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(Heft 1/2018)
Modellprojekte „Zuwanderung aus Südosteuropa“ in Duisburg und Wuppertal

Oberstes Ziel: Integration in den Arbeitsmarkt

Seit 2007 gilt die eingeschränkte, seit 2014 die uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit auch für Bürgerinnen und Bürger aus Rumänien und Bulgarien. Formulierungen wie „unkontrollierter Zuzug von Armutsmigranten, die nicht in den Arbeitsmarkt integrierbar sind“ und „Einwanderung in die Sozialsysteme“ prägten fortan die politische Debatte. Vor diesem Hintergrund förderte das Arbeitsministerium NRW mit Unterstützung des ESF von 2014 bis 2016 „Modellprojekte für Zugewanderte aus Bulgarien und Rumänien“ in Duis­burg, Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Hamm, Köln und Wuppertal. Die Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.) hat das Programm wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

Ziel der Untersuchung war es, verallgemeinerbare Erkenntnisse zur Weiterentwicklung der zielgruppenorientierten Landesarbeitspolitik für Zugewanderte zu gewinnen, die im Rahmen der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit nach NRW kommen. Zu diesem Zweck wurde in den sieben Pilotprojekten untersucht, welche Maßnahmen wie dazu beitragen, die Aktivierung, Heranführung und Integration der Zielgruppe in den hiesigen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu verbessern. Beispielhaft dafür stehen hier die Städte Duisburg und Wuppertal.

Um zu verdeutlichen, vor welchen Herausforderungen eine Kommune in Folge der Arbeitnehmerfreizügigkeit auch für Bürgerinnen und Bürger aus Rumänien und Bulgarien steht, genügen wenige Zahlen: Rund 10.000 gemeldete bulgarische und 8.200 rumänische Staatsangehörige leben zurzeit in Duisburg, darunter viele Angehörige von Minderheiten verschiedener ethnischer Zugehörigkeit wie etwa Roma, die aufgrund jahrzehntelanger Diskriminierung, Ausgrenzung und wirtschaftlicher Not in ihren Herkunftsländern jetzt Zukunftsperspektiven in Deutschland suchen – für die 500.000 Einwohner-Stadt ein enormer Zuwachs innerhalb kurzer Zeit und damit eine gewaltige Aufgabe sowohl was die kommunale Daseinsvorsorge betrifft wie auch die Integration der Zugewanderten in den Arbeitsmarkt.

„Selbstverständlich sind unter den aus Südosteuropa Zugewanderten durchaus einige, die ohne Unterstützung einen sozialversicherungspflichtigen Job gefunden haben“, differenziert Marijo Terzic vom Kommunalen Integrationszentrum der Stadt, „aber Fakt ist auch: Ein Drittel von ihnen hat keinen Schulabschluss. Viele kommen mehr oder weniger mit dem, was sie am Leibe tragen aus bitterster Armut zu uns, vornehmlich in die Stadtteile Hochfeld und Marxloh. Das führt zu Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen.“

Nicht zuletzt deshalb hatte die Stadt 2013 ein Soforthilfe-Programm aufgelegt und eine Million Euro zur besseren Integration der Zugewanderten investiert, „eine Riesenherausforderung für eine Kommune, die unter Haushaltskuratel steht“, so Marijo Terzic, „was uns nach jedem Strohhalm greifen lässt, der uns von Bund oder Land geboten wird.“

Aufsuchende Sozialarbeit und intensives Coaching
 

Weit mehr als ein Strohhalm, vielmehr ein wichtiger Schritt nach vorn bei den kommunalen Integrationsanstrengungen war die Teilnahme der Stadt Duisburg an den vom Arbeitsministerium NRW geförderten „Modellprojekten für Zugewanderte aus Bulgarien und Rumänien“, von denen neben Duisburg auch die Städte Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Hamm, Köln und Wuppertal profitierten.

In Duisburg firmierte das landesgeförderte Modellprojekt unter dem Label „Unser Haus Europa“, später „Arbeit statt Armut und Ausgrenzung“. Vorerfahrungen aus einem rein lokalen Projekt, in dem es um die Ermittlung der fachlichen und sprachlichen Kompetenzen der Zugewanderten ging, flossen in die Planung ein. Federführend bei der Umsetzung vieler Maßnahmen war die gemeinnützige Gesellschaft für Beschäftigungsförderung mbH (GfB), eine Tochtergesellschaft der Wirtschaftsbetriebe Duisburg. Sie hält für Arbeit suchende Menschen beschäftigungsfördernde Bildungsangebote vor und bereitet Teilnehmende intensiv auf eine Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt vor.

Zunächst galt es, die Zielgruppe für das Angebot aufzuschließen. Gar nicht so einfach, denn Sprachbarrieren sowie weitgehend fehlende Migrantenselbstorganisationen standen dem entgegen. Bestehende Kontakte und Erfahrungen aus dem kommunalen Vorläufer-Projekt hingegen erleichterten die Ansprache. „Hilfreich“, sagt Martina Schwiering, Abteilungsleiterin Ausbildung und Qualifizierung bei der GfB, „waren zudem die oft großfamiliären Strukturen und ein gut funktionierendes Informationssystem zwischen den Betroffenen. Außerdem konnten wir die Kontakte des gut ausgebauten Beratungsnetzwerks für EU-Neuzugewanderte und der Erwerbslosenberatungsstelle nutzen. Gleich zum Start des Modellprojekts haben wir mehrere hundert Flyer in Duisburg verteilt. Aufsuchende Sozialarbeit und Vertrauensarbeit indes blieben Dauer-Aufgabe im Projektverlauf.“ Oder, wie im Arbeitspapier zur G.I.B.-Untersuchung kurz und prägnant zu lesen ist: „Die Kombination von aufsuchender Arbeit und festen Anlaufstellen hat sich bewährt.“


Niedrigschwellige Begegnungsstätten

  • Ein wichtiger Akteur in den Modellprojekten waren die niedrigschwelligen Begegnungsstätten, die in sechs der sieben Pilotkommunen innerhalb der Projekte eingerichtet wurden. Sie dienten der Beratung und Begleitung der Zugewanderten, als Lotsen zu weitergehenden Unterstützungsleistungen und boten die Möglichkeit zur Herstellung sozialer Kontakte innerhalb der Zielgruppe.
  • Die Akzeptanz und Nutzung der Begegnungsstätten wird u. a. befördert durch gute zeitliche und räumliche Erreichbarkeit, eine Sozialraumorientierung und den Verzicht auf einen städtischen oder behördlichen Charakter, auch wenn diese von der Kommune oder dem Jobcenter betrieben wird.
  • Zu den zentralen Beratungsinhalten zählten insbesondere sozialrechtliche Fragen, die berufliche Entwicklung, die wirtschaftliche Situation sowie mit zunehmender Projektdauer häufiger auch arbeitsrechtliche Fragen. Neben den notwendigen Sprachkompetenzen für die Kommunikation benötigen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Begegnungsstätten das entsprechende Fachwissen und Beratungskompetenz.
  • Ansprache und Aufschließen sind aufgrund von Fluktuation in der Zielgruppe eine Daueraufgabe. Insgesamt sank der Stellenwert der aufsuchenden Arbeit im Zeitverlauf, da sich die „Komm-Strukturen“ der Begegnungsstätten und Beratungsangebote überall fest etabliert haben.

Frühzeitig entwickelten die Kooperationspartner der GfB, also das Kommunale Integrationszentrum, die VHS und die AWO-Integrations gGmbH, deshalb ein Konzept der niederschwelligen Begegnungsstätten gleich in mehreren Stadtteilen. Sie dienten, geleitet von mehrsprachigen Honorarkräften und begleitet von einer AWO-Integrationsfachkraft sowie den Jobcoachs der GfB, als Ort der Beratung, aber auch als Begegnungsstätte zum Austausch und zur Vernetzung sowie – nicht zuletzt – als Informationsplattform der Arbeitsmarktintegrationsmaßnahmen des Projekts. Tatsächlich, hat die Analyse der G.I.B. ergeben, „hatten die Begegnungsstätten oft einen entscheidenden Anteil beim Einstieg in legale Beschäftigungsverhältnisse bzw. bei deren Aufrechterhaltung.“

Doch auch wenn die Integration in den ersten Arbeitsmarkt oberstes Projektziel war –, schnell war klar, dass zunächst Vermittlungshemmnisse zu beseitigen sind. Davon gab es genug. Eines betraf die Sprache. Gleich nach einer Sprachstandsanalyse, die das heterogene Sprach- und Bildungsniveau offenbarte, nahmen die Zugewanderten entweder an Kursen für Neueinsteigende mit Alphabetisierungsanteilen oder für Personen mit fortgeschrittenen Deutschkenntnissen teil.

„Im Kontext der Sprachkompetenz“, heißt es dazu in der G.I.B.-Untersuchung, „ist insbesondere das Verstehen von Sicherheitsunterweisungen von großer Bedeutung. Bei Kontakten zu Arbeitgebern wird regelmäßig danach gefragt, ob diese von potenziellen Beschäftigten verstanden werden. Ist dies nicht der Fall, haben die zugewanderten Personen kaum eine Chance auf eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration.“

Um ihre Jobchancen zu erhöhen, wurde der Deutschunterricht deshalb sukzessive mit dem Erlernen der Berufssprache verzahnt. Martina Schwiering: „Bei jüngeren Teilnehmenden mit einem höheren Bildungshintergrund konnten wir zum Teil instrumentalisiertes Lernen wie etwa das Führen einer Arbeitsmappe oder das Vokabeltraining mit dem Smartphone praktizieren.“

Ein besonderes Problem ergab sich im Kursverlauf. „Weil Geldverdienen für die Teilnehmenden absoluten Vorrang gegenüber der Teilnahme am Projekt hatte“, so Martina Schwiering, „kam es zu Fehlzeiten, was wiederum zur Einschränkung der Lerneffekte führte.“ Die Projektverantwortlichen reagierten zügig, verlegten die Sprachkurse auf die Abendstunden. So konnten die zugewanderten Personen Erwerbstätigkeit und Sprachunterricht kombinieren.


Sprachkurse

  • Der Erwerb der deutschen Sprache stellt den ersten Schritt zur gesellschaftlichen Integration dar. Das Ziel der Sprachvermittlung besteht zumeist im Erreichen des A1-Niveaus; Jobcenter oder Kammern fordern hingegen ein B1-Niveau, das für den überwiegenden Teil der eher bildungsfernen Zielgruppe kurzfristig jedoch nicht erreichbar ist.
  • Instabile Lebensbedingungen erschweren eine kontinuierliche Teilnahme an den Sprachkursen. Die vordringliche Sicherstellung des Lebensunterhaltes führt häufig zu Abwesenheiten und schränkt den Lerneffekt ein.
  • Sprachkurse sind bedarfsorientiert zu gestalten, indem eine diskontinuierliche Teilnahme berücksichtigt und die Durchführung in Randzeiten gelegt werden, um eine Kombination von Erwerbstätigkeit und Sprachunterricht zu ermöglichen.
  • Sprachkurse haben eine aufschließende Funktion, wenn Teilnehmende durch die Sprachkurs-Teilnahme motiviert werden, weitere Integrationsmaßnahmen und reguläre Integrationskurse zu nutzen.

Intensives Coaching half ihnen zudem bei der Bewältigung wirtschaftlicher, finanzieller und rechtlicher Probleme. Wie umfassend das Coaching etwa bei wirtschaftlichen Fragen war, veranschaulicht Martina Schwiering: „Die meisten Projektteilnehmer bestritten ihren Lebensunterhalt durch den Bezug von Kindergeld und Gelegenheitsarbeiten, oft illegaler Beschäftigung. Fragen betrafen hier etwa die Beantragung von Kinder-, Eltern- und Wohngeld, aber auch die Begleichung von Forderungen, die aus Bußgeldern, KFZ-Versicherungen, Mobilfunkverträgen und Arztrechnungen resultierten.“

Erweitert wurde das ursprüngliche Coaching-Konzept im Projektverlauf um das Modul „Sexarbeiterinnen“. Aus gutem Grund: In Duisburg-Hochfeld befindet sich das bundesweit größte zusammenhängende Sexarbeits-Areal. Hier arbeiten täglich mehr als 500 Frauen, von denen die Hälfte aus Rumänien oder Bulgarien kommt. Um diese Zielgruppe in legale und sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zu überführen, richteten die Projektverantwortlichen vor Ort die Anlauf- und Beratungsstelle „Lily“ ein.

Einen besonders hohen Stellenwert hatte über den gesamten Projektzeitraum das Coaching zur beruflichen Entwicklung. Martina Schwiering: „Durch die zunehmende Verbesserung der Deutschkenntnisse verschob sich der Schwerpunkt in diesem Bereich auf die Suche nach geeigneten Arbeitsstellen, die Analyse von Stellenangeboten, die Erstellung von Bewerbungsunterlagen und die Kontaktaufnahme mit den Betrieben. Erläutert wurden in diesem Zusammenhang zugleich die Themen Arbeitssicherheit, Unfallschutz, Arbeitsverträge, Entlohnung und Sozialversicherungspflicht.“

Angepasste Kompetenzfeststellungsverfahren
 

An der bestehenden Arbeitsmotivation der Zugewanderten hat Integrationsfachmann Marijo Terzic keine Zweifel: „Ich habe noch die Aussage einer Mitarbeiterin der Arbeitsagentur im Ohr, die sagte: Ich habe hier 15 Zuwanderer aus Südosteuropa, die alle sagen: Gebt mir eine Schaufel, einen Besen, irgendetwas, Hauptsache, ich kann arbeiten.“ Tatsächlich hatten viele der bulgarischen Teilnehmenden in ihrer Heimat als Tagelöhner im Recyclingbereich gearbeitet und alle behaupteten, erzählt Martina Schwiering, etwas zu können. So auch ein Fliesenleger. „Im Test aber zeigte sich, dass keine Fuge so war, dass sie den hier geltenden Qualitätsansprüchen entsprach.“

Nur ein Einzelfall? Um herauszufinden, was die Teilnehmenden wirklich können, wo ihre Fertigkeiten und Neigungen, aber auch ihre Defizite und Entwicklungspotenziale liegen, kamen an die Zielgruppe angepasste Kompetenzfeststellungsverfahren zum Einsatz. „So kamen“, konkretisiert die Analyse der G.I.B., „beispielsweise Kombinationen aus textbasierten Verfahren, Intelligenztests und berufspraktischen Erprobungen zur Anwendung, oder es wurde völlig auf textbasierte Verfahren verzichtet und ausschließlich auf berufspraktische Erprobungen gesetzt.“

In Duisburg stand bei den projektbezogenen Arbeiten ein breites Spektrum an Berufsfeldern zur Auswahl: Holz, Metall, Küche, Lager/Logistik, Hauswirtschaft, Friseur/Kosmetik sowie die Nähwerkstatt. Die Teilnehmenden konnten sich für ein Gewerk entscheiden oder auch mehrere durchlaufen.

Ausgeprägtes handwerkliches Geschick und Kompetenzen sind bei den Zugewanderten in hohem Maße vorhanden, lautete das zentrale Ergebnis der Eignungsfeststellung. „Erfahrungen“, so Martina Schwiering, „bestanden vor allem im Umgang mit Handwerkzeugen, Defizite gab es in erheblichem Maß im Umgang mit maschinellen Werkzeugen, Messwerkzeugen, dem Lesen von einfachen technischen Zeichnungen und den dazugehörigen Rechenschritten.“

Bei den Kompetenzfeststellungsverfahren wie auch bei den sie begleitenden Qualifizierungen ging es im Berufsfeld Metall zum Beispiel – immer unter den kritischen Augen der Anleitenden – um die Anfertigung einer Gitterwand mit Schiebetür, eines Grills aus Stahlblech oder eines Gefährts für das WIG-Schweißgerät. Grundlegende Kenntnisse erwarben die Teilnehmenden zudem hinsichtlich der manuellen Bearbeitung von Stahl, Aluminium und Messing, des thermischen Trennens sowie der Schweiß- und Dübeltechnik und des Lesens technischer Zeichnungen.

Vor allem das Berufsfeld Lager/Logistik versprach ihnen realistische Chancen bei der Arbeitsmarktintegration. Einsatzort der Beschäftigung war das Zentrallager der GfB in Duisburg-Hochfeld. Martina Schwiering: „Die Aufgaben hier bestanden unter anderem in der Lagerung und Ausgabe von Materialien und Werkzeugen, der Bestandsführung durch EDV-Programme, der Kontrolle des Wareneinganges und Mindestlagerbestands oder der Instandhaltung der Werkzeuge und Maschinen.“

Als attraktiv vor allem für Frauen erwies sich das Berufsfeld „Friseur/Kosmetik“. Neben der Vermittlung von Fachwissen über Haarschneide- und Föhntechniken standen hier Maniküre und Schminktechniken auf dem Programm. Wie nah sich die Qualifizierungen am realen Arbeitsmarkt orientierten, zeigt dies: Teilnehmende mussten sich – unverzichtbarer Kompetenzbestandteil für jede Friseurin bzw. jeden Friseur auf dem hiesigen Arbeitsmarkt – im Small Talk mit Kundinnen und Kunden üben, so wie grundsätzlich Gewerke übergreifend die Schulungen dazu genutzt wurden, auch soziale Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen wie Eigenmotivation oder betriebliche Teamarbeit zu trainieren.

Zum Abschluss ihrer Tätigkeiten in den Werkstätten erhielten alle Teilnehmenden einen Nachweis über die von ihnen unter Beweis gestellten Fähigkeiten und Kompetenzen. Das galt auch für ihre Teilnahme am Deutschkurs oder etwa für den Erwerb eines Staplerscheins. „Die Bilanzierung und Dokumentation der Kompetenzfeststellung in Form eines Zertifikats“, unterstreicht die Evaluation der G.I.B., „erhöht ihre individuellen Chancen auf eine Arbeitsmarktintegration. Aber auch für die Einzelnen selbst hat so ein Zertifikat große Bedeutung, denn für viele von ihnen ist es das erste Bildungsdokument, das sie besitzen.“

Integration in den ersten Arbeitsmarkt
 

Schon früh, gleich nach den ersten Ergebnissen der Kompetenzfeststellung, oft auch schon parallel dazu, begann die Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz. Unumgänglich war hier die direkte, persönliche Ansprache der Unternehmen. Martina Schwiering: „Nur so konnten wir bestehende Vorurteile gegenüber Zugewanderten aus Südosteuropa abbauen.“ Eine Einschätzung, die im Rahmen der G.I.B.-Untersuchung bestätigt und zugleich ergänzt wird: „In Bezug auf die Einbindung von Unternehmen hat die Untersuchung ergeben, dass diese gelingt, wenn die Unternehmen einen Mehrwert bei der Mitarbeitergewinnung realisieren können. Eine Voraussetzung dazu ist die Öffnung gegenüber der Zielgruppe und ein gewisses Maß an sozialem Engagement vonseiten der Unternehmen. So konnten zum Teil enge Kooperationen zu Unternehmen, Zeitarbeitsfirmen oder zu städtischen Betrieben aufgebaut werden.“

Auf wochenlange Praktika vor der Einstellung ließ sich die GfB indes nicht ein. Martina Schwiering: „Ein, zwei Tage zum Kennenlernen, mehr nicht. Wir mussten ja auch aufpassen, dass die zugewanderten Menschen nicht als billige oder gar kostenlose Arbeitskräfte ausgenutzt werden.“ Einen Job gefunden haben die Teilnehmenden vor allem im Reinigungsgewerbe und im Bereich Lager/Logistik, aber auch in der Baubranche, der Metallindustrie oder im Friseurhandwerk.

Keineswegs nur gemeinnützige Unternehmen, zeigen die Ergebnisse, sind bereit, Zuwanderinnen und Zuwanderer einzustellen. Ebenfalls positiv zu bemerken: In nahezu allen Fällen handelt es sich um sozialversicherungspflichtige Jobs, allerdings ausnahmslos im Helferbereich. Doch angesichts der schulischen und beruflichen Vorbildung der Teilnehmenden, des immer noch schwierigen Arbeitsmarkts in Duisburg und der geringen Zahl an Einfacharbeitsplätzen ist auch das ein großer Erfolg, ein Erfolg, der nicht zuletzt auf die Leistungsbereitschaft der Zugewanderten zurückzuführen ist. Martina Schwiering: „Sie sind bereit, auch etwa in der Fleischfabrik oder als Hochofenreiniger mit Strahlgerät zu arbeiten – Arbeitsplätze, die sonst oft nur schwer zu besetzen sind.“

Um die Beschäftigungsverhältnisse nachhaltig zu sichern, hält die GfB auch nach der Arbeitsaufnahme noch Kontakt zu den einstellenden Betrieben: „Wir sind und bleiben Ansprechpartner für die Unternehmen wie auch für die dort Beschäftigten.“ Die gute Lobbyarbeit der GfB zahlt sich aus. Martina Schwiering: „Mittlerweile kommen die Arbeitgeber auch von sich aus auf uns zu und fragen. Habt ihr nicht noch einen für uns? Vor allem bei denen, die positive Erfahrungen gemacht haben, steigt die Bereitschaft auch noch einen zweiten Zuwanderer aus Rumänien oder Bulgarien einzustellen. Heute haben wir einen festen Bestand an Unternehmen, die aufgrund der guten Zusammenarbeit ihr Personal regelmäßig nur aus unserem Bewerberkreis rekrutieren.“


Arbeitsmarktintegration

  • Die Zielgruppe zeichnet sich durch hohe Eigenmotivation zur Beschäftigungsaufnahme und bereits vorhandene Arbeitserfahrung aus. Gleichzeitig weist sie erhebliche Hemmnisse für die Erwerbsintegration auf.
  • Der Bereich „Arbeit“ stellt das größte Problem im Leben der Ratsuchenden dar, gefolgt von den Bereichen Sprache und Wohnen. Anteilig seltener werden die Gesundheit oder die Familie, der Aufenthaltsstatus als das größte Problem betrachtet.
  • Die Jobcenter und Unternehmen haben eine strategische Bedeutung als Kooperationspartner:
  • Jobcenter können einerseits zur Professionalisierung des Netzwerkes beitragen und – im Falle des SGB II-Bezugs – vielfältige Unterstützungsleistungen erbringen. Die Einbindung der Jobcenter fällt in jenen Kommunen leichter, die das SGB II in kommunaler Trägerschaft umsetzen.
  • Unternehmen dienen der Arbeitserprobung und als Beschäftigungseinstieg. Die Einbindung von Unternehmen gelingt, wenn diese einen Mehrwert bei der Mitarbeitergewinnung realisieren können; Voraussetzung ist eine Öffnung gegenüber der Zielgruppe und ein gewisses Maß an sozialem Engagement.
  • Eine hohe Bedeutung für eine dauerhafte Erwerbsintegration hat die Nachbetreuung der Zugewanderten nach erfolgreicher Beschäftigungsaufnahme.

Übergang in das Landesprogramm „Starke Quartiere – starke Menschen“
 

Seit einem Jahr fließen in Duisburg die im Modellprojekt gewonnenen Erkenntnisse, Erfahrungen und neu entstandenen Strukturen unter dem Projekttitel „Bildung Arbeit Leben in Duisburg“ in das Landesprogramm „Starke Quartiere – starke Menschen“, also in einen größeren Zusammenhang ein. Schwerpunkt hier ist die präventive und nachhaltige Entwicklung von Stadtquartieren und Ortsteilen sowie die Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung.

Verwertbar sind hier etwa Erkenntnisse wie die unverzichtbare Anpassung der Kompetenzverfahren an die besonderen Bedingungen der Zielgruppe, die Kombination von Allgemein- und Berufssprache in den Kursen, die intensivierte Lobbyarbeit für sie in den Betrieben, die unternehmensorientierte Teilqualifizierung mit direkt verwertbarer Arbeitsmarktrelevanz sowie die Begleitung der Menschen in den Einarbeitungsphasen zur Sicherung einer nachhaltigen Beschäftigung. Darüber hinaus, hat die Untersuchung der G.I.B. gezeigt, „verringerten sich Ausbeutungsstrukturen wie etwa dubiose Arbeitgeber oder Vermieter oder auch unseriöse Dolmetscherinnen bzw. Dolmetscher, die illegale oder überteuerte Leistungen anbieten, was auf den höheren Informationsstand der Zielgruppe zurückgeführt und entsprechend als Erfolg gewertet wurde.“

Ein wichtiges Ergebnis der G.I.B.-Evaluation ist auch dies: „Ein ganz grundlegender Erfolg der Pilotprojekte liegt in dem Beitrag zur Wahrung des sozialen Friedens in den Stadtgesellschaften vor Ort.“ Wichtig auch deshalb, weil sich zwar in Duisburg momentan die Gesamtzahl der aus Südosteuropa eingewanderten Menschen auf hohem Niveau stabilisiert hat, doch die Begrenzung lediglich aus der Fluktuation resultiert. Die Zuwanderung von Menschen, für die Angebote von Jobcenter und Arbeitsagentur nicht greifen, hält unvermindert an. Monat für Monat kommen auch heute noch rund 300, in Spitzenzeiten 500 Menschen aus den genannten Ländern in die Ruhrgebietsstadt. Das wiederum heißt: Für die jeweils aktuell einwandernden Menschen beginnen die kommunalen Integrationsbemühungen immer wieder bei null, während die Integration der schon vor Jahren zugewanderten Menschen vorangeschritten, aber längst nicht abgeschlossen ist.

Nur ein Beispiel: Tausende der Zuwanderinnen und Zuwanderer sind auch heute noch ohne gültige Krankenversicherung. Dass mittlerweile 25 Prozent der rumänischen und 42 Prozent der bulgarischen Zugewanderten im SGB II-Bezug sind, bewertet Marijo Terzic vom Kommunalen Integrationszentrum der Stadt vor diesem Hintergrund ambivalent: „Einerseits ist es erfreulich, weil die Menschen so zumindest gesetzlich krankenversichert sind, andererseits ist es eine enorme fiskalische Belastung für die Kommune, die einen gewichtigen Anteil der Kosten für Unterkunft tragen muss.“

Vor diesem Hintergrund gewinnt eine weitere Erkenntnis aus dem Modellprojekt an Gewicht. Marijo Terzic: „So sehr wir uns als Kommune auch bemühen, es wird immer Menschen geben, die wir nicht in den Arbeitsmarkt integrieren können. Ihnen müssen wir offen und mit der nötigen Sensibilität sagen, dass sie hier kaum eine Chance auf Integration in den Arbeitsmarkt haben. Diese Gespräche führen wir bereits und wollen sie weiter intensivieren. Doch dazu brauchen wir viel mehr Unterstützung seitens des Bundes und der EU.“

Stadt Wuppertal: Systematische Integration
 

Auch die Stadt Wuppertal verzeichnet seit Jahren einen erheblichen Zuzug von Menschen aus Bulgarien und Rumänien, Menschen, so Marius Kamrowski, Fachreferent für sprachliche und berufliche Integration im Zentrum für Integration, Bildung und kulturelle Vielfalt des Ressorts Zuwanderung und Integration der Stadtverwaltung Wuppertal, „von denen viele eine gute berufliche Vorbildung vorweisen konnten, andere jedoch in ihren Herkunftsländern kaum Zugang zu Bildung und Arbeit hatten und somit keine oder nur eine sehr geringe berufliche Qualifizierung mitbringen.“

Der überwiegende Teil von ihnen wohnt in Wuppertal auf der Talschiene oder am Stadtrand, in Quartieren, die bereits zuvor sozial stark belastet waren und hohe Migrationsquoten aufwiesen. Aktenkundige Fälle vollständiger Mittellosigkeit, desolater Wohnverhältnisse, Zwangspros­titution sowie ausbeuterischer Arbeitsverhältnisse ließen auf ein weit größeres Ausmaß an prekären Lebensverhältnissen schließen als bekannt. „Mit den vorhandenen lokalen Ressourcen“, blickt Marius Kamrowski zurück, „konnten wir nur auf akute Einzelfälle reagieren.“ Um das Problem systematisch und umfassend anzugehen, beteiligte sich die Stadt am landesgeförderten Modellprojekt, hier unter dem Titel „Acasa-Dom“, das rumänische und bulgarische Wort für „Zuhause“.

Aufsuchende Sozialarbeit in enger Kooperation mit verschiedenen Integrations- und Fachdiensten sowie mit den sozialen Einrichtungen der Wohlfahrtspflege, sagt Marius Kamrowski, stand am Anfang des Projekts. Sie war erforderlich, weil es für Zuwanderinnen und Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien, anders als etwa für die aus Polen, Griechenland oder Spanien, keine Migrantenorganisationen und organisierte Gemeinden aus ihren Herkunftsgebieten gab. Die Einrichtung einer Anlaufstelle in Wuppertal-Oberbarmen, gut zu erreichen mit Bus oder Schwebebahn und von außen leicht erkennbar an den Plakaten in bulgarischer und rumänischer Sprache, konnte den Mangel kompensieren. Hier fanden Zugewanderte aus Südosteuropa fortan Ansprechpersonen und Beratung in einer behördlich unabhängigen, vertrauensvollen Atmosphäre. Dass die Begegnungsstätten keinen städtischen oder behördlichen Charakter aufweisen, ist nach Erkenntnissen der G.I.B. „von grundlegender Bedeutung, da große Vorbehalte gegenüber Ämtern oder kommunalen Einrichtungen charakteristisch für die Zielgruppe sind.“

Kurs „ABC der Arbeitswelt in Deutschland“
 

Schon bald starteten für die neu Zugewanderten – ausnahmslos alle ohne Ansprüche auf Regelleistungen nach dem SGB II – zwei Sprachkurse an der Bergischen Volkshochschule, differenziert nach Leis­tungsfähigkeit. Parallel dazu erhielten die Arbeitsuchenden unter ihnen sowie in der Zwischenzeit neu Zugewanderte in zweitägigen, vom Qualifizierungsträger der gemeinnützigen Gesellschaft für Entsorgung, Sanierung und Ausbildung mbH (Gesa gGmbH) durchgeführten Kursen Erstinformationen über den deutschen Arbeitsmarkt, den hohen Stellenwert von Berufsausbildung und beruflichen Kompetenzen in Deutschland sowie über das Sozialversicherungssystem, aber auch – unter der Rubrik „Wege in Arbeit“ – praktische Hinweise, wie die Stellensuche in Deutschland funktioniert. Die im Kurs tätigen Dozentinnen, zwei Muttersprachlerinnen, waren zuvor inhaltlich und methodisch auf die zu vermittelnden Fachinhalte vorbereitet worden, entwickelten auf die Zielgruppe angepasste Präsentationen, Fallbeispiele und Handouts.


Kompetenzfeststellungen

  • Alle Modellprojekte entwickelten Verfahren zur Kompetenzfeststellung mit dem Ziel, Fähigkeiten, Defizite und Entwicklungspotenziale der Zugewanderten herauszuarbeiten, um Unterstützungsleistungen und geeignete Qualifizierungsmaßnahmen festzustellen und einzuleiten.
  • Die Kompetenzfeststellungen sollten unabhängig vom Sprachniveau und von der Arbeitsmarktnähe der jeweiligen Personen durchgeführt werden können. Bei Sprachbarrieren können muttersprachliche Kräfte oder Dolmetscher Unterstützung leisten. Außerdem sollten Kompetenzfeststellungen möglichst individuell ausgerichtet und am jeweiligen Teilnehmenden orientiert durchgeführt werden.
  • Bewährt haben sich Kompetenzfeststellungsverfahren, die Elemente wie das Probearbeiten in verschiedenen Gewerken, das Auswerten von Zeugnissen aus den Herkunftsländern sowie das Erstellen von Anamnesebögen enthalten.
  • Kompetenzfeststellungen bringen häufig positive individuelle Fertigkeiten hervor und zeigen zuvor nicht ermittelte Kompetenzen der Teilnehmenden. Defizite liegen – neben der Sprachkompetenz – vielfach in fehlenden Maschinenkenntnissen.
  • Die weitere Integrationsplanung nach erfolgter Kompetenzfeststellung motiviert die Teilnehmenden und erleichtert den Anschluss an weitergehende Unterstützungsangebote.
  • Zertifikate zum Ergebnis motivieren zu Teilnahme und Abschluss der Kompetenzfeststellung und erhöhen die individuellen Chancen auf eine Arbeitsmarktintegration.

Mit auf dem Programm stand das individuelle Bewerbungscoaching, in dessen Verlauf Fragen zu Arbeitsmarkt und Stellensuche vertieft wurden, ergänzt um eine Bestandsaufnahme der Fähigkeiten, Kenntnisse und Interessen sowie um die Entwicklung beruflicher Ziele und Perspektiven. Bestandteil des Prozedere war auch die Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche: „Was will der Arbeitgeber von mir wissen – was will ich vom Arbeitgeber wissen?“ Weil sich bei der Verarbeitung komplexer inhaltlicher Bausteine erhebliche sprachliche Probleme ergaben, konzipierten die Projektverantwortlichen ein besonderes Informationsseminar in der jeweiligen Muttersprache der Zugewanderten. Das zeigt nach Ansicht von Sozialarbeiterin Andrea Voss, „dass Katalogmaßnahmen für diese Zielgruppe nicht geeignet sind. Wir mussten unsere Ausgangskonzepte in der Praxis immer wieder modifizieren.“
Bestandteil des individuellen Bewerbungscoachings war auch ein Termin bei einem Fotografen zur Erstellung professioneller Bewerbungsfotos. Anschließend wurden die Bewerbungsunterlagen inklusive Lebenslauf und Musterschreiben für den angestrebten Berufsbereich erstellt und durch etwaig vorhandene Zeugnisse ergänzt. Zudem erhielten die Teilnehmenden eine Bewerbungsmappe und einen USB-Stick, auf dem Bewerbungsunterlagen und Foto gespeichert sind.

Auch wenn manche der zugewanderten Personen nur über eine geringe schulische oder berufliche Qualifikation verfügten – eine Tierärztin, eine Chemiefacharbeiterin und eine Grundschullehrerin waren ebenfalls vertreten. Auch für sie entwickelte die Gesa gGmbH einen individuellen Förderplan – in allen Fällen mit beruflichem Erfolg.

Eignungsfeststellung, Qualifizierung, Arbeitsmarktintegration
 

Über zwei Wochen erfolgte zudem, begleitet von Dolmetschern, die Feststellung berufspraktischer Kompetenzen im Bau- und Elektrobereich. Das vorherige Aufnahmegespräch zur Einschätzung der handwerklichen Kompetenzen fand im Beisein eines Handwerksmeisters und einer Sozialpädagogin statt. Auch die Maßnahme selbst wurde von Handwerksmeistern aus dem Bau- bzw. dem Elektrobereich durchgeführt. Unmittelbar nach ihren praktischen Übungen wie etwa dem Einbau eines Fensters oder der Verkabelung der Elektrik bekamen die Teilnehmenden fachkundige Rückmeldung zu ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten. Zum Abschluss der Maßnahme erhielten sie eine Bescheinigung sowohl über die durchgeführten Arbeiten wie auch eine Einschätzung der beiden Handwerksmeister zu ihrem berufs­praktischen Know-how.

Sozialarbeiter Orhan Jasarovski: „Im Baubereich zeigte sich, dass fast alle Teilnehmenden gute handwerkliche Voraussetzungen mitbrachten, die eine Integration in Arbeit ermöglichen. Tatsächlich konnten wir gleich im Anschluss an die Maßnahme erste Arbeitsaufnahmen realisieren. Als besonders hilfreich hatten sich dabei die ausgestellten Fähigkeitsnachweise mit der konkreten Beschreibung berufspraktischer Kompetenzen erwiesen.“
 
Weniger unproblematisch ist das Fazit im Elektrohandwerk. Orhan Jasarovski: „Offen gesagt, reichten hier Fachkenntnisse und Sprachfähigkeiten nicht aus, um in diesem Arbeitsmarktsektor eine Beschäftigung aufzunehmen. Da aber handwerkliche Fähigkeiten durchaus vorhanden waren, fanden einige der Teilnehmenden immerhin Arbeit im Helferbereich.“
 
Zweiwöchige Eignungsfeststellungen fanden darüber hinaus im Bereich „Hauswirtschaft“ statt, in Hotels sowie im Café „Rat und Tat“. Hier konnten die Teilnehmenden anhand praktischer Übungen in den Bereichen Küche, Reinigung und Wäschepflege ihre Kenntnisse und Fertigkeiten erproben, unmittelbar darauf fachlich bewertet von einer Hauswirtschaftsmeisterin. Auch hier erhielten die Teilnehmenden, vornehmlich Frauen, nach Abschluss der Maßnahme eine Bescheinigung über die durchgeführten Arbeiten sowie über die Einschätzung ihrer berufs­praktischen Kenntnisse. Eine von ihnen wechselte unmittelbar im Anschluss in einen sozialversicherungspflichtigen Job bei einer kommunalen Kantine.
Gleich mehrere Zugewanderte nahmen an Lehrgängen für den Erwerb eines Gabelstaplerscheins oder eines Schweißerscheins teil, durchgeführt von Fachleuten der DEKRA Akademie. Während Teilnehmende bei der Prüfung für den Gabelstaplerführerschein aufgrund des Mangels an sprachlichen Kompetenzen noch einen weiteren Theorie-Tag unter Beteiligung einer Dolmetscherin absolvieren mussten und sich dann einer erneuten Prüfung stellten, waren Teilnehmende der Schweißer-Prüfung gleich im ersten Durchgang erfolgreich. Orhan Jasarovski: „Sie konnten wir direkt in einen sozialversicherungspflichtigen Job vermitteln.“

Präventive und nachhaltige Entwicklung von Ortsteilen und Stadtquartieren
 

Aus „Acasa-Dom“ ist mittlerweile „Zuhause in Oberbarmen“ geworden, ein Projektverbund aus dem Ressort Zuwanderung und Integration der Stadt Wuppertal als Projektträger, dem Jobcenter, der Gesa gGmbH, der Bergischen Volkshochschule und der Sozialtherapeutischen Kinder- und Jugendarbeit (SKJ e. V.). Das neue, im Kontext des Landesprogramms „Starke Quartiere – Starke Menschen“ geförderte Projekt erweitert sein Angebot auf alle Zugewanderten aus der EU in prekären Lebenslagen.

Gleiches gilt für die Öffnung der im Modellprojekt geschaffenen Anlaufstelle, in der zurzeit die Gründung eines Roma-Vereins Gesprächsthema ist, zu einer Kultur-, Bildungs- und Begegnungsstätte für Zugewanderte aller ethnischen Communitys. Weitere Konsequenzen aus den Erfahrungen des Modellprojekts hier nur summarisch: Der Aufbau eines Pools an Firmen, die bereit sind, Zuwanderinnen und Zuwanderer aus Südosteuropa einzustellen, Absprachen mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zur Anerkennung auch von Integrationskursen mit reduzierter Stundenzahl, damit eine größere Gruppe von Zugewanderten nach den Sprachkursen in das Regelangebot wechseln kann, sodass Förderketten entstehen, sowie, besonders wichtig, die Einbindung eines Mitarbeiters aus dem örtlichen Jobcenter in das neue Integrationskonzept, dessen Spezialwissen über den Arbeitsmarkt und das SGB II präventiv dazu beitragen soll, Abhängigkeit von Transferleistungen gar nicht erst entstehen zu lassen.
 
Im Arbeitspapier zur G.I.B.-Studie ist nachzulesen, wie es den Modellprojekten gelungen ist, erfolgreich Unterstützungs­angebote für eine neue Gruppe von Zugewanderten zu entwickeln, um deren lebensweltlichen Problemlagen zu lindern und einen Teil der Menschen an den Arbeitsmarkt heranzuführen oder in Beschäftigung zu bringen. Die Beispiele aus Duisburg und Wuppertal zeigen darüber hinaus, dass die geschaffenen Kooperationsstrukturen und Instrumente sowie die gesammelten Erfahrungen mit der Personengruppe in die lokalen Strukturen überführt wurden und somit auch über die Modellphase hinaus Zugewanderten zugutekommen.

Ansprechpersonen in der G.I.B.

Jan Amonn
Tel.: 02041 767-162
j.amonn@gib.nrw.de

Ulla Böcker
Tel.: 02041 767-203
u.boecker@gib.nrw.de

Katharina Czudaj
Tel.: 02041 767-160
k.czudaj@gib.nrw.de

Helmut Kleinen
Tel.: 02041 767-208
h.kleinen@gib.nrw.de

Dr. Georg Worthmann
Tel.: 02041 767-246
g.worthmann@gib.nrw.de

Kontakt

Gemeinnützige Gesellschaft für
Beschäftigungsförderung mbH Duisburg (GfB)
Martina Schwiering
Tel.: 0203 54424-173
mschwiering@gfb-duisburg.de
www.gfb-duisburg.de

Stadt Wuppertal
Ressort Zuwanderung und Integration
Marius Kamrowski
Tel.: 0202 5632115
Marius.Kamrowski@stadt.wuppertal.de

Autor

Paul Pantel
Tel.: 02324 239466
paul.pantel@arcor.de
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