Sie sind hier: Startseite Heftarchiv 2009 Innovationsstrategien in mittelständischen Unternehmen Ein Gesamtpaket berufsorientierender Schülerbetreuung
(Heft 4/2009)
Interview mit Thomas Rachel

Ein Gesamtpaket berufsorientierender Schülerbetreuung

STARTKLAR ist ein Förderprogramm, bei dem sich der Bund und das Land NRW gemeinsam engagieren. Schulische und berufliche Bildung greifen hier ineinander. Zu dem Programm, das in dieser Art erstmalig umgesetzt wird, hat das G.I.B.-Info Fragen an den Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Thomas Rachel, gestellt. Er hat das Amt seit 2004 inne und war beim offiziellen Startschuss von STARTKLAR Mitte September in Köln im Butzweiler Hof dabei.

G.I.B.: Bei STARTKLAR engagieren sich Bund, Land, Arbeitsagentur und andere Stellen gemeinsam. Wie sieht das Finanzierungsmodell aus?

Thomas Rachel: Mit dem „STARTKLAR“-Programm ist es erstmals gelungen, die zahlreichen Akteure in Nordrhein-Westfalen, die sich mit der Berufsorientierung beschäftigen, unter einen Hut zu bringen. Wir bieten damit den Jugendlichen von Klasse 8 bis 10 eine praxisnahe, individuelle Betreuung aus einem Guss. So können die Jugendlichen in der achten Klasse in einer Berufsbildungsstätte verschiedene Berufe kennenlernen. Diese erste Phase entspricht dem Berufsorientierungsprogramm des Bundesbildungsministeriums, das seit April 2008 bundesweit sehr erfolgreich läuft. Dabei erhält jeder Träger für jeden Jugendlichen vom Bund 300 Euro. In gleicher Höhe wird jede Maßnahme vom Land und dem Träger finanziell unterstützt. Die finanzielle Abwicklung erfolgt durch die Landesgewerbefördergesellschaft für das Handwerk in NRW. In Klasse 9 und 10 teilen sich die Bundesagentur für Arbeit und das nordrhein-westfälische Arbeitsministerium die Kosten für die Betriebs­praktika und das Bewerbungstraining. Die organisatorische Betreuung des gesam­ten Programms erfolgt durch die Stiftung Partner für Schule.

Das Bund-Länder-Programm sieht für die erste Phase in der achten Klasse ein Volumen von 4,5 Millionen Euro im nächsten Jahr vor. Damit werden 6800 Schülerinnen und Schüler an mehr als 180 Haupt-, Förder- und Gesamtschulen gefördert.

G.I.B.: Inwiefern hat STARTKLAR Modellcharakter für die Zusammenarbeit von Bund und Land bei der Bildungspolitik?

Thomas Rachel: „STARTKLAR“ ist ein Gesamtpaket der berufsorientierenden Schülerbetreuung bis zur Schwelle in die Ausbildung. Die Angebote sind dabei sehr vielschichtig: von der Kompetenzfeststellung über die praktische Erfahrung an der Werkbank mit abschließendem Zertifikat bis zum Langzeitpraktikum und einem intensiven Bewerbungstraining. Die Jugendlichen erhalten eine auf sie zugeschnittene, individuelle Betreuung. Dadurch werden auch Ausbildungsabbrüche verhindert. Denn sie können viel genauer den Beruf wählen, der ihren Fähigkeiten und Interessen entspricht. Insofern ist uns mit dem Programm eine optimale Kooperation zwischen Bundesbildungsministerium und Land gelungen. Dieses Modell wird mit Sicherheit auf andere gemeinsame Aufgaben ausgeweitet werden können.

G.I.B.: Das BMBF organisiert seit 2008 eine umfassende Kompetenzerhebung in den achten Klassen. Soll das ein Regelangebot werden und wer wird die Kosten tragen?

Thomas Rachel: Wo liegen meine Fähigkeiten? Was interessiert mich? Das sind für jeden Jugendlichen wichtige Fragen, die beantwortet werden müssen, damit sie den richtigen Weg einschlagen. Deshalb ist im Rahmen unseres Berufsorientierungsprogramms eine Kompetenzfeststellung bei den Jugendlichen erwünscht, und zwar vor Beginn des Werkstatt-Aufenthaltes. Diese Aufgabe wird von den Schulen in der Regel mithilfe des Berufswahlpasses übernommen. Möglich ist auch eine Kombination mit dem vom Bundesbildungsministerium entwickelten „ProfilPass für junge Menschen“.

G.I.B.: Sicher wären auch Realschulen über eine berufsorientierende Hilfestellung wie bei STARTKLAR dankbar, vielleicht sogar die Gymnasien. Inwiefern sollten zumindest flächendeckende Kompetenzerhebungen ein Ziel sein, das die Berufsbildungspolitik auf Bundes- und Länderebene übergreifend anstreben sollte?

Thomas Rachel: Das Berufsorientierungsprogramm des Bundesbildungsministeriums ist nicht auf Hauptschulen beschränkt, auch Realschulen und Gymnasien haben sich bereits daran beteiligt. Die Berufsorientierung mit außerschulischen Partnern wird für uns auch in Zukunft eine große Rolle spielen. Eine flächendeckende Potentialanalyse ist dabei natürlich wünschenswert. Anfang nächsten Jahres liegen die Ergebnisse einer externen Untersuchung unseres Pilotprojekts vor. Diese werden dann mit den Ländern diskutiert und zur Grundlage genommen für die Frage, welche Schwerpunkte wir für die Fortführung des Programms setzen werden.

Kontakt

Parlamentarischer Staatssekretär
Thomas Rachel MdB
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Hannoversche Straße 28 – 30
10115 Berlin
Tel.: 030 18-57-5021
Dirk.Mahlberg@bmbf.bund.de
www.bmbf.de

 

Artikelaktionen