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(Heft 4/2009)
Mechernicher Unternehmen MFT nutzt nicht nur Verbundausbildung

Steigenden Fachkräftebedarf durch mehr Ausbildung decken

Was tun, wenn ein Unternehmen wächst, dadurch einen großen Facharbeiterbedarf hat, es für die angebotenen Stellen aber nicht genug geeignete Bewerber gibt? Dieses Szenario, das in Zeiten der Wirtschaftskrise wie eine etwas weit hergeholte Utopie wirkt, ist ganz real: Die MFT Maschinenbau und Fertigungs-Technologie GmbH in der kleinen Eifelstadt Mechernich wächst entgegen dem allgemeinen Trend und sucht sich ihren eigenen Weg aus dem beschriebenen Dilemma.

Heute steht das Unternehmen wegen seines Unternehmenskonzepts, zu dem unter anderem eine sehr hohe Ausbildungsquote, eine Lernpartnerschaft mit einer Schule und die konsequente Nutzung von Instrumenten wie der Verbundausbildung gehören, als Vorbild für andere Unternehmen da.

Schon die Entstehung des Maschinenbauunternehmens im Mechernicher Ortsteil Vussem war ungewöhnlich. Geschäftsführer Johann W. Mießeler war Führungskraft bei der Dörries-Scharmann AG. Er war 1965 als Lehrling in das Unternehmen gekommen, hatte später ein Maschinenbaustudium und eine REFA-Ausbildung absolviert und sich bei Dörries Schritt für Schritt nach oben gearbeitet.

Als das Unternehmen im Zuge der Bremer Vulkan-Krise vor 12 Jahren pleiteging, war Johann W. Mießeler gemeinsam mit den Dörries-Mitarbeitern Bernd Müller und Karl-Heinz Laaf davon überzeugt, dass es für bestimmte Produkte und Dienstleis­tungen des Unternehmens weiterhin einen Markt geben würde. Auch Altaufträge in Millionenhöhe lagen noch vor, und so wagte man jeweils mit eigenen unabhängigen und hoch spezialisierten Unternehmen den Schritt in die Selbstständigkeit.

Die Führungskräfte erwarben das Kapital von den bisherigen Eigentümern – ein sogenanntes „Management Buy Out“. Im Fall von MFT war es so, dass alle 29 Mitarbeiter, mit denen das Unternehmen startete auch mit Einlagen in unterschiedlicher Höhe an dem neuen Unternehmen beteiligt waren. Auch heute noch sind viele Mitarbeiter gleichzeitig auch Gesellschafter. Im vergangenen Jahr feierten Johann W. Mießeler mit MFT, Bernd Müller mit EDM Technik (EDM: „Ehemalige Dörries-Mitarbeiter“) und Karl-Heinz Laaf mit der Laaf PM & Walzenservice GmbH am Mechernicher Standort gemeinsam das 10-jährige Bestehen ihrer Unternehmen.

Seit ihrer Gründung sind alle drei Firmen entgegen dem allgemeinen Trend stetig gewachsen und haben sich fest in den gemeinsam genutzten ehemaligen Dörries-Hallen in Vussem, dem heutigen „Industrie- und Handwerkszentrum Feytal“, etabliert.

Hoch spezialisiert in die Top Ten
 

Die MFT GmbH hat sich vor allem auf Herstellung und Wartung von hoch präzisen, großen Maschinenbauteilen spezialisiert und ist mit heute 75 Mitarbeitern das größte der drei Unternehmen. Einzel- und Kleinserienteile für den Maschinen-, Werkzeugmaschinen- und Anlagenbau sind ihr Metier. Dabei hat das Unternehmen kein eigenes Produkt, sondern fertigt nach Zeichnungen und im Auftrag des jeweiligen Kunden, der meistens auch die Werkstücke bereitstellt. MFT produziert hoch präzise Maschinenteile mit einer Länge von bis zu 10 Metern und einem Gewicht von bis zu 70 Tonnen.

Dazu braucht man natürlich moderne computergesteuerte Maschinen, die mehrere Millionen Euro kosten können, aber auch das Wissen und die Erfahrung von Fachkräften. „Das letzte Quäntchen Genauigkeit schafft keine Maschine. Das liegt an den Unregelmäßigkeiten, die das gegossene Material hat und zum Beispiel an dem Verzug, den die großen Teile beim Bearbeiten durch ihr eigenes Gewicht aufweisen“, erklärt Johann W. Mießeler. Hier sind dann die Experten gefragt, die es bei MFT gibt.

Im osteuropäischen Ausland und in Asien, wohin die Maschinenbauproduktion in der Vergangenheit aus Kostengründen oft abgewandert ist, sind solche Facharbeiter nach Einschätzung von Johann W. Mießeler nicht vorhanden. Das sei auch der Grund, warum in den letzten drei bis vier Jahren eine Zurückverlagerung dieser Produktion nach Deutschland zu beobachten sei. Mit seinen Leistungen gehört das nach DIN EN ISO 9001-2000 zertifizierte Unternehmen nach eigenen Angaben zu den Top Ten in Deutschland. MFT-Präzisionsteile stecken unter anderem in Windkraftanlagen und in Werkzeugmaschinen, die Kurbel- und Nockenwellen für Formel 1-Motoren herstellen. Andere Kunden bauen mit Teilen von MFT Maschinen zur Herstellung von Fahrgestellen und Tragflächen für die Senkrechtstarter von Lockheed oder sogenannte Booster für die Ariane-Raketen der Europäischen Raumfahrtgesellschaft ESA.

Steigenden Fachkräftebedarf durch mehr Ausbildung gedeckt
 

Auch auf anderem Terrain nimmt MFT eine Sonderrolle ein: bei der Ausbildungsquote. Zerspanungsmechaniker – früher Dreher und Fräser genannt – und Industriekaufleute bildet das Unternehmen aus. „Zerspanungsmechaniker sind unter anderem wegen der Verlagerung vieler Produktionsstätten ins Ausland schon seit Jahrzehnten Mangelware“, erklärt Johann W. Mießeler. Dem steuerte man bei MFT von Anfang an mit eigener Ausbildung entgegen.

Schon im zweiten Jahr nach der Gründung des Unternehmens wurden die ersten Ausbildungsplätze eingerichtet, jährlich werden zwischen vier und sechs Ausbildungsplätze neu besetzt, zurzeit sind 19 der 75 MFT-Mitarbeiter Auszubildende – ein bemerkenswert hoher Anteil.

Dabei war es anfangs nicht einfach, Auszubildende in das mittelständische Unternehmen zu locken. „Im Kreis Euskirchen sind Procter & Gamble und Miele die großen Namen. Für die meisten Jugendlichen stehen diese Unternehmen bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz ganz oben auf der Prioritätenliste. Außerdem liegt der Beruf des Zerspanungsmechanikers nicht im Trend. Das ist kein sauberer Job. Der feine Staub, der bei der Metallbearbeitung anfällt, ist hier überall und das ist etwas, was nicht jedem gefällt“, so der MFT-Geschäftsführer.

Trotzdem hat sich durch die verschiedenen Aktivitäten des Mechernicher Unternehmens herumgesprochen, dass es für die Ausbildung eine sehr gute Adresse ist. Dabei spielt natürlich auch eine Rolle, dass man in den Berufen sehr gut bezahlt wird und man fast eine Weiterbeschäftigungsgarantie hat, wenn man bei MFT lernt. Denn das ist ja der Sinn, der hohen Ausbildungsquote: Eigene Nachwuchskräfte heranziehen und selbst die dringend benötigten Fachkräfte ausbilden, die bei der Einstellung nicht erst eingearbeitet werden müssen, sondern die spezifischen Anforderungen schon von der Pike auf gelernt haben. So kann MFT auch einen Teil der Herausforderungen, die der demographische Wandel mit sich bringt, bewältigen.

„Acht der Mitarbeiter, die mit uns gestartet sind, sind mittlerweile altersbedingt aus dem Unternehmen ausgeschieden und weitere nähern sich langsam dem Rentenalter. Durch unsere hohe Ausbildungsquote können wir einen Teil dieser Kräfte ersetzen, sind aber bei unserem starken Wachstum zusätzlich gezwungen, Mitarbeiter mit artverwandten Berufen wie zum Beispiel Industriemechaniker einzustellen und dann fortzubilden“, erläutert Johann W. Mießeler.

Lernpartnerschaft bringt Vorteile für Schüler und Unternehmen
 

Heute erhält das Unternehmen im Jahr zwischen 80 und 100 Bewerbungen, kann sich also die am besten geeigneten Kandidaten auswählen. Das sind oft die, die MFT schon während ihrer Schulzeit im Rahmen eines Praktikums kennen gelernt haben. Keine Ausbildung ohne Praktikum gilt aus Prinzip bei MFT. Das Maschinenbauunternehmen pflegt seit 2004 eine intensive Lernpartnerschaft mit der Gemeinschaftshauptschule Mechernich. Diese Kooperation besteht nicht nur aus den üblichen Praktika, die die Schüler zum Zweck der beruflichen Orientierung ab der achten Klasse in Unternehmen absolvieren, MFT-Mitarbeiter gehen auch in die Schulen und stellen Beispiele aus der Praxis vor. Schüler erkennen so zum Beispiel im Mathematik-Unterricht, warum es wichtig ist, bestimmte geometrische Berechnungen zu beherrschen. Das motiviert zum Lernen und führt gleichzeitig dazu, dass die Schüler das Unternehmen MFT kennenlernen.

Als gemeinsames Projekt hat man mit der Schule einen Messestand gebaut, mit dem die Lernpartnerschaft zwischen MFT und der Mechernicher Hauptschule in der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. Ausgewählten Schülern bietet sich im Rahmen der Initiative „KURS – Kooperation Unternehmen der Region und Schulen“, die von der Bezirksregierung Köln, den IHKs und den Handwerkskammern der Region getragen wird, die Gelegenheit, ein Jahr lang jede Woche einen Tag bei MFT zu verbringen und durch dieses längerfristige Praktikum schon vor einer möglichen Lehre in das Unternehmen hineinzuwachsen. Die KURS-Initiative will den Kontakt zwischen Schülern und Ausbildungsbetrieben verbessern. MFT nimmt seit dreieinhalb Jahren daran teil.

Besonders dieses Modell sorgt bei den Beteiligten für einhellige Begeisterung: „Die Auszubildenden, die schon ein Jahr regelmäßig hier waren, sind natürlich bei Beginn Ausbildung nicht mehr fremd im Betrieb. Viele Dinge wie zum Beispiel die Sicherheitsunterweisung haben sie schon mitbekommen und so läuft der Start ins Berufsleben praktisch reibungslos“, sagt MFT-Ausbildungsleiter Marcel Kneer.

Dazu kommt bei MFT, dass man sich während der Ausbildung intensiv um die Auszubildenden kümmert. Das gilt bezüglich der schulischen Defizite, die mittels interner Schulungen durch einen ehemaligen Ausbilder des Berufsbildungszentrums ausgeglichen werden, aber auch bei privaten Problemen, zum Beispiel, wenn sich die Eltern trennen. Man fragt nach, wenn jemand nicht zur Arbeit kommt oder nicht zur Berufsschule geht, redet regelmäßig mit den Eltern und schöpft alle Möglichkeiten aus, damit niemand die Ausbildung abbricht.

Das liegt an der Unternehmensphilosophie, die den Menschen in den Mittelpunkt des Unternehmens stellt, aber wohl auch an dem grundsätzlichen Selbstverständnis des Firmengründers und seiner Mitarbeiter, die gemeinsam dafür gekämpft haben, ihre Arbeitsplätze vor Ort zu erhalten, ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen und so in schwieriger wirtschaftlicher Lage etwas für die gesamte Region zu tun.

Zusätzliche Ausbildungsplätze und bessere Qualität durch Verbundausbildung
 

Auch in der mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds geförderten Verbundausbildung engagiert sich MFT. Seit dem vorletzten Jahr beteiligt man sich an der Ausbildung von drei EDM-Auszubildenden. Das befreundete Unternehmen, das wie MFT einen Teil der Hallen des ehemaligen Dörries-Standortes nutzt, arbeitet eng mit MFT zusammen und hat sich vor allem auf die Montage, Überholung und Modernisierung von Maschinen und Maschinenteilen spezialisiert. „Um Industriemechaniker im Fachbereich Maschinen- und Anlagenbau auszubilden und so für eigenen Fachkräfte-Nachwuchs zu sorgen, fehlte bei uns der Bereich Zerspanung beziehungsweise die NC-Frästechnik“, so Marga Müller, die Frau des EDM-Firmengründers Bernd Müller, die sich in dem Unternehmen unter anderem um das Personal kümmert.

Das ist genau der Bereich, in dem MFT seinen Schwerpunkt hat und Johann W. Mießeler machte die ehemaligen Kollegen auf die Möglichkeit zur Verbundausbildung aufmerksam. So stand dem Wunsch von EDM, ebenfalls selbst für Facharbeiternachwuchs zu sorgen, schon bald nichts mehr im Wege.

Die ersten drei EDM-Auszubildenden durchliefen jetzt bei MFT die Grundausbildung und eine sechs- bis achtwöchige Ausbildungseinheit in CNC-Frästechnik. Nach etwas über einem halben Jahr gemeinsamer Ausbildung wechseln die EDM-Auszubildenden danach wieder in die eigenen Hallen und decken so alle nach dem Lehrplan vorgeschriebenen Einheiten ihrer dreieinhalb-jährigen Ausbildung zum Industriemechaniker am eigenen Unternehmensstandort ab. Marga Müller ist von dem Verbundausbildungsmodell begeistert: „Die Verbundausbildung ist eine ganz ausgezeichnete Sache, weil die Ausbildung dadurch, dass die Auszubildenden in einen anderen Betrieb hereinschauen, eine wesentlich höhere Qualität bekommt“, stellt die 50-jährige fest. „Gleichzeitig haben wir, obwohl wir im eigenen Unternehmen nicht den gesamten Lehrplan abdecken können, am Ende eine Kraft, die genau unseren speziellen Anforderungen entspricht.“

Auch die Resonanz der Auszubildenden sei durchweg positiv. MFT nutzt selbst ebenfalls das Verbundausbildungsmodell. Johannes Mießeler, Sohn des Chefs und Firmengründers der MFT, hat in diesem Jahr seine Ausbildung als Industriekaufmann bei MFT abgeschlossen. Einen Teil seiner Ausbildung absolvierte er bei der Dörries Scharmann Technologie GmbH (DST) in Mönchengladbach, die ebenfalls ein Nachfolgeunternehmen der alten Dörries-Scharmann AG ist.

„Besonders was den Marketing-Bereich, Personalwesen und professionelle EDV-Anwendungen angeht, war das eine ideale Ergänzung zu dem, was wir in unserem eigenen Unternehmen vermitteln konnten“, so Vater und Chef Johann W. Mießeler und weiter: „Ich wollte einfach, dass mein Sohn eine sehr gute Ausbildung bekommt und da hat sich in diesem Fall das Modell der Verbundausbildung angeboten. Zum Beispiel hat es meinem Sohn viel Freude gemacht, professionelles Personal-Management kennenzulernen und Schreiben in Englisch zu verfassen.“

Auch im Verbund mit dem Berufsbildungszentrum in Euskirchen (BZE), das von der Industrie- und Handelskammer Aachen, der Handwerkskammer Aachen und dem Kreis Euskirchen getragen wird, bildet MFT aus. Dabei übernimmt MFT die Praxisausbildung der Zerspanungsmechaniker – zum Teil an Maschinen, die vom BZE übernommen wurden – und das BZE ist für die theoretische Ausbildung zuständig. „Das ist in meinen Augen eine optimale Rollenverteilung“, stellt der MFT-Geschäftsführer fest.

Mitdenken ist gefragt – auch schon in der Ausbildung
 

„Prozessorientierung“ ist ein weiteres Schlagwort, das sich das Mechernicher Unternehmen auf die Fahnen geschrieben hat. Als „weg von zu großer Arbeitsteilung“ umschreibt der Geschäftsführer das, was hinter diesem Begriff steht. Die Auszubildenden seien von Anfang bis Ende in den Arbeitsprozess eingebunden, lernen auch wie man Arbeit plant. Mitdenken, mitentwickeln, eigene Ideen einbringen ist gefragt.

Am Ende der Ausbildung ist dann sowohl eine klassische Prüfung mit der Bearbeitung eines Werkstückes als auch eine prozessorientierte Prüfung, bei der es in erster Linie um die Planung der Arbeitsabläufe geht, möglich. Bei dieser neuen Prüfungsform war MFT im vergangenen Jahr in der Region mit zwei Auszubildenden Pilotanwender. Durch die Prozessorientierung grenzt man sich nach Einschätzung von Johann W. Mießeler stark gegenüber den Arbeitsverhältnissen in Russland oder Asien ab und sichere auch so einen Qualitätsvorsprung.

Die angebotenen Instrumente für eine positive Entwicklung konsequent genutzt
 

Zur Sicherung seiner positiven Entwicklung hat das Unternehmen MFT außerdem bereits mehrere vom Land mit ESF-Mitteln geförderte und von der Regionalagentur Aachen koordinierte Potenzialberatungen in Anspruch genommen. Darunter auch das Projekt „Profi-Coach“, bei dem Führungskräfte unter anderem in Mitarbeiterführung, Konfliktbewältigung und Kommunikation geschult wurden. Auch an dem regionalen Projekt AC2 hat MFT im Jahr 2004 teilgenommen.

Hierbei handelt es sich um eine Initiative zur Unterstützung von Existenzgründern und kleinen und mittelständischen Unternehmen mit besonderem Wachstumspotenzial. MFT war zwar nicht unter den drei prämierten Siegern des Projekts, hat aber die Chance genutzt, seine Ideen durch Berater und Gutachter überprüfen zu lassen, und so nach Einschätzung des Geschäftsführers wertvolle Hinweise für die optimale Umsetzung der eigenen Strategie erhalten. Zurzeit nimmt MFT an einem Potenzialberatungs-Projekt „Generationswechsel/Strukturwandel“ teil.

Viel Lob von allen Seiten
 

Weil die MFT die verschiedenen Instrumente zur Gewinnung von Fachkräften, zur Verbesserung der Ausbildung und zur Bewältigung des demographischen Wandels so erfolgreich nutzt, gibt es Lob von allen Seiten und auch die NRW-Landesregierung ist auf das Unternehmen aufmerksam geworden. NRW Arbeitsminister Karl-Josef Laumann besuchte den Maschinenbauer im August dieses Jahres und zeigte sich beeindruckt. Er hatte Ende März an die Unternehmen appelliert: „Der demographische Wandel wird es in Zukunft schwerer machen, gut ausgebildete Fachkräfte zu gewinnen. Deshalb sollte jetzt jeder Arbeitgeber sein Ausbildungsengagement trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten fortsetzen. Eine gute fundierte Berufsausbildung im eigenen Betrieb ist der beste Schutz vor einem drohenden Fachkräftemangel“, und sah diesen Appell im Mechernicher Unternehmen bereits umgesetzt: „Wie hier mit Ausbildung umgegangen wird, ist beispielhaft“, konstatierte der Minister nach seinem Besuch.

Und auch Marion Großschopf von der Regionalagentur Aachen sieht MFT in der Vorreiterrolle: „MFT ist ein vorbildliches Unternehmen, welches die Problematik des Fachkräftemangels frühzeitig erkannt hat. Insbesondere im ländlichen Raum müssen die Unternehmen dafür sorgen, dass die guten Leute nicht in die jeweiligen Oberzentren abwandern“, so Großschopf und weiter: „Wir hoffen, dass viele Unternehmen diesem positiven Beispiel folgen und Instrumente wie die Verbundausbildung nutzen.“

Mehr Information zur Verbundausbildung gewünscht
 

Wer soviel Lob einheimst, darf auch Kritik üben: Johann W. Mießeler ist sehr unzufrieden damit, dass die Auszubildenden in das über 50 Kilometer entfernte Köln zur Berufsschule fahren müssen. Das sei zum einen ein unnötiger Zeit- und Kostenaufwand, zum anderen liege der Schwerpunkt in der Berufsschule Köln – den großen Arbeitgebern wie Ford geschuldet – auf Großserienteilen, was mit dem Portfolio von MFT fast gar nichts zu tun habe. Und auch im Punkt „Verbundausbildung“ wünscht sich der MFT-Chef mehr Aufklärung: „Viele Unternehmen wissen gar nichts von der Möglichkeit, im Verbund auszubilden. Auch wir sind erst durch die DST in Mönchengladbach darauf aufmerksam gemacht worden. Von der IHK haben wir dazu nichts erfahren. Hier muss unbedingt noch mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden.“ Als Tipp für Unternehmen, die Verbundpartner suchen, empfiehlt der MFT-Geschäftsführer, aktiv Netzwerke zu nutzen, wie sie die Industrie und Handelskammern, die Verbände, Wirtschaftsförderungs-Institutionen oder die Regionalagenturen darstellen.

Abstract

Die Maschinenbau und Fertigungs-Technologie GmbH (MFT) in Mechernich hat sich auf große Maschinen-Präzisionsteile spezialisiert und wächst entgegen dem allgemeinen Trend. Seinen großen Fachkräftebedarf deckt das Unternehmen vor allem durch eigene Ausbildung. Mit einem Anteil von 19 Auszubildenden bei insgesamt 75 Mitarbeitern ist die Ausbildungsquote ungewöhnlich hoch. Dabei nutzt MFT die Möglichkeit der Verbundausbildung und ist auch selbst Ausbildungspartner für das benachbarte Unternehmen EDM. Als Ausbildungsbetrieb hat sich MFT durch eine intensive Lernpartnerschaft mit einer Mechernicher Schule einen hervorragenden Namen gemacht. Zu seiner Weiterentwicklung nutzt das Unternehmen unter anderem die durch die Landesregierung Nordrhein Westfalen und den Europäischen Sozialfond geförderte Potentialberatungen, die für die Kreise Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg von der Regionalagentur Aachen koordiniert werden.

Ansprechpartnerin in der G.I.B.

Christiane Siegel
Tel.: 02041 767-205
c.siegel@gib.nrw.de

Kontakte

MFT Maschinenbau und
Fertigungs-Technologie GmbH
Johann W. Mießeler
Trierer Straße 36
53894 Mechernich-Vussem
Tel.: 02484 9595-0
mft-mechernich@t-online.de
Marion Großschopf
Regionalagentur Aachen
Dennewartstraße 25 – 27
52068 Aachen
Tel.: 0241 9631921
grossschopf@regionalagentur-aachen.de

Link

Informationen zur Fördermöglichkeit der Verbundausbildung und Potentialberatung finden sich unter www.arbeit.nrw.de

Autor

Frank Stefan Krupop
Tel.: 02306 741093
frank_krupop@web.de
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