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(Heft 1/2018)
Stellenbörse für geflüchtete Menschen

Unkomplizierter Kontakt zu potenziellen Arbeitskräften

Der gemeinsame Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit und des Jobcenters Köln macht gute Erfahrungen mit Stellenbörsen für geflüchtete Menschen. Geflüchtete Menschen möchten arbeiten, so die Erfahrungen der Agentur für Arbeit und des Jobcenters in Köln. Viele Unternehmen sind – auch vor dem Hintergrund zunehmender Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen – bereit, Geflüchtete zu beschäftigen. Was liegt näher, als sie mit Unternehmen in direkten Kontakt zu bringen? In Köln wurde dieser Gedanke im vergangenen Jahr bereits zweimal erfolgreich umgesetzt: „Stellenbörse für geflüchtete Menschen – Wege in Ausbildung, Arbeit und Praktikum“ nennt der gemeinsame Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit und des Jobcenters Köln das Format.

17. Oktober 2017 im Berufsinformationszentrum (BIZ) der Agentur für Arbeit an der Luxemburger Straße in Köln: Um 9 Uhr öffnen sich die Türen des Raumes in der 1. Etage, in dem sich die Unternehmen, die an der Stellenbörse für geflüchtete Menschen teilnehmen, präsentieren. Der Andrang ist groß. Die erste Gruppe von rund 200 Geflüchteten strömt in den Saal. Für 11 Uhr ist die zweite Gruppe, ebenfalls 200 Menschen, eingeladen. Meis­tens in kleinen Trupps orientieren sie sich zunächst an der Übersichtstafel am Eingang. Hier sind die 16 Unternehmen mit den jeweils angebotenen Stellen aufgelistet, darunter zahlreiche Personaldienstleister, die vor allem Helferstellen anbieten. Andere wie Ford oder der TÜV locken auch mit Ausbildungsplätzen.

Beschäftigte des Integration Points empfangen die Bewerberinnen und Bewerber und geben ihnen Hilfe bei der Orientierung. Schnell sind fast alle Stände dicht umlagert. In den meisten Fällen informieren zwei Mitarbeiter der Arbeitgeber die Interessenten über das Unternehmen und die Möglichkeiten der Aufnahme einer Arbeit oder Ausbildung. Besonders am Ford-Stand bilden sich lange Schlangen.

Mohammed (18) aus Afghanistan, Abdirashid (26) aus Somalia und Banan (22) aus Marokko gehören zu den ersten, die sich an einem der Stände vorstellen. Mohammed ist seit zwei Jahren in Deutschland. Seit einem Jahr besucht er einen Deutschkurs, hat mittlerweile das Sprachniveau B1 erreicht und versucht, in einer internationalen Klasse an einem Berufskolleg einen Schulabschluss zu machen. Dazu hat dem jungen Afghanen, der in seiner Heimat schon längere Zeit als Hilfskraft im Baugewerbe beschäftigt war, die Arbeitsagentur geraten. „Ich kann gut mit meinen Händen arbeiten. Mein Traum ist eine Ausbildung als Fliesenleger, aber dafür brauche ich einen Schulabschluss“, sagt Mohammed. Auf der Stellenbörse hat er sich beim Unique Personalservice vorgestellt, alternativ auch am Stand der Ford Aus- und Weiterbildung. Ihm droht die Abschiebung, „obwohl in meinem Land Krieg ist“, wie Mohammed sagt. Er will unbedingt einen Ausbildungsplatz finden. Das würde ihm nämlich die Möglichkeit eröffnen, in Deutschland bleiben zu dürfen. Denn das Integrationsgesetz sieht seit Anfang 2017 vor, dass, wenn ein Unternehmen eine Person mit Duldung als Auszubildende/n einstellt, die Duldung für die Gesamtdauer der Ausbildung gilt und bei anschließender ausbildungsadäquater Beschäftigung ein Aufenthaltsrecht für zwei weitere Jahre erteilt wird (sog. „3+2-Regel“).

Abdirashid (26) aus Somalia befindet sich in der gleichen Situation. Er ist schon seit 2014 in Deutschland und hat nachdem er durch einen Deutschkurs das Sprachniveau B1 erreicht hatte, den Hauptschulabschluss (Klasse 9) gemacht. Sein Deutsch ist schon recht gut, sein Asylantrag wurde aber abgelehnt. Zurzeit befindet er sich wie Banan aus Marokko in einem sechsmonatigen Programm der Handwerkskammer mit Sprachkurs und praktischer Schulung. Zuvor hat er ein dreiwöchiges Praktikum als Elektriker gemacht und würde auch gern eine entsprechende Ausbildung anfangen. „Auf der Stellenbörse war ich am TÜV-Stand. Der Mann hat mir erklärt, was ich dort machen kann. Interessant war für mich Fachinformatiker. Ohne Abschluss Klasse 10 geht das aber, glaube ich, nicht.“ Er hat eine Telefonnummer erhalten, unter der er das klären kann.

Zahlreiche Anfragen von Unternehmen
 

Torsten Heller, Mitarbeiter des Jobcenters und Teamleiter im gemeinsamen Arbeitgeber-Service, erklärt, wie man auf die Idee kam, eine Stellenbörse für Geflüchtete durchzuführen: „Ich wurde Anfang des Jahres 2017 gefragt, ob von der Arbeitgeberseite Geflüchtete als Beschäftigte nachgefragt werden. In der Tat laufen über unsere Hotline solche Anfragen auf. In Köln gibt es zahlreiche Unternehmen, die sich eine alternative Rekrutierung von Beschäftigten vorstellen können, nicht aus dem klassischen Bestand an Arbeitslosen, sondern aus den Reihen der Geflüchteten. Weil wir wussten, dass es auch auf der Bewerberseite Menschen gibt, die schon arbeitsfähig sind, die aber eher durch den persönlichen Kontakt überzeugen können als durch eine klassische Bewerbung, war, als das Thema bei Führungskräftebesprechungen auf den Tisch kam, ganz schnell klar: wir veranstalten eine Stellenbörse.“

Die erste Börse fand daraufhin am 23. Mai 2017 statt. Arbeitstitel war damals „Kontaktbörse“, weil das primäre Ziel zu diesem Zeitpunkt noch nicht war, diese Menschen in Arbeit zu bringen, sondern es in erster Linie darum gehen sollte, einen direkten Kontakt zwischen Arbeitgebern und Bewerberinnen und Bewerbern aus der Gruppe der Geflüchteten herzustellen. Mit der Erfahrung aus diesem ersten Versuch, stand die zweite Börse im Oktober dann schon unter dem Vorzeichen Arbeit, Ausbildung, Praktikum.

Schwerpunkt auf Personaldienstleistern
 

Der Schwerpunkt der ersten Börse lag bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. „Dabei spielte unsere Erfahrung, dass diese Unternehmen auch schon mal Menschen mit Hemmnissen aufnehmen, die bei Großunternehmen durch das Raster fallen, eine Rolle“, erklärt Torsten Heller. Den Schwerpunkt der zweiten Stellenbörse bildeten dann Personaldienstleister, denn: „Die bieten viele Beschäftigungsmöglichkeiten, mitunter das Zehnfache an Einstellungsmöglichkeiten, die ein kleines Unternehmen anbieten kann.“ Und je mehr Stellen angeboten würden, desto effektiver die gesamte Börse.

Überhaupt bricht Torsten Heller eine Lanze für die Zeitarbeitsfirmen. Die Vorstellung, dass Beschäftigte eines Personaldienstleis­ters ständig an wechselnden Arbeitsplätzen eingesetzt würden, sei überholt. Viele Unternehmen liehen Kräfte dauerhaft bei Personaldienstleis­tern aus und übernähmen sie nach sechs Monaten dann in ein eigenes Arbeitsverhältnis. Zudem verfügten die Personaldienstleister über ein gutes eigenes Netzwerk. Die auf der Börse vertretenen Dienstleister seien allesamt Unternehmen, mit denen der Arbeitgeber-Service schon langjährig zusammenarbeite. Es handele sich also nicht um „schwarze Schafe“, bei denen das Prinzip ‚hire and fire‘ gelte.
„Ich habe im Vorfeld der Stellenbörse auf der monatlichen Info-Veranstaltung des Integration Points für Ehrenamtliche für die Stellenbörse und die Chance, die Personaldienstleister für Geflüchtete sein können, geworben“, sagt Torsten Heller.“ Zwar erfolge der Einstieg in der Regel über eine Helfertätigkeit, aber auch Personaldienstleister hätten ein Interesse, ihre Mitarbeiter fachlich zu qualifizieren, sodass sie sie zu einem höheren Stundenlohn anbieten könnten.

Der Arbeitgeber-Service hatte sich schon vor der ersten Stellenbörse in Position gebracht. Anfang 2017 wurden fünf Multiplikatoren für das Thema „geflüchtete Menschen“ in den Teams implementiert, die seitdem die Kollegen bei der Bearbeitung dieses neuen Themas unterstützen und sie für Anfragen von Unternehmen zu Rahmenbedingungen, rechtlichen Normen, möglichen Förderungen usw. fit machen. Auch auf den Stellenbörsen ist der Arbeitgeber-Service mit einem Stand vertreten. Haben die Unternehmen Fragen zu bestimmten Bewerbern oder zu Fördermöglichkeiten, können die Mitarbeiter des Arbeitgeber-Service diese also direkt beantworten. Zwei Mitarbeiter des Integration Points stehen außerdem für Fragen zu Einstellungsvoraussetzungen je nach Aufenthaltsstatus zur Verfügung.

Auswahl nach festen Kriterien
 

Der Arbeitgeber-Service zieht verschiedene Kriterien zur Auswahl der Geflüchteten, die zur Stellenbörse eingeladen werden, heran. So gibt er, damit die Verständigung zwischen den auf der Börse vertretenen Arbeitgebern und den geflüchteten Menschen funktioniert, zum Beispiel das Sprachniveau B1 vor. Das Sprachniveau spielt aber auch auf anderen Ebenen eine Rolle. „Eine Erfahrung aus der ersten Stellenbörse war, dass es in jedem Unternehmen bestimmte Sicherheitsbestimmungen gibt, die zu beachten sind. Die müssen die Beschäftigten in Wort und Schrift verstehen können“, erklärt Torsten Heller. Ein anderes Thema, bei dem die Sprache eine wichtige Rolle spiele, sei die Verständigung im Team, besonders bei wechselnden Tätigkeiten. Auch aus diesen Gründen sei die Arbeit des Integration Points darauf ausgerichtet, die Sprachkenntnisse der Geflüchteten über verschiedene Fördermöglichkeiten auf ein möglichst gutes Niveau zu bringen.

Die Auswahl der Geflüchteten, die zu den Stellenbörsen eingeladen werden, orientiert sich auch an auf der Stellenbörse vertretenen Branchen. Dazu tauschen sich die Betreuerinnen und Betreuer bei der Arbeitsverwaltung im Vorfeld mit den Unternehmen aus, zum Beispiel darüber, welche Stellenangebote sie mitbringen und was sie von den Bewerbern erwarten. Ein weiteres wichtiges Kriterium bei der Auswahl sei eine hohe Motivation, arbeiten zu wollen. Eine hohe Motivation überzeuge viele Arbeitgeber, auch wenn viele Bewerberinnen und Bewerber vielleicht nicht in das Raster passten, das bei der Rekrutierung von neuen Mitarbeitern in Unternehmen normalerweise angelegt werde.

Offenes Konzept
 

Die Stellenbörse ist als offene Börse konzipiert. Es gibt keine Eingangs- oder Anwesenheitskontrolle. Wenn der eingeladene geflüchtete Mensch nicht kommt, bleibt das für ihn sanktionslos. Das Jobcenter führt in der Woche zuvor Informationsveranstaltungen für die Geflüchteten durch. Für die meisten sei das etwas völlig Neues, verdeutlicht Torsten Heller. Sie würden nur das klassische Bewerbungsverfahren kennen. Bei der Börse gehe es aber eher darum, in einem lockeren Gespräch von sich zu überzeugen.

Detlef Ptak, ehrenamtlich auch Obermeis­ter der Gebäudereiniger-Innung Köln-Aachen, leitet seit dem Jahr 2001 die Geschicke der Gebäudereinigung Münch GmbH mit mehr als 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Wir haben das Problem, dass wir, wenn wir auf ein Angebot hin den Zuschlag für die Reinigung eines Objekts bekommen, von heute auf morgen zwei, vier, aber auch schon mal 24 neue Kräfte brauchen. In Vollzeit, in Teilzeit, auch geringfügig Beschäftigte.“ Insgesamt sei die Fachkräftesituation in der Gebäudereinigungsbranche angespannt. Er finde kaum noch ausgebildete Gebäudereiniger und auch keine Kräfte für den Außendienst, der für die Betreuung der Einsatzkräfte an den verschiedenen Einsatzorten verantwortlich ist, so Detlef Ptak. Gebäudereinigung sei eine Tätigkeit, die leicht zu erlernen sei, aber auch den Einstieg in qualifiziertere Arbeiten bedeuten könne.

Er war sofort dabei, als der Arbeitgeber-Service ihn für die Stellenbörse ansprach und den Aspekt der schnellen und unkomplizierten Kontaktaufnahme mit potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern ohne das übliche Bewerbungsverfahren in den Vordergrund stellte.

„Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen wie zum Beispiel Ausbildungsbörsen, zu denen Schüler kommen, muss ich feststellen, dass hier das Interesse recht groß ist.“ Wobei die Mehrzahl der Menschen, die Detlef Ptak auf der Stellenbörse in seine Bewerberliste eingetragen hat, auf Lehrstellensuche ist. Darunter seien viele Ältere, 28, 29 Jahre alt. „Damit haben aber weder ich noch die Branchenkollegen ein Problem.“ Allerdings sei das Sprachniveau B1 das absolute Minimum. Für eine Ausbildung hält Detlef Ptak sogar B2 für notwendig, „denn die Menschen gehen ja sofort in die Berufsschule und müssen auch dreimal im Jahr in eine überbetriebliche Lehrwerkstatt. Dort sitzen die Geflüchteten dann und verstehen nichts. Damit tun wir ihnen keinen Gefallen.“

Während es Detlef Ptak in erster Linie um Helfer geht, führen beim Ford Aus- und Weiterbildung e. V., wie der Name schon vermuten lässt, – fast – alle Wege in eine Ausbildung. Der Ford-eigene Träger übernimmt seit 1934 die Aufgabe, die Auszubildenden zu einem qualifizierten Berufsabschluss zu führen. Am Stammsitz in Köln stellt die Ford Aus- und Weiterbildung derzeit jährlich 210 Ausbildungsplätze in 15 unterschiedlichen Ausbildungsberufen zur Verfügung. Gabriele Paulus, zuständig im Ausbildungsbereich unter anderem auch für die Einstellungen der Bewerberinnen und Bewerber, vertritt die Bildungseinrichtung des Kölner Autobauers auf der Stellenbörse. „Die Zielsetzung unserer Programme, mit denen wir in der Vergangenheit schon gute Erfolge erzielen konnten, ist immer die Übernahme in eine Berufsausbildung. Vor zwei Jahren haben wir für die Geflüchteten zusätzliche Plätze geschaffen“, berichtet sie. Ford habe schon immer viel soziale Verantwortung gezeigt, und so sei das große gesellschaftliche Thema „Integration von Flüchtlingen“ zwangsläufig in den Fokus des Unternehmens gerückt. Man habe auf eine starke Unterstützung innerhalb des Unternehmens setzen können, zum Beispiel durch den Fertigungsleiter und den Arbeitsdirektor, als die Idee aufkam, das EQ-Programm für Geflüchtete zu öffnen.

Die Einstiegsqualifizierung (EQ) ist eine von der Agentur für Arbeit geförderte ausbildungsvorbereitende Maßnahme für Jugendliche mit dem Ziel, sie danach in eine geeignete Ausbildung einmünden zu lassen. Dieses Langzeitpraktikum dauert elf Monate. Die Teilnehmenden sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt und bekommen eine monatliche Vergütung. Voraussetzungen für die Aufnahme von Geflüchteten in das Programm sind ein abgeschlossener Integrationskurs, mindestens das Sprachzertifikat B1 sowie eine Arbeitsgenehmigung.

Die Erfahrungen mit der Integration dieser Menschen in Arbeit, entweder in die eigene Ausbildung, eine Umschulung oder in eine Beschäftigung bei anderen Unternehmen, seien bisher sehr gut, sagt Gabriele Paulus, auch wenn die meisten mit dem EQ-Programm zunächst nichts anzufangen wüssten. Sie sähen dann aber ein, dass sie besonders durch den speziell für Flüchtlinge ergänzend angebotenen Sprachkurs einen Vorteil hätten, denn eine direkte Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz stelle sich oft als sehr schwierig heraus. „Während des Programms unterstützen wir die Menschen mit einem intensiven Sprachtraining, mit dem Ziel, sie mindestens auf das Niveau B2 zu führen, sodass sie damit dann in die Ausbildung gehen können.“

Ein Kontingent von rund 24 der insgesamt ca. 90 Plätze ist für Flüchtlinge vorgesehen. Hauptziel ist es immer, einen Großteil der Teilnehmenden in den nächsten Ausbildungsjahrgang aufzunehmen, der jeweils mit dem 1.9. beginnt. „Wir suchen Nachwuchs, der motiviert ist, die klassischen technisch/gewerblichen Ausbildungen zu machen. Wir merken schon, dass das von Jahr zu Jahr immer schwieriger wird“, stellt Gabriele Paulus fest. „Mit den Geflüchteten erschließen wir uns eine Gruppe, die unheimlich motiviert ist und diesen Weg sehr gerne beschreiten möchte.“

Einer, der diesen Weg schon gegangen ist, ist Kriaks Ilias aus Syrien (Damaskus). Er hat während des EQ-Programms bei der Ford Aus- und Weiterbildung verschiedene Stationen im Unternehmen durchlaufen. Parallel dazu fand theoretischer Unterricht im Unternehmen statt. Neben berufsbezogenem Deutsch gehörte dazu auch ein Bewerbungstraining. Hinzu kam noch ein Tag Berufsschule in der Woche, entweder im Bereich Metall oder im Bereich Elektro. „Das war super. Wir haben viel gelernt, zum Beispiel Mathe oder die speziellen Namen für die Teile von Motoren“, sagt Kriaks Ilias. Dass man in dem Langzeitpraktikum über fast ein Jahr nicht viel Geld verdient, hat den Syrer nicht gestört. „Man verdient nicht richtig Geld, aber es ist wichtig, um zum Beispiel zu verstehen: es gibt bei Ford die Ausbildung, aber auch Weiterbildung. Man kann in der Zeit verstehen, welche Berufe man bei Ford lernen und wie man weitermachen kann. Das ist ganz anders als in Syrien.“

Mittlerweile befindet sich der junge Syrer, der in Syrien vor der Flucht mit einem Politik-Studium begonnen hatte, im ersten Jahr einer Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker. „Das ist einfach. Wir lernen langsam, immer erst die Theorie, dann die Praxis“, sagt Kriaks Ilias. Auch ein anschließendes Studium hat er noch nicht abgehakt, allerdings kein Politik-Studium. Auch als Zerspanungsmechaniker könne man sich immer weiterqualifizieren bis hin zu einem Ingenieur-Studium.

Mittlerweile gibt Kriaks Ilias seine Erfahrungen an andere Geflüchtete weiter. Am Stand der Ford Aus- und Weiterbildung auf der Stellenbörse hilft er, den großen Andrang von Bewerbern zu bewältigen und sie aus der eigenen Erfahrung heraus zu beraten.

„Harte“ und „weiche“ Erfolge
 

Die Aussteller auf der Stellenbörse sichten die persönlichen Unterlagen, die alle Geflüchteten dabei haben und führen Vormerklisten, die der Arbeitgeber-Service zur Verfügung stellt. Die ausgefüllten Listen mit interessanten Bewerberinnen und Bewerbern geben die Aussteller am Ende der Veranstaltung am Stand des Arbeitgeber-Service ab und erhalten dann im Nachgang zur Börse zu den aufgeführten Interessenten nähere Informationen.

Der Arbeitgeber-Service dokumentiert diese Vormerklisten und startet jeweils nach drei und sechs Monaten eine Nachbetrachtung der einzelnen Fälle. „So können wir im Nachgang auch Erfolge feststellen. Gab es einen Arbeitsvertrag, einen Ausbildungsvertrag oder ein Praktikumsverhältnis?“, verdeutlicht Torsten Heller.

Insgesamt steigt in Köln die Zahl der Vermittlungen von Flüchtlingen in Arbeit. Das liege vor allem daran, so Torsten Heller, dass die Menschen, die schon länger in Deutschland seien, durch die Sprachkurse zunehmend arbeitsfähig würden. Viele hätten mittlerweile auch eine eigene Wohnung. Das verbessere ihre Chancen, denn Arbeitgeber hätten Bedenken, jemanden einzustellen, der in einem Wohnheim wohnt, weil sie dann nicht sicher sein könnten, ob er auch tatsächlich in der Stadt bleibe. Ein weiterer Sicherheitsfaktor für einen Arbeitgeber sei der Familiennachzug. Denn auch der trage dazu bei, dass die Menschen vor Ort Wurzeln schlagen.

Es lasse sich beobachten, dass langsam die Früchte geerntet werden können, die durch die zahlreichen Programme, die für die Geflüchteten ins Leben gerufen wurden und auch durch das große ehrenamtliche Engagement gesät wurden. Ein weiterer Faktor sei, dass viele Geflüchtete ihre ursprünglichen Vorstellungen, z. B. direkt ein Studium aufzunehmen, revidiert hätten und zunächst in Arbeit oder eine duale Ausbildung einmündeten.

Eine Aktion wie die Stellenbörse in Köln tut ein Übriges. „Wenn ich sehe, mit welchem Engagement die Mitarbeiter von Arbeitsagentur und Jobcenter dabei sind, wie sich die Arbeitgeber über die zahlreichen Vormerkungen von Geflüchteten freuen und wie engagiert die Geflüchteten auf die Unternehmen zugehen, dann bin ich sehr zufrieden“, stellte Torsten Heller noch während der Stellenbörse in Köln im Oktober fest.

Ansprechpartner in der G.I.B.

Dr. Frank Nitzsche
Tel.: 02041 767157
f.nitzsche@gib.nrw.de

Kontakte

Teamleiter im gemeinsamen Arbeitgeber-Service
der Agentur für Arbeit und des Jobcenters Köln
Butzweilerhofallee 1
50829 Köln
Torsten Heller
Tel.: 0221 9429 8080
torsten.heller@jobcenter-ge.de

Ford Aus- und Weiterbildung e. V.
Geestemünder Str. 36 – 38
50735 Köln
Gabriele Paulus
Tel.: 0221 90-13225
gpaulus@ford.com

Frechener Gebäudereinigung Münch GmbH
Dürener Straße 52
50226 Frechen
Detlef Ptak
Tel.: 02234 53500
info@geb-muench.de

Autor

Frank Stefan Krupop
Tel.: 02306 741093
frank_krupop@web.de

 

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