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(Heft 3/2010)
Das Hagener Unternehmen Schrimpf & Schöneberg integriert Mitarbeiter mit Behinderung und sichert damit Arbeitsplätze

„Den Standort erhalten, um wettbewerbsfähig zu bleiben“

Gegen den Trend stellte das mittelständische Unternehmen Schrimpf & Schöneberg während der Krise Personal ein. Gefördert durch das Landesprogramm „Integration unternehmen!“, wurde in Hagen-Hohenlimburg eine Integrationsabteilung aufgebaut, in der von insgesamt 24 Mitarbeitern, 12 schwerbehindert sind.

Dabei lässt sich das Unternehmen nicht nur von sozialer Verantwortung leiten, sondern sichert damit die Qualität seiner Produkte und bleibt wettbewerbsfähig. Druck-, Zug- und Schenkelfedern, Draht-, Stanz- und Stanzbiegeteile – mit diesen Produkten, die in Automobilen und in Haushaltsgeräten ebenso eingesetzt werden wie in der Medizintechnik, ist Schrimpf & Schöneberg auf einem Markt erfolgreich, der nicht erst seit der Finanz- und Wirtschaftskrise umkämpft ist. In den kleinen Metallteilen steckt viel technisches Know-how und lohn­intensive Arbeit. Der Arbeitsgang an der Schleifmaschine, mit dem die Federn den letzten Schliff erhalten, setzt keine Facharbeiterausbildung voraus und wurde von vielen Unternehmen nach Osteuropa ausgelagert, in Länder mit deutlich niedrigeren Löhnen. Auch Schrimpf & Schöneberg vergibt Aufträge an polnische und tschechische Firmen. Vom Standort in Hagen hat sich das Unternehmen aber ebenso wenig getrennt, wie von seinen Mitarbeitern.

Kooperation statt Verlagerung
 

„Wenn Sie im Osten etwas aufbauen, dann müssen sie ständig vor Ort sein und sind viel unterwegs. Das kostet Zeit, aber auch Geld, denn die Reklamationsquote ist weitaus höher als in unserem Werk in Hagen“, erklärt Jürgen Hammermeister, der das Unternehmen seit 1987 führt. Auf der Suche nach einer Alternative zur Verlagerung der Produktion nach Osteuropa erweiterte Jürgen Hammermeister eine schon vorhandene Kooperation mit den Iserlohner Werkstätten für behinderte Menschen. Wurden zunächst Sortier- und Verpackungsarbeiten an die Werkstätten vergeben, so erweiterte sich die Kooperation nach und nach, „weil gute Arbeit abgeliefert wurde.“ Seit 1996 arbeiten Mitarbeiter der Iserlohner Werkstätten an Schleifmaschinen in der Werkhalle von Schrimpf & Schöneberg – mit guten Ergebnissen und in kontinuierlich besserer Qualität, als dies mit Aushilfen zu erreichen war.

„Wir haben für die lohnintensiven Arbeiten lange Zeit Aushilfen, insbesondere Schüler beschäftigt, um dem Kostendruck aus den Niedriglohnländern zu begegnen“, so Hammermeister. Ganz glücklich war man damit aber nicht: „Bei der Beschäftigung von Aushilfen, müssen Sie den Aufwand, um die Qualität des gefertigten Produktes zu überprüfen, deutlich erhöhen“, so Hammermeister.

Arbeitsplätze und bessere Qualität
 

Als die Regionalagentur Märkische Region Anfang 2008 anfragte, ob Schrimpf & Schöneberg sich als einer der ersten Industriebetriebe der Region an einem neuen Landesprogramm zur Förderung der Integration von Schwerbehinderten in den allgemeinen Arbeitsmarkt beteiligen würde, fiel diese Anfrage dank der langjährigen Kooperation mit den Iserlohner Werkstätten auf fruchtbaren Boden. Das Landesprogramm „Integration unternehmen!“ (LIU) startete im Juni 2008 mit dem Ziel, rund 1.000 neue Arbeitsplätze für behinderte Menschen in Integrationsunternehmen oder in Integrationsabteilungen von Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes innerhalb von drei Jahren zu schaffen. Dafür hat das Land NRW 10 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Mit den Fördermöglichkeiten von LIU konnte Schrimpf & Schöneberg „einen Schritt weiter gehen“, beschreibt Knut Schuster, ebenfalls Geschäftsführer von Schrimpf & Schöneberg, die Entwicklung. „Die Erfahrungen, die wir in der Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Iserlohner Werkstätten gemacht haben, waren so gut, dass wir uns entschieden haben, auf die Beschäftigung von Aushilfen zu verzichten und statt dessen diese Arbeitsplätze mit Behinderten optimal zu besetzen“, so Schuster.

Einer derjenigen, die mit ihrer Arbeit für Qualität sorgen, ist Dirk Becker. Er arbeitete neun Jahre bei den Iserlohner Werkstätten, seit einem Jahr hat er einen unbefristeten Arbeitsvertrag mit dem Hohenlimburger Unternehmen. Er ist einer der Mitarbeiter mit Behinderung, die in der Anfang 2009 eingerichteten Integrationsabteilung von Schrimpf & Schöneberg sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. „Herr Becker hat sich in den letzten Jahren sehr gut eingearbeitet. Er ist heute fast so selbstständig wie ein Facharbeiter“, bilanziert Karl Emde, der die Abteilung der Iserlohner Werkstätten leitet.

In der Integrationsabteilung arbeiten 12 Nicht-Behinderte mit 12 behinderten Mitarbeitern zusammen, zwei von ihnen waren zuvor schon auf einem der Außenarbeitsplätze der Iserlohner Werkstätten bei Schrimpf & Schöneberg beschäftigt. Die restlichen zehn Arbeitsplätze wurden mithilfe des Integrationsfachdienstes gefunden. Die Mitarbeiter dort nahmen eine erste Auswahl vor und nach einer vierwöchigen Probearbeitszeit bei Schrimpf & Schöneberg entschied das Unternehmen, wer eingestellt werden konnte. In Frage kamen Menschen mit geistigen und psychischen Behinderungen. Bei körperlichen Behinderungen müssen Integrationsfachdienst und Unternehmen darauf achten, dass die Mitarbeiter sowohl sitzend als auch stehend an der Schleifmaschine arbeiten können und beim Heranholen und Wegbringen von Kis­ten auch Gewichte von bis zu 10 kg getragen werden müssen.

„Wir hatten das Ziel, die 12 Arbeitsplätze für behinderte Mitarbeiter bis Ende 2009 einzurichten. Das haben wir geschafft“, freut sich Jürgen Hammermeister. Bevor die Arbeitsplätze besetzt werden konnten, waren allerdings zunächst die räumlichen Voraussetzungen zu schaffen, da die zusätzlichen Arbeitsplätze im Stammwerk nicht untergebracht werden konnten. Mithilfe der Förderung wurden Räume in der Nähe des Stammwerks für die Integrationsabteilung hergerichtet, Räume umgebaut, WC und Aufenthaltsraum eingerichtet und in Schleifmaschinen und andere Gerätschaften für die Arbeitsplätze investiert.

Für die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen erhalten Arbeitgeber nicht nur dauerhafte und verlässliche Zuschüsse zu den Personalkosten, sondern pro neu geschaffenem Arbeitsplatz auch einen Investitionskostenzuschuss von bis zu 20.000 Euro. Die Förderung erfolgt aus Mitteln des Landesprogramms und der Landschaftsverbände.

Mehr als Arbeitsplätze schaffen
 

Seit dem 1. Februar 2009 existiert die Integrationsabteilung bei Schrimpf & Schöneberg und die Geschäftsführung resümiert: „Das Konzept ist aufgegangen“. Hinter diesem ebenso knappen wie positiven Kommentar von Jürgen Hammermeister steckt mehr als nur die Zufriedenheit darüber, dass die betriebswirtschaftlichen Ziele erreicht wurden. Ebenso wichtig für das Gelingen war die Integration der neuen Mitarbeiter in die Stammbelegschaft. Auch wenn die langjährig beschäftigten Mitarbeiter durch die Kooperation mit den Iserlohner Werkstätten schon Kontakt zu Menschen mit Behinderung hatten, der Aufbau einer eigenen Abteilung im Unternehmen stellte eine Herausforderung dar.

„Am Anfang war unklar, wie sich die Zusammenarbeit der Behinderten mit den Nicht-Behinderten wohl entwickeln würde“, erinnern sich beide Geschäftsführer. Sie bezogen ihre Belegschaft von Anfang an in den Entscheidungsprozess mit ein, informierten und beschlossen, eine Mitarbeiterin zu schulen, die diesen Integrationsprozess begleiten sollte. Monika Gloerfeld hält die Kontakte zu den pädagogischen Fachkräften der Iserlohner Werkstätten, arbeitet mit dem Integrationsfachdienst zusammen und führt die Bewerbungsgespräche. Auch nach der Einstellung ist sie für die behinderten Mitarbeiter da: sie führt Zielgespräche mit jedem Mitarbeiter, hält regelmäßigen Kontakt zu den Betreuern und ist im alltäglichen Arbeitsprozess jederzeit ansprechbar. Sozialpädagogische Unterstützung erhält sie von den Fachkräften der Iserlohner Werkstätten. „Mittlerweile sitzen die Mitarbeiter auch in den Pausen in Gruppen zusammen und es gibt überhaupt keine Animositäten oder Vorbehalte untereinander“, freut sich der Geschäftsführer Knut Schuster.
Schrimpf & Schöneberg hat die Krise längst nicht hinter sich. In der Verwaltung wurde im Herbst 2009 noch kurzgearbeitet. Aber die Auftragslage hat sich verbessert und das Unternehmen expandiert vorsichtig: „Den neuen Standort können wir bis auf maximal 30 Arbeitsplätze ausweiten.“ Anfang 2009 waren bei Schrimpf & Schöneberg 58 Mitarbeiter beschäftigt. Im Herbst 2009 waren es 68.

Kontakt

Schrimpf & Schöneberg GmbH & Co. KG
Feldstraße 20 – 22
58119 Hagen-Hohenlimburg
Tel.: 02334 9280-60
schrischoe@springtec-group.com
www.springtec-group.com

Autor

Andrea Arcais
andrea@arcais.de

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