Wir haben deshalb Anja Kettner vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAT) und Dr. Vera Erdmann vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln zum Lohnhallengespräch eingeladen. Mit ihren Untersuchungen zum „gesamtwirtschaftlichen Stellenangebot“ bzw. ihrem „Ingenieurmonitor“ tragen sie zur Aufklärung ebenso bei wie unser Kollege Andreas Mertens mit seinen empirischen Befunden. Wir haben alle drei Vorträge sowie die anschließende Diskussion in diesem Heft für Sie dokumentiert.
Mit der im Koalitionsvertrag angekündigten Initiative zur Fachkräftesicherung will das Land die Unternehmen nicht aus ihrer Eigenverantwortung entlassen. Sie müssen stärker als bisher selbst aktiv werden, um neue Fachkräfte zu finden, eigene Leute weiter zu bilden, aber auch vorhandene Fachkräfte mittels attraktiver Bedingungen an ihren Betrieb zu binden.
Erfolgreich bei der Fachkräftesicherung sind etwa unternehmerische Strategien, die die familiären Verhältnisse von Beschäftigten sowie potenzieller Bewerberinnen und Bewerber berücksichtigen. Das belegen das Projekt „Familienbewusste Unternehmen in Hamm“ sowie Studien von Prognos und von „Familienbewusste Personalpolitik“, einer wissenschaftlichen Einrichtung der Universität Münster und der Steinbeis-Hochschule Berlin. Über das große Beschäftigungs- und Fachkräftepotenzial (noch) nicht erwerbstätiger Frauen sprachen wir mit Professor Jutta Allmendinger vom Wissenschaftszentrum Berlin.
Orientiert am wachsenden Fachkräftebedarf der Zukunft, zugleich aber auch ausgerichtet am individuellen Bedarf benachteiligter Jugendlicher ist die Neuausrichtung des Übergangsmanagements in Nordrhein-Westfalen. Das Angebot an Unterstützungsleistungen beim Übergang von der Schule in den Beruf gewinnt so klare Konturen. Individuelle Förderung, Nähe zum ersten Arbeitsmarkt und kommunale Steuerung sind die zentralen Charakteristika des neu gestalteten Systems. Wir haben darüber mit Roland Matzdorf gesprochen, dem neuen Leiter der Abteilung Arbeit im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW.
Um Integration in den Arbeitsmarkt ging es auch bei unserem Workshop „Neue Wege der Ansprache und Aktivierung zur Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Migrationshintergrund“. Wir stellen das Beispiel Duisburg vor, das eindrucksvoll zeigt, was auf kommunaler Ebene in puncto Integration alles möglich ist. Wie die Landesförderung der Erwerbslosenberatungsstellen und Arbeitslosenzentren umgesetzt wird, diskutieren wir in einer Gesprächsrunde mit Trägern, der Arbeitsverwaltung und den Regionalagenturen.
Das alles in dieser Ausgabe. Weitere Themen: Die „vermittlungsorientierte Arbeitnehmerüberlassung“ der PEAG Personal GmbH in Dortmund sowie ein Bericht über den arbeitspolitischen Anspruch des Instruments Potentialberatung und zur betrieblichen Beratungspraxis am Beispiel des Düsseldorfer Unternehmens „das gewand“.
Zum Schluss noch ein Hinweis auf den Beitrag zu den Arbeitsbedingungen in der beruflichen Fort- und Weiterbildung. Damit greifen wir das Thema „prekäre Beschäftigung“ noch einmal auf, das auch Gegenstand in dem wochenlangen Ringen um die SGB II-Reform gewesen ist. Zukünftig sollen neben Leiharbeitnehmerinnen und -arbeitnehmern und dem Sicherheitsgewerbe auch Beschäftigte in der Weiterbildung verbindliche Mindestlöhne erhalten. Gut so, war aber auch allerhöchste Eisenbahn!
Viel Spaß beim Lesen wünscht wieder
Bernward Brink
Geschäftsführer der G.I.B.
