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(Heft 4/2010)
Garten- und Landschaftsbau Baasner

Gute Erfahrungen mit Werkern im Gartenbau

In der Ausgabe 2_10 des G.I.B.-Infos haben wir die Möglichkeit der Werker-Ausbildung (nach behinderungsspezifischen Ausbildungsregelungen gemäß § 66 BBiG bzw. § 42 m HWO) als Weg ins Arbeitsleben für Menschen mit Behinderungen vorgestellt. Besonders viele Werker-Ausbildungsstellen schreiben die Arbeitsagenturen im Bereich Gartenbau aus.

Nach aktuellen Angaben der Landwirtschaftskammer NRW wurden im Jahr 2009 969 Menschen mit Behinderungen in 77 Berufsbildungseinrichtungen und 123 freiwirtschaftlichen Betrieben in NRW zu Werkern1 im Gartenbau ausgebildet. Während die Auszubildenden nach der Ausbildung bei Bildungsträgern dort meistens nicht weiterbeschäftigt werden können, stehen die Chancen hierfür bei privaten Unternehmen besser. Eines dieser Unternehmen ist der Garten- und Landschaftsbaubetrieb Baasner in Lünen. Wir haben das mittelständische Unternehmen besucht.

„Uns haben am Anfang einige Bildungsträger angesprochen, ob wir für eine Kooperation bei der Werker-Ausbildung zur Verfügung stehen. Wir haben es dann einfach ausprobiert, gute Erfahrungen gemacht und das dann weitergeführt“, zeichnet Norbert Baasner die Entwicklung nach. Das ist jetzt schon 18 Jahre her. Gegründet hat der Diplom-Ingenieur für Landespflege seinen Betrieb im Jahr 1991. Das Unternehmen wuchs im Laufe der Jahre beständig. Vor 10 Jahren wurde der Umzug an den heutigen Standort an der Wethmarheide in Lünen realisiert.

Der Betriebshof mit Betriebsgebäude, in dem sich die Verwaltungs- und Sozialräume sowie die Maschinenhalle mit Werkstatt und Magazin befinden, umfasst eine Gesamtfläche von etwa 5.500 Quadratmetern. Zurzeit beschäftigt die Baasner GmbH 22 Mitarbeiter im Garten- und Landschaftsbau. Dazu kommen zwei Bürokräfte. Im Portfolio des Unternehmens finden sich nahezu alle Tätigkeiten im Garten- und Landschaftsbau von der Neuanlage von großen Park- und Grünanlagen inklusive der Tiefbauarbeiten über den Bau von Kinderspielplätzen und die Anlage von Privatgärten bis zu Pflege- und Pflanzarbeiten.

Bereits kurz nach Gründung wurde das Unternehmen im März 1992 als Ausbildungsbetrieb für die Berufsausbildung zum Gärtner in der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau durch die damalige Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe anerkannt. Norbert Baasner bildet seitdem regelmäßig Landschaftsgärtner aus – zurzeit sind es drei eigene Auszubildende, jeweils einer im ersten, zweiten und dritten Lehrjahr – sowie zusätzliche Auszubildende, die über Ausbildungskooperationen mit den Wirtschaftsbetrieben Lünen und dem Bauverein zu Lünen einen Teil ihrer praktischen Ausbildung bei der Baasner GmbH machen. Ebenso lange bietet Norbert Baasner Ausbildungsstellen für Werker im Garten- und Landschaftsbau an.

Kooperation Bildungsträger/Betrieb hat sich bewährt
 

Die Werker-Ausbildung regelt ein Kooperations-Modell: Den Vertrag über die 36-monatige Ausbildung schließen die angehenden Werker nicht mit dem Garten- und Landschaftsbaubetrieb, sondern mit einer Bildungseinrichtung. Diese regelt den praktischen Teil der Ausbildung über einen Kooperationsvertrag mit einem von der Landwirtschaftskammer anerkannten Ausbildungsbetrieb. Der Kooperationsvertrag wird von der Landwirtschaftskammer geprüft und dort auch eingetragen. Der Ausbildungsbetrieb zahlt keine Ausbildungsvergütung, die gesamte finanzielle Seite wird vom Bildungsträger geregelt auch die Verantwortung für den Auszubildenden liegt beim Träger.

Einer der Bildungsträger, mit dem die Baasner GmbH zusammenarbeitet, ist das Jugenddorf Dortmund-Oespel, ein berufliches Bildungs- und Ausbildungszentrum in Trägerschaft des Christlichen Jugenddorfwerkes Deutschlands e. V. (CJD), das auch zahlreiche andere Helfer- und Werker-Ausbildungen anbietet. Der aktuelle Werker-Azubi beim Lünener Garten- und Landschaftsbaubetrieb kommt aus dieser Einrichtung. Montags, mittwochs und freitags ist Mark André Knittel im Betrieb in Lünen, dienstags und donnerstags zur schulischen Ausbildung im Jugenddorf Oespel. „Die Teilung der Aufgaben – schulische Ausbildung und sozialpädagogische Betreuung beim Bildungsträger, praktische Ausbildung im Betrieb – funktioniert in der Regel gut“, sagt Norbert Baasner. „Der Dortmunder Bildungsträger hat eigene Gärtnermeister, die die Jugendlichen betreuen. Sie kommen auch in regelmäßigen Abständen in die Betriebe, informieren sich über die Ausbildungsfortschritte und sind unsere wichtigsten Ansprechpartner, wenn Probleme auftauchen.“ Norbert Baasner hält das für ein gutes Modell, denn für die meisten Garten- und Landschaftsbaubetriebe, die in der Regel nicht sehr groß sind, sei es gar nicht möglich, einen eigenen sozialpädagogischen Betreuer zu stellen. Auch die notwendigen Kontakte zur Arbeitsverwaltung und anderen Institutionen, die im Falle von Problemen herzustellen sind, seien für ein kleineres Unternehmen zu arbeitsaufwändig. Es habe einige Betriebe gegeben, die zu Beginn euphorisch selbst mit der Werker-Ausbildung begonnen hätten. Die hätten aber nach kurzer Zeit einsehen müssen, dass die Betreuung ohne Hilfe von außen in einem normalen Betrieb einfach nicht leistbar sei. Nach Auskunft der Landwirtschaftskammer NRW (LWK) hat sich deshalb auch die Ausschreibungspraxis der Arbeitsagenturen dahin entwickelt, das kooperative Modell zu bevorzugen.

„Wir haben im Gartenbau traditionell das Bestreben, die jungen Menschen, die die Werker-Ausbildung machen, in die Betriebswirklichkeit einzuführen“, sagt Reinhard Gerlach von der LWK in Münster und erklärt so auch den hohen Anteil betrieblicher Werker-Ausbildung in der Branche Gartenbau. Es sei schließlich wichtig, dass die Jugendlichen nach der Ausbildung auch in ihrem Beruf Arbeit finden. Von den zurzeit 781 Werker-Auszubildenden im Gartenbau in 77 Berufsbildungseinrichtungen in NRW wird nach Auskunft der LWK eine hohe Quote kooperativ in Betrieben ausgebildet. Dazu kommen 123 privatwirtschaftliche Betriebe, die insgesamt 129 Jugendliche zu Werkern ausbilden. Statistisch zählt hierzu auch die Baasner GmbH, da sie die praktische Ausbildung zu 100 Prozent übernimmt und nur die sozialpädagogische und schulische Betreuung beim Träger liegt. Andere Gartenbauunternehmen nehmen für die sozialpädagogische Betreuung ausbildungsbegleitende Hilfen der Arbeitsverwaltung in Anspruch. „Von den privatwirtschaftlichen Betrieben, die die praktische Werker-Ausbildung zu 100 Prozent aus Eigeninitiative übernehmen und Werker oder Werkerinnen ausbilden möchten, haben wir die Rückmeldung, dass die Übernahmequote nach Abschluss der Ausbildung hoch ist“, so Martin Bietenbeck von der LWK.

Ausbildungsfähigkeit entscheidend
 

Probleme gibt es nach Erfahrung von Norbert Baasner in erster Linie dann, wenn die zugewiesenen Jugendlichen aufgrund der Stärke ihrer Lernbehinderung eigentlich nicht in der Lage sind, ausgebildet zu werden. Da setzt seine Kritik am Auswahl-Verfahren an, für das die Arbeitsagenturen zuständig sind: „Die Auswahlkriterien sind sicher überarbeitungswürdig. Nicht selten werden Auszubildende, die die Agenturen den Bildungseinrichtungen zuweisen, von diesen zur praktischen Ausbildung nacheinander in vier oder fünf Betriebe geschickt, wo sie dann immer wieder scheitern, weil sie einfach nicht ausbildungsfähig sind.“ Nach Meinung von Norbert Baasner ein sicheres Indiz dafür, dass die vorgeschalteten Tests der Arbeitsagenturen nicht ausreichen. „Die Grenze zwischen ‚lernbehindert‘ und ‚nicht ausbildungsfähig“ ist ganz fließend“, weiß auch Martin Bietenbeck, der im „Arbeitskreis Werker“ in NRW, einer Interessengruppe aus Ausbildern, Betriebsinhabern, Sozialpädagogen und Berufsschullehrern, die sich um die Werker-Ausbildung im Gartenbau kümmert, ständiger Gast ist. Er teilt die Kritik des Lünener Gartenbauers. Ziel müsse es daher unter anderem sein, die Auswahl der Jugendlichen zu verbessern, um die Abbruchquote zu minimieren.

Die Jugendlichen, die ausbildungsfähig sind, zeigen sich nach Erfahrung von Norbert Baasner jedoch so motiviert, dass sie die Ausbildung bis zur Abschlussprüfung durchhalten. „Die Werker-Ausbildung ist im theoretischen Teil stark abgespeckt und legt den Schwerpunkt auf die praktischen Fähigkeiten. Die Abschlussprüfung entspricht in etwa der Zwischenprüfung bei den Landschaftsgärtnern“, erläutert der Lünener, der auch Mitglied im Ausschuss für die Gärtnerprüfungen im Garten- und Landschaftsbau ist. „In der Regel kommen die Werker-Auszubildenden aus einer Förderschule und haben eine Lernbehinderung, das heißt, eine verminderte Auffassungsgabe. Man muss ihnen die Ausbildungsinhalte deutlich öfter zeigen, damit sie sie verstehen. Sie können häufig nicht richtig schreiben, lesen und rechnen und sind dadurch stark gehandicapt“. Entscheidend sei für die Berufsgruppe aber nicht das theoretische Wissen, sondern die Praxis.

Das Können dreier Werker, die ihre Ausbildung in Norbert Baasners Betrieb gemacht haben, hat ihn so überzeugt, dass er sie nach der Ausbildung übernommen hat. Sie gehören jetzt schon zehn bis fünfzehn Jahre zur Stammbelegschaft. „Das Einsatzgebiet unserer Werker hat sich nach den individuellen Neigungen entwickelt“, erklärt Norbert Baasner. „Einer ist unser Lkw- und Maschinen-Fahrer. Er bedient die Wagen und Maschinen mit einer unglaublichen Sicherheit, während die anderen Werker bei Pflegearbeiten bzw. Steinarbeiten top sind.“ Auch Mark André Knittel ist sehr motiviert und in der praktischen Arbeit so gut, dass Norbert Baasner ihm gute Chancen auf eine Weiterbeschäftigung einräumt.

Randsteine setzen, Radlader fahren – im zweiten Lehrjahr ist er schon sehr gut einsetzbar und macht sogar freiwillig Überstunden, von denen die Werker-Auszubildenden eigentlich freigestellt sind. „Bei dem Engagement macht es richtig Spaß, ihn auszubilden“, stellt der Diplom-Ingenieur für Landespflege fest. Bei dem Lünener Garten- und Landschaftsbaubetrieb sind die Werker voll in die Teams integriert. Eine Kolonne besteht immer aus mindestens einem Gesellen, einem Facharbeiter und einem Auszubildenden. Bei größeren Kolonnen wird das Personal in diesem Verhältnis anteilig aufgestockt.

„Werker-Auszubildende werden hier in der Firma den anderen Auszubildenden gleichgestellt. Wir geben auch nach außen nicht bekannt, dass es sich um eine Werker-Ausbildung handelt“, sagt Norbert Baasner. Das bedeutet, dass von den anderen Mitarbeitern auch eine gewisse Leistung von den Werkern erwartet wird. „Ich halte es für wichtig, dass die praktische Werker-Ausbildung nicht in einem geschützten Raum stattfindet“, so Norbert Baasner, „denn es gibt immer ein Leben nach der Werker-Ausbildung, und da wird noch mehr erwartet.“

LWK wacht über Ausbildungsqualität
 

„Die Frage, die im Berufsstand seit Jahren mit viel Herzblut diskutiert wird, ist die, wo die Ausbildungsqualität besser ist und wo die Jugendlichen eine bessere Chance haben, auch eine gute Prüfung abzulegen“, sagt Reinhard Gerlach von der LWK. Es gebe Bildungsträger, die sich sehr viel Mühe bei der Werker-Ausbildung geben, aber auch solche, die nicht gut ausbilden, bzw. sich an Ausschreibungen beteiligen, ohne einen geeigneten Kooperationspartner für die praktische Ausbildung zu haben. Dazu gehören nach Einschätzung der LWK z. B. solche Betriebe, die zwar die Ausbildungsberechtigung haben, de facto aber lange nicht ausgebildet haben. Die seien mit einer Werker-Ausbildung überfordert, weil sie oft gar nicht wüssten, um welchen Personenkreis es sich bei diesen Auszubildenden handelt. „Davor müssen wir als Landwirtschaftskammer die Auszubildenden, aber auch die Ausbilder schützen“, so Martin Bietenbeck.

Bemängelt wird von der LWK, dass im Vergabeverfahren die Prüfung der Ausbildungsberechtigung durch die Kammern erst sechs Wochen nach Vergabe vorgesehen ist. Auch erhielten einige Bildungsträger, die sich eine gute Infrastruktur geschaffen hätten und langfristig eine gute integrative Ausbildung im eigenen Haus angeboten haben, von der Arbeitsverwaltung aufgrund der höheren Kosten keinen Zuschlag mehr – eine Auswirkung von EU-Ausschreibungs-Richtlinien, die nach Meinung der Kammer optimiert werden müssten.

„Die Ausschreibung des kooperativen Modells muss dringend nachgebessert werden. Einige Auszubildende besitzen zwar einen abgeschlossenen Ausbildungsvertrag mit dem Bildungsträger, haben aber noch keinen Betrieb gefunden, der die praktische Ausbildung übernimmt“, so Martin Bietenbeck. „Dieser ‚Schwebezustand‘ betrifft viele Auszubildende. Die Betreuung beim Träger ersetzt nicht die praktische Ausbildung. Es muss gewährleistet werden, dass der Ausbildungsbeginn zeitgleich mit dem Maßnahmebeginn sichergestellt wird.“ Die Landwirtschaftskammer legt Wert darauf, dass die Kooperationsbetriebe vorab mit dem zuständigen Ausbildungsberater abgesprochen werden. Mit diesem Schritt soll gewährleistet werden, dass nur für die Werker-Ausbildung geeignete Betriebe einen Kooperationsvertrag abschließen können.

Außerdem sei die Belastung der oft nur mit befristeten Verträgen ausgestatteten Ausbilder bei Bildungsträgern hoch. Neben den Werkern haben sie sich nach Erfahrung der LWK oft noch um die Teilnehmer mehrerer anderer vom Träger angebotener Maßnahmen zu kümmern, sodass das Verhältnis Ausbilder/Auszubildende nicht selten bei 1:20 oder mehr liege und damit weit über dem Schlüssel von 1:6 bis 1:8, den die Landwirtschaftskammer im Gartenbau für angezeigt hält.

Im Allgemeinen erzielen die trägerausgebildeten Werker in den Prüfungen nach Erhebungen der LWK dennoch bessere Ergebnisse, als kooperativ oder freiwirtschaftlich ausgebildete. Das kann aber nach Einschätzung der LWK daran liegen, dass in den Bildungseinrichtungen Möglichkeiten vorhanden sind, individuell auf die Auszubildenden einzugehen. Negativ zu sehen ist allerdings, wenn auf die Prüfungen hin ausgebildet und geübt wird. Etwas, was zum Beispiel im Kooperationsbetrieb Baasner nicht auf dem Programm steht: „Wir üben mit unseren Werkern nicht speziell für Prüfungen. Bei uns kommen alle Prüfungsinhalte in der täglichen Praxis vor“, sagt Norbert Baasner. Wenn auch die Prüfungsergebnisse bei trägerausgebildeten Werkern statistisch besser sind, so bemängelt die LWK andererseits, dass eine Übernahme beim Maßnahmenträger nach der Ausbildung praktisch ausgeschlossen ist. In die Statistik der Arbeitsverwaltung fließen aber, so ein weiterer Kritikpunkt der LWK, auch diejenigen als vermittelt ein, die nach der Werker-Ausbildung eine ganz andere Tätigkeit ausüben oder etwa ihren Wehrdienst ableisten. Die offiziellen Zahlen verzerrten also die wirkliche Situation zugunsten der Bildungsträger.

Trotz einiger Erfolge gibt es im Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen e. V. (VGL NRW) nach Kenntnis von Reinhard Gerlach auch Stimmen gegen die Werker-Ausbildung: Hier sieht man nicht die Möglichkeit, die derzeit in Ausbildung befindliche hohe Zahl behinderter Menschen im Garten- und Landschaftsbau zu beschäftigen.

Ein weiteres Argument mag sein, dass man negative Auswirkungen für das Ansehen des Berufsstandes befürchtet, der im Rahmen einer Imagekampagne („Werde Gärtner/-in und erlebe täglich Neues“) verbessert werden soll. Einig sind sich Kammer und Verband darin, dass eine begrenzte Anzahl Werker im Garten- und Landschaftsbau langfristig beschäftigt werden kann. Deshalb kümmert sich die Kammer intensiv um die Qualitätsverbesserung z. B. durch die Entwicklung neuer Prüfungspläne. Aktuell soll in einer gemeinsamen Initiative des Berufsstandes die Passgenauigkeit der Ausbildung hinsichtlich späterer Beschäftigungsmöglichkeit überprüft und optimiert werden.

Die derzeitige Werker-Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau ist sehr nah an die Vollausbildung angelehnt; es gibt eigene Prüfungen und Prüfungskommissionen sowie eigene überbetriebliche Lehrgänge. Die Inhalte dieser Ausbildung sind detailliert festgelegt: „Im praktischen Bereich wird die Herstellung von befestigten Flächen, Bauen mit Betonfertigteilen, Herstellen von Ansaaten, Baumpflanzung geprüft“, erläutert Martin Bietenbeck. „Was fehlt, ist die Prüfungsaufgabe „Ausführungspläne sowie Leistungsverzeichnisse lesen und auf die Baustelle übertragen“ und der Sachkundenachweis Pflanzenschutz. Alles andere, was an handwerklicher Umsetzung stattfindet, entspricht der Vollausbildung. Der Werker im Gartenbau ist also nicht jemand für die einfachen Tätigkeiten.“ Der Werker ist aber nicht für eine Leitungsfunktion vorgesehen. Die LWK spricht daher von einer „vollwertigen Tätigkeit auf einem anderen Niveau“. Im Rahmen der vorgesehenen Vereinheitlichung der Werker-Ausbildung auf Bundesebene hat man dafür die Formulierung „selbstständig unter Anleitung“ gefunden.

Werker-Ausbildung sorgt für Facharbeiter-Nachwuchs
 

Neben dem sozialen Engagement liegt die Motivation, Ausbildungsplätze für Werker anzubieten, für Norbert Baasner auch darin, eigenen Facharbeiternachwuchs zu generieren. „In der Ausbildungsphase verdienen wir heute weder mit den Werkern noch mit den Landschaftsgärtnern Geld“, sagt Norbert Baasner, „dafür ist die Ausbildung zu komplex und umfangreich geworden.“ Danach verfügt ein Unternehmen aber durch die eigene Ausbildung über genau die Kräfte, die es benötigt. Dabei verdient ein ausgebildeter Werker im Gartenbau in der Regel etwa 2,50 Euro weniger pro Stunde als ein nach Tarif bezahlter gelernter Landschaftsgärtner. Auf lange Sicht rechnet sich die Werker-Ausbildung also für das Unternehmen.
Neben den Werkern, die Norbert Baasner selbst übernommen hat, hat er fünf Werker nach der Ausbildung in seinem Betrieb an andere Unternehmen der Region weitervermittelt, weil im eigenen Unternehmen zu der Zeit kein Fachpersonal-Bedarf bestand. Auch die sind nach Wissen des Lünener Diplom-Ingenieurs für Landespflege bis heute in den Betrieben beschäftigt. Bei einem seiner Werker wurde in Abstimmung mit der Arbeitsagentur nach zwei Jahren Ausbildung festgestellt, dass er sowohl von den praktischen als auch von den schulischen Leistungen her so ausbildungsfähig war, dass er in die vollwertige Landschaftsgärtner-Ausbildung wechseln konnte. „Das ist aber ein absoluter Einzelfall“, so Norbert Baasner. Das bestätigt auch die LWK: „Es sind zwar wenige, die an die Werker-Ausbildung eine Voll-Ausbildung anschließen, aber die schließen die Ausbildung dann meistens auch erfolgreich ab“, weiß Martin Bietenbeck.

„Wir stellen nicht selten fest, dass sich die Jugendlichen während ihrer Ausbildung sehr positiv verändern, ja, manchmal regelrecht aufblühen“, ergänzt Reinhard Gerlach. Dem tragen auch einige Berufsschulen Rechnung, die Werkern im Gartenbau neben dem Berufsschulunterricht Zusatzunterricht anbieten, der mit dem Hauptschulabschluss abschließt. Die bestandende Werker-Abschlussprüfung führt in diesem Fall parallel zu einem Schulabschluss. Andererseits gibt es nach Erfahrung von Norbert Baasner auch einige Fälle, die nach Wegfall der sozialpädagogischen Betreuung mit Abschluss der Werker-Ausbildung im Berufsleben gescheitert sind. Die Probleme liegen dann meistens im persönlichen Umfeld der Betroffenen, auf das die Betriebe keinen Einfluss nehmen können.
Der Bedarf an Werker-Ausbildungsstellen ist in NRW in den letzten Jahren beständig gestiegen. Norbert Baasner sieht in dem großen Anteil, den der Gartenbau an den Werker-Ausbildungen in NRW übernimmt, aber auch ein Problem: „Es gibt wenig Handwerksberufe, in denen Werker-Ausbildungen angeboten werden, obwohl es meiner Meinung nach möglich wäre. Das müsste auf mehrere Schultern verteilt werden, denn erstens ist diese Ausbildung nicht ganz einfach – man muss schon sehr viel Zeit und Geduld investieren – und zweitens wird auf Dauer im Gartenbau über Bedarf ausgebildet. Das heißt, die Chancen, nach der Ausbildung auch in dem Beruf arbeiten zu können, nehmen ab.“ Besonders für die Jugendlichen, die mit der abgeschlossenen Werker-Ausbildung zum ersten Mal ein Erfolgserlebnis haben, das sie auch psychisch stärkt, sei das fatal. Deshalb fordert Norbert Baasner notfalls eine behördliche Festlegung von Ausbildungsquoten für die verschiedenen Handwerksberufe.

Mehr Branchen – besserePerspektiven
 

Den Grund für den hohen Anteil im Gartenbau sieht Norbert Baasner bei den Arbeitsagenturen, die die Auszubildenden auswählen und zu einem großen Teil in den Gartenbau leiten. Mit dieser Kritik liegt er auf einer Linie mit der LWK: „Wir haben die Situation, dass der Gartenbau, und hier speziell der Garten- und Landschaftsbau2, schon traditionell bei der Werker-Ausbildung ganz oben an der Spitze steht. Dahinter liegt die Hauswirtschaft – ebenfalls in der Zuständigkeit der LWK –, gefolgt von Beiköchen, Verkaufshilfen, Bau- und Metallmalern, Metallbearbeitern und zwei, drei anderen Berufen, und das war es dann schon fast“, sagt Reinhard Gerlach. Für ihn macht eine Konzentration auf eine so geringe Anzahl von Berufen keinen Sinn, wenn man eine gewisse Nachhaltigkeit für die Jugendlichen im Blick hat und die Tatsache, dass eine Ausbildung, die eine intensive Betreuung notwendig mache, auch Geld koste. Dabei sei zu berücksichtigen, dass nahezu 1000 Regelungen für die Ausbildung behinderter Menschen in den verschiedensten Wirtschaftsbereichen zur Verfügung stehen.

Zum Teil liegt die Einschränkung auf wenige Berufe nach Einschätzung der LWK aber auch an den Bildungsträgern, die ihren eigenen Bedarf im Blick haben: „Die Träger haben eine Liegenschaft, die gepflegt werden muss. Das kann zur Überlegung führen, Garten- und Landschaftsbauer auszubilden. Genauso verhält es sich bei der Verpflegung der Mitarbeiter und der Auszubildenden. Da kommen die Hauswirtschaftshelfer und Beiköche ins Spiel usw. Da fehlt auch ein bisschen die Kreativität“, kritisiert Martin Bietenbeck. Die Zurückhaltung in anderen Wirtschaftsbereichen ist für die LWK nur schwer zu verstehen, da es durchaus nachahmenswerte und positive Beispiele für die Ausbildung behinderter Menschen gibt. Reinhard Gerlach verweist hier auf die Initiative IlJA (Integration lernbehinderter Jugendlicher in Ausbildung) des NRW-Ministeriums für Arbeit, Integra­tion und Soziales, in dessen Rahmen nachahmenswerte Beispiele aus dem Caterer- und KFZ-Bereich vorgestellt wurden. Insgesamt stellt Norbert Baasner der Werker-Ausbildung in seiner Branche ein gutes Zeugnis aus. „So wie die Werker-Ausbildung im Gartenbau läuft, ist sie sicher eine gute Sache. Für mich ist wichtig, dass die­se Form der Ausbildung auch in vielen anderen Berufen geschaffen wird, damit die Jugendlichen nach der Ausbildung in ihrem Beruf bleiben können und so eine echte Perspektive haben.“ Trotz aller Kritik im Detail ist auch Martin Bietenbeck vom Wert der Werker-Ausbildung – besonders der betrieblichen – überzeugt: „Wer die Freude in den Augen der Werker sieht, die ihre Abschluss-Prüfung bestanden haben und im Anschluss von einem Betrieb übernommen werden, der weiß, dass es sich lohnt, an der Werker-Ausbildung zu arbeiten.“


1 Der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung empfiehlt zukünftig den Begriff „Fachpraktiker/Fachpraktikerin“ zu verwenden.

2 2009 gab es lt. Ausbildungsstatistik der LWK NRW 607 Werker-Auszubildende im Garten- und Landschaftsbau, 249 im Zierpflanzenbau, 60 in der Friedhofsgärtnerei, 31 in Baumschulen. Gemüsebau (9), Obstbau (1) und Staudengärtnerei (12) spielen nur eine untergeordnete Rolle.


Ansprechpartner in der G.I.B.

Richard Osterholt
Tel.: 02041 767-153
r.osterholt@gib.nrw.de

Kontakte

Norbert Baasner
Garten- und Landschaftsbau GmbH
An der Wethmarheide 32
44536 Lünen
Tel.: 02306 54069
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Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Nevinghoff 40
48147 Münster
Referat 12 – Berufsbildung, Fachschulen
Reinhard Gerlach
Tel.: 0251 2376-427
reinhard.gerlach@lwk.nrw.de
Martin Bietenbeck
Tel.: 0251 2376-385
martin.bietenbeck@lwk.nrw.de

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Autor

Frank Stefan Krupop
Tel.: 02306 741093
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