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(Heft 1/2011)
Beratungsscheck und Potentialberatung in Nordrhein-Westfalen - Die Entwicklung seit April 2009

Programm-Monitoring: Ergebnisse in Kürze

Ausgangslage: Seit mehr als 10 Jahren unterstützt das Arbeitsminis­terium die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittelständischen Unternehmen mit dem Förderinstrument Potentialberatung. Im Zeitraum 2000 bis 2010 wurden insgesamt rund 14.700 Potentialberatungen (einschließlich Arbeitszeitberatungen) bewilligt und rund 69 Mio. Euro ESF- und Landesmittel hierfür eingesetzt.

Das Förderinstrument hat im Zeitverlauf gewisse Modifikationen erfahren. Für die jüngere Vergangenheit (seit April 2009) sind hier erstens die Einführung des sogenannten Beratungsschecks, zweitens die vorgeschriebene Berücksichtigung von zusätzlichen Handlungsfeldern, wie etwa die Altersstruktur und des Fachkräftebedarfs in Zusammenhang mit der Entwicklung von Lösungswegen und Handlungszielen im Rahmen der Beratung sowie drittens die Integration der vormals eigenständigen Arbeitszeitberatung in die Potentialberatung hervorzuheben. Mit der Einführung des Beratungsschecks wurde das administrative Verfahren der Potentialberatung dem des Bildungsschecks angeglichen: Nach Erhalt des Beratungsschecks in einer der landesweit rund 100 Beratungsstellen können Unternehmen unmittelbar in den Beratungsprozess einsteigen; die Bewilligung der Fördermittel erfolgt nun erst nach Durchführung der Potentialberatung. Diese Änderungen sind auch der Grund für die im Folgenden vorgenommene Eingrenzung des Betrachtungszeitraums auf April 2009 bis Dezember 2010.

Ausgabe von Beratungsschecks, Bewilligungen und Fördermitteleinsatz

Von April 2009 bis Dezember 2010 wurden insgesamt 3.070 Beratungsschecks in Nordrhein-Westfalen ausgegeben; d. h. durchschnittlich rund 146 Beratungsschecks pro Monat (vgl. Abbildung 1). Mitte Januar 2011 waren auf dieser Basis 1.755 Potentialberatungen (57,2 %) bewilligt, ein Wert, der den voraussichtlichen Bewilligungsumfang jedoch noch deutlich unterschätzt, da die jüngeren Beratungsschecks zu diesem Zeitpunkt erst in geringem Umfang eingelöst sein konnten. Werden mit etwa einem Jahr Zeitversatz dagegen ausschließlich Beratungsschecks betrachtet, die im Jahre 2009 ausgegeben wurden, so kann hierfür eine Bewilligungsquote von 87,4 % festgestellt werden. Durchschnittlich wurden für die insgesamt bewilligten Potentialberatungen rund 5.000,00 Euro Fördermittel eingesetzt. Bei maximal möglichen 15 Beratungstagen betrug der tatsächlich geplante Beratungsumfang 11 Tage.

Beratungsschecks wurden in den Arbeitsmarktregio­nen des Landes in sehr unterschiedlichem Umfang ausgegeben (vgl. Abbildung 2). Mit deutlichem Abstand führen nach dieser Betrachtung Ostwestfalen-Lippe mit 445 ausgegebenen Beratungsschecks und das Münsterland mit 438 ausgegebenen Beratungsschecks im Zeitraum April 2009 bis Dezember 2010. Wird die Ausgabe von Beratungsschecks ins Verhältnis zum Anteil der Regionen an den kleinen und mittelständischen Unternehmen in Nordrhein-Westfalen gesetzt, so zeigt sich, dass für diese beiden Regionen zugleich von einer überproportional starken Nutzung des Förderinstruments gesprochen werden kann. Eine deutlich unterproportionale Ausgabe von Beratungsschecks zeigt sich dagegen insbesondere in der Re­gion Köln sowie in den Regionen Mittlerer Nieder­rhein und Düsseldorf/Kreis Mettmann.



Mit dem Förderinstrument werden zu einem großen Anteil (40,1 %) Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten erreicht und zu einem Anteil von ebenfalls mehr als zwei Fünfteln (43,2 %) Kleinbetriebe mit 10 bis 49 Beschäftigten. Trotz des großen Anteils dieser Betriebsgrößenklassen an den beratenen Unternehmen ist zu berücksichtigen, dass allein der Anteil an Unternehmen mit bis zu neun Beschäftigten an den kleinen und mittelständischen Unternehmen in Nordrhein-Westfalen insgesamt Mitte des Jahres 2009 80,6 % betrug.

Insgesamt ist das verarbeitende Gewerbe unter den Unternehmen, die einen Beratungsscheck erhalten haben, mit einem Anteil von allein 30,9 % am stärksten vertreten. Daneben haben das Gesundheits- und Sozialwesen (13,0 %), der Handel (12,9 %), die freiberuflichen wissenschaftlichen und technischen Dienstleis­tungen (11,9 %) sowie die sonstigen Dienstleistungen (9,1 %) größere Anteile.

Themen zum geplanten Beratungsbedarf

Im Rahmen der Erstberatung werden die Themen zum geplanten Beratungsbedarf (vgl. Abbildung 3) festgestellt und erfasst.1 In nahezu allen Erstberatungen (97,3 %) wurde dabei ein Beratungsbedarf in Bezug auf die Organisationsentwicklung des Unternehmens festgestellt. Eine große Bedeutung hat ferner der Beratungsbedarf mit Blick auf die strategische Unternehmensentwicklung (70,4 %). Einen dritten Schwerpunkt der in den Erstberatungen identifizierten Themen bildet mit einem Anteil von 59,3 % das Qualitätsmanagement. Diese drei Themenbereiche sind zugleich jene, die auch schon in der Vergangenheit eine große Bedeutung hatten. In bislang deutlich geringerem Umfang wurde dagegen Beratungsbedarf hinsichtlich des betrieblichen Fachkräftebedarfs (19,3 %), der Gestaltung der Arbeitszeiten (17,0 %), der Berücksichtigung von Arbeit und Gesundheit (15,0 %) sowie insbesondere dem demografischen Wandel (6,9 %) festgestellt – Themen, die jedoch in besonders hohem landespolitischen Interesse stehen.


  1. Die in den Potentialberatungen tatsächlich bearbeiteten Themen, eingeleiteten Umsetzungsschritte sowie die erzielten Ergebnisse werden dann später im Zusammenhang mit der Verwendungsnachweisprüfung im Monitoring erfasst.

 

Aktion „100 zusätzliche Ausbildungsplätze für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene“

Ausgangslage

Mit der Aktion „100 zusätzliche Ausbildungsplätze“ fördert das Arbeitsministerium NRW mit ESF-Mitteln seit dem Ausbildungsjahr 2006/07 neue Wege der beruflichen Ausbildung für jährlich etwa 100 junge Menschen mit Behinderung. Verantwortlich für die Ausbildung sind Träger der beruflichen Bildung. Sie schließen Ausbildungsverträge mit den teilnehmenden Jugendlichen ab, gewährleisten aber durch Kooperationen mit Betrieben des ersten Arbeitsmarkts, dass mehr als die Hälfte der praktischen Ausbildungszeit wirtschaftsnah absolviert wird. Die Ausbildungsdauer kann je nach Beruf zwischen 24 und 42 Monate umfassen. Lernorte sind neben den Bildungsträgern die involvierten Betriebe sowie die Berufskollegs.

Umsetzungsstand

Seit Programmbeginn wurden bis 2010 vier Durchgänge des Programms aufgelegt. Über alle vier Durchgänge hinweg wurden insgesamt 436 Ausbildungsverträge bei 13 verschiedenen Trägern abgeschlossen. Die Anzahl der Ausbildungsverträge lag im ersten Durchgang bei 106, sank im zweiten Durchgang auf 98, um anschließend mit 113 Ausbildungsplätzen im dritten und 119 im vierten Durchgang wieder zu steigen. Auch im Ausbildungsjahr 2010/11 wird die „Aktion 100“ wieder flächendeckend angeboten. Mit der Umsetzung sind die nordrhein-westfälischen Berufsförderungs- und Berufsbildungswerke beauftragt.

Rund zwei Drittel (65,4 %) der Auszubildenden in den ersten vier Durchgängen sind männlich, 34,6 % sind weiblich. Der Großteil der Auszubildenden (63,9 %) trat im Alter zwischen 18 und 21 Jahren in das Programm ein. Im Rahmen der „Aktion 100“ wird bisher in mehr als 80 verschiedenen Ausbildungsgängen ausgebildet. Mit 200 Ausbildungen, also rund 46 % aller Ausbildungen, ist ein Großteil der Berufssparte Wirtschaft und Verwaltung zuzuordnen, wobei hier kaufmännische und Verkaufsberufe die größten Anteile einnehmen. Daneben sind auch die Bereiche Metall- und Maschinentechnik (9,6 %), Ernährung und Hauswirtschaft (7,8 %) sowie Lagerlogistik und Bautechnik mit jeweils 6,9 % in größerem Ausmaß vertreten. Somit sind gut 77 % der Ausbildungen diesen fünf Berufssparten zuzuordnen. Ende 2010 waren noch 212 Teilnehmer/-innen in Ausbildung, darunter 32 Teilnehmer/-innen aus dem zweiten Durchgang, 76 aus dem dritten und 104 aus dem vierten.

Ergebnisse

Die Abbruchquote liegt für den ersten Durchgang bei rund 36 % und bewegt sich somit in einer, für zielgruppenspezifische Förderprogramme üblichen Größenordnung. Gründe für Abbrüche liegen in den sozialen, psychischen oder nicht zuletzt auch anderen medizinischen Umständen, die oft eine Fortsetzung der Ausbildung infrage stellen.
Bis zum Sommer 2010 haben 95 Teilnehmer/-innen aus den zwei ersten Durchgängen eine Abschlussprüfung absolviert. 85 dieser Teilnehmer/-innen (rund 89 %) waren erfolgreich, nur zehn Teilnehmer/-innen (rund 11 %) haben nicht bestanden.

Zum Zeitpunkt sechs Wochen nach der Abschlussprüfung hat sich für knapp zwei Drittel (rund 63 %, N = 82) der Absolventinnen und Absolventen eine positive Anschlussmöglichkeit ergeben: 25,6 % der erfolgreichen Programmteilnehmer/-innen absolvieren eine weitere Ausbildung mit einem höherwertigen Berufsabschluss. Weitere 36,6 % haben zu diesem Zeitpunkt bereits eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen. 30,5 % blieben bis dahin arbeitsuchend.

Für 37 der erfolgreichen Programmteilnehmer/-innen des ersten Durchlaufs liegen bereits Angaben zum Verbleib 12 Monate nach der Abschlussprüfung vor. In weiterführender Ausbildung befinden sich noch 8,1 %. Knapp die Hälfte (48,6 %) geht einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Der Anteil der Arbeitsuchenden liegt nach 12 Monaten bei 24,3 %.

Ansprechpartnerin in der G.I.B.

Dr. Maria Icking
Tel.: 02041 767-273
m.icking@gib.nrw.de
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