstaltungsreihe „Brücken bauen in den Beruf“, greift aktuelle arbeitsmarktpolitische Fragen für die Weiterentwicklung des überregionalen fachlichen Diskurses der Multiplikatoren/-innen vor Ort auf und setzt Impulse über Ergebnisse aus innovativen ESF-Projekten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Gender Mainstreaming. Die Veranstaltungen werden auf der G.I.B.-Internetseite „Berufsrückkehr – Brücken bauen in den Beruf“ dokumentiert: http://www.gib.nrw.de

Darüber hinaus setzen auch die Regionalagenturen mit Fachveranstaltungen und regionalen Netzwerken die Anliegen des Handlungsprogramms um, z. B. über vierzehn regionale Bündnisse und Initiativen zur Unterstützung von Teilzeitausbildung. Die G.I.B. berät sie dabei und ist insgesamt mit der fachlichen Begleitung des MAIS-Handlungsprogramms beauftragt.
Links: MAIS-Internetseite: http://www.arbeit.nrw.de/arbeit/wege_in_arbeit_finden/berufsrueckkehr/index.php; http://www.gib.nrw.de

Literatur

- Jutta Allmendinger: Verschenkte Potenziale? Lebensläufe nicht erwerbstätiger Frauen, Frankfurt a. M. 2010
- Bundesagentur für Arbeit: Arbeitsmarkt in Zahlen: Frauen und Männer, Land Nordrhein-Westfalen, Juli 2011
- Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend/DELTA-Institut für Sozial- und Ökologieforschung GmbH: Zeit für Wiedereinstieg – Potenziale und Perspektiven, Mai 2011
- Bartelheimer, Peter: Unsichere Erwerbsbeteiligung und Prekarität, in WSI-Mitteilungen Nr. 8/2011
- DGB Bezirk NRW. Niedriglohnsektor wächst rasant, Sonderausgabe Januar 2009 – Informationen zum Arbeitsmarkt NRW, Düsseldorf
- IAQ-Pressemitteilung: Missbrauch bei Zeitarbeit eindämmen, Universität Duisburg-Essen, Institut Arbeit und Qualifikation, 22.03.2011
- Jaehrling, Karen/Rudolph, Clarissa (Hrsg.): Grundsicherung und Geschlecht – gleichstellungspolitische Befunde zu den Wirkungen von „Hartz IV“, Münster 2010
- Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW (Hrsg.): Miteinander wirksam. Bilanzbroschüre der Landesinitiative Netzwerk W. Castrop-Rauxel 2010
- Wanger, Susanne: Viele Frauen würden gerne länger arbeiten, IAB-Kurzbericht 9/2011, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg 2011

Autorin

Karin Linde
Tel.: 02041 767-257
k.linde@gib.nrw.de

 

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