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(Heft 3/2011)
Ein Rück- und Ausblick

Die G.I.B.: 1986 ein Modell - und heute?

Beitrag von Roland Matzdorf, Leiter der Abteilung Arbeit im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen.

Begeisterung sieht anders aus: Zwischen verhaltener Skepsis und offener Ablehnung schwankten die Reaktionen der damals bereits etablierten arbeitsmarktpolitischen Akteure, als die nordrhein-westfälische Landesregierung 1986 die Gesellschaft zur Information und Beratung örtlicher Beschäftigungsinitiativen und Selbsthilfegruppen mbH gründete. Insbesondere die Kammern und Wohlfahrtsverbände fragten nach der Existenzberechtigung der neuen Gesellschaft. Sie sahen in ihr eher unliebsame Konkurrenz, hielten sie zudem mit Hinweis auf das Know-how sowie die Projektentwicklerinnen und -entwickler und Unternehmensberater in ihren eigenen Reihen schlichtweg für überflüssig.

Auch die damals erstarkende grün-alternative Bewegung stand der G.I.B. in deren Gründungsphase skeptisch gegenüber. Sie sahen die Beschäftigungsinitiativen und Selbsthilfegruppen, also die damalige Kundschaft der G.I.B., als ihre eigene Klientel und hielten die Gründung für einen klugen, strategischen Schachzug des Landes, fürchteten eine subtile Umarmung der Landesregierung, die ihre eigene dynamische Entwicklung ersticken könnte. Und auch die Alternativszene, die sich schon immer um die Grünen geschart hat, lehnten das System mit seinen festen Planstellen und seiner angeblichen Bürokratie ab – einfach, weil es eine vom Land eingerichtete Institution war.

Offener und positiver ging die Ziel-Kundschaft der G.I.B., die Beschäftigungs- und Selbsthilfeinitiativen mit ihren vielen, teils heute noch existierenden Projekten, auf die neue Gesellschaft zu. Sie waren froh über das neue Beratungsangebot, das neben den Angeboten ihrer Wohlfahrtsverbände und Dachorganisationen etwas Zuverlässiges und Berechenbares lieferte. Vertrauen erweckte bei ihnen nicht zuletzt das Personal der G.I.B., das sich nicht zu einem geringen Teil aus ihrem eigenen Umfeld rekrutierte.

Kurzum: Die Start- und Aufbauphase war nicht einfach, ein Erfolgsmodell war die G.I.B. damals noch nicht. Sie musste sich erst bewähren. Gelungen ist ihr das nach der schwierigen Anfangszeit in der langen Phase der Etablierung und Verankerung. Hier zeigte sich die besondere Qualität der neuen Gesellschaft, hier verdeutlichten sich ihre unterschiedlichen Funktionen, ihr mehrdimensionaler Auftrag: Auf der einen Seite im Dienste des Landes, auf der anderen im Dienste der Kundschaft, d. h., der arbeitsmarktrelevanten Organisationen und Institutionen, der regionalen Entscheidungsträger, der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, der Unternehmen und Träger.

Sukzessive nahm die Relevanz des im Ursprungsnamen der G.I.B. präsenten „Selbsthilfe“-Themas ab, avancierte die G.I.B. zur zentralen Informations- und Beratungsstelle für den ganzen Bereich der Arbeitsmarktpolitik und übernahm wachsende Verantwortung für die Arbeitsmarktpolitik des Landes und später auch für die Verzahnung von Arbeitsmarkt- und Strukturpolitik, von Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik.

Nur die Verknüpfung der unterschiedlichen Politikfelder – ein zentraler Grundgedanke im Arbeitsalltag der G.I.B. – sorgt für nachhaltige Problemlösungen und innovative Weiterentwicklungen. Wie richtig diese Philosophie ist, zeigt sich besonders deutlich in Gestalt der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA Emscher Park), dem Zukunftsprogramm des Landes NRW, das mit neuen Ideen und Projekten im städtebaulichen, sozialen, kulturellen und ökologischen Bereich Impulse gab für den wirtschaftlichen Wandel einer alten Industrieregion im nördlichen Ruhrgebiet, der Emscher-Region, bis hin zur aktuellen „Innovation City“ Bottrop.

Wie damals im Konzept der IBA Emscher Park GmbH ist die enge Kooperation mit den Kommunen und Arbeitsagenturen, den Unternehmen und Kammern, den Verbänden und Initiativen sowie Organisationen aus anderen Bundesländern und dem Ausland, also das Zusammenwirken unterschiedlicher arbeitsmarktpolitisch relevanter Akteure unverzichtbares Element im Geschäftsmodell der G.I.B. Ziel ist, Menschen und deren Erfahrungen zusammenzuführen, einen Teamansatz zu praktizieren nach dem Motto: Gemeinsam schaffen wir bessere Lösungen, als wenn jeder für sich allein agiert.

Dabei ist die G.I.B. nicht nur Programm- und Projektentwickler, sondern sie hat auch die Funktion, als Mittler tätig zu werden und fungiert so als Scharnier, als Bindeglied zwischen der Zentrale, dem Ministerium, und den Regionen. In diesem Handlungsfeld gibt die G.I.B. Impulse zurück an das Land, und zwar nicht nur fachliche, sondern auch Hinweise, wenn in der Praxis, bei den Trägern oder den Beschäftigten, etwas in die falsche Richtung läuft.

Dieser Dialog nach zwei Seiten, dieser transparente Austausch ist unverzichtbar, denn die Weisheit liegt nicht beim Minis­terium, nicht bei einzelnen Akteuren und auch nicht bei der Wissenschaft, sondern die Weisheit muss auch kollektiv entwickelt werden. Hier geht es darum, Qualitätsimpulse zu setzen, Anregungen zu geben und Erfahrungen zu sammeln. Das alles zusammenzubringen, produktiv und umsetzbar zu machen, sei es über die Beratung, die systematischen Fortbildungen oder die Öffentlichkeitsarbeit, ist eine wichtige Funktion der G.I.B.

Dabei kann die G.I.B. ihrerseits, obwohl sie eine Gründung des Landes NRW ist, weitgehend frei agieren. Die G.I.B. gehört dem Land, aber sie ist nicht das Land. Das Land hat damals ganz bewusst die Gesellschaftsform GmbH gewählt, damit ein starker Geschäftsführer die Organisation, aber auch ihre Aufgaben steuern kann. Ganz bewusst hat sich das Land gegen einen eingetragenen Verein entschieden und – da bestand Konsens – erst recht gegen eine nachgeordnete Behörde. Denn bei einer nachgeordneten Behörde wäre sie im Weisungsstrang und damit wäre keinem gedient.

Also. Die G.I.B. kann frei agieren – und das soll auch so bleiben, denn die Arbeit der G.I.B. hat sich unter diesen Bedingungen bewährt. In der gegenwärtigen Phase hat sich die G.I.B. längst profiliert und ist eine feste Größe in der Landesarbeitsmarktpolitik. Neben den klassischen Themenfeldern sind neue hinzugekommen, vor allem die Bereiche SGB II und der Übergang Schule – Beruf. Innovationen aufspüren, sie auswerten und kritisieren, sie entwickeln und umsetzbar machen und daraus wieder neue Innovationen entwickeln – auch das ist eine zunehmend wichtige Aufgabe der G.I.B. Zunehmend wichtig deshalb, weil wir nicht mehr in der Lage sein werden, riesige Programme und Auffanglinien zu fahren. Wir werden uns, vor allem aus fiskalischen Gründen, darauf konzentrieren müssen, neue Entwicklungen anzustoßen und dafür auf Bundesebene, entsprechende politische Mehrheiten vorausgesetzt, einen Finanzier zu finden.

Diese Prozesse anzustoßen, zu moderieren und auszuwerten und damit das Netzwerkmanagement zu befördern, ist Zukunftsaufgabe der G.I.B., denn nur das Zusammenwirken unterschiedlicher Akteure und Interessen sowie das gegenseitige Vertrauen garantieren einen breiten Erfolg – eine Erfahrung, die wir im Ausbildungskonsens machen und dessen Erfolg wir bei der anstehenden Fachkräfteinitiative wiederholen wollen.

Inzwischen ist die G.I.B. ein sehr renommierter, anerkannter Partner mit gutem Standing und gutem fachlichen Renommee, mit Mittelzuweisungen und Aufträgen vonseiten des Bundes und der EU. Heute vertritt die G.I.B. das Land Nord­rhein-Westfalen auch nach außen, kann es genauso gut oder – aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz – sogar noch besser. In verschiedenen Ländern wird nicht mehr unterschieden: Ist das eine Landesgesellschaft oder ist es das Land? Die G.I.B. steht für NRW, und das ist gut so.

Mit einem Satz: Die G.I.B. ist mittlerweile eine feste Größe in Nordrhein-Westfalen, hat sich etabliert und profiliert und ist nicht mehr wegzudenken. Aber Anspruch und Renommee sind eine ständige Herausforderung. Auch zukünftig muss die G.I.B. nachweisen, dass sie die erarbeitete Qualität hält und besser ist als andere, denn sie bleibt eingebettet in politische Zusammenhänge. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben, denn die G.I.B. verfügt über ein gutes Qualitätssicherungs- und -managementsystem und ist damit Vorbild für andere Organisationen. Wenn die G.I.B. ihre Qualität erhält, wird sie auch in Zukunft die Anerkennung finden, die ihr anfangs verwehrt worden ist und die sie sich mit jahrzehntelanger Qualitätsarbeit zu Recht erworben hat.

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Roland Matzdorf
Ministerium für Arbeit, Integration
und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen
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