Sie sind hier: Startseite Heftarchiv 2010 "Gute Arbeit" statt prekäre Beschäftigung Programm-Monitoring
(Heft 4/2010)
Ergebnisse in Kürze: Das Werkstattjahr und Jugend in Arbeit

Programm-Monitoring

Das im August 2010 begonnene Werkstattjahr ist das sechste Werkstattjahr seit Beginn dieses Programms im Jahr 2005.

Das Werkstattjahr


Ausgangslage

Es ist ein zusätzliches Angebot der Berufsvorbereitung und richtet sich seit 2007 insbesondere an Jugendliche, die höchstens einen Hauptschulabschluss der Klasse 9 vorweisen können und nach Einschätzung der Berufsberatung (noch) nicht in der Lage sind, eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (bvB) der Bundesagentur für Arbeit erfolgreich zu absolvieren.

Ergebnisse
Die Zahl der Eintritte stieg von rund 1.400 im ers­ten Jahr auf rund 6.600 im Schuljahr 2009/2010. Bis Mitte 2010 wurden dafür rund 100 Mio. Euro Fördermittel aus dem ESF eingesetzt. Die auch für das Werkstattjahr 2010/2011 rund 5.000 geplanten Teilnehmerplätze dürften voraussichtlich am Stichtag 1.11.2011 nicht alle besetzt sein, sodass absehbar die Eintrittszahlen im laufenden Werkstattjahr erstmals zurückgehen werden.

In allen Jahren schwankte der Frauenanteil nur leicht zwischen 33 % und 35 %. Durchschnittlich waren rund 70 % der Jugendlichen bei Eintritt 17 Jahre alt oder jünger, d. h., sie waren überwiegend noch berufsschulpflichtig und besuchten an den Berufskollegs die Klassen für Schülerinnen und Schüler ohne Berufsausbildungsverhältnis.

Entsprechend der im Zeitverlauf zunehmenden Fokussierung des Programms auf leistungsschwächere Jugendliche stieg der Anteil der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss von rund 46 % im Werkstattjahr 2007/2008 auf rund 72 % im Werkstattjahr 2009/2010. Wenig geändert hat sich dagegen der Anteil der Jugendlichen, die vorzeitig das Werkstattjahr verlassen haben. In allen Jahren brachen rund 52 % die Maßnahmen überwiegend aus motivationalen und verhaltensbedingten Gründen ab.

Deutliche Unterschiede zwischen den Werkstattjahren zeigen sich beim Verbleib nach Austritt. Konnten im Jahr 2007/2008 noch knapp 30 % anschließend in eine betriebliche, schulische oder außerbetriebliche Ausbildung wechseln, lag dieser Anteil 2008/2009 bei rund 20 % und im letzten Werkstattjahr bei knapp 15 %. Dafür stieg der Anteil der Übergänge in eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme, in das Berufsgrundschuljahr und in eine Einstiegsqualifizierung im gleichen Zeitraum von knapp 16 % auf jeweils knapp 22 % in den letzten beiden Werkstattjahren.


Jugend in Arbeit


Ausgangslage
Seit 1998 ist „Jugend in Arbeit“ Bestandteil der nord­rhein-westfälischen Arbeitsmarktpolitik und verfolgt seither das Ziel, in Abstimmung mit den Agenturen für Arbeit und den Grundsicherungsträgern arbeitslose junge Menschen in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu vermitteln. Im Rahmen des Programms werden sie durch Beraterinnen und Berater auf den Übergang in eine Beschäftigung vorbereitet, parallel akquirieren Fachkräfte der Kammern Arbeitsstellen, um eine passgenaue Vermittlung in ein lohnkostengefördertes Beschäftigungsverhältnis zu ermöglichen.

Seit 2003 wird das Programm unter dem Namen JAplus durch den ESF kofinanziert, seit 2008 übernimmt die Bundesagentur für Arbeit in der Regel die Lohnkostenzuschüsse.

Ergebnisse

Seit Programmbeginn haben über 65.000 Jugendliche eine individuelle Beratung durch die sozialpädagogischen Begleiter/-innen erhalten. Rund 34.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (rund 52 %) konnten in eine Beschäftigung einmünden, davon mehr als 22.000 direkt über den Beratungs- und Vermittlungsprozess des Programms.

Der Frauenanteil unter den Teilnehmenden schwankt zwischen 36 % und 43 %. Nach rund 40 % zu Beginn sank er um rund 5 Prozentpunkte bis 2004/2005 und stieg in der Folge bis auf 43 % im Jahr 2008 an. Aktuell ist der Anteil wieder deutlich geringer und liegt bei rund 36 %.

Das Durchschnittsalter der Beratenen lag hingegen konstant bei knapp über 22 Jahren.

Bis zum Jahr 2007 wurde der Anteil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Migrationshintergrund über die Angabe zur Nationalität ermittelt. Dieser Anteil sank von über 20 % zu Beginn auf knapp 15 % im Jahr 2007. Ab 2008 wird zusätzlich erhoben, ob der Jugendliche in einem anderen Land als Deutschland geboren wurde. Unter Berücksichtigung dieser Angabe weisen aktuell rund 38 % der Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Migrationshintergrund auf.

Besaßen zu Beginn rund ein Viertel der Jugendlichen keinen Hauptschulabschluss, so beträgt dieser Anteil aktuell nur noch ca. 13 %. Demgegenüber verdoppelte sich der Anteil von Teilnehmenden mit abgeschlossener Beraufsausbildung auf rund 50 %. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass das Programm zunächst für alle Jugendlichen offenstand, seit einigen Jahren aber stark über die Zuweisungspraxis der Arbeitsagenturen und Grundsicherungsträger gesteuert wird. Diese orientieren Jugendliche ohne Schulabschluss bzw. ohne Berufsabschluss mittlerweile verstärkt auf schulische und berufliche Ausbildungsprogramme. In der Praxis erweisen sich allerdings auch die Vermittlungsmöglichkeiten von Ausgebildeten ohne betriebliche Praxis als durchaus schwierig, sodass weiterhin die Begleitung und Hinführung von jungen Menschen auf eine Beschäftigungsaufnahme durch die sozialpädagogischen Beratungskräfte und die Fachkräfte der Kammern im Programm „Jugend in Arbeit“ notwendig sein wird.

Ansprechpartnerin in der G.I.B.

Dr. Maria Icking
Tel.: 02041 767-273
m.icking@gib.nrw.de
Artikelaktionen